Fundstücke 67 – Die dünnen Damen

Kürzlich war ich mal wieder im Urlaub an der Ostsee. Wie so oft wurde es beim Kofferpacken etwas hektisch und es kam, wie es kommen musste: Ich habe meine Begleiterin vergessen. Die dicke Dame stand tatsächlich bei mir im Regal – dachte ich zumindest.

Die dicke Dame bei einem früheren Aufenthalt an der Ostsee

Zu meiner großen Überraschung traf ich sie dann jedoch in Travemünde. Sie war mit einer Freundin unterwegs, die sie in der Gruppe „Radikale Clubdiät“ kennengelernt hatte und – was soll ich sagen: Beide Damen hatten es dort übertrieben.

Ist das Kunst, oder kann das weg?

Ich hatte nach unserer Heimkehr ein ernstes Gespräch mit meiner langjährigen Gefährtin und sie hat mir versprochen, mit diesem Unsinn aufzuhören. Auch wird sie sich künftig nicht mehr derartig zur Schau stellen – auch nicht für 550 Euro.

Ostseekugeleien

Wie man aufgrund der ungewohnten Ruhe hier im Blog erahnen konnte, war ich im Urlaub. Mal wieder ging es ans Wasser, genauer an die Ostseeküste. Mit meiner Freundin Kerstin besuchte ich eine der größten Bausünden Deutschlands, das „Ostseeressort Damp“. Häßlich hingeklotzt, aber toll gelegen, mit 70er-Jahre-Charme und tollen Wellnesseinrichtungen. Und absolut behindertengerecht – das mögen wir als Fußgängerin und Rollifahrerin hier besonders. Natürlich hatten wir auch wieder Seeblick gebucht: mit Blick auf die Ostsee und den Yachthafen.

Damp Yachthafen, Kugelfoto

Damp – Blick auf den Yachthafen

Auch auf die Gefahr hin, meine Leser und Bildergucker allmählich zu langweilen, habe ich mal wieder mit meiner Fotokugel herumgespielt. Das Wetter hat aber auch geradezu dazu eingeladen: Himmel und Ostsee waren so unglaublich blau, dass es fast schon künstlich aussieht.

Wieder einmal kann ich mich kaum entscheiden, ob ich die Bilder richtig- oder falschherum am liebsten mag – oder sollte das innere Bild gedreht werden? Ist falsch richtig, oder richtig falsch? Kompliziert – wie immer probiere ich gerne etwas aus und mache es mal so, mal anders.

Natürlich liefen wir nicht nur direkt am Wasser herum, sondern wanderten auch ein wenig ins Landesinnere hinein. Hier gab es viel Grün, einen locker bewölkten Himmel, bannig Wind und … Pferde. Jede Menge Pferde – ihnen werde ich wohl noch einen Extrabeitrag widmen. Einige aber passten in meine Kugel – sehr zur Verwunderung ihres Besitzers, der mit seinem Auto gaaaaanz langsam an uns vorbeizog, um zu gucken, was die dicke Dame da wohl an seinem Zaun macht.

Ostseepferde

Ich versuchte übrigens auch, Kerstin in der Kugel richtig in Szene zu setzen. Sie stand diesem Experiment eher skeptisch gegenüber, sodass das Lächeln etwas verklemmt wirkte. Und da die Kugel die Figur nicht unbedingt zum Positiven verändert, verbot sie mir sehr energisch eine Veröffentlichung dieser Bilder. Daran halte ich mich natürlich – mit einem Lächeln. 😀

Das Monster im Klo

Fische, Zähne

Gefährliche, bissige Zahnfische an der Ostsee

Dieser Vorfall ereignete sich schon vor einigen Monaten, genau genommen im März 2016. Ich brauchte einige Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten, und fühle mich erst jetzt stabil genug, um es niederzuschreiben. Denn hier wurden Urängste, die lange überwunden zu sein schienen, wieder zum Leben erweckt.

