Weihnachtsmärkte: Die Qual der Wahl

Leider haben wir dieses Jahr eine kurze Adventszeit – wie immer, wenn der vierte Advent auf den Heiligabend fällt. Die verbliebenen drei Adventswochenenden sind übervoll mit Aktivitäten, sodass man sich kaum entscheiden kann, wo man denn nun teilnehmen möchte. So war es auch an diesem Wochenende: Ich wollte gerne auf einen Weihnachtsmarkt gehen. Nicht unbedingt auf den ganz großen auf dem Frankfuerter Römer, der ist mir meistens zu voll. Der in Oberursel war letztes Jahr besonders schön, aber auch der in Höchst interessierte mich, da es einen Mittelaltermarkt rund ums Schloss geben sollte. Und auch vom schwedischen Weihnachtsmarkt hatte ich schon viel Gutes gehört. Leider, leider finden dieses Jahr alle drei Märkte zur gleichen Zeit statt, nämlich am ersten Adventswochenende. So musste ich eine Entscheidung treffen.

Misteln, Mistelzweige

Misteln, Fackeln und geheimnisvolle Symbole am Eingang des Mittelaltermarktes

Da das Wetter für den Samstag besser sein wollte, entschlossen meine Freundin Maike und ich uns, diesen Tag für einen Ausflug nach Oberursel zu nutzen. In dickem Nebel fuhr ich in Oberrad los, in schönstem Sonnenschein kamen wir in Oberursel an. Das zeigte mir mal wieder, dass das Wetter meistens besser ist als gedacht und dass es sich lohnt, sich einfach mal aufzuraffen, auch wenn es draußen fies aussieht. Angezogen mit allerlei Strickwerk, habe ich nicht mal gefroren – mal wieder hat mein fummeliges Hobby sich gelohnt. Und auch der Besuch des Weihnachtsmarktes in Oberursel lohnt sich: Es gibt dort eine Menge Stände, die mal etwas anderes bieten als das übliche Weihnachtsmarktsortiment.

Dieser Stand gefiel mir schon im letzten Jahr: große Flaschen mit verheißungsvollen Substanzen

Allerdings musste ich mal wieder feststellen, dass ich eigentlich nichts brauche: Schals, Schmuck und Windlicher habe ich im Überfluss, auch an Dekorationsartikeln mangelt es mir nicht. Ich habe keine kleinen Kinder mehr in meinem Umfeld, sodass ich auch an dem Stand mit den entzückenden und ganz besonderen Stofftieren nichts kaufen musste/durfte/konnte. Handgestrickte Strümpfe scheinen in Mode zu kommen, zumindest konnte man sie an diversen Marktständen kaufen – doch die mache ich mir inzwischen selbst. Und so entschied ich mich lediglich für zwei kleine runde Käselaibe sowie ein schönes Stück Schinken für meine Brotzeiten – sowas esse ich für mein Leben gerne, es verbraucht sich und liegt nicht rum.

Käse und Schinken

Meine Ausbeute, festlich illuminiert

Denn auch das ist mir inzwischen wichtig: In meiner Wohnung liegt ohnehin schon bannig viel rum, da brauche ich keine weitere Anreicherung mit Kram. Denn auch davon gab es auf diesem Weihnachtsmarkt wieder etliches. Ich habe ja eine tiefe Hochachtung vor Leuten, die handwerklich was können und schöne Sachen herstellen. Es muss natürlich nicht immer alles meinem Geschmack entsprechen. Aber eine gefilzte Schwarzwälder Kirschtorte oder – noch schlimmer – gefilztes Sushi, das erschließt sich mir wirklich nicht. So gutes Material und dazu die ganze Arbeit – aber wer braucht sowas? Das fusselt doch im Mund!

Ich genieße heute also meinen freien Sonntag, sehe aus dem Fenster auf das unwirtliche Wetter und stricke vor mich hin – nicht für den Verkauf, sondern für den Eigenbedarf. Es mag auch Leute geben, die finden, dass man keine Strickstrümpfe braucht, aber ichtrage die gerne. Euch wünsche ich einen schönen Adventssonntag, lasst es euch gut gehen!

 

Nachtrag: Ein sprachliches Problem konnte ich heute nicht lösen: Heißt es „zwei kleine runde Käse“ oder „zwei kleine runde Käses“? Weiß das jemand?

Der erste Weihnachtsmarkt

Ich bin kein großer Fan des riesigen Frankfurter Weihnachtsmarktes auf dem Römer. Zu voll, zu gedrängelt, zu unübersichtlich. Ich mag aber diese kleinen versteckten Märkte in den Stadtteilen oder die, die nur an einem Wochenende von irgendwelchen Vereinen betrieben werden. Und ich probiere gerne etwas Neues aus. Gestern war das der Weihnachtsmarkt in Oberursel, der auch einen Mittelaltermarkt dabei hat, aber nur an diesem ersten Adventswochenende stattfindet.

Das Angebot auf diesem insgesamt erstaunlich großen Markt (die Stände waren quer durch die kleine Innenstadt verteilt und auch einige öffentliche Einrichtungen machen mit) gefiel mir gut.

SchlehenweinNoch bevor wir ganz auf dem Markt waren, mussten wir an einem kleinen Stand Käse probieren – und kaufen. Schinken, Wurst, Marmelade oder Honig – es gab allerhand handgemachte Lebensmittel, und das zu größtenteils eher günstigen Preisen. So wanderte auch noch ein Stückchen Schinken in unsere Taschen, und die ewige Antje kaufte irgendwo Kekse und ein Fläschchen Likör für einen guten Zweck. Auch interessante Weine gab es, und der ausgeschänkte Glühwein war an vielen Ständen ein guter Winzerwein, der deutlich weniger süß schmeckt als der handelsübliche fertige Glühwein. Lauwarm-Süßes gab es allerdings auch zu trinken – da aber dieser Glühwein vom Stand des Gymnasiums kam, in dem eifrige Schüler sehr günstig verkauften, sahen wir dem diese Mängel nach.

