Fernsehgedanken 1 – zurück in die Kindheit

Schwarzwaldklinik, Ich heirate eine Familie, Timm Thaler

Carlsbau im Glottertal, bekannt durch die Fernsehserie „Die Schwarzwaldklinik“, zur Verfügung gestellt von Matze Trier in den Wikipedia Commons

Wie jedes Jahr liefen auch dieses Mal an Weihnachten und zwischen den Jahren „die üblichen Verdächtigen“ im Fernsehen. Pflichtbewusst absolvierte ich gemeinsam mit meiner Schwester und teilweise meinem Schwager das Standardprogramm: Sissi, Aschenbrödel, Der kleine Lord und die Hoppenstedts. Ne, wat schön. Und da wir dieses Jahr so entspannt wie nie zuvor Weihnachten gefeiert haben und fast nichts vorhatten, außerdem bei allen der Akku leer und das Wetter allgemein usselig war, haben wir uns bemüht, den Fernseher leer zu gucken. Ganz ohne schlechtes Gewissen.

Und so sprangen wir zurück in die Kindheit und besuchten wieder einmal die Serien, mit denen wir aufgewachsen sind. Besonders interessant fand ich Timm Thaler: Denn diese Serie habe ich als Neunjährige zusammen mit meiner großen Schwester geguckt und überhaupt nicht richtig verstanden. Der Teufel als geschäftstüchtiger Baron – das erschloss sich mir nicht. Noch spannender als die Handlung fand ich aber die Kinder, genau deren Aussehen: Die hätte man alle direkt von unseren Klassenfotos gepflückt haben können. Immer wieder gab es Parallelen: „Guck mal, die sieht aus wie Sabine!“ oder „So’ne Frisur hattest du damals auch!“

Ähnlich erging es mir mit der bodenständigen Serie „Ich heirate eine Familie“, die ein paar Jahre später gedreht wurde. Der kleinste Junge hatte genau so einen Pottschnitt wie ich, auf den Schreibtischen stand der gleiche Klebstoff wie der, den wir in der Schule hatten (eine orangefarbene Flasche mit blauem Nuppel obendrauf, mit dem man den Kleber gleich verschmieren konnte) und die Kinder waren genau so angezogen wie wir. Küchengeräte, Schultaschen, Fahrräder: alles ganz ähnlich wie zuhause. Allerdings hätten wir uns niemals so aufführen dürfen wie die älteste Tochter – das hätte vielleicht Gezeter gegeben!

Etwas anders erging es mir jedoch mit der Schwarzwaldklinik: Schon früher empfand ich die gesamte Ausstattung größtenteils als Design-Unfall. Die plüschig-rüschigen Gewänder der Damen, das entsetzliche Geschirr und die Wohnungseinrichtungen, die größtenteils Gelsenkirchener Barock entsprachen, darüber haben wir schon als 15-jährige gelacht – und trotzdem begeistert geguckt. Das ist wohl wie mit einem richtigen Unfall: Man will nicht hingucken, kann es aber auch nicht lassen. Und wenn der schöne Udo mit offenem Hemd und glitzerndem Zuhälterkettchen in sein Cabrio sprang, dann war das ja auch wirklich sehenswert – oder etwa nicht?

Ein paar andere Gedanken kamen mir auch noch beim Dauerfernsehen. Die muss ich aber erst noch sortieren und poste sie in ein paar Tagen.