Eigentlich war es ein sehr schöner Tag gewesen: Ich war mit meiner Schwester an der Ostsee, wir waren touristisch unterwegs (in Travemünde, glaube ich) und ließen den Abend in einem guten Fischrestaurant ausklingen. Auch dort war alles so, wie es sein sollte: lecker Fischplatte, Weißwein und Mineralwasser. Und es kam, wie es kommen musste: Ich musste.

Toiletten in Restaurants sind ja oftmals ein Abenteuer, und so war es auch in diesem Fall. Zwar war die Anlage an sich sauber und ordentlich, aber man musste da erst mal hinkommen: Quer durch’s Lokal, hinter der Theke links, durch die Tür raus, rechts, die Treppe runter, einen finsteren Gang entlang, nochmal ums Eck – und irgendwann war man da. Ich wählte eine Kabine und machte, was gemacht werden musste.

Als ich fast fertig war, ertönte ein Knall: Irgendjemand – oder irgendetwas? – hatte ganz offensichtlich die Tür zum Waschraum ausgerissen, eingetreten oder auf andere Weise aus den Angeln gehoben. Ich erschrak fürchterlich – Feueralarm? Doch statt einer Sirene hörte ich, wie etwas die Kabine neben mir besetzte. Unter furchtbarem Schnaufem, Stöhnen und Grunzen passierte dort etwas Fürchterliches – aber was? Ich hatte Angst und erinnerte mich daran, dass ich als Kind auf unbekannten Toiletten immer gefürchtet hatte, etwas könnte von unten kommen, mich am Hintern packen und in die Kanalisation zerren. Das mit dem Reinzerren ist inzwischen nicht mehr so einfach, schließlich bin ich etwas mehr geworden, aber die unheimlichen Geschehnisse nebenan ließen mich erstarren. Ein Rauschen wie von einem Wasserfall, jämmerliches Jaulen einer gequälten Kreatur – meine Ohren begannen zu bluten. Nur langsam konnte ich mich dazu durchringen, mich zu erheben, meine Hose hochzuziehen und zu spülen. Oder wäre es vielleicht klüger, nicht zu spülen, um keine Aufmerksamkeit zu erregen? Ich beschloss, den Spülknopf zu drücken und zeitgleich aus der Kabine zu stürzen, dann ohne die Hände zu waschen aus dem Waschraum zu stürmen und laut nach Hilfe zu rufen. „Ein Monster! Ein Monster! Ein Monster ist in der Damentoilette, zu Hülf, zu Hülf!“ Ich stellte mich zurecht.

Und dann ging alles ganz schnell: Ich schlug auf den Spülknopf und riss die Tür auf. Zeitgleich hörte ich das Spülen aus der anderen Kabine und auch diese Tür öffnete sich. Ungelenk stießen wir zusammen, das Monster und ich, verkeilten uns zwischen Waschbecken und Tür. Ich wollte schreien, doch machte nur atemlos „Phhhüüü“. Und das Monster lächelte. Das Monster war eine Frau. Es sah aus wie eine ganz normale Frau der Sorte „ältliche norddeutsche Bauersfrau“. Es lächelte und ließ mir am Waschbecken den Vortritt. Dabei versuchte es sich im Smalltalk: „Mensch, war das eilig. Ich dachte, ich schaff’s nicht mehr. Kennen Sie das auch, dass Sie so dringend müssen, dass Sie an nichts Anderes mehr denken können?“ Ja, danke, das kenne ich auch. Habe ich schon erlebt, sowas. Aber ob ich dabei auch solche unheimlichen Geräusche von mir gebe, weiß ich nicht. Eigentlich will ich es nicht hoffen.

Ich verließ den Waschraum recht eilig, denn so ganz traute ich dem Braten noch nicht. Man hat ja schon was von Körperwandlung gehört und so – nach vorne Bäuerin und hintenrum Tyrannosaurus Flex. Ich schlief sehr schlecht in jener Nacht.

Freikörperkultur

Mit Blick auf meine Urlaubsberichterstattung muss ich mich mal wieder als Spießer outen, denn im Ostseeurlaub fiel mir mal wieder auf, dass ich mich gerne bedeckt halte: Ich bin keine Freundin der Freikörperkultur.

