Pflaumenkuchenzeit

Es herbstelt heute sehr energisch. Zeit, mal wieder eine gemütliche Teestunde mit Kuchen zu machen. Und da ich ja weniger fertig kaufen und mehr selber machen möchte, war Backzeit.

Schon gestern habe ich mich inspirieren lassen. Pflaumenkuchen sollte es werden – was sonst. Und ich wollte mal keinen Blechkuchen machen. Kurz dachte ich darüber nach, den „Apfelkuchen sehr fein“ aus meinem alten Schulkochkuch einfach mit Pflaumen zu machen, aber dann fand ich im Internet einen Pflaumenkuchen, der in einer Kastenform gemacht werden sollte. Mit Vanillesoßenpulver – wie interessant! Etwas Schokolade sollte auch rein – lecker. Aber nur 100 Gramm Mehl – kann das was geben?

Ich machte also das, was ich immer mache, wenn ich ein neues Rezept ausprobiere: Ich zweifelte erst mal alles an. Dann wandelte ich ab, verrechnete mich und kaufte nicht ordentlich ein. Und dann buk ich drauflos. Und das ging so:

Zuerst mal die Menge grob verdoppeln. 200 Gramm Mehl – hatte ich gar nicht mehr. Wo ist das denn hin? In die Pfannkuchen von gestern! Zum Glück war noch Dinkelmehl im Schrank, damit wurde aufgefüllt. Alles andere auch rein. Ich hatte nicht genug Schokolade und warf stattdessen ein Tütchen Mandeln dazu, denn das knuspert immer so schön.  Alles mixen. Natürlich auch die doppelte Menge Pflaumen rein – Schüssel zu klein. Aber bevor ich eine größere Schüssel einsaute, griff ich lieber zum Kochlöffel und hob das Obst liebevoll unter – das ist ja auch die viel sanftere Methode.

Die Schüssel war knallevoll. Das passte gar nicht in meine Kastenform – vielleicht hätten 100 Gramm Mehl doch gereicht. Also musste ich Mutterns gute alte Napfkuchen aus dem Schrank wühlen, die backt sowieso am besten. Liebevoll fettete ich sie ein und nahm ganz viel Butter – dann klebt das Paniermehl auch besser. Dachte ich zumindest. Dumm nur, dass ich das Ausbröseln total vergessen habe. Sorgfältig schlichtete ich meinen Teighaufen in die Form und strich alles schön glatt. Ab in den Ofen – warten.

Während der Kuchen im Ofen war, überlegte ich, was ich machen würde, wenn das Gebäck sich nicht aus der ungebröselten Form nehmen ließe. Auslöffeln schien mir eine Alternative zu sein. Andererseits hatte ich mich beim Verdoppeln der Buttermenge um 40 Gramm verrechnet, das sollte die Sache doch flutschen lassen. Tatsächlich sprang mir der Kuchen später beim Stürzen fast entgegen.

Erbstücke: Kuchen in der geerbten Napfkuchenform und auf dem geerbten Kuchengitter

Und – was soll ich sagen? Er schmeckt sogar! Genau genommen ist er unheimlich lecker, meine grob hingeschusterten Mengen scheinen genau richtig zu sein. Da deutet sich für mich eine neue Karriereoption am Horizont ab: Ich werde Frei-Schnauze-Rezepteverrechnerin. Wenn das mal nicht ein Plan ist.

Für morgen habe ich mir ein ordentliches Stück zur Seite gelegt und natürlich auch noch etwas eingefroren. Ich bin zufrieden – selber Backen ist doch was Feines 🙂