Blitzschneller Schal aus Hip-Hop-Wolle

Noch einmal habe ich mich über den Sack mit der Erbwolle hergemacht. Eine seltsame kunterbunte Faser erweckte mein Interesse, wenngleich ich etwas skeptisch war, ob die vier Knäulchen, die ich vorfand, für irgendetwas reichen würden. Jedes Knäuel hatte nämlich nur 25 Gramm sowie 25 Meter Lauflänge. Das in Kombination mit Nadeln, die Besenstielen glichen (Stärke 8) – ganz viel Länge für einen Schal ließ das nicht erwarten.

Ich entschied mich daher für einen mäßig breiten Schal mit einem Lochmuster. Die Idee dahinter war, dass man den fertigen Schal zu einem Loop zusammenknöpfen können sollte, und zwar an der Stelle, die einem gut passt – also einfach in die Löcher des Lochmusters hinein. Einen Versuch war es wert.

Ich werkelte also drauflos, mit 21 Maschen und dem einfachsten Lochmuster der Welt: Zwei Maschen stricken, danach bis zum Ende der Reihe immer einen Umschlag, zwei Maschen zusammen. In den Rückreihen einfach linke Maschen stricken. Man sieht das Lochmuster im Foto kaum, aber es ist da und sollte dem Schal „helfen“, weicher und nicht so massiv warm zu werden. Das funktionierte gut und die weiche Mikrofaser fühlte sich schön an. Das ist überhaupt ein großer Vorteil dieser eigenartigen Mikrofaser-Wolle: Sie kratzt wirklich gar nicht, nicht einmal bei so einer Mimose wie mir.

Der Schal ließ sich unheimlich fix stricken – ich glaube, die Sache hat gerade mal drei Stunden gedauert. Für meinen Geschmack hätte er etwas länger sein dürfen als die knappen 120 cm, die er nun hat, aber die Wolle war alle. Aber er sieht auf jeden Fall hübsch aus und dürfte sich gerade zu einer schwarzen oder grauen Winterjacke recht gut machen.

Die Idee mit den Knöpfen setzte ich auch um. Zu meiner Freude kamen endlich die beiden gelben Knöpfe zum Einsatz, die seit Jahrzehnten in der Knöpfekiste meiner Mutter schlummerten. Die sind von ihrem alten, gelb-weiß gepunkteten Kleid, das ich als Kind so geliebt habe. Echte Antiquitäten also, die hier eine zweite Karriere antreten dürfen.

Was ich mit diesem Strickwerk genau mache, weiß ich noch nicht, bin mir aber sicher, dass es eine Abnehmerin finden wird. Irgendjemand findet sich immer 🙂

Breiter Schal in zwei Farben

Beim Schreiben habe ich es gerade selber gemerkt: Der Titel ist eigentlich irreführend. Denn mein neuer, breiter Schal – Oma hätte sowas wohl „Stola“ genannt – hat deutlich mehr als nur zwei Farben. Das liegt an der schönen Sockenwolle „Lana Grossa Meilenweit“, die einen bunten Farbverlauf hat. Davon wurden rund vier Knäuel verbraucht. Kombiniert wurde die Sockenwolle mit einer wollweißen Restewolle aus dem Fundus, die keinen solch schönen Namen, dafür aber eine feine Zusammensetzung hat: Die Merino-Kaschmir-Mischung habe ich vor vielen Jahren einmal sehr günstig als Konenwolle bei der Hamburger Wollfabrik gekauft. Es wurde Zeit, sie aus ihrer Kiste zu befreien.

Das Einstrickmuster ist denkbar einfach: Glatt rechts, jeweils drei Maschen weiß, drei Maschen bunt werden gestrickt. Nach jeweils zwei Reihen wird das Muster um eine Masche verschoben, sodass kleine Schrägbalken entstehen. Nach 14 Reihen kommen acht Krausrippen in bunt. Danach folgt wieder das Muster, jedoch wird es dieses Mal in die andere Richtung verschoben – zickzack.

Angeschlagen wurden 182 Maschen (inc. der zwei Randmaschen). Für das Muster wurde eine Nadel in Stärke 3 verwendet, für die Krausrippen 2,5.

Das Einstrickmuster von hinten

Die Länge des Schals habe ich ein wenig frei Schnauze bestimmt. Angepeilt hatte ich in etwa 1,80 Meter, inc. der Fransen. Nach dreieinhalb Bommeln Sockenwolle hatte ich knapp 1,70, das erschien mir genug, um meine nicht ganz zarte Figur darin einzuwickeln, zumal diese Schals beim Spannen manchmal noch etwas „wachsen“. Als Fransen pflanzte ich immer zwei Fäden in bunt, einen in weiß zusammen ein – eine Fummelarbeit, die ich nicht unbedingt liebe.

Das Waschen und vor allem Spannen war eine ziemliche Arbeit, denn der Schal war in der Tat ordentlich länger geworden und passte nicht auf meine Gästeliege, die ich sonst immer zum Spannen verwende. So musste tatsächlich mein Bett herhalten – und ich auf dem Sofa schlafen. Außerdem wurden meine Nadeln knapp, denn ich habe viele eingesetzt, um dem Rand des Schals abzugewöhnen, sich nach innen einzurollen – das tun glatt rechts gestrickte Schals gerne.

Stola, Schal, mit Fransen

Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit meinem Kuschelschal. Am Wochenende bin ich zu einer Gartenparty eingeladen, da werde ich ihn wahrscheinlich einweihen. Mal gucken, ob er schön warm hält.