Unser Hotel hatte einen direkten Zugang zur Ostseetherme. Man war gehalten, gleich im Bademantel in die Therme zu schlappen, denn man kam im „textilfreien Bereich“ der Sauna an, wo man im Bademantel noch geduldet wurde, in Jeans und Pulli aber sicherlich unangenehm aufgefallen wäre. Dort im Saunabereich haben mir die Nackten nichts ausgemacht, auch wenn ich selber keine begeisterte Saunagängerin bin. Mir ist es dort zu warm und allein die Idee, sich nackend mit fremden Menschen zusammenzuhocken, allein mit dem Zweck, tüchtig zu schwitzen, finde ich skurril bis unappetitlich. Aber gut, so unterschiedlich sind die Leute, viele Menschen lieben das und das ist für mich völlig in Ordnung.

Merkwürdiger fand ich da den Außenbereich der Ostseethermen-Sauna, der einen Zugang über die Promenade an den Strand und von dort in die Ostsee hatte. Es war einfach komisch, im Frühstücksraum des Hotels gemütlich am Fenster zu sitzen und ein Ei zu abzupellen, derweil der morgendlich-träge Blick auf einem rosa saunierten Opi hängenblieb, der gerade freudig-flitzendüber den Strand rannte, um sich in der Ostsee abzukühlen. Auch die Begegnung beim abendlichen Spaziergang, Schwesterlein und ich in dicker Jacke, Mütze und Schal, das Paar uns gegenüber auf der Promenade mit ohne alles, war schon irgendwie bemerkenswert. Immerhin rannten die beiden nicht.

Überhaupt scheint meine Abneigung gegen die Freikörperkultur weniger mit der Nacktheit an sich zu tun zu haben als vielmehr mit Nacktheit in Bewegung. „Schamgeschlacker im Abendrot“, so beschrieb der wunderbare Pankfurt-Autor Robert Maier kürzlich seine Eindrücke während eines Kanaren-Urlaubs. Damit traf er genau die Bilder in meinem Kopf. Rennende Nacke sind viel schlimmer als friedlich sitzende. Finde ich jedenfalls … aber ich bin ja auch spießig 🙂

Auch die dicke Dame hält sich gerne bedeckt – gerade in Zeiten des langen Schattens

Travemünder Ansichten

Bei mildem Frühlingswetter machten meine Schwester und ich einen Ausflug von Timmendorf nach Travemünde. Da mir der Name dieses Ortes schon immer ein Befriff ist, hatte ich irgendwie mit einem größeren Städtchen gerechnet. Inzwischen weiß ich, dass Travemünde eigentlich nur ein Stadtteil von Lübeck ist und rund 14.000 Einwohner hat – weniger als mein Heimatort.

Schon allen die Fahrt mit dem Bus dorthin war ein Erlebnis, für einen Euro gab es jede Menge zu sehen. Viele schöne alte Häuser standen in riesigen, gepflegten Gärten. Das wäre ja nicht mein Fall, wenn ich so etwas zu pflegen hätte, aber anschauen mag ich so etwas ausgesprochen gerne.

In Travemünde flanierten wir vom Strand(bus)bahnhof zur Promenade und liefen weiter in Richtung Ort. Unterwegs kehrten wir ein – in ein Lokal, das eine tolle Aussicht auf das Wasser bot und in dem man uns einen unglaublich grauslichen Kaffee servierte. Wenn wir später darüber sprachen, hieß dieser Ort nur noch „Gaststätte zum gräsigen Kaffee“.

Ganz in der Nähe gab es allerdings etwas Schönes: einen Spielplatz, komplett mit Wrack und Schatzkisten. Dort hätte ich als Kind sicherlich auch gerne mal gespielt.

Besonders gut gefielen mir die vielen alten Häuser in der Travemünder Altstadt. Vor der Strandpromenade aus kam man eigentlich automatisch dort hin. Eines der ersten alten Häuser ist die „Alte Vogtei“ (1551), die einen dieser alten „Zackengiebel“ hat, die ich schon als Kind ungemein hübsch fand.

