Kohlfahrtszeit ist Regenzeit

Es ist ja schon verrückt, dass man solch eine norddeutsche Kulturveranstaltung wie die traditionelle Kohlfahrt immer gerade in der kalten Jahreszeit machen muss. Allerdings hatten wir bislang – und das sind über 30 Jahre – erst selten richtige Regenkohlfahrten. Nun, der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht …

Angekündigt waren ein paar Schauer. Gut, damit kann man leben. Ausgerüstet mit guten Jacken, Schirmen und festem Schuhwerk macht einem echten Kohlfahrer so ein kleiner Schauer nichts aus. Aber was tut man, wenn aus den vereinzelten Schauern ein stundenlanges Gepladder wird? Nun, man macht … das Gleiche wie sonst auch. Laufen, trinken und komische Spiele spielen. Außerdem haben wir in diesem Jahr die Schirmkröte erfunden, eine Mensch- und Materialformation, bei der man sich zusammendrängelt (die Kleinen in die Mitte) und mithilfe der Schirme so viel Schutz wie möglich aufbaut, damit der Schnaps nicht mehr als nötig verwässert.

Geboßelt wurde natürlich auch, das gehört bei uns ja dazu. Das verlief dieses Mal recht unspektakulär, keiner fiel in den Graben, und auch die Kugel war nie zu matschig, weil man sie immer in einer Pfütze waschen konnte. Wir hatten jedoch das Glück, beim Suchen nach der Kugel mit dem Kraber in einem Graben  einen wohl mal vom Winde verwehten Herrenhut zu finden – ein erstaunlich gut erhaltenes Stück, das von Ute in einer klaren Pfütze gewaschen wurde und dann zum „Trocknen“ auf dem Bollerwagen befestigt wurde. Der Hut würde später am Tag noch richtig zu Ehren kommen.

Ich gehe ja immer gerne mit diesen alten Freunden auf Tour, aber an Tagen wie diesen mag ich meine Leute besonders gerne. Denn trotz des fiesen Wetters war die Laune hervorragend. Keiner mopperte herum, keiner gab den Piesepampel oder musste abgeholt werden. Aus irgendeinem verrückten Grund waren wir sogar länger draußen als sonst, gerade so als könnten wir gar nicht genug bekommen von nassen Füßen und kaputten Schirmen. Der eine oder andere der kleinen Helfer gab nämlich unterwegs den Geist auf – meiner auch. Es ist halt manchmal etwas windig in der norddeutschen Tiefebene …

Und ab und an, ganz selten, hörte es sogar mal auf zu regnen. Immer so für einige Minuten, gerade lange genug, dass wir unsere Schirme zugeklappt und im Bollerwagen verstaut haben. Und dann sah meine klatschnasse Heimat richtig schön aus:

Es war also mal wieder richtig gelungen – allen Wassermassen zum Trotz. Unsere Kohlkönigin hatte die Tour liebevoll organisiert und für den erkrankten Kohlkönig übernahm ein Erstzkönig, der sich den ganzen Nachmittag lautstark immer wieder für irgendwas entschuldigte: „Ich bin hier nur die Aushilfe!“ Ein neues Königspaar wurde auch gefunden und dabei – das muss noch gesagt werden – kam der olle Hut nochmal richtig zur Geltung: Das zweite Strickschwein, früher das Zepter des Königs, ging nämlich verloren, sodass nun der nasse Filzhut als Krönungsutensil herhalten musste. Nun ja – empfindlich darf man bei uns nicht sein, wenn man regieren will 🙂

Zu guter Letzt noch einen großen Dank an Sandra und Harry für die Organisation, Michael für die selbstlose Übernahme des Amten und an Günter und Anita, die uns am Futterstand mit heißen Getränken, Brot, Käse und Wurst versorgten. Was wären wir gewesen ohne euch – nichts weiter als ein Trüppchen begossener Pudel!

