Komische Gewohnheiten – über den Windelinhalt referieren

Vorbemerkung: Dieses Thema ist vielleicht nicht für jedermann geeignet. Sensible Geister sollten auf die Lektüre verzichten und sich vornehmeren Dingen zuwenden – zum Beispiel dem Studium einer Strickanleitung oder der Buddenbrooks. Robustere Naturen hingegen erkennen vielleicht ihre Nachbar in diesem Beitrag – oder sich selbst.

Komische Gewohnheiten – über den Windelinhalt referieren

Wenn Paare Kinder bekommen, verändern sie sich natürlich nach und nach. Sie werden häuslicher, bauen ein Nest, entdecken ihre fürsorgliche Seite. Gesprächsthemen ändern sich, das ist ganz natürlich. Als Freundin kann man das in der Regel ganz gut aushalten, schließlich ist es klar, dass die Interessenlage junger Eltern sich um andere Dinge dreht als bei Menschen ohne kleine Kinder. Doch früher oder später tun sie alle etwas, von dem sie geschworen haben, dass sie es NIEMALS tun würden: Weil es nämlich trivial ist, eklig und furchtbar für alle, die nicht unmittelbar daran beteiligt sind. Und doch, trotz all ihren früheren Beteuerungen, tun sie es irgendwann alle: Sie berichten über den Inhalt der Windel.

Als unbeteiligter und noch dazu kinderloser Gast fühlt man sich immer ein wenig merkwürdig, wenn man gemütlich mit einer Freundin beim Tee sitzt, über das Kind, Gott und die Welt schwätzt und plötzlich die Tür aufgerissen wird und ein stolzer Jungvater über die neuesten Abenteuer beim Windeln wechseln berichtet. Natürlich steigt die Jungmutter darauf gleich ein: „Hat sie was gemacht, wie viel und wie sah das aus? Ach, soso, anders als gestern, ja, vielleicht liegt das am Brei, vielleicht sollten wir mal was anderes probieren, nicht, dass das einreißt mit dieser komischen Konsistenz und dunkler wäre ja auch schöner. Aber sie wirkt ja gesund dabei, gar nicht wie ein Kind, dass Helles von sich gibt, vielleicht ist das in Ordnung so und morgen rufen wir mal beim Arzt an.“ Aha …

Auch in meinem Job komme ich mit diesem Thema regelmäßig in Berührung. Es scheint unglaublich wichtig zu sein, dass das Kind regelmäßig Stuhlgang in der erwarteten Farbe und Konsistenz hat. Ist das nicht der Fall, sind die Eltern beunruhigt, wenden sich mit genauen Beschreibungen an Telefonhotlines oder verbreiten sich episch in Foren und auf Facebookseiten – auch, wenn das Kind gesund und munter ist. Die Beschreibungen sind äußerst detailliert: Die Farbe wird fast mit einem Pantonefächer bestimmt, die Konsistenz genau beschrieben (krümelig, weich, schaumig, geformt, ungeformt …), der Geruch beurteilt und natürlich das Verhalten des Babys beim Verrichten des Geschäfts beschrieben (bekommt ein rotes Gesicht, drückt tüchtig, windet sich …).

Am schlimmsten scheint es zu sein, wenn die Farbe des Gemachten nicht mit dem des Erdachten zusammenpasst, und das absolut Schlimmste, quasi der Windelinhalt des Grauens, wird immer wieder thematisiert: Der grüne Stuhl.

grüner Stuhl, Windelinhalt

Bild zur Verfügung gestellt von Gabi Eder, http://www.pixelio.de

Grüner Stuhl ist der Gau der Elternschaft, danach kann nichts Schlimmeres mehr kommen. Und auch, wenn Ärzte, Hebammen und die eigene Mutter die Unbedenklichkeit dieses Phänomens bestätigen, lassen die geplagten Eltern es sich nicht nehmen, noch einmal die Community um Rat zu fragen: Kann das wirklich unschädlich sein, wenn das Kind sowas macht? Wo soll das nur enden, wenn es so schon anfängt?

Kollegin Silvia, die immer angenehm durch ihre burschikos-pragmatische Art auffällt, fasste diese Windel-Malaise schon während ihrer ersten Schwangerschaft in einem kurzen Stoßgebet zusammen: „Lieber Gott, bitte mach, dass mein Kind immer kacken kann!“ Besser kann man das eigentlich gar nicht ausdrücken!