Das Topflappen-Mysterium

Topflappen, verbranntManchmal gehen Dinge im Haushalt kaputt. Mal ist es Verschleiß, mal Ungeschick, so wie kürzlich, als ich einen meiner ältesten Kaffeebecher mit Schwung auf den Küchenboden pfefferte, anstatt ihn wie angedacht sorgfältig in der Spülette zu platzieren. Normalerweise ist sowas keinen Blogbericht wert.

Dann wieder passieren Dinge, die irgendwie auffällig sind. Weil sie gehäuft vorkommen oder unerklärlich sind. Oder weil sie mich an meinem geistigen Zustand zweifeln lassen. Sowas geschah kürzlich mit meinen Topflappen.

Topflappen sind unscheinbare Gebrauchsgegenstände, sie sind immer da und ich denke nicht weiter darüber nach. Anders war es, als ich vor drei Wochen im Bad herumwerkelte und dachte, dass es komisch riecht in der Wohnung. Ich trabte also in die Küche und kam gerade noch rechtzeitig, um einen Topflappen zu löschen, der sich auf meinen Herd geschlichen und dort ein Feuer verursacht hatte. Bei näherem Hinsehen hatte ich wohl die falsche Herdplatte angedreht – das Wasser im Kartoffeltopf war noch immer kalt. Erstaunlich fand ich, wie gut der Topflappen brannte: Sollte sowas nicht einigermaßen feuerfest sein? Egal, passiert ist passiert.

Zwei Wochen später passierte es wieder. Dieses Mal fackelte ich meinen braven Küchenhelfer ab, indem ich ihn versehentlich auf die heiße Herdplatte legte. Dieser wurde nur schwarz, brannte aber nicht. Auf jeden Fall war er hin. Das schwarz-weiße Paar, dass ich rund 20 Jahre in Benutzung hatte, gab also innerhalb weniger Tage den Geist auf.

Nun herrscht bei mir an Topflappen kein Mangel, hat doch Oma Erna für Töchter und Enkelinnen einen stattlichen Haufen davon gehäkelt. Benutzt habe ich diese Oma-Lappen noch nie, aber das kann man ja ändern. Das heißt, man könnte es, wenn man sie denn fände. Ich weiß, dass sie irgendwo sein müssen, aber wo? Wo legt ein vernunftbegabter Mensch beim Umzug einen Stapel Häkellappen hin? Ich glaubte mir über ihren Aufenthaltsort völlig im Klaren zu sein, ging an den Schrank und öffnete das entsprechende Fach – nichts. Nur eine Weihnachtstischedecke, eine Osterdecke und der Taschentuchbehälter mit den ebenfalls von Oma behäkelten Spitzentaschentüchern. Alles nie benutzt. Und mein Taufkleid – das passt mir auch nicht mehr. Aber kein einziger Topflappen. Wo mögen die sein?

Die ewige Antje schlug den Keller vor – damit könnte sie Recht haben. Aber habe ich Lust, da zu suchen? Eher nicht. Da stricke ich lieber ein Paar Läppchen für die Küche, entsprechende Wollreste sind ja reichlich da.

Was bleibt, ist ein ungutes Gefühl: Erst ein abgebrannter Besitz, dann ein verschwundener Vorrat. Ich wittere eine Verschwörung im eigenen Heim – die Topflappen-Verschwörung. Ich werde diese Vorgänge weiter beobachten und darüber berichten.