Fundstücke 47 – Wetterbericht

Ich dachte, ich sei ihm entronnen – meinem altem norddeutschen Feind, dem Sprühregen. Doch nun sprüht es schon seit Tagen, nur ab und an unterbrochen durch Platschregen, was objektiv betrachtet nicht besser ist. Und doch hatte ich vorhin an der Bushaltestelle das Bedürfnis, meinen Schirm kurz abzulegen und ein Foto zu machen: Denn besser als dieses aufgeweichte Stück Salzgebäck* kann man die Großwetterlage derzeit nicht beschreiben.

Doch wie immer, wenn man genau hinsieht, kann man der desolaten Lage auch etwas Schönes abgewinnen. Ich bin ja immer ein Freund von vollgeregneten Pflanzen und heute gab es für mich nicht nur Blättchen, sondern auch Beeren.

Und wenn alle Stricke reißen, gibt es immer noch Ostfriesentee (hab ich), Pflaumenkuchen (hatte ich), eine Kerze (Check!) und dazu gemütlich Musik hören – dann herbstelt es zwar schon ein bisschen, aber immerhin regnet es nur draußen.

 

*Anmerkung: Das Salzgebäck oben ist so eine Art PomBär – ein aufgeplusterter Chip. Seine Struktur hat er dank des vielen Wassers inzwischen verloren, was als Beweis dafür zu werten ist, dass viel Trinken gegen Falten hilft.

Regen macht schön

Heute hatten wir das erste richtig dicke Sommergewitter des Jahres. Eigentlich hatte ich schon früher das Büro verlassen und nach Hause gehen wollen, aber es goss mir zu sehr. Ich werkelte noch ein wenig herum, bis ich glaubte, es wagen zu können. „Es wird schon besser“, sagte ich deshalb zu meinem Bürokollegen Daniel und er bestätigte das. „Oh, ja, viel besser. Und es ist ja nicht weit.“ Da hatte er recht, ich musste ja nur zur Straßenbahn. Ich stiefelte also los, oder vielmehr, ich halbschuhte. Ungefähr drei Meter hinter dem Vordach hatte ich einen nassen Fuß. Ja, in der Tat, Stiefel wären besser gewesen – Gummistiefel. Aber in denen kriegt man im Büro so schnell Schwitzefüße.

Als Mensch, der es gerne symmetrisch mag, hatte ich natürlich kurze Zeit später auch den zweiten Fuß nass. Das lag nicht nur an dem Platzregen von oben, sondern auch an dem Sturzbach, der den Gehweg entlanglief. Hätte ich eines dagehabt, hätte ich ein Schiffchen schwimmen lassen können. Aber ich hatte kein Schiff, ich hatte nur ein winziges Schirmchen, das meinen Kopf einigermaßen trocken hielt. Dabei kommt es bei meinem Kopf gar nicht so drauf an, ob er trocken bleibt oder nicht: Regen macht nämlich Locken. Und Locken sind schön.

Ich war also pitschenass, als ich am Haltestellenhäuschen angepitschert kam, genau wie alle anderen Leute darin. Ich fand das nicht schlimm, denn es war überhaupt nicht kalt, im Gegenteil: Das, was da auf mich niederprasselte, war wärmer als das, was heute Morgen aus meiner Dusche kam. Eigentlich war es sogar ganz lustig, denn das Wasser kam von überall, so dass man sich mit dem Schirm irgendwie blöd vorkam. Es war so, als versuche man aus einer Schachtel Streichhölzer einen Staudamm zu bauen. Solche Gedanken schienen einige Leute zu haben, sie lachten und alberten herum, wenn sie sich zu den Wartenden im engen Wartehäuschen drängten. Andere wiederum schienen sich zu grämen oder sogar zu ärgern. Was für verlorene Energie, und wie schade für sie, dass sie so missmutig ins Wochenende gehen mussten.