In der Travemünder Altstadt findet man viele kleine Häuser, die sehr liebevoll restauriert wurden. Einige sind so klein und schmal, wie ich es bislang nur aus niederländischen Städten kannte. Ich bin etwas im Zweifel, was den Wohnkomfort darin angeht, aber niedlich sind sie auf jeden Fall.

Ein bisschen blauer Himmel hätte meinen Fotos gut getan, doch die Sonne verließ uns leider direkt nach dem Cafébesuch (auch das wird an diesem fiesen Kaffee gelegen haben).  Trotzdem war es ein schöner, entspannter Ausflug, auf dem wir ganz zum Schluss noch etwas ganz Neues kennenlernten: Eine Ampel, an der uns beim Drücken eines Knopfes die nächsten Busverbindungen vorgelesen wurden. Ein Service für Blinde, der uns zunächst verwirrte, der bei den vielen Linien, die an unserer Haltestelle abfahren sollten, aber sicherlich sinnvoll war.

Ostseeurlaub bei Timmendorf

Gerade ist mir aufgefallen, dass ich euch noch gar nicht viele Fotos vom letzten Urlaub gezeigt habe – bislang nur das verregnete Haffkrug. Nun, wir hatten auch deutlich besseres Wetter. Wir wohnten auf der Grenze zwischen Scharbeutz und Timmendorf, direkt an der Ostseetherme. Hier ein paar Impressionen:

Nur wenige Schritte vom Hotel entfernt befand sich dieses Kunstobjekt, das Udo Lindenberg gewidmet ist. Ob der nun unbedingt so eine Art Denkmal braucht, weiß ich nicht so recht, aber die handwerkliche Arbeit und auch die Ähnlichkeit der „Laubsägearbeit“ mit dem Sänger gefiel mit gut. Auch ist die Platzierung sehr passend – wir guckten mal durch auf den Horizont.

Hier der Beweis, dass wir auch gutes Wetter hatten. Bis auf den einen schaurigen Tag kamen wir eigentlich sehr gut davon in Sachen Wetter, für Anfang März hatten wir schon viel Sonne und konnten ab und zu sogar draußen kaffeesieren.

Eines meiner Lieblingsmotive: ein Meer, ein noch winterlicher blauer Himmel und hohe Bäume. Ein dankbareres Motiv gibt es eigentlich kaum.

Diese Allee, ein Teil der Strandpromenade, sind wir immer wieder entlanggelaufen, wenn wir nach unserem Bummel durch das Städchen oder abends nach dem Essen in unser Hotel zurück wollten. Manchmal waren wir jedoch auch faul und nahmen den Bus – der günstige Fahrkartenpreis von einem Euro für Kurkartenbesitzer war da recht verlockend und faulheitsfördernd.

Und nun fällt mir auf, dass ich gar keine Aufnahmen von Timmendorf-City gemacht habe. Nun, das war auch eigentlich nicht so spannend. Interessanter war da das Sea Life, daswir an einem nebeligen Vormittag in aller Ruhe besuchten. Es war nicht besonders voll, so dass man sich durchaus mal vor ein Becken auf eine Bank setzen und ein wenig länger gucken konnte.

Besonders lange saßen wir vor dem Quallenbecken. Ich fand das geruhsame Auf- und Zuklappen der Quallen unglaublich beruhigend und schön. Trotzdem habe ich diese Geleehaufen nicht so gerne, wenn sie mir beim Baden an Nord- oder Ostsee begegnen, auch wenn die hiesigen Quallen zumeist völlig harmlos sind. Meine Quallenfotos waren zumindest ambitioniert, wenn auch nicht sehr gekonnt.

Ausflüge in die Metropolen Travemünde und Lübeck machten wir natürlich auch. Davon zeige ich in den nächsten Tagen ein paar Bilder.

