Der Schatz in der Pflanze

Diese kleine Geschichte ist in Teilen basiert auf einer Aufgabe im Workshop (Ihr findet einen Schatz in eurer Topfpflanze), der andere Teil ist autobiographisch. Ich habe nämlich mal versucht, Sukkulenten zu züchten – mit den unten beschriebenen Erfolgen.

Der Schatz in der Pflanze

Die blöde Sukkulente will schon wieder eingehen. Seit zwei Jahren bemühe ich mich darum, Sukkulenten zu züchten. Heraus kommt immer nur ein tabakähnlicher Bröselkram. Doch immer, wenn ich mich gerade dazu durchgerungen habe, das Elend zu entsorgen, kommen wieder einige grüne Triebe und ich gebe der Sache nochmal eine Chance. Es ist doch verrückt: Diese Dinger wachsen auf Steinen und in Wüsten, wuchern in Gärten und Kübeln. Nur bei mir passt ihnen irgendetwas nicht und sie verweigern die Zusammenarbeit. Aber jetzt ist Schluss! Ich werde das jetzt weg und kaufe mir morgen ein Alpenveilchen.

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Bild zur Verfügung gestellt von Pixabay

Mit Schwung kippe ich den Inhalt meines grünen Blumentopfes in den Mülleimer. Als ich den gerade zuhauen will, sehe ich inmitten der brauen Erde etwas glitzern. Ich tauche hinab ins Universum meines Hausmülls – wie gut, dass ich das nicht in die Biotonne geschmissen habe. Meine Finger finden in all dem Gekrümel etwas Festes und zu meiner großen Überraschung ziehe ich einen goldenen Ring mit allerhand Blingbling daran aus dem Müll. So ein richtig dickes Teil wie aus den Kronjuwelen der Lisbeth Battenberg, nur in dreckig.

Fassungslos betrachte ich meinen Fund. Ist das der Grund, warum meine Sukkulentenzucht gescheitert ist? Und noch viel wichtiger, wie kommt der Ring in meinen Blumentopf? Will mir jemand etwas sagen? Hat etwa der komische Vogel, den ich vor zwei Jahren aus einer Jazzbar abgeschleppt habe, irgendwelche ernst-romantischen Absichten mir gegenüber gehabt? Zeitlich käme das mit der Sukkulentenpflanzung in etwa hin. Aber nein, der Typ hatte nie im Leben einen Ring in der Tasche, der war total pleite und so romantisch wie eine Salatgurke gewesen.

Was dann? Lebte auf meiner Fensterbank ein Zwerg, der aus mir Aschenputtel unbedingt eine Prinzessin machen wollte? Hatte der mit seiner winzigen Schaufel … Nein, den weiteren Gedanken verbiete ich mir. Ich bin zweifellos eine schlechte Gärtnerin, aber deshalb doch nicht völlig verblödet.

Ich wasche das Schmuckstück in meiner Spüle. Vorsichtig löse ich den Dreck aus den Fassungen der Edelsteine. In meinen Ohren höre ich die Stimme der Expertin von „Bares für Rares“ – die mit dem komischen Namen. „Müsste dringend gereinigt werden.“ Ach ne, nicht möglich, darauf wäre ich gar nicht gekommen. Ich schiebe meine Gleitsichtbrille zurecht und schalte das Licht über dem Herd ein, um das Schmuckstück genauer zu untersuchen. Ein dicker blauer Glitzerstein in der Mitte, kleinere helle Steinchen drumherum. „Hoch aufgebaut“, tönt die Expertin in meinem Kopf. Ich suche nach einer Punze und finde stattdessen eine Gravur: Ilona und Wilfried. Na toll, von mir steht da mal wieder nichts. Ohne Zweifel, irgendwer, wahrscheinlich diese Ilona, hat diesen Ring verloren. Wie er in meine Blumenerde gekommen ist, erschließt sich mir zwar nicht, aber das geht mich auch nichts an.

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Nach ein wenig Grübelei entschließe ich mich zur Ehrlichkeit. Der Ring gehört mir nicht und Ilona vermisst ihn vielleicht. Ich mache Fotos für Social Media – wer vermisst diesen Ring? Bitte teilen, teilen, teilen! Dann bringe ich ihn zum Fundamt. Wenn Ilona oder Wilfried sich melden, sollen sie ihn sich dort abholen. Und wenn sich keiner meldet, gehört er ganz offiziell mir. Dann gehe ich damit zu „Bares für Rares“ und erzähle dort von meinem Unglück mit den Sukkulenten. Wer weiß, vielleicht hat da ja jemand einen Tipp für mich.