Regen macht schön

Heute hatten wir das erste richtig dicke Sommergewitter des Jahres. Eigentlich hatte ich schon früher das Büro verlassen und nach Hause gehen wollen, aber es goss mir zu sehr. Ich werkelte noch ein wenig herum, bis ich glaubte, es wagen zu können. „Es wird schon besser“, sagte ich deshalb zu meinem Bürokollegen Daniel und er bestätigte das. „Oh, ja, viel besser. Und es ist ja nicht weit.“ Da hatte er recht, ich musste ja nur zur Straßenbahn. Ich stiefelte also los, oder vielmehr, ich halbschuhte. Ungefähr drei Meter hinter dem Vordach hatte ich einen nassen Fuß. Ja, in der Tat, Stiefel wären besser gewesen – Gummistiefel. Aber in denen kriegt man im Büro so schnell Schwitzefüße.

Als Mensch, der es gerne symmetrisch mag, hatte ich natürlich kurze Zeit später auch den zweiten Fuß nass. Das lag nicht nur an dem Platzregen von oben, sondern auch an dem Sturzbach, der den Gehweg entlanglief. Hätte ich eines dagehabt, hätte ich ein Schiffchen schwimmen lassen können. Aber ich hatte kein Schiff, ich hatte nur ein winziges Schirmchen, das meinen Kopf einigermaßen trocken hielt. Dabei kommt es bei meinem Kopf gar nicht so drauf an, ob er trocken bleibt oder nicht: Regen macht nämlich Locken. Und Locken sind schön.

Ich war also pitschenass, als ich am Haltestellenhäuschen angepitschert kam, genau wie alle anderen Leute darin. Ich fand das nicht schlimm, denn es war überhaupt nicht kalt, im Gegenteil: Das, was da auf mich niederprasselte, war wärmer als das, was heute Morgen aus meiner Dusche kam. Eigentlich war es sogar ganz lustig, denn das Wasser kam von überall, so dass man sich mit dem Schirm irgendwie blöd vorkam. Es war so, als versuche man aus einer Schachtel Streichhölzer einen Staudamm zu bauen. Solche Gedanken schienen einige Leute zu haben, sie lachten und alberten herum, wenn sie sich zu den Wartenden im engen Wartehäuschen drängten. Andere wiederum schienen sich zu grämen oder sogar zu ärgern. Was für verlorene Energie, und wie schade für sie, dass sie so missmutig ins Wochenende gehen mussten.

Bei genauem Nachdenken finde ich, dass Regen Vieles schöner macht: Er wäscht den Staub aus der Stadt und von den Blättern und legt sich als Kristalltropfen auf die Blüten. Regenbögen mag wohl fast jeder leiden und unser fruchtbares Klima gefällt mir auch. Gut, übertrieben regnen sollte es nicht unbedingt, aber heute war ich mit dem Gewitter sehr einverstanden. Und Locken habe ich jetzt auch – sogar noch viel mehr als heute Morgen.

Nachbemerkung: Die beiden Blumenfotos sind aus dem Fundus. So zart waren die Tropfen heute nicht.

Wo ist der Goldtopf?

Es war heiß in den letzten Wochen – viel zu heiß. Und zu trocken. Aber irgendwo scheint es inzwischen zu regnen. Nicht hier, aber in Offenbach.  Zumindest gab es eben einen riesigen Regenbogen über Offenbach. Ich sah ihn an der Südseite, dort wo ich vom Balkon aus unter anderem auf das Oberräder Heimatmuseum, ein eingerüstetes Hochhaus und den Stadtwald gucke. Dann rannte ich zur Nordseite – auch dort sah ich hinter den Oberräder Kräuterfeldern den Regenbogen – direkt über Offenbach! Nein, genauer: IN Offenbach. Das nördliche Ende des Regenbogens kam genau in Offenbach unten an. So sah das aus:

Regenbogen über Offenbach

Regenbogen über Offenbach

Ich war aufgeregt bis zur Hysterie: Endlich einmal ließ sich ein Goldtopf so genau lokalisieren! Ich eilte ins Schlafzimmer, um mich ordentlich anzuziehen – so im Strandkleid, mit unzureichender Unterbekleidung und ohne Schuhe konnte ich schlecht auf Schatzsuche gehen. Schließlich konnte es ja auch passieren, dass ich es am falschen Ende versuchte und noch in den Wald laufen musste. Hastig warf ich einen Kontrollblick aus dem Fenster – war er noch da? Er war es, in aller Pracht und Schönheit! Über OFFENBACH …

Durch Zufall fiel mein Blick in die andere Richtung – und ich verstand. Die Mär von dem Goldtopf am Ende des Regenbogens, sie gilt nicht überall. Sie gilt im Wunderland, in Irland oder bei Hägar, dem Wikinger, aber nicht in Offenbach. Denn dieser Regenbogen kam von der anderen Seite: Er war ein reiner Abstrahleffekt. Bei uns im Rhein-Main-Gebiet steht der Goldtopf woanders …

Frankfurter Skyline im Sonnenuntergang

Frankfurter Skyline im Sonnenuntergang