Bei genauem Nachdenken finde ich, dass Regen Vieles schöner macht: Er wäscht den Staub aus der Stadt und von den Blättern und legt sich als Kristalltropfen auf die Blüten. Regenbögen mag wohl fast jeder leiden und unser fruchtbares Klima gefällt mir auch. Gut, übertrieben regnen sollte es nicht unbedingt, aber heute war ich mit dem Gewitter sehr einverstanden. Und Locken habe ich jetzt auch – sogar noch viel mehr als heute Morgen.

Nachbemerkung: Die beiden Blumenfotos sind aus dem Fundus. So zart waren die Tropfen heute nicht.

Es wird heiß!

Gerade habe ich den Wetterbericht gehört: Es soll heiß werden in Frankfurt, und dazu natürlich drückend und schwül wie immer. Durch diese Aussicht fiel mir dieses kleine Geschichtchen wieder ein.

Hitze – und sonst nichts Besonderes

Das Gewitter kam an einem Freitagabend. Es war einer dieser Freitage, an denen ich es nicht erwarten kann, endlich den Schreibtisch aufräumen und das Wochenende einläuten zu können. Noch war gutes Wetter, aber Regen war angekündigt. Würde die Zeit noch für einen Kurzbesuch im Schwimmbad reichen, oder zumindest für ein Kaffeestündchen auf dem Balkon? Ich hatte es eilig!

Die Straßenbahnfahrt quer durch die Stadt erschien mir endlos. Frankfurt ist schön, aber im Sommer glühen die Straßen und kein Luftzug erreicht die Innenstadt. Nach der kühlen, klimatisierten Luft im Büro kommt es mir dann oft so vor, als sei ich draußen von einer warmen, nassen Wolke umgeben. Mehr als einmal habe ich mich schon dabei ertappt, wie ich mit den Armen so etwas wie Schwimmbewegungen mache, um dieser Substanz zu entrinnen. Natürlich ist der einzige Effekt dieser Übung dann jedes Mal, dass die Leute auf der Straße mich befremdet anblicken. Dieser Freitag war also ein solcher Tag und als ich meine Wohnung erreichte, klebte mir das Kleid am Körper, die Zunge am Gaumen. Dazu, mich in dieser Gluthitze noch einmal hinauszuwagen, und sei es in Richtung Schwimmbad, fehlte mir einfach die Lust.

Ich entschied mich also dazu, den Rest des Nachmittags lesend auf dem Balkon zu verbringen. Ein gutes Buch, Saft, Kekse – ich trage gerne meinen halben Hausstand hinaus auf den Balkon. Auch MP3-Player gehört dazu, denn schließlich möchte ich meine Ruhe haben und die Geräusche der Nachbarn möglichst gar nicht wahrnehmen. Nicht ausblenden kann ich freilich den Lärm der aufsteigenden Flugzeuge, die an einigen Tagen so tief über mir dahinziehen, dass ich sie fast am Bauch kraulen möchte. Aber an diese Störungen habe ich mich inzwischen gewöhnt und nehme sie als unvermeidliches Übel hin.

An diesem Tag war es jedoch angenehm ruhig, wenn auch drückend heiß. Ich verbrachte zwei anregende Stunden in der Gesellschaft von John Irving und Brian Ferry – eine wunderbare Mischung. Und noch etwas erschien mir wunderbar: Einer meiner Nachbarn hatte wohl Kuchen gebacken, der Duft zog in warmen, süßen Strömen in meine Nase und ließ mich lächeln. Ich bin keine große Bäckerin, aber daheim hatte es früher oft so gerochen, wenn wir Kinder aus der Schule oder vom Spielen heimkamen. Ja, so roch zuhause. Genussvoll schnüffelnd blickte ich von meinem Buch auf.

Was ich sah, ließ mich staunen: der Himmel, der vor kurzem noch von einem fast unnatürlich scheinenden Blau mit einigen Wattewölkchen gewesen war, leuchtete inzwischen in einem unwirklichen Stahlgrau. In der Ferne aber, über dem Stadtwald, ragte eine schwarze Wand auf, aus der bereits die Blitze schossen. Es sah aus, als würde da hinten die Welt untergehen. Und dabei war es doch hier, nur einige Kilometer weg von diesem Unwetter, noch gar nicht mal schlechtes Wetter. Im Gegenteil, die leichte Abkühlung empfand ich als angenehm. Und so hoffte ich, dass sich das Wetter noch ein Weilchen dort hinten austoben würde, damit ich noch sitzen bleiben und den Kuchenduft genießen konnte.

