Schippertour nach Seligenstadt

Alle paar Jahre mache ich mit Freunden oder Verwandten gerne mal eine Tagestour mit der Primus-Linie. Man kann in zwei Richtungen fahren: Nach Rüdesheim und von da weiter zur Loreley, oder an Offenbach und Hanau vorbei nach Seligenstadt und dann Aschaffenburg. Dieses Mal sollte es eigentlich Aschaffenburg werden, die Rückfahrt war mit dem Zug geplant. Doch weil die Lokführer streikten, entschlossen wir uns, noch einmal nach Seligenstadt zu fahren. Los ging es am Eisernen Steg in Frankfurt.

Dieses Mal war ich ganz entspannt mit meiner lieben Schwester unterwegs. Beide mussten wir daran denken, dass wir vor etwa 15 Jahren die gleiche Tour einmal mit unserer Mutter gemacht hatten. Das war schön, aber auch sehr mühsam, denn unsere Mutter saß damals schon im Rollstuhl und die Tour ist nicht barrierefrei. Daran ändert auch die super-steile Rampe nichts, die es inzwischen in Frankfurt gibt: Das wäre mit etwas Mühe und Überlegung deutlich besser gegangen (ich denke, unsere Mutter hätte sich schlicht geweigert, sich diesem Mordgerät auch nur zu nähern, und auch meine rollifahrende Freundin hatte dafür kürzlich nur ein befremdetes Kopfschütteln übrig). Am Anleger hatten wir damals also jeweils eine Menge Mühe mit dem Ein- bzw. Aussteigen. Auch im altertümlichen Seligenstadt tut man sich eher schwer, wenn man nicht mehr beweglich ist. Das alles war dieses Mal natürlich kein Thema.

Wir hatten einen Tag mit wunderbarem Spätsommerwetter erwischt, sodass wir uns die ganze Fahrt über draußen aufhalten konnten und hinterher nach einem Spaziergang durch die Altstadt recht froh über ein bisschen Schatten und kalte Getränke waren. Sonnencreme hatten wir natürlich zuhause vergessen, da habe ich ja auch nur drei Flaschen davon. Sagen wir mal so – wir haben kräftig Farbe bekommen, und inzwischen pellt sich meine Nase.

Nach dem Kaffee liefen wir ausgiebig im Klostergarten herum. Zuerst kam der Kräutergarten. Überall roch es besonders. Wir schnüffelten an allerlei Kraut herum, ich nieste trotz eingenommener Allergiepille viel und beide genossen wir die Vielfalt. Wir kannten lange nicht alles von dem, was da wuchs. Putzig fand ich die Kennzeichnung der Giftpflanzen, die jeweils einen kleinen Totenkopf ☠ auf dem Schild hatten. Viele sind auch als Heilpflanzen bekannt, aber man sollte sowas wohl nur zu sich nehmen, wenn man sich wirklich gut damit auskennt.

Es gab neben diversen Blühpflanzen auch Zierkohlarten, Obstbäume (die fast immer beschriftet waren – bis auf das Ding, was uns wirklich unbekannt war) und – tatsächlich – blühende Artischocken. Die fand ich recht dekorativ, solange sie kräftig blühten, aber eher gruselig, wenn diese Phase vorbei war.

Und gegen Abend schipperten wir sonnenverbrannt zurück. Wir gönnten uns gespritzen Apfelwein und, weil man ja den Salzverlust durch das Schwitzen ausgleichen muss, eine Currywurst mit Pommes. Und dann kam das, worauf ich mich schon den ganzen Tag heimlich ein bisschen gefreut hatte: Wir tuckerten der Frankfurter Skyline entgegen.

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Nach all den Jahren habe ich mich noch immer nicht an dieser Aussichet über den Main sattgesehen. Es ist fast egal, bei welchem Wetter ich die Skyline sehe – ich finde sie einfach schön.

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Herbstfahrt auf dem Main

Immer mal wieder mache ich die „Kleine Kreuzfahrt“ der Primus-Linie auf dem Main – gerade, wenn ich Gäste von außerhalb habe. Diese Tour ist eigentlich unspektakulär, man sieht jedoch vom Wasser aus einiges. Und Kaffee trinken kann man natürlich auch.

Eingestiegen wird am Eisernen Steg, dann schippert man insgesamt zwei Runden: Einmal Richtung Grießheim, wo an der Schleuse gewendet wird. Nach einem kurzen Zwischenstopp wieder am Eisernen Steg geht es in die andere Richtung weiter bis zur Schleuse Offenbach, mit einem Abstecher in den Osthafen und Ausstiegsmöglichkeit an der Gerbermühle.

Frankfurter Skyline und Eiserner Steg im Herbst

Frankfurter Skyline im Herbst

Aufgefallen ist mir dieses Mal, dass der Text, der während der Schiffstour auf deutsch und englisch vom Band läuft, aktualisiert wurde. Es gibt nicht mehr die sonore Bass-Stimme, die mir immer so gefallen hat, dafür aber brandaktuelle Informationen, beispielsweise über das nagelneue EZB-Gebäude und die „Liebesschlösser“, die wahrscheinlich irgendwann den Eisernen Steg zum Einsturz bringen werden. Auch beim X-ten Mal finde ich die Tour noch interessant, obwohl man die zurückgelegte Strecke auch zu Fuß zurücklegen und sich die Informationen über die Stadt anlesen könnte.

Frankfurts älteste Kirche: Sankt Leonhard

Frankfurts älteste Kirche: Sankt Leonhard, erbaut 1219

Alles in allem sind die knapp zwei Stunden eine angenehm verbrachte Zeit, gerade wenn man gemütlich auf dem Oberdeck sitzen und sich den Wind um die Nase wehen lassen kann. Auch die Kosten von 10 Euro 90 sind verkraftbar. Wer weniger Muße hat, kann übrigens auch nur die halbe Kreuzfahrt buchen und fährt dann nur eine der beiden Runden.

Abschließend noch ein Wort zur Barrierefreiheit: Naja, geht so. Der Anleger am Eisernen Steg hat eine Rampe bekommen, die zwar recht steil ist, sich aber mit Hilfe wohl von Rollstuhlfahrern bewältigen lässt – da hat sich also etwas getan. Die Schiffe sind unterschiedlich, das geht mal besser, mal schlechter. Macht man jedoch eine größere Tour Richtung Seligenstadt oder Rüdesheim und möchte an einem der kleineren Anleger aussteigen, kann es ganz schön knirschen im Gebälk. Allerdings sind die Mitarbeiter der Primus-Linie immer sehr hilfsbereit, so dass wir es bislang auch mit Rollstuhl immer trockenen Fußes hin und her geschafft haben.