Verloren im Eierlei

Ostern wirft seine Schatten voraus – genau genommen sind wir ja schon mittendrin. Ich feiere dieses Fest nicht, auch habe ich in diesem Jahr nicht vor, Eier zu färben. Und doch wurde mir in dieser Woche irgendwie österlich zumute, als ich durch meinen Supermarkt schlenderte und die ganzen Hasen und Schokoeier dort sah. Ein Tütchen Eier wollte ich mir auch gönnen, dachte ich, auch wenn man Schokolade genauso gut essen kann, wenn sie nicht in Eiform gegossen und glänzend verpackt ist. Ich machte mich also an den Auswahlprozess – und scheiterte. Denn auch irgendeinem sortimentspolitschen Grund schien in meinem Supermarkt der schokoeirige Mittelbau zu fehlen. Das heißt, es gab entweder nur diese ganz billigen Schokoeier, die genauso schmecken, wie sie kosten, oder diese ganz teuren Eier, die zwar lecker sind, für die ich aber doch zu knauserig bin. Ich schlich also um sämtliche Eierangebote herum und kaufte schließlich … nichts.

Das erzählte ich am Gründonnerstag im Büro und erntete nur teilweises Verständnis. Daniel, der Kollege, immer rational, nickte verstehend. Er ist allerdings auch ein ziemlicher Asket in Sachen Schokolade. Heidrun hingegen, bei uns die Chefin von’s Ganze, sah das anders: „Wenn schon Hüftgold, dann richtig!“ Sie redete mir gut zu, ich solle mir doch, wenn ich am Nachmittag noch in die Stadt ginge, ein Tütchen des teuren Naschwerks kaufen. Na gut, wenn sie das quasi anordnet, muss ich das ja machen. Ich fand mich also am späten Nachmittag in der Süßwarenabteilung beim Karstadt ein und war dort völlig überfordert.

SchokoladeDenn diese Abteilung war das wahre Eierparadies. Oder, bei näherer Betrachtung, wohl eher die Eierhölle. Es gab Eier, Eier, Eier – mal als Set, mal einzeln, mal klein und niedlich, dann wieder in Straußeneigröße. Mehrfach wählte ich ein Päckchen aus und legte es ratlos zurück. Immer wieder traf ich dabei auf den gleichen Mann, der genauso verwirrt schien wie ich. Irgendwann grinsten wir uns kumpelhaft an und zuckten die Schultern – wir waren überfordert von all dem Geeier.  Auch die handgechöpfte Chocoladen-Creation mit dem Rechtchreibfehler vermochte mich nicht zu locken, so dass ich beinahe schon aufgab.

Nach einer Weile beschloss ich, auf ein Osterset zu verzichten und näherte mich stattdessen den Pralinenschachteln – da gab es sogar einige im Sonderangebot! Hossa! Ich habe ja seit frühester Kindheit eine tiefe Liebe zu Schnapspralinen und kreiste meine Beute somit deutlich gezielter ein als auf der erfolglosen Eier-Jagd zuvor. Schließlich entschied ich mich für ein Kistchen mit Likörpralinen, dem österlichen Anlass angemessen natürlich mit Eierlikör gefüllt. Wennschon, dennschon, sagte Heidrun, und sie hat Recht. Morgen gibt es Eierlikör, zusammen mit nostalgischen Gedanken an früher, als ich Omas Mon Cherie heimlich unter dem Tisch verzehrte (das war allerdings an Weihnachten und haute mich tatsächlich aus meinen kleinen Socken).

Der arme Mann aus der Ostereierabteilung begegnete mir übrigens an der Kasse nochmal: Er hatte sich für ein riesiges Pralien-Ei entschieden. Auch sowas gab es früher bei Oma und ich musste lächeln – dieses Jahr scheint Ostern was für Retro-Fans zu werden.