Ich beobachtete träge die Blitze. Dieses Warten auf den Regen erinnerte mich an die heißen Sommer meiner Kindheit. Wir hatten auf dem Land gewohnt, mit Spielgeräten im großen Garten, reichlich Platz zum Toben und einer ganzen Meute von Kindern in der Nachbarschaft, die alle in etwa im gleichen Alter waren wie meine große Schwester und ich. Im Sommer hatten wir fast nur draußen gespielt, mal alle zusammen, dann wieder in kleineren Grüppchen. Wir tobten und rannten, die Wärme machte uns wenig aus. Ab und zu aber liefen wir ins Haus, um durstig Wasser und Saft in uns hineinzuschütten. Und natürlich bettelten wir um Eis, das wir manchmal sogar bekamen – selbstgemachtes Fruchteis, das in kleinen Plastiktöpfchen steckte und dessen Stil beim Ablutschen etwas sonderbar roch. Damit und mit dem Wasser, dass in einer großen alten Zinkwanne für uns draußen stand, kühlten wir uns ab. Und an vielen Abenden erwarteten wir fast ungeduldig eines der Sommergewitter, das uns Erfrischung bringen und den Staub aus der Luft waschen würde. Wir spielten dann wie in Wartestellung: Federballsets und Bälle waren schon in den Schuppen, Puppen und Wolldecken ins Haus gebracht worden. Wir Kinder saßen dann oft nur träge herum und schwatzten ein wenig, oder aber wir holten, sehr zum Unmut unseres Vaters, diverse Dinge aus dem Schuppen wieder heraus. Manchmal vergnügten wir uns an solchen Abenden auch auf der Wippe, zwei Kinder auf jedem Sitz, eines balancierend auf der schwankenden Mitte. Aber ganz gleich, was wir taten, in erster Linie warteten wir ab.

Wenn das Gewitter dann tatsächlich losbrach, gab es für uns nichts Spannenderes, als es genau zu beobachten: Wer sah den ersten Blitz? Und wie lange dauerte es, bis der Donner folgte? Einundzwanzig, zweiundzwanzig – unsere Aufregung war groß, wenn beides, Blitz und Donner, unmittelbar aufeinander folgten und sich draußen wahre Sturzbäche ergossen. „Jetzt sind wir mittendrin!“, kreischte dann immer jemand und wir starrten wie gebannt aus dem Fenster. Und dabei hofften wir schon, dass es nicht mehr zu lange dauern würde mit Blitz und Donner und dass es danach noch ein Weilchen kräftig schütten würde. Denn dann, wenn die Gefahr, vom Blitz erschlagen zu werden, vorbei war, durften wir hinaus in den warmen und doch so angenehm kalten Regen. Nur mit T-Shirt und Unterhose bekleidet hopsten wir herum wie kleine Kobolde, kichernd auf dem Rasen schlitternd. Das ging so lange, bis die Mutter uns hereinrief: „Zeit fürs Bett!“ Natürlich waren wir müde, aber trotzdem wurden jedes Mal noch ein paar Minuten herausgeschunden – so, wie ich heute nicht aus dem Bett hinaus will, wollte ich damals nicht hinein. Schon gar nicht, wenn es nach einem heißen Tag endlich Abkühlung gab.

Auch an diesem Freitag sehnte ich mich nach einer Erfrischung. Gierig reckte ich meinen Körper jeder Windbö entgegen, immer auf der Suche nach Kühle. Der Wind jedoch war warm, fast tropisch, und half mir nicht aus dem Schwitzen heraus. So war es früher natürlich auch manchmal gewesen: Das Gewitter zog weiter, die ersehnte Abkühlung blieb aus. An diesen Tagen half nur der Gartenschlauch.

