Reif für’s Museum

Bei aller berechtigten Kritik an den sozialen Medien: Manchmal sind sie zu was gut. Beim Verbreiten von kleinen Informationen zum Beispiel, an die man ohne Internet-Kontakte vielleicht gar nicht rangekommen wäre. So ging es mir vor etwa zwei Wochen, als ich einen Beitrag meiner früheren Schulfreundin Petra auf Facebook sah: Sie berichtete, dass das Museumsdorf in Cloppenburg erweitert worden sei, u. a. um eine Discothek. Da meine Schwester und ich zuletzt vor 7 Jahren in diesem Museum waren, beschlossen wir, mal wieder hinzufahren. Bei brütender Hitze vielleicht eine komische Idee, aber zumindest war es gar nicht voll. Und – was soll ich sagen – es war ein Rückstoß in unsere Jugend.

Dorfdisco "Sonnenstein" in einem Klinkerbau

Dorfdisco, wie ich sie kannte

Die an ihrem alten Standort in Harpstedt abgebaute und ins Museumsdorf versetzte Dorfdisco „Zum Sonnenstein“ erinnerte mich schon von außen an die Lokale, in denen ich meine Jugendabenteuer erlebte. Bei uns war es die „Gaststätte zum Loyerberg“, das „H9“ oder das „Ede Wolf“, und sie sahen dem Sonnenstein innerlich und äußerlich frappierend ähnlich. Klinkerbauten, altmodische Leuchtreklamen, innen dunkle Holztheken, in allen Ecken aufgestapelte Getränkekisten, Tiffanylampen – diese wilde Mischung machte den Discoabend aus. Getrunken wurde bei uns Cola mit Weinbrand, genannt Charly, und in der Happy Hour von 0 bis 1 Uhr kostete ein kleines Glas dieses Gesöffs gerade mal eine Mark. Prost.

Innenaufnahmen aus dem Sonnenstein: Dorf-Disco-Ambiente der 80er Jahre.

In der Disco lief 80er-Jahre-Musik, es standen vertraut aussehende Getränke herum und die in einem Ausgabe-Fenster auf Abholung wartende Currywurst sah genau so appetitlich aus, wie es damals üblich war. Über das Anrichten einer Speise machte man sich dort keine Gedanken, hauptsache warm, fettig und salzig. Guten Appetit!

Beim Betreten der Räumlichkeiten wurde man schon von einem imaginären Türsteher angesprochen: Meine Schwester solle sich dieses Mal gefälligst benehmen, sonst flöge sie raus. Und ich sei besonders scharf gekleidet heute – nun ja. Auch wenn man weiter ging, konnte man Gespräche belauschen: Mal wurde eine Gunda befragt, wo sie denn die gelien Klamotten her habe, dann jammerte ein junger Mann, dass er dringend eine Mitfahrgelegenheit nach Bassum suche. Der Arme, das ist wirklich weit ab vom Schuss. Zum Glück nahm sich jemand seiner an. Es war lustig und authentisch, wir hatten viel Spaß.

Auch einen neuen Laden gibt es, in dem Produkte unserer Kindheit zu kaufen waren, und eine Ausstellung ließ uns ebenfalls in Erinnerungen schwelgen. Das hat Spaß gemacht und war toll, aber dass meine Generation inzwischen reif für’s Museum ist, stimmt mich doch ein bisschen wehmütig.