Schön ausgedrückt – schlüpfrig

Kürzlich saßen wir in lustiger – manch einer mag auch sagen alberner – Runde beisammen und Barbara äußerte das schöne Wort „schlüpfrig“. Das führte zu einer Reihe weiterer Ausgelassenheiten und viel Gelächter. Natürlich dachten wir dabei nur an die eine Bedeutung dieses Wortes. Und dabei hat es doch zwei, von denen eine völlig harmlos ist.

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Mein Freund, der gelbe Duden, beschreibt das Wort als eher selten im Gebrauch und es stammt aus dem Mittelhochdeutschen. Das ist erst mal wenig überraschend.

Die erste Bedeutung ist feucht und glatt, ich habe spontan den Rand eines Sees oder einen alten Steg im Sinn. Auch so manches Schwimmbad hat eine schlüpfrige Umrandung, genau wie der kleine Anleger, an dem ich einmal aus einem Kanu stieg und aufstehen wollte, um einer Kollegin auch aus dem Boot zu helfen. Der Untergrund war schlüpfrig und so fiel ich gleich mit Schwung wieder in die Lahn hinein. Gut, dass es von dieser Aktion auf feuchtem Grund keine Fotos gibt.

„Schlüpfrig wie Schneckenschleim“, auch diese Bemerkung über einen unangenehmen Zeitgenossen kommt mir in den Sinn. Hier verbindet sich die Bedeutung von „aalglatt“ mit der Abwertung, die der Duden als zweites anführt, wenngleich diese eindeutig sexueller Natur ist. „Anstößig, zweideutig, unanständig“, heißt es da im Duden, und das war es natürlich, woran wir damals in der Kneipe alle dachten.

Auch die anderen bekannten Wörterbücher geben nicht viel mehr her, doch eine Unterhaltung mit Kollegen, bei denen ich ebenfalls dieses schöne Wort erwähnte, brachte die Assoziation zum „Schlüpfer“ mit sich. Über den wurde auf Meikes bunter Welt bereits berichtet, allerdings auch da nur in einem Nebenstrang. Es scheint das Schicksal des Schlüpfers zu sein, dass er immer nur eine untergeordnete Rolle spielt.

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Etwas anderes passierte mir aber, während ich über diesen Beitrag nachdachte: Ich suchte eine Illustration und weil ich hier im Blog nicht schlüpfrig (2), also anzüglich sein will, brauchte ich ein Foto für schlüpfrig (1): der Glätte. Und dabei fiel mir auf, wie viele wunderschöne Fotos von Schnecken es doch gibt. Diese Tierchen habe ich bislang viel zu wenig beachtet. Ich glaube, ich muss mich demnächst einmal in aller Frühe auf Schneckenjagd machen.