Fünf Zimmer, Küche, Sarg

Mit einigen Freunden treffe ich mich in losen Abständen zu einer unheimlich entspannten Veranstaltung: dem sogenannten „Bildungsfernsehen“. Dies beinhaltet in der Regel einen ausgedehnten Kaffeeklatsch sowie mindestens zwei Filme. Sehr beliebt ist es zum Beispiel, auf der Raumfähre Orion nach Haushaltsgegenständen zu gucken oder in uralten schwarz-weiß-Filmen zu schwelgen. Beides gab es auch dieses Mal, dazu aber auch einen Film aus 2014: Das Werk

Fünf Zimmer, Küche, Sarg

wurde mir von befreundeten zwei Juristen empfohlen, nach außen hin ganz seriöse Leute. Daher folgte ich diesem Filmvorschlag und ich muss gestehen, ich war uneingeschränkt angetan davon. Dabei bin ich eigentlich überhaupt kein Fan von Vampirfilmen. Doch dieses dokumentarisch aufgemachte Filmstück hat mit der romantischen Verklärung vieler anderen Filme dieses Genres überhaupt nichts zu tun, hier wird schonungslos die Realität gezeigt.

Darum geht es: Echte Vampire und ihr Zusammenleben in einer Wohngemeinschaft – dieses interessante Stück Nachtleben verfolgt ein Kamerateam live und in Farbe. Ob beim Aufwecken, bei WG-Besprechungen, der täglichen Nahrungsbeschaffung oder dem jährlichen Ball – die Kamera ist stets dabei und dokumentiert unter latentem Einsatz des eigenen Lebens die manchmal allzu menschlichen Probleme in dieser ungewöhnlichen Männer-WG. Spannungen im üblichen Rahmen ergeben sich schon allein dadurch, dass die Mitglieder sehr unterschiedlich im Alter sind – Hausarbeit will man dem über 8.000 Jahre alten Petyr nicht mehr zumuten, alle anderen sollen aber bitte zumindest alle paar Jahre mal das blutige Geschirr spülen. Ist doch peinlich sonst, wenn mal Besuch kommt …

Über den Inhalt möchte ich gar nicht mehr so viel schreiben – wer das ganz genau wissen möchte, kann sich den entsprechenden Artikel auf Wikipedia suchen, der wirklich hemmungslos jedes Detail ausplaudert. Auch die offizielle Webseite ist sehr informativ: http://5zimmerkuechesarg.weltkino.de/#home

Das ist das Besondere: Neben der guten Idee gefiel mir vor allem diese ungehemmte Freude am Blödsinn, die der Film ausstrahlt. Natürlich ist das alles Quatsch, aber der ist so nett gemacht, dass ich den Film von vorne bis hinten genießen konnte – selbst als ich zusehen musste, wie das Abendessen verunglückte und auf das Sofa spritzte und nicht in den hungrigen Vampir.

Außerdem predigt der Film erfolgreich die Toleranz: Man lernt, dass man sich mit etwas Mühe mit jedem Wesen befreunden kann – und sei es auch ein Mensch oder gar Schlimmeres. Auch Altersunterschiede lassen sich gut überbrücken – man muss es nur wollen.

Gelernt habe ich durch diese Dokumentation natürlich allerhand: Ich wusste bislang nicht, das Vampire kein Silber vertragen. Und auch darüber, wie schwierig es ist, sich für einen festlichen Anlass so richtig aufzubrezeln, wenn man kein Spiegelbild hat, habe ich bislang noch nie nachgedacht. Mein Horizont wurde mal wieder erweitert, was für ein Glück.