Auf dem mittelalterlich gestalteten Teil des Marktes herrschte ein deutlich größeres Gedränge als anderswo. Trotzdem war es recht gemütlich und durch die überall aufgehängten Laternen und die Feuerschalen auch sehr heimelig. Allerdings riecht meine Jacke heute so, als hätte ich die Nacht in einem Räucherhaus verbracht. Noch versuche ich es mit Lüften, fürchte aber, dass ich nicht ums Waschen herumkomme.

Alles in allem verbuche ich meinen allerersten Besuch in Oberursel also als vollen Erfolg – es war ein sehr schöner Abend. Es lohnt sich wirklich, kleine Märkte abseits des Mainstreams zu besuchen. Sogar die ersten Weihnachtsgeschenke fielen gestern in meine Tasche – und das ist ein Segen.

Ein Abend mit Fremden

Gestern war mal wieder so ein Abend, der einen ganz anderen Verlauf nahm, als ich mir so gedacht hätte. Ich war mit der ewigen Antje auf dem Sachsenhäuser Weihnachtsmarkt am Goetheturm. Ich mag diesen kleinen Markt direkt am Rand des Stadtwalds, weil es dort so klein, übersichtlich und irgendwie gemütlich ist. Gut, man macht sich dort immer irgendwie dreckig, in Regenjahren ist man sogar bematscht bis hinauf zum Knie. Aber das weiß man halt und geht nicht im feinsten Zwirn da hin. Dieses Mal war es leidlich trocken, sodass nur die Schuhe bematschten und Hose und Jacke lediglich an den uralten, klebrigen Tischen und Stühlen schmutzig wurden. Alles war also so, wie es sein sollte.

Leuchtkeramik

Leuchtkeramik, das beste meiner vielen schlechten Fotos. Man beachte das Krokodil …

Das Angebot auf diesem kleinen Weihnachtsmarkt ist nicht riesig, aber erlesen: Hier gibt es zum Beispiel herzhafte Kräuterwaffeln, die nicht belegt, sondern behäuft wurden, Schreiber-Heynes Kartoffelwürste oder Suppen aus dem Glas. Zu Trinken natürlich dreierlei Glühwein, heißen Apfelwein, Winterbier oder Mispelchen und allerhand Alkoholfreies, Kaffee und Tee. Und natürlich Schnickschnack, so zum Beispiel Leuchtkugeln aus Keramik, die sich von mir einfach nicht vernünftig fotografieren lassen wollten, hessische Souvenirs und ein wenig Schmuck. Die Öffnungszeiten erwiesen sich zu unserem Glück als flexibel, an einigen Ständen bekam man bis 23 Uhr etwas zu trinken.

Das Beste ist auf diesem Weihnachtsmarkt aber nicht das Angebot, sondern die netten Leute, die man dort immer trifft. Irgendwie ist die Stimmung zu Füßen des Goetheturms so entspannt und gelöst, dass man sofort mit jemandem ins Gespräch kommt – das geht viel leichter als im hektischen Gedränge des großen Weihnachtsmarktes auf dem Römer. Wir hatten uns dieses Mal an einem der leicht bemoost wirkenden Tische niedergelassen, zum Glühwein trinken und Wurst essen. Kurze Zeit später kam ein Paar hinzu, etwas älter als wir und er mit Knie. Er litt, sie frotzelte, wir hatten Spaß. Man verglich die jeweiligen Leiden: Er hatte Knie, Antje auch, ich hatte Rücken, sie hatte Verstand. Die Stimmung schwankte zwischen sachlich und albern, das Gespräch war vielseitig: Mal ging es um Brotschneidemaschinen, dann um die Chancen durch berufliche Veränderungen, dann um Dialekte im Allgemeinen und das Hessische im Speziellen. Es wurde dummgebabbelt, was das Zeug hielt, aus den Fremden wurden Veronika und Jürgen, der Glühwein wurde je nach Geschmack ergänzt durch Bier und Mispelchen. Man muss schließlich auch mal Obst essen. „Fruchtzwerge“ nannte kürzlich jemand diese leckere Mischung aus Mispelfrucht und Calvados, die ich erst in Frankfurt kennen und schätzen gelernt habe.

Zwei kleine, leckere Mispelchen, fotografiert von Antje

Der Abend mit Fremden zog sich unerwartet lange hin: Waren Veronika und Jürgen gegen kurz nach neun schon einmal aufgestanden, setzten sie sich doch noch einmal wieder hin. Als in unserer Ecke langsam die Lichter ausgingen, schlenderten wir gemeinsam los – eigentlich, um heimzugehen. Doch wir blieben am Mispelstand hängen, Jürgen musste auch doch noch so einen „gelochten Ball“ kaufen und es gab immer noch mehr zu erzählen. Lustig war es, und ungemein anregend. Ein bisschen was an Dummheiten machten wir auch noch, aber darauf muss ich jetzt nicht eingehen (hier lesen schließlich Kinder mit!).

Ich liebe diese entspannten Abende mit Freunden und Fremden. Es macht immer viel Spaß, jemanden Neues kennenzulernen und festzustellen, dass man über das Gleiche lachen kann, obwohl man sich gar nicht kennt. Die entspannte, heimelige Atmosphäre auf meinem Lieblingsweihnachtsmarkt macht es einem leicht und ich freue mich schon auf das nächste Jahr.

Fröhlich-tanzender Reigen der Keramikelemente – später am Abend. Auch das Krokodil schwimmt wieder fröhlich mit.