Strand meiner Kindheit

Kürzlich war ich mit meiner lieben Schwester ein paar Tage an der Ostsee. Wir wohnten irgendwo auf der Grenze zwischen Timmendorfer Strand und Scharbeutz. Als ich noch sehr klein war, verbrachten wir unsere Familienurlaube dort ganz in der Nähe, im kleinen Örtchen Haffkrug. Hier erholte ich mich von Mittelohrentzündungen und Husten und ertrank angeblich fast bei dem Versuch, einen Ball aus der Ostsee zu retten*. So recht viele Erinnerungen hatte ich zunächst nicht an den Ort, meine Schwester hingegen, vier Jahre älter als ich, wusste noch deutlich mehr. Wir machten uns also dorthin auf, um nachzusehen, ob wir irgendetwas wiedererkennen würden.

Mit Mama im Strandkorb – damals passten wir zu dritt da rein. (Danke an Lewenstein für die Bildbearbeitung)

Zunächst einmal fiel uns auf, dass der Strand viel schmaler war, als wir beide ihn in Erinnerung hatten. Ob das an der Erderwärmung liegt oder daran, dass wir damals klein waren, konnten wir auf die Schnelle nicht herausfinden. Es schien aber auch recht wenig Leben in diesem kleinen Ort zu sein – deutlich weniger zumindest als in Timmendorf, Niendorf oder Scharbeutz. Was hatte uns früher nur in dieses verschlafene Nest geführt? Wahrscheinlich der günstigere Preis, kombinierten wir, denn Geld war damals zuhause knapp. Und die Zerstreuungen einer belebten Strandpromenade oder reichlich Läden und Lokale haben wir als Kinder nicht vermisst. Wir waren zufrieden mit unserem Vierbettzimmer – für uns Kinder gab es ein Etagenbett – in der Pension Brandt. Ich wusste noch, dass die Unterkunft sehr nah an der Seebrücke gewesen war und meine Schwester glaubte das Haus zu erkennen, obwohl es frisch verklinkert war und gerade neue Fenster bekam. Sie huschte zum Klingelschild und tatsächlich – Brandt stand an der Tür, hurra!

Seebrücke Haffkrug

Auch den alten Spielplatz im Kurpark, von dem ich ein Foto habe, gibt es noch, wenn auch mit nagelneuen Spielgeräten. Mir kam urplötzlich noch die Erinnerung an einen Imbiss, in dem wir immer Erbsensuppe zum Mitnehmen an den Strand gekauft hatten und meine Schwester fand das Haus, vor dem sie sich das Knie aufgeschlagen hatte.

Das Wetter meinte es an diesem Nachmittag in Haffkrug übrigens nicht gut mit uns – es regnete. Genau wie in dem einen merkwürdigen Sommer, den wir dort verbracht hatten: Damals regnete es wohl fast ununterbrochen, was mich nicht störte, weil ich die Masern bekam und im Bett bleiben musste. Meine Schwester hatte trotz des schlechten Wetters einen grandiosen Urlaub, in dem sie jeden Morgen mit unserem Vater loszog, um eine Art Ostseeralley mitzumachen: Jeden Tag waren Aufgaben in einem anderen Küstenort zu lösen. Wahrscheinlich waren die beiden die Einzigen, die tapfer alle Aufgaben erledigten, zumindest gewann meine Schwester einen großen Schinken in einem karierten Stoffbeutel. Den Beutel hatte sie auch auf dieser Reise wieder mit dabei: Er dient ihr seit rund 40 Jahren im Urlaub als Wäschesack.

Untergestellt unter einem Reitdach, konnten wir den dicksten Regenguss einigermaßen trocken überstehen.

*Anmerkung: Es wurde in meiner Familie immer wieder behauptet, dass ich in der Ostsee beinahe ertrunken wäre. In meiner Erinnerung sieht das ganz anders aus: Ich hätte den Ball nämlich fast gehabt, beinahe hätte ich ihn greifen können. Aber dann kam Papa angerannt, in Unterhose und nassem Oberhemd, hat mich von meinem Vorhaben abgehalten und mich völlig grundlos aus dem Wasser geholt. So war das nämlich in echt!

Die dicke Dame an der Ostsee …

Ich war mal wieder im Urlaub. Dieses Mal nicht allein, sondern mit meiner lieben Freundin Kerstin. Außerdem hatte ich die dicke Dame im Gepäck, eine Keramikfigur, die mir irgendwie ähnlich sieht. Genau genommen hatte ich sogar mehrere dieser Doubles dabei.

