Fundstücke 55: Danke für den Hinweis

Hier möchte ich den fleißigen Bodenbeschriftern aus Wismar einmal für diesen nützlichen Hinweis bedanken – nicht auszudenken, wenn ich das auf meinem Fahrradl nicht bemerkt hätte!

Wismar – schön ist zu wenig

Aus einer Laune heraus entschloss ich mich nach meinem verkränkelten Ostsee-Urlaub im Herbst, einige Wochen später nochmal loszujuckeln, und zwar nach Wismar. Natürlich ist der Januar nicht der ideale Reisemonat, aber ich wollte einfach ein paar Tage meine Ruhe haben und entspannen – ohne Rotznase und Husten.

Das Wetter war während der ganzen Woche winterlich grau, doch gerade am Sonntag spendierte der Januar einige kurze Sonnenstunden. Die nutzte ich zu einem Ausflug an den alten Hafen.

Ich gönnte mir eine Hafenrundfahrt, bei der man mit dem Ticket gleich einen Glühwein miterwarb, und schlürfte sogar noch einen zweiten. Denn kalt war es an diesem klaren Sonntag – wie gut, dass ich meine Pudelmütze dabei hatte.

Auch am nächsten Tag war noch Mützenwetter und ich nutzte die leidlich hellen Stunden dafür, die kleine Stadt zu erkunden. Wismar ist Unesco Weltkulturerbe – warum, sieht man sofort, wenn man sich der Innenstadt nähert. Altes Gemäuer an jeder Ecke, größtenteils sehr gut erhalten.

Die vielen alten Häuschen ließen mich immer wieder von meinem Fahrrad steigen, damit ich in Ruhe gucken konnte – den nächsten Tag bin ich gleich zu Fuß gegangen. Der alte Markt und die vielen kleinen Seitenstraßen, all das ist wirklich schön.

Auch in einige Kirchen hat es mich verschlagen. In einer gibt es ein interessantes Konzept: Hinten gibt es eine Sitzecke, in der man Tee trinken kann – gegen eine moderate Spende. Auch einen Platz, an dem kleine Kinder spielen können, gibt es hier. Dem Anschein nach kommen hier Menschen ganz informell zu einem Schwatz zusammen, trinken einen Tee und gehen wieder. Für mich ist das eine gute Idee, um Menschen an die Kirche zu binden – zumindest besser, als manch andere Idee, von der man schon hörte.Wismar, am Markt

Auch das kleine Museum sah ich mir an. Es befindet sich ebenfalls in einem dieser alten Häuser und es wird gut erklärt, wie diese kleinen Häuschen früher bewohnt wurden. Denn hier wurde nicht nur gelebt, sondern auch gearbeitet und gelagert – schließlich wurden über die Hanse große Mengen an Waren umgeschlagen.

Und immer wieder kam man zurück an den Marktplatz – ob man wollte oder nicht. Denn interessanterweise war Google Maps mit dem Wismarer Markt irgendwie überfordert – selbst, wenn man mitten aus dem Platz stand, sagte die Navigationshelferin noch: „Gehen Sie Richtung Markt“. Mein kleiner Faltplan, den man mir im Hotel ausgehändigt hatte, wurde also durchaus benutzt.

Und auch zu tun gibt es noch allerhand in Wismar: Zwar ist ein großer Teil der Innenstadt super in Schuss, doch hier und da findet man auch renovierungsbedürftige Fassaden. Fast schon beruhigend – Perfektion schadet in meinen Augen eher, als das es etwas nützt.

Gegen Abend konnte ich über einen kleinen Schleichweg zu meinem Hotel zurückgehen. Von dort hatte man einen schönen Blick auf die Altstadt, und zwar über die „Kultweide“, wenn ich den Stadtplan richtig verstanden habe.

Fazit: Da auch mein Wellness-Hotel an der Therme mir ausgesprochen gut gefallen hat, war dies nicht mein letzter Aufenthalt in Wismar. Es ist einfach schön da – sogar im Winter.

Fundstücke 54: Jedem seine Straße

Straßennamen sind oft nicht besonders spannend: Goethe, Bach, Wagner oder Schiller – verdiente Menschen bekommen eine Straße. Rosen, Tulpen, Nelken auch, ebenso wie Lerchen, Amseln und Meisen. Ich wuchs im Pantinenweg auf, das ist nicht so häufig. Richtig schöne Straßennamen begegneten mir aber in Wismar: Hier bekommt scheinbar jedes Mitglied der Gesellschaft seine Straße, auch wenn es sich nicht so besonderer Beliebtheit erfreut. Los ging es mit der

Das kann man verstehen, schließlich kann so einen Sarg früher oder später jeder gebrauchen und dieses Handwerk ist gewiss genau so ehrenwert wie der Maurer, der Schmied oder der Melker. In sofern haben die Sargmacher ihre Straße ganz bestimmt verdient.

Deutlich fraglicher finde ich diese Straßenbenamung:

Nun gibt es in einer handelsüblichen Stadt wahrscheinlich mehr Diebe als Sargmacher oder gar Herzchirurgen oder Heilerziehungspfleger, trotzdem finde ich es grenzwertig, diese Berufsgruppe mit einer eigenen Straße zu ehren. Eigentlich sollte das nicht mal eine Gasse geben.

Und dieses hier hielt ich schlicht für einen Scherz, aber es ist wohl ernst gemeint:

Zugegeben, diese kleine Straße ist kein Pracht-Boulevard und auch keine belebte Hauptstraße, aber es gibt oder gab sie wirklich. Über ihre ursprüngliche Bedeutung gibt es diverse Theorien. Sicher ist nur, dass hiermit keine perversen Lüstlinge geehrt werden sollten. Und heutzutage scheint sich der eine oder andere Wismarer mit dem Namen ein wenig schwer zu tun.

 

Nachbemerkung: Eine „Krachmacherstraße“ habe ich leider noch nicht gefunden.