Komische Gewohnheiten: Und noch ein bisschen Rucola…

Ich weiß nicht, wann es passiert ist, dass irgendein Mensch beschlossen hat, dass Rucola zum wichtigsten Gemüse in Deutschland werden soll. Es muss irgendwann zum Ende meines Studiums gewesen sein, also Ende der 90er Jahre. Zuerst zögerlich und oft noch unter dem Namen „Rauke“, begegnete einem die Salatpflanze plötzlich überall und in den aberwitzigsten Kombinationen.

Rucola, Rauke

Bild zur Verfügung gestellt von Bettina Kopps, http://www.pixelio.de

Ich mag Rucola durchaus, wenn er nur leicht bitter und mit anderen Salatsorten vermischt ist – dann kann er dem Essen richtig Pfiff verleihen. Aber diese überalterten, gallebitteren Riesenblätter, die einem oft ohne jedes Dressing auf ein warmes Essen geschmissen werden, brauche ich für nix. Ich glaube, sowas wollten nicht mal die Meerschweinchen meines Neffen noch essen.

Unsere Kantine ist grandios darin, einem zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit das Bitterkraut unterzuschieben. Manchmal sogar frittiert, als fettiges, bröseliges Häufchen, dass noch schlimmer stört als das bloße Geblätter. Pizza, Burger, asiatische Reispfanne oder Fisch mit Kartoffelsalat – auf jedem Teller ist noch Platz für etwas trockenes Grünzeug. Lediglich auf Milchreis und Germknödel wurde bislang noch kein Rucola gesichtet, wobei ich das hier nicht so laut sagen mag – sonst quetscht demnächst noch ein findiger Koch Rucolapesto in den Hefeklops hinein.

Eine ähnliche Karriere scheint derzeit übrigens zu lange gegartes Schweinefleisch – auch bekannt unter dem Namen „pulled porc“ – hinzulegen. Diese Seniorennahrung hat ihren Weg in unsere Kantine ebenfalls schon gefunden, so dass ich vor einer Weile statt einem soliden Hackklops eine faserige Masse in meinem Burger vorfand. Natürlich mit einigen Blättern Rucola obendrauf, ist klar, oder?