Komische Gewohnheiten: Klodeckel-Präferenzen

KinderkloIch weiß, dass es kaum etwas Profaneres gibt als die Klappe, die dafür gedacht ist, eine Toilette abzudecken. Ein absolut unspektakulärer Gegenstand – nicht der Rede wert. Und doch gibt es dazu Allerhand zu sagen.

Man stelle sich dieses Szenario einmal vor: Eine Frau, nennen wir sie „M.“, geht mit einer Freundin ins Kino. Soweit, so gewöhnlich. Die Frauen gehen zuerst etwas essen, dann soll in aller Ruhe ein Film geguckt werden. Und bevor die Vorstellung losgeht, möchte M. auf die Toilette gehen. Der Weg zum Klo ist einfach: Gleich hinten im Kinosaal ist die Tür „für Mädchen“. Doch es ist dringend, und der Einlass verzögert sich. Dann, endlich – rein! M. drückt der Freundin die Handtasche in den Arm, „Hier, halt mal fest, ich muss schnell ums Eck!“, und stürzt durch das Kino. Da, die rettende Tür, rein ins erste Kabinchen. Da ist es irgendwie eklig, hier lieber nicht, da war doch noch eines frei. Wieder raus, nächste Tür rein, mit Schwung die Jacke vom Leib reißen und an den Haken damit. Hose runter – hoffentlich klemmt der Reißverschluss nicht! Nein, er geht auf, alles gut, Hintern in Position schieben, niedersinken, losslassen – aaahhh … äääähhh? Oh?! AAAAHHH!!!

Der Deckel ist zu.

In wilder Panik wieder aufspringen, nach hinten greifen, den Deckel aufreißen, sich derweil ganz gepflegt ans eigene Hosenbein pieseln – der Ablauf ist in diesem Moment vorprogrammiert und nicht mehr aufzuhalten. So ein Siff! Aber wer zur Hölle macht im Kino den Lokusdeckel zu?

Es ist nämlich so: In öffentlichen Toiletten erwarte ich immer, dass der Deckel offen ist. Ob diese Erwartung allgemeingültig ist, kann ich nicht sagen, ich habe dazu keine Studien durchgeführt. Aber die Beobachtung und langjährige Erfahrung zeigen, dass öffentliche Kloschüsseln eigentlich immer mit offenem Deckel herumstehen, also scheint dieses Vorgehen gesellschaftlich anerkannt zu sein.

Bei mir zuhause ist es allerdings anders: Da ist die Toilette immer zu, es sei denn, ich sitze drauf, putze es gerade oder habe Besuch, der das anders handhabt. „Dann kann man dem Haus bis in die Gedärme gucken“, pflegte mein Vater immer zu sagen, wenn wir als Kinder vergessen hatten, die Klappe herunterzulassen. Das war bei uns zuhause streng verpönt. Der Deckel musste zu, da gab es keine Diskussion. Und das ist ja auch viel praktischer: In meinem kleinen Badezimmer nutze ich den Toilettendeckel immer mal wieder, um Kram darauf abzulegen, Handtücher zum Beispiel, oder Unterwäsche. Oder ich stelle meinen Fuß darauf ab, wenn ich mich eincreme – das wäre mit offenem Deckel auch eher doof.

Ich fasse also zusammen: Öffentliche Bedürfnisanstalt – Deckel bitte auf. Privates Klöchen – Deckel bitte zu. Kann sein, dass das pingelig ist, aber so habe ich es am liebsten. 🙂