Unser Urlaubsziel war im Grunde unspektakulär: Es ging an die Ostsee, genau genommen in die Bausünde „Ostseeresort Damp“, früher auch mal als „Damp 2000“ bekannt. Diese Ansammlung aus Hotels, Kurkliniken, Apartementhäusern und Ferienhäuschen passt in die Landschaft wie ein Panzer in die Kirche, aber wenn man im Hotel ist, ist der Blick auf die Ostsee wirklich fantastisch – vorausgesetzt natürlich, man hat Seeblick gebucht. Ansonsten guckt man ins Binnenland, was zugegebenermaßen auch nicht schlecht ist. So sah es von meinem Balkon im 7. Stock aus:

Ostseehotel Damp - Blick vom Balkon

Der Vorteil an unserem Reiseziel war für uns ganz klar die völlige Barrierefreiheit, die der gesamte Ferienkomplex aufweist. Kerstin ist im Elektrorollstuhl unterwegs, und da wir beiden dafür bekannt sind, dass unsere Urlaube mit Pleiten, Pech und Pannen behaftet sind – Auto kaputt, Rollstuhl kaputt, alles gleichzeitig kaputt – war es uns dieses Mal wichtig, möglichst stressfrei unterwegs zu sein. Und das hat geklappt: Kerstins Auto durfte direkt vor der Tür parken, sie konnte jederzeit alles erreichen und so konnten wir bedenkenlos auch mal getrennte Wege gehen. Vorbildlich – so sollte eigentlich alles gebaut sein.

Auch das Wetter spielte mit, so dass die dicke Dame sich völlig ungeniert überall und ständig im Bikini zeigen konnte. Manchmal aber zog sie sich etwas zurück und genoss den Seeblick beschattet vom Strandgras:

Ostseeblick

Das heißt natürlich nicht, dass die dicke Dame schüchtern wäre. Wenn sie die Gelegenheit dazu hat, stellt sie sich gerne ein wenig zur Schau, so wie hier:

Ostseeblick mit Dame

Einen richtig großen Leuchtturm, wie ich ihn an der Küste immer gerne habe, gibt es in Damp leider nicht. Für die kleine dicke Dame reichte jedoch dieses Miniatur-Modell aus, um bei einem Cocktail ein wenig zu entspannen:

Auf dem Leuchtturm von Damp

Wobei das mit den Cocktals in Damp so eine Sache ist: Man schämt sich dort nicht, die kleinen Cocktails, die fertig gemischt für ’nen Appel und ’n Ei im Getränkemarkt zu haben sind, für 6 Euro das Stück zu verkaufen. Natürlich nicht im Fläschchen, sondern im Glas, auf Eis und mit Schirm. Die fertige Mixtur wird sogar mit wichtigem Gesicht in einen Shaker gefüllt und tüchtig geschüttelt – angeblich macht das das Fertigprodukt „cremiger“. In ganz Damp war kein ordentlicher Cocktail zu bekommen. Deshalb stieg auch die dicke Dame irgendwann auf was Reelles um:

Bier an der Osatsee

Auf diese Weise angenehm berauscht, konnte die dicke Dame den lieben Gott ’nen guten Mann und Fünfe gerade sein lassen. So wurden selbst die beeindruckstendsten Mehrmaster zur reinen Kulisse, von den vielen kleinen weißen Jollen, die wir täglich vorbeiziehen ließen, ganz zu schweigen.

Segelschiff auf der Ostsee

Leider mussten wir – Kerstin, die dicke Dame und ich – bereits nach einer Woche wieder abreisen. natürlich machten wiir in dieser Woche nicht nur Strandurlaub, sondern sahen uns auch etwas an – davon an anderer Stelle mehr. Und ich machte danach wie so oft noch einen Abstecher zu meiner norddeutschen Familie. Und auch dort nutzten wir die Gelegenheit, uns in der Sonne zu aalen und auf’s Wasser zu gucken. In diesem Fall war es jedoch die Weser bei Brake, mit Blick auf die Insel Harriersand.

Weserblick auf Harriersand