Meine Eltern waren eigentlich strikte Gegner der deutschen Eigenart, an jedem Abend den Garten unter kostbares Leitungswasser zu setzen. Dennoch besaßen wir einen Wasserschlauch, der jedoch hauptsächlich dazu verwendet wurde, Kinder und Väter zu unterhalten. Dazu wurde der Sprenger nicht auf Dauerbetrieb gestellt, sondern es wurde vorne eine Düse aufgeschraubt, die wohl eigentlich zum Blumen gießen gedacht war. Mit ihr konnte man zielgenau spritzen, mit kaltem, kräftigen Strahl traf das Wasser auf erhitzte Körper. Das brachte deutlich mehr als das Schießen mit einer altmodischen Wasserpistole! Die Spritzerei übernahm am Anfang entweder mein Vater oder der Nachbar. Sie jagten uns hin und her durch den Garten und wir liefen aufgeregt herum, lachend und schubsend. Wir fühlten uns sehr mutig, wenn wir direkt vor dem jeweiligen Spritzmeister herumturnten und Faxen machten. Irgendwann tauschten wir dann immer die Rollen, jeder durfte mal sprengen. Und auch die Väter schienen das immergleiche Spiel zu genießen, viele Sommer lang. So lange, bis wir eines Tages zu groß dafür wurden – oder zumindest glaubten, es zu sein. Denn auch an diesem Abend, an dem ich in feuchtheißer Schwüle auf meinem Frankfurter Balkon saß und zusah, wie es andernorts regnete, wünschte ich mir jemanden mit einer Wasserspritze. Jemanden, der Spaß daran hätte, hemmungslos herumzualbern, Grasflecken auf die Hose und vor Lachen einen Schluckauf zu kriegen. Natürlich, fiel mir ein, hätte dieser jemand außer dem Rasensprenger auch einen dazu passenden Rasen haben müssen.

An diesem Abend kam leider niemand mit einer Wasserspritze. Ich saß weiter auf meinem Balkon, schnüffelte nach dem Kuchenduft, der langsam verflog, hörte Jazz und beneidete die Leute hinter dem Stadtwald um ihren Regen. Denn bei uns blieb es, wie es war: feucht-heiß. Und dabei hätte ich es an diesem Abend mal wieder tun mögen: einfach hinauslaufen, durch Pfützen patschen, Tropfen mit der Zunge fangen. Sicherlich nicht in Unterhosen, aber ein paar meiner alten Sommerkleider erscheinen mir wie geschaffen für solche Spiele. Und wer weiß, vielleicht hätte ich da draußen ja jemanden getroffen, der die gleiche Idee hatte wie ich und der gemeinsam mit mir durch die nassglänzenden Straßen gelaufen wäre. Aber ohne Regen, das war mir klar, würde ich einen solchen Gefährten heute nicht finden.

Ich blieb also auf meinem Balkon sitzen, mit John Irving und leiser Musik, und es geschah nichts. Außer vielleicht einer Kleinigkeit: Mir wurde plötzlich bewusst, was für ein Wunder mir soeben passiert war: Auf einer dünnen, duftenden Kuchenspur war ich für eine Weile in die Vergangenheit geflogen, war über dreißig Jahre zurückgereist in meine Kindheit. Ich hatte den Regen gespürt, die feuchte Erde gerochen, das Lachen der anderen gehört. Vaters dröhnenden Bass, Mutters Kopfschütteln, ihre Stimme: „Ihr seid ja verrückt, alle miteinander!“. Ich hatte sogar ihre Hände gespürt, die mich mit einem Frotteehandtuch trocken rubbelten. Das alles war an diesem Freitagabend plötzlich wieder da, obwohl eigentlich nichts Besonderes passiert war – weder damals, in den Sommern der siebziger Jahre, noch an jenem Freitag, auf meinem Balkon in Frankfurt.