Rote Beete-Suppe: fremd-vertraut

Rote Beete Suppe, Rezept

Drei Rüben und vier Kartoffeln in Rinderbrühe

Ich habe mal wieder gekocht. Wie fast immer ohne Rezept, einfach aus dem Bauch heraus und mit Hilfe des gesunden Menschenverstandes (jaaaa, doch, das habe ich, auch wenn böse Zungen was Anderes behaupten!).

Aus einer Laune heraus kaufte ich am Samstag drei rote Beeten. Die gab es früher zuhause oft: Meine Mutter bekam sie in großem Stil von gärtnernden Bekannten vermacht, kochte sie und legte sie süß-sauer ein. Ich mochte dieses Gemüse immer und half auch gerne bei der Zubereitung: Zum einen, weil ich frisch gekochte rote Beete „ohne alles“ gerne esse, zum anderen, weil das Schälen von gekochten roten Beeten wirklich Spaß macht: Wenn man Glück hat, lässt sich die Schale einfach so abstreifen und wenn man doch mit dem Messer helfen muss, ist das sehr schnell gemacht.

Ich wollte eine Suppe kochen. Das habe ich noch nie gemacht und auch noch nie gegessen, aber so schwer konnte das nicht sein. Im Internet guckte ich nach der Kochzeit der Rüben – zwar weiß ich, wie die sich in etwa anfühlen müssen, wenn sie fertig sind, aber alle fünf Minuten mit dem Messer reinpieken war mir dann doch zu lästig. Das kluge Internet meinte, ich solle die doppelte Kochzeit von Kartoffeln einplanen – das erste Mal piekte ich also nach rund einer dreiviertel Stunde in meine Rüben und fand sie noch zu hart. Nach einer guten Stunde goss ich sie ab. Der Geruch war so vertraut, dass ich unwillkürlich an unsere hellbraune Küche zuhause denken musste. Den Topf verwendete ich gleich weiter, um vier sehr dicke Kartoffeln zu kochen – nur rote Beete schien mir zu wenig als Grundlage für meine Suppe.

Erstaunt hat mich wie so oft die unglaubliche Farbe der roten Beeten: Dieses tiefdunkle Burgunderrot, dass sich auch durch das Zufügen von Kartoffeln nicht beirren lässt, ist schon toll. Es macht richtig Spaß, die pürierten Kartoffeln und die Sahne zuzugeben und langsam einzurühren, denn zuerst strudelt es schön bunt und dann kann man die endgültige Farbe bewundern. Allerdings bestand im Internet bezüglich der Färbekraft der Rüben eine gewisse Hysterie, es wurde einem nahegelegt, auf jeden Fall mit Gummihandschuhen zu arbeiten, weil die Farbe sonst niiiiie wieder abgehen würde. Das ist Quatsch, allerdings sollte man mit der Kleidung aufpassen – in einer weißen Bluse hätte ich diese Suppe nicht gekocht.

Wie üblich brutzelte ich auch eine Art Einlage für meine Suppe zusammen – ich mag es nicht, wenn ich nur eine Cremesuppe ohne etwas zum Kauen auf meinem Teller habe. Noch habe ich Zähne 😊

Insgesamt ist meine Suppe wunderbar lecker geworden. Die Zutaten waren:

  • 3 rote Beeten, püriert
  • 4 dicke Kartoffeln, püriert
  • Etwa 1 Liter Rinderbrühe für Faule (aus dem Glas)
  • 250 ml Kochsahne mit 15% Fett

Für die Einlage:

  • 1 dicke Zwiebel
  • 200 g gegrillte Hähnchenbrust (Aufschnitt, musste weg)
  • 1 Glas Pilze

Und natürlich Pfeffer und Salz.

