Doubleface: die zwei Seiten der Fummelei

Beim Stricken probiere ich ja gerne mal etwas Neues aus. Zwar habe ich es am liebsten, wenn ein Muster fernsehtauglich ist, aber ab und zu darf es auch mal etwas Herausfordernderes sein. Und so beschloss ich, dass ich das Doubleface-Stricken lernen müsse. Ich hatte nämlich in einer Facebook-Gruppe einen wunderbaren Schal mit einem beidseiten Muster gesehen. Sofort wurde mir klar, sowas wollte ich auch haben. Nicht als Schal, sondern als breitere Stola. Wenn schon, denn schon.

Also suchte ich mir eine Anleitung zu dieser Technik und begann frohen Mutes zu üben. Zuerst mit einem einfachen Karomuster. Es traf sich gut, dass ich kürzlich all meine Topflappen abgefackelt hatte – da hatten also meine Karos gleich einen praktischen Nutzen.

Leider musste ich feststellen, dass ich kein Naturtalent in Sachen Doubleface bin. Es fällt mir unheimlich schwer, mich nur auf die rechten Maschen zu konzentrieren, immer wieder haute ich einen oder gleich mehrere Fehler in eine Reihe hinein. Und so beschloss ich, im Anschluss an mein grau-türkis-kariertes Topflappenpaar noch eines in blau-rot zu machen, mit einer selbst designten Teekanne drauf. Ich werkelte emsig herum, kreirte im Excel ein Strickmuster für einen Topflappen und gab diesem den schönen Namen „Herma“. Die Teekanne dekorierte ich mit einem anspruchsvollen Sternchenmuster – schließlich gehörte ich inzwischen zu den Fortgeschrittenen Doubleface-Strickerinnen, dachte ich.

Nun, was soll ich sagen? Nachdem ich mit meinem Sternchenmuster ein fürchterliches Kuddelmuddel angerichtet hatte, rebbelte ich alles wieder auf und vereinfachte meine Vorlage. Mit etwas Phantasie kann man das Gebilde auf der Kanne jetzt als Ostfriesenrose interpretieren, oder als klumpiges Kreuz. So sah das aus:

Einstrickmuster Teekanne, eigenes Excel-Design, wer sich daran versuchen möchte, ist herzlich willkommen

Ich legte also noch einmal los. Und tatsächlich, mit viel Geschimpfe, allerlei Korrekturen und Gefluche rang ich mir einen blau-roten Topflappen ab. Und ich beschloss, dass dieser eine Lappen ein Einzelstück bleiben würde, zumindest bis auf weiteres. Denn für dieses Gefummel bin ich nicht geschaffen. Ich beerdige das Projekt „Doubleface-Stola“, bevor es zum Berliner Flughafen wird.

Natürlich zeige ich mein kleines, mackiges Läppchen auch vor – es ist aus einem Baumwoll-Seiden-Gemisch, das vor Jahren vom Stricken einer Strickjacke übrig blieb. Wenn schon das Muster krumpelig aussieht, ist also zumindest das Material ganz was Feines:

Topflappen, Modell „Herma“

 

Nachbemerkung 1: Ich gebe meinen Strickmustern nur selten Namen. Dieses Mal ist es etwas anderes, weil ich bei Pottlappen immer an unser altes Kinderspiel „Pottlapott“ denken muss. Das ist eine Art Versteckspiel, bei dem man zu Beginn einen Eimer durch die Gegend schmeißen musste. Und das konnte Herma einfach am Allerbesten.

Nachbemerkung 2: Es ist noch viel Material von der Strickjacke übrig. Wer weiß irgendwann … in einem stillen Moment … versuche ich es vielleicht nochmal. Aber nicht heute – ich muss mich erst mal erholen. ICH MUSS MICH HINLEGEN!

Das Topflappen-Mysterium

Topflappen, verbranntManchmal gehen Dinge im Haushalt kaputt. Mal ist es Verschleiß, mal Ungeschick, so wie kürzlich, als ich einen meiner ältesten Kaffeebecher mit Schwung auf den Küchenboden pfefferte, anstatt ihn wie angedacht sorgfältig in der Spülette zu platzieren. Normalerweise ist sowas keinen Blogbericht wert.

Dann wieder passieren Dinge, die irgendwie auffällig sind. Weil sie gehäuft vorkommen oder unerklärlich sind. Oder weil sie mich an meinem geistigen Zustand zweifeln lassen. Sowas geschah kürzlich mit meinen Topflappen.

Topflappen sind unscheinbare Gebrauchsgegenstände, sie sind immer da und ich denke nicht weiter darüber nach. Anders war es, als ich vor drei Wochen im Bad herumwerkelte und dachte, dass es komisch riecht in der Wohnung. Ich trabte also in die Küche und kam gerade noch rechtzeitig, um einen Topflappen zu löschen, der sich auf meinen Herd geschlichen und dort ein Feuer verursacht hatte. Bei näherem Hinsehen hatte ich wohl die falsche Herdplatte angedreht – das Wasser im Kartoffeltopf war noch immer kalt. Erstaunlich fand ich, wie gut der Topflappen brannte: Sollte sowas nicht einigermaßen feuerfest sein? Egal, passiert ist passiert.

Zwei Wochen später passierte es wieder. Dieses Mal fackelte ich meinen braven Küchenhelfer ab, indem ich ihn versehentlich auf die heiße Herdplatte legte. Dieser wurde nur schwarz, brannte aber nicht. Auf jeden Fall war er hin. Das schwarz-weiße Paar, dass ich rund 20 Jahre in Benutzung hatte, gab also innerhalb weniger Tage den Geist auf.

Nun herrscht bei mir an Topflappen kein Mangel, hat doch Oma Erna für Töchter und Enkelinnen einen stattlichen Haufen davon gehäkelt. Benutzt habe ich diese Oma-Lappen noch nie, aber das kann man ja ändern. Das heißt, man könnte es, wenn man sie denn fände. Ich weiß, dass sie irgendwo sein müssen, aber wo? Wo legt ein vernunftbegabter Mensch beim Umzug einen Stapel Häkellappen hin? Ich glaubte mir über ihren Aufenthaltsort völlig im Klaren zu sein, ging an den Schrank und öffnete das entsprechende Fach – nichts. Nur eine Weihnachtstischedecke, eine Osterdecke und der Taschentuchbehälter mit den ebenfalls von Oma behäkelten Spitzentaschentüchern. Alles nie benutzt. Und mein Taufkleid – das passt mir auch nicht mehr. Aber kein einziger Topflappen. Wo mögen die sein?

Die ewige Antje schlug den Keller vor – damit könnte sie Recht haben. Aber habe ich Lust, da zu suchen? Eher nicht. Da stricke ich lieber ein Paar Läppchen für die Küche, entsprechende Wollreste sind ja reichlich da.

Was bleibt, ist ein ungutes Gefühl: Erst ein abgebrannter Besitz, dann ein verschwundener Vorrat. Ich wittere eine Verschwörung im eigenen Heim – die Topflappen-Verschwörung. Ich werde diese Vorgänge weiter beobachten und darüber berichten.