Mach’s gut, Sommer!

Eigentlich hätte ich heute einen endlos langen Bürotag machen müssen – nach einigen Tagen Abwesenheit hatte sich etliches aufgestaut. Und eigentlich hätte ich heute auch meinen Schreibworkshop gehabt. Für den habe ich bezahlt, da sollte ich schon immer hingehen, wenn es sich einrichten lässt. Und eigentlich ist der 29. September auch kein Tag zum draußen Badengehen – schließlich ist schon Herbst. Doch das Wetter sagte etwas anderes, und meine Laune auch. Und noch hat das Schwimmbad Hausen geöffnet. Noch – genau genommen bis Montag. Und es wird kälter.

Ich machte bei der Arbeit also früh meinen Laden dicht und fuhr schwimmen – wohl zum letzten Mal in dieser Saison draußen. Das Bad war knallevoll, doch damit hatte ich gerechnet. Schießlich ist es das letzte Freibad in Frankfurt, das noch geöffnet hat. Vielen Schwimmern schien es wie mir zu gehen: Sie paddelten herum wie seniore Dauerwellenträgerinnen, eifrig darauf bedacht, die letzten Sonnenstrahlen ins Gesicht zu kriegen – das geht natürlich nicht, wenn man sportiv kraulend das Becken durchpflügt.

Und ja, man spürte bereits den Herbst. Als die Sonne verschwand, war es im Wind lausig kalt. Im Becken lagen schon eine ganze Menge abgefallene Blätter und das Licht erinnerte an den goldenen Oktober. Ich bin damit nicht unzufrieden, ich mag den Herbst, und ich finde, wir hatten einen schönen Sommer. Natürlich war der Juni nass und der Juli schwül, und natürlich habe ich darüber gemeckert. Meckern ist meine Kernkompetenz. Doch alles in allem fand ich es toll in diesem Jahr – besonders diesen langen Spätsommer.

Wenn er sich nun also davonmacht, der Sommer, habe ich keinen Grund, damit unzufrieden zu sein. Was zu sagen bleibt, sind ein kleiner Gruß und die besten Wünsche: Mach’s gut, Sommer, und komm‘ gesund zurück. Wir sehen uns – spätestens zu Ostern. Denn dann macht das Schwimmbad in Hausen wieder auf!

Über den Wolken

Früher war Hitze viel schöner

Es ist heiß draußen – für meinen Geschmack schon viel zu heiß. Und es soll am Wochenende noch wärmer werden. Puh, für mich würde es ja reichen, wenn es von Mitte Mai bis Mitte September immer so um die 25 Grad war wäre. In der Nacht natürlich kühler, versteht sich. Leider kann ich das so nicht verbindlich buchen.

Sommer an der Ostsee

Sommer an der Ostsee, mit meiner Schwester (mit Blumenkappe)

Ich weiß gar nicht genau, wann das angefangen hat mit der Abneigung gegen große Wärme. Früher war es anders, ich freute mich wie toll, wenn der Wetterbericht „hochsommerliche Temperaturen“ ankündigte. Waren Ferien, stieg man morgens gleich in die kurzen Hosen und zog ein T-Shirt darüber – gerne das vom Vortag, dass Mama einem dann wieder abnahm und durch ein sauberes ersetzte. Heute stöhne ich schon nachmittags über meine verschwitzten Kleider und schnüffle immer heimlich nach, ob die sommerliche Transpiration bereits unangenehmen Folgen für meine Umwelt hat.

Ich renne inzwischen auch nicht mehr fröhlich herum, wenn es heiß ist, sondern schleiche behutsam von Schatten zu Schatten. Das mag daran liegen, dass ich in den warmen Nachmittagsstunden nicht mehr einfach alles von mir werfen und im bunten Wochentags-Schlüpfer herumlaufen darf. Oder naja, dürfen dürfte ich vielleicht schon, es hat mir bislang keiner verboten. Aber eigentlich möchte ich das nicht, und sehen will das wahrscheinlich auch niemand.

Früher waren die einzigen Gebrechen, die man von großer Hitze hatte, Sonnenbrand, Durst und Mückenstiche. Heute habe ich morgens Kopfweh und abends geschwollene Knöchel, und das, obwohl ich tagsüber meistens im klimatisierten Büro hocke. Woher wissen meine Füße eigentlich, dass es draußen heiß ist und sie anschwellen müssen? Das hat bestimmt irgendwas mit Druck zu tun: Hochdruck, Luftdruck oder Druckbetankung – schließlich trinkt man bei Hitze mehr.

Leider kann man als berufstätige Erwachsene nicht den ganzen Tag im Schwimmbad verbringen. Das war wirklich schön früher: In diesen endlosen Ferien die Saisonkarte des Schwimmbades richtig ausnutzen, morgens Sommertraining mit dem Schwimmverein (das immer in eine wilde Balgerei ausartete), nach Hause radeln, futtern und wieder los. Dann war man abends auch rechtschaffen müde, sodass einem tropische Nächte nichts mehr ausmachten. Heute wälze ich mich schlaflos herum, und das, obwohl es in meiner Wohnung eigentlich gar nicht so extrem warm wird. Das war in meinen früheren Behausungen unter dem Dach viel schlimmer.

Ich fürchte, was Wärme angeht, bin ich in den letzten Jahren ziemlich zur Memme verkommen. Ich trage sogar einen kleinen Fächer mit mir herum, ohne dass es mir peinlich wäre. Wenn ich jedoch wie früher mal wieder sechs Wochen Sommerferien am Stück haben könnte, würde ich mir das mit der Wärme wohl noch mal überlegen. Ich würde zwar nicht im Schlüpfer herumspringen, aber ein Sommer im Freibad würde mir sicher noch mal gefallen.