Fundstücke 54: Jedem seine Straße

Straßennamen sind oft nicht besonders spannend: Goethe, Bach, Wagner oder Schiller – verdiente Menschen bekommen eine Straße. Rosen, Tulpen, Nelken auch, ebenso wie Lerchen, Amseln und Meisen. Ich wuchs im Pantinenweg auf, das ist nicht so häufig. Richtig schöne Straßennamen begegneten mir aber in Wismar: Hier bekommt scheinbar jedes Mitglied der Gesellschaft seine Straße, auch wenn es sich nicht so besonderer Beliebtheit erfreut. Los ging es mit der

Das kann man verstehen, schließlich kann so einen Sarg früher oder später jeder gebrauchen und dieses Handwerk ist gewiss genau so ehrenwert wie der Maurer, der Schmied oder der Melker. In sofern haben die Sargmacher ihre Straße ganz bestimmt verdient.

Deutlich fraglicher finde ich diese Straßenbenamung:

Nun gibt es in einer handelsüblichen Stadt wahrscheinlich mehr Diebe als Sargmacher oder gar Herzchirurgen oder Heilerziehungspfleger, trotzdem finde ich es grenzwertig, diese Berufsgruppe mit einer eigenen Straße zu ehren. Eigentlich sollte das nicht mal eine Gasse geben.

Und dieses hier hielt ich schlicht für einen Scherz, aber es ist wohl ernst gemeint:

Zugegeben, diese kleine Straße ist kein Pracht-Boulevard und auch keine belebte Hauptstraße, aber es gibt oder gab sie wirklich. Über ihre ursprüngliche Bedeutung gibt es diverse Theorien. Sicher ist nur, dass hiermit keine perversen Lüstlinge geehrt werden sollten. Und heutzutage scheint sich der eine oder andere Wismarer mit dem Namen ein wenig schwer zu tun.

 

Nachbemerkung: Eine „Krachmacherstraße“ habe ich leider noch nicht gefunden.