Samstagsflohmarkt: Objekte des Tages

Wieder einmal gönnten die ewige Antje und ich uns einen Flohmarktbummel am Main. Ich wollte Bastelmaterial kaufen, was mir auch gelang. Antje hingegen schlug bei einem Buchanbieter zu und ergatterte ein Büchlein über Apfelwein – Kulturgut also.

Wie immer betrachtete ich sehnsüchtig die schönen Sammeltassen, die es gestern in einer riesigen Auswahl gab. Es gibt ja solche und solche Flohmärkte – dieses Mal schienen sämtliche Besitzer alter Tassen ihre hervorgekrankt zu haben, um sie mir unter die Nase zu halten. Ich war aber vernünftig und kaufte keine: Denn ich brauche keine Sammeltassen, und schon gar keine, die nicht in die Spülette mögen.

Sammeltassen-Paradies: mein Favorit ist die mit den farbigen Vierecken und dem breiten Golddrand – hach!

Es gab aber auch wieder sonderbare Objekte zu bewundern. Ein fröhliches Wiedersehen feierte ich mit einigen schrägen Vasen, die ich schon einmal hier vorgestellt habe. Dieses Mal ergatterte eine Art mongolischer Buddha meinen Platz zwei im Wettbewerb zum Objekt des Tages – der Herr saß würdevoll zwischen einer geblümten Ente, alten Luftpostbriefen und allerhand Porzellanzeug auf einem übervollen Flohmarkttisch.

Statue auf dem Flohmarkt

Der Favorit in dieser Woche war jedoch eine Handarbeit, liebevoll hergestellt in mühevoller Kleinarbeit – ein Pompombaum, auch bekannt als Pudelstrauch oder Troddel-Eiche. Endlich weiß ich, wass ich mit all meinen Wollresten anstellen kann – ich muss nur noch jemanden finden, dem ich das dann schenken kann 🙂

Pompombaum

Ein Abend mit Fremden

Gestern war mal wieder so ein Abend, der einen ganz anderen Verlauf nahm, als ich mir so gedacht hätte. Ich war mit der ewigen Antje auf dem Sachsenhäuser Weihnachtsmarkt am Goetheturm. Ich mag diesen kleinen Markt direkt am Rand des Stadtwalds, weil es dort so klein, übersichtlich und irgendwie gemütlich ist. Gut, man macht sich dort immer irgendwie dreckig, in Regenjahren ist man sogar bematscht bis hinauf zum Knie. Aber das weiß man halt und geht nicht im feinsten Zwirn da hin. Dieses Mal war es leidlich trocken, sodass nur die Schuhe bematschten und Hose und Jacke lediglich an den uralten, klebrigen Tischen und Stühlen schmutzig wurden. Alles war also so, wie es sein sollte.

Leuchtkeramik

Leuchtkeramik, das beste meiner vielen schlechten Fotos. Man beachte das Krokodil …

Das Angebot auf diesem kleinen Weihnachtsmarkt ist nicht riesig, aber erlesen: Hier gibt es zum Beispiel herzhafte Kräuterwaffeln, die nicht belegt, sondern behäuft wurden, Schreiber-Heynes Kartoffelwürste oder Suppen aus dem Glas. Zu Trinken natürlich dreierlei Glühwein, heißen Apfelwein, Winterbier oder Mispelchen und allerhand Alkoholfreies, Kaffee und Tee. Und natürlich Schnickschnack, so zum Beispiel Leuchtkugeln aus Keramik, die sich von mir einfach nicht vernünftig fotografieren lassen wollten, hessische Souvenirs und ein wenig Schmuck. Die Öffnungszeiten erwiesen sich zu unserem Glück als flexibel, an einigen Ständen bekam man bis 23 Uhr etwas zu trinken.

Das Beste ist auf diesem Weihnachtsmarkt aber nicht das Angebot, sondern die netten Leute, die man dort immer trifft. Irgendwie ist die Stimmung zu Füßen des Goetheturms so entspannt und gelöst, dass man sofort mit jemandem ins Gespräch kommt – das geht viel leichter als im hektischen Gedränge des großen Weihnachtsmarktes auf dem Römer. Wir hatten uns dieses Mal an einem der leicht bemoost wirkenden Tische niedergelassen, zum Glühwein trinken und Wurst essen. Kurze Zeit später kam ein Paar hinzu, etwas älter als wir und er mit Knie. Er litt, sie frotzelte, wir hatten Spaß. Man verglich die jeweiligen Leiden: Er hatte Knie, Antje auch, ich hatte Rücken, sie hatte Verstand. Die Stimmung schwankte zwischen sachlich und albern, das Gespräch war vielseitig: Mal ging es um Brotschneidemaschinen, dann um die Chancen durch berufliche Veränderungen, dann um Dialekte im Allgemeinen und das Hessische im Speziellen. Es wurde dummgebabbelt, was das Zeug hielt, aus den Fremden wurden Veronika und Jürgen, der Glühwein wurde je nach Geschmack ergänzt durch Bier und Mispelchen. Man muss schließlich auch mal Obst essen. „Fruchtzwerge“ nannte kürzlich jemand diese leckere Mischung aus Mispelfrucht und Calvados, die ich erst in Frankfurt kennen und schätzen gelernt habe.

Zwei kleine, leckere Mispelchen, fotografiert von Antje

Der Abend mit Fremden zog sich unerwartet lange hin: Waren Veronika und Jürgen gegen kurz nach neun schon einmal aufgestanden, setzten sie sich doch noch einmal wieder hin. Als in unserer Ecke langsam die Lichter ausgingen, schlenderten wir gemeinsam los – eigentlich, um heimzugehen. Doch wir blieben am Mispelstand hängen, Jürgen musste auch doch noch so einen „gelochten Ball“ kaufen und es gab immer noch mehr zu erzählen. Lustig war es, und ungemein anregend. Ein bisschen was an Dummheiten machten wir auch noch, aber darauf muss ich jetzt nicht eingehen (hier lesen schließlich Kinder mit!).

Ich liebe diese entspannten Abende mit Freunden und Fremden. Es macht immer viel Spaß, jemanden Neues kennenzulernen und festzustellen, dass man über das Gleiche lachen kann, obwohl man sich gar nicht kennt. Die entspannte, heimelige Atmosphäre auf meinem Lieblingsweihnachtsmarkt macht es einem leicht und ich freue mich schon auf das nächste Jahr.

Fröhlich-tanzender Reigen der Keramikelemente – später am Abend. Auch das Krokodil schwimmt wieder fröhlich mit.