Fundstücke 56: vorher oder nachher?

Manchmal weiß man bei Werbung einfach nicht, was einem die dargestellten Bilder sagen sollen: Dieses Schild eines Frisörs brachte mich wirklich ins Grübeln. Sind die dargestellten Personen Beispiele für vorher oder nachher, soll heißen, waren die schon beim Frisör oder wollen die noch hin? Ist dieser Frisörladen vielleicht spezialisiert auf Retro-Schnitte und Maskenbildnerei? Oder sind diese beiden Herrschaften gar die Ladeninhaber, die dort die Schere schwingen? Man weiß es nicht, und ausprobieren möchte ich das auch nicht. Freiwillige vor, bitte!

Schild Frisör

König Fußball – wirb oder stirb!

König Fußball

König Fußball – Bild zur Verfügung gestellt von Rike / http://www.pixelio.de

Der eine oder die andere mag es bemerkt haben: Derzeit läuft mal wieder ein internationales Fußballturnier. Die Spiele finde ich ehrlich gesagt nur mäßig interessant, die kann man gucken, muss es aber nicht. Was mich aber immer wieder schmunzeln lässt ist das viele Tamtam rund um diese Turniere: Gesprächsrunden mit Moderatoren, ehemaligen Spielern, Trainern, Schiedsrichtern und allerlei buntem Beiwerk. Tipprunden, öffentliches Gucken und Fußballgrillen im Garten. Allerhand Zubehör, mit dem man sich ausstatten oder verunstalten kann: Fahnen, Schminke, Zopfspangen, künstliche Zöpfe, Blumenkränze. Alles in schwarz-rot-gelb und alles made aus Plastik. Ich besitze sowas auch, zur WM 2006 investierte ich einen Euro in eine nervtötende Klapperhand, die ich immer dann benutze, wenn ich mit anderen zusammen gucke – nicht, dass man mich überhört.

Was mich aber inzwischen wirklich befremdet, ist die an den Haaren herbeigezogene Werbung, die sich auf dieses Event bezieht. Da ist wirklich keine Story zu dumm, als dass man sie nicht irgendwie werblich umsetzen müsste. Es ging ja schon vor Wochen los, mit den Schultern eines Torwarts, die so viel zu tragen haben, aber bitte doch keine Schuppen. Ja, gut, das kann man sich vielleicht noch erklären – wenn der junge Mann dieses wirklich sehr unangenehme Problem hat und es durch dieses Shampoo in den Griff bekommt, ist das durchaus erfreulich und eine Meldung wert.

Dass Holger, seines Zeichens Koch der National-Elf, bei einer bestimmten Lebensmittel-Kette einkauft, kann man glauben oder auch nicht. Angeblich helfen ihm diese Produkte zu verstehen, wie die EM schmeckt. Was damit gemeint ist, kann man nur erahnen: Rasen, Ball, Männerschweiß oder benutzter Turnschuh? Ich will das lieber nicht wissen und überlasse Holger das Abschmecken.

Einen gemeinsamen Lauf von Jogi und seinen Jungs zu einer bestimmten Bank kann ich mir schon wieder besser vorstellen: Tägliches gemeinsames Abheben des Taschengeldes sowie Auszahlung durch den Trainer – genug für eine Tageszeitung und was Süßes, aber zu wenig um im sündigen Frankreich so richtig einen drauf zu machen. Das finde ich gut, schließlich sind die Herren nicht zum Spaß da.

Durchaus glaubwürdig ist für mich auch das Waschmittel der Nationalmannschaft: Es wäre ja blöd, wenn ein unbekanntes Waschmittel auf der sensiblen Haut Allergien auslösen würde – und das meine ich ernst, denn damit kenne ich mich aus. Dann könne der M. vielleicht keine Tore schießen, weil er dem S. den Rücken kratzen müsste – das wäre ja blöd. Auch würden unsere Jungs einen schlechten Eindruck machen, wenn die weißen Shirts beim Waschen fleckig blieben. Im Gegensatz zu den Kollegen aus der Schweiz können sie ihre Leiberl ja nicht nach dem Tragen ins Altpapier geben. Ich gehe daher davon aus, dass mindestens zwei Flaschen dieses besonderen Waschmittels im Bus mit nach Frankreich gejuckelt sind.

Das letzte Werbebeispiel aber, das mir einfiel, finde ich völlig absurd. Und dabei lässt es sich so gut an: Junge Fußballer klopfen sich rhythmisch auf das Herz, interagieren mit dem Publikum, alles klopft. Ein magischer Moment. Und ich denke, wie gut es doch ist, dass diese jungen Sportler die Öffentlichkeit auf die Wichtigkeit der Herzgesundheit hinweisen. Gewiss wird dieser Spot unterstützt vom Verband der Kardiologen und dem Gesundheitsministerium. Schön gemacht. Dann heißt es „es lebe die Mannschaft“ – ach ja, um Mannschaftsgeist geht es auch noch – toll. Da beweist mal jemand Sozialkompetenz. Und dann kommen da Autos angefahren. Einfache, schnöde Autos. Ohne jeden Zusammenhang, ohne Herz, ohne Teamgeist. Und ich sitze da, ratlos, und frage mich nur: Was soll das?

Fundstücke 17 – gelungene Werbung

Diese Werbung fand ich beim Spazierengehen in Bansin auf Usedom. Und, was soll ich sagen, ich drehte sofort bei und enterte das Strandlokal. Es gab Fischbrötchen und allerhand zu trinken und an der Qualität gab es nichts auszusetzen. Auch war der Laden stets gut gefüllt. Also war das Plakat eine gelungene Sache – wenn auch vielleich etwas unkonventionell. Ich wünschte, soetwas dürfte ich bei der Arbeit auch mal machen.