Herbstlicher Eintopf

Schon immer sind Wochenmärkte für mich eine Falle, aus der ich nur ungeschoren entkomme, wenn ich kein Bargeld dabeihabe. Am letzten Freitag war das nicht der Fall, und da ich nach dem Schwimmen Gelüste auf ein Fischbrötchen hatte, stieg ich am Südbahnhof aus und stürzte mich ins Marktgetümmel. Zu spät bemerkte ich, dass meine gute Fischfrau mit ihrem Wagen gar nicht da war – so ein Pech aber auch. Ich musste also meinen Appetit anderswo befriedigen und fand den Stand mit den leckeren Käsecremes und den Oliven sowie einen mit Geflügelallerlei und Zwiebelkuchen. Soweit, so gut. Aber auch Gemüse musste sein – und zwar mehr, als eine Person an einem Wochenende essen kann. Sowas passiert mir öfter: denn dann guckt der Blumenkohl so freundlich rüber, der Brokkoli auch, und eigentlich ist ja auch Pilzzeit … Beladen wie ein Packesel kam ich also heim.

Ob das alles in diesen einen Topf passt?

Heute hieß es nun also kochen, wenn ich den ganzen Segen nicht wegschmeißen wollte, und da ich ein Suppenkasper bin, wurde aus dem Gemüseallerlei eine herbstliche Gemüsecremesuppe. Meine Küche ist nicht besonders erlesen ausgestattet, aber meine Mutter schenkte mir kurz nach meinem Auszug einen Pürierstab, weil sie meinte, sowas bräuchte man unbedingt. Ich war ja zunächst etwas skeptisch, aber ein paar Mal im Jahr benutze ich ihn tatsächlich. Selber kaufte ich vor Jahren für meine kleine Singleküche einen eimergroßen Suppentopf – das war eine sehr sinnvolle Investition. Kartoffeln, Blumenkohl, Brokkoli und eine dicke rote Zwiebel flogen in trauter Gemeinsamkeit in den Topf und köchelten lustig vor sich hin.

Damit hatte die Schnippelei aber noch kein Ende: Als Suppeneinlage wurden weitere Zwiebeln, ein paar Champignons und ein paar Scheiben Hähnchenkassler gewürfelt und angebraten. Schließlich will ich – Pürierstab hin oder her – auch was zum Kauen haben. So schnippelte ich insgesamt fast eine Stunde lang herum: Genug Zeit für einen Hand-Augen-Koordinations-Tölpel wie mich, mir bei zwei benutzten Händen in drei Finger zu pieken. Zum Glück hatte ich die Juister Brötchensäge dieses Mal beiseitegelassen, sonst wäre ich mit Sicherheit verblutet. So reichte es gerade mal zum hochdramatischen Einferkeln eines Blumenkohlröschens.

rote Zwiebeln, Hähnchenkassler und braune Champignons geben meinen Zähnen ihre Daseinsberechtigung

Als das Gemüse einigermaßen bissfest war, ging es ans Pürieren. Es entstand ein recht fester, hellgrüner Schlampampel, mit dem man wahrscheinlich Babys glücklich hätte machen können – auch, da ich mal wieder sehr sparsam mit dem Salz gewesen war. Zusammen mit dem Kochwasser und 250 Gramm Schnittlauch-Frischkäse sah das Ganze dann zumindest schon mal nach einer Cremesuppe aus, auch wenn sie ein wenig nach Spülwasser schmeckte. Also tüchtig nachsalzen und dann die kräftig gewürzte Einlage versenken – jaaaa, das war besser. Endlich schmeckte mein Süppchen nach dem kräftigen Eintopf, den ich mir gewünscht hatte.

Alles in allem war mein Kochabenteuer heute also mal wieder erfolgreich. Geschmeckt hat es, und satt bin ich auch geworden. Etliche Portionen sind zum Einfrieren übrig und alle Finger sind noch dran. Passt.

Gemüsecremesuppe – keine Fernsehschönheit, aber lecker

Nachbemerkung: Wieder einmal bin ich überrascht, wie viele Worte man über eine ganz triviale Betätigung verlieren kann. Wie viel muss ich wohl erst schreiben, wenn ich mal wirklich was erlebt habe?