Musik von damals – Shopping

Meine Ausbeute: Mini-Notizbücher

Wieder einmal hat eine Alltagssituation mir einen Ohrwurm eingebracht: „We’re es-äitsch-o-piepie-ai-en-dschi – we’re shopping!“ Denn shoppen waren wir, Kerstin und ich. Oder zumindest hatten wir es vor.

Mit meiner Freundin Kerstin ziehe ich ja nun schon rund 25 Jahre durch die Lande und wie es so ist, gab es allerhand Einkaufstouren in dieser Zeit. Und die haben sich in dem Maße entwickelt und verändert, wie unsere Lebenssituation sich verändert hat.

Unsere ersten Shoppingtrips waren davon geprägt, dass wir beide eigentlich gar kein Geld übrig hatten zum lustvollen Einkaufen. Ich erinnere mich da besonders an unseren ersten gemeinsamen Urlaub auf Wangerooge in einer unglaublich billigen Familienpension. „Alles anfassen, nix kaufen“ lautete das Motto und ich fürchte, die Ladenbesitzer haben sich damals mit innerlichem Grausen von uns abgewandt. Hoffnungslose Fälle, mag so mancher gedacht haben. Auch später noch, als wir beide nach dem Studium unsere ersten Jobs hatten, war der Einkauf eines Sets blauer Plastikeierlöffel für Kerstins Haushalt ein echtes Highlight. Die Löffel gibt es übrigens immer noch und lassen mich jedes Mal lächeln, wenn einer neben meinem Frühstücksei liegt.

Nach der Zeit fast ohne Geld kam die Phase, in der wir uns beide finanziell ein bisschen berappelt und viel Spaß daran hatten, durch verschiedene Läden zu ziehen und tütenweise Kram einzukaufen. Kleidung, Parfüm, Haushaltsausstattung – alles erschien begehrenswert und wurde gekauft. Manchmal gab es hinterher sogar Kaufreue, weil der Geldbeutel leerer geworden war als geplant, oder weil das ganze geshoppte Gedöns kaum in den Koffer zu quetschen war.

Und jetzt? Heute hätten wir beide das Geld für einen wirklich ausgedehnten Shopping-Trip. Doch wir sind wieder an dem Punkt „Alles anfassen, (fast) nichts kaufen“ angelangt. Denn wir brauchen nichts und haben eher zu viel als zu wenig. Wenn ich früher meine Mutter gefragt habe, was sie sich zum Geburtstag wünscht und sie sagte „Ich hab‘ doch alles“, dachte ich immer, das kann doch nicht sein. Aber doch, es ist so. Die Schränke sind voll, es geht (zum Glück) recht wenig kaputt und der Mode renne ich nicht mehr hinterher. Irgendwelche Nippes muss ich inzwischen auch nicht mehr kaufen. Und so fiel unser Hamburger Einkaufsbummel über die Maßen bescheiden aus: Ich erwarb vier Mini-Notizbücher für insgesamt einen Euro (ja, wirklich, 4 für 1 Euro) und Kerstin kaufte ein Duschgel als Mitbringsel für ihren lieben Mann. Außerdem aßen wir jeder ein Eis und tranken Kaffee – wat ‘ne Sause. Schön war es trotzdem.

Und einige Stunden lang begleiteten mich die Pet Shop Boys mit Shopping. Das Lied stammt aus dem Jahr 1987. Da war ich in der elften Klasse und an ein ausgedehntes Shopping meinerseits war im Grunde nicht zu denken. Zehn Euro Mark (!) bei NanuNana auszugeben war damals schon eine enorme Investition.

Nein, Gaby wartet nicht!

Dame im Park

Eine Dame im Park, von einem Bildhauer künstlerisch hingesetzt für die Ewigkeit.

Wer kennt das nicht: Irgendeine Erwähnung löst eine Erinnerung an ein Lied aus, daraus folgt ein Ohrwurm. Ganz besonders stark habe ich das bei Namen: Da arbeite ich doch seit einigen Monaten mit Gaby zusammen – einer sehr netten Dame aus Düsseldorf. Kaum erwähnt jemand ihren Namen, dudelt in meinem Kopf Udo Jürgens los – möge er trotzdem in Frieden ruhen. „Gaby wartet im Park“, trällerte er einst und „Gaby wartet im Park“ singt es in mir. Dabei ist das totaler Quatsch, Gaby wartet nicht im Park. Sie hat einen Hund, ja, das schon, daher wird sie vielleicht ab und zu im Park spazieren gehen, aber um da lange herumzuwarten, hat sie gar keine Zeit.

Es gibt auch andere Namen, die sowas bei mir auslösen. Martin, natürlich: „Martin, my love … !“ Dieses unsägliche Gesinge des ebenfalls verstorbenen Diether Krebs lässt mich leise seufzen – und es wechselt sich tatsächlich ab mit „Maaaartin! Maaaartin! Denn deine Liebe war so schöööön!“ von Mireille Mathieu. Die war glücklicherweise besser bei Stimme als der Herr Krebs, so dass dieser Ohrwurm für mich nicht ganz so schlimm zu ertragen ist wie „Martin, nä!“.

Auch Kurt, ohne Helm und ohne Gurt, ist eng mit einem Hit verknüpft – gewiss können alle Kurts oder Curts ein Lied davon singen. Frank Zander bescherte uns etliche dieser Grusellieder, auch „Oh Susi!“ kam schon des Öfteren in meinen Sinn, wenn ich eine Susanne kennen lernte. „Ich bin doch auch nur ein Mann“, flötete der Künstler damals, und ich dachte schon als Kind, dass das eine echt lahme Entschuldigung ist für so einen Schlager.

Zum Glück kenne ich nicht so viele Martins, Kurts und Susis, so dass ich vor diesen Kunstwerken einigermaßen gefeit bin. Anders ist es mit Gaby im Park: Die Kollegin läuft jeden Tag mehrfach an meinem Büro vorbei, und schon wenn ich sie auf dem Flur höre, setzt das Bedauern ein. Nicht, weil sie dort läuft, oh nein, ich schätze sie durchaus, aber das ist doch kein Zustand: „Gaby wartet im Park, doch sie bleibt heut‘ allein …“ – die Arme! Aber das ist natürlich Quatsch, weder ist sie im Park noch bleibt sie allein, ganz im Gegenteil! Sie sitzt im Großraumbüro gegenüber, da ist sie deutlich weniger allein als sie es vielleicht gerne wäre. Und doch, Udo ist sehr bestimmt in seiner Aussage und setzt noch einen drauf: „Und sie wird dich nie wiiiiedersehn’n…“. Was Gaby, mich? Aber wieso denn? Ich gehe jeden Tag ein paar Mal da rüber, wir sehen uns regelmäßig, und manchmal essen wir auch zusammen. Ach Gaby, was mache ich nur mit dir – wie kriege ich den Udo aus dem Kopf?

Noch während ich dies schreibe, merke ich, dass ich auf recht hohem Niveau klage, denn es könnte ja noch viel schlimmer sein: Man stelle sich vor, diese Kollegin, die meine innere Musicbox so inspiriert, hieße „Aaaniiita!“, dann würde nicht nur Costa Cordalis in meinem Kopf plärren, sondern auch noch ein ganzer Kinderchor. Und ein Kollege namens Bernhard brächte mich zum Stottern, gemäß dem armen presslufthammergeschädigten Bauarbeiter von Torfrock. Dieses Kunstwerk hatte ich übrigens fälschlicherweise Mike Krüger zugeordnet, der uns immer mal wieder „Mein Gott, Walter“ seufzen lässt – egal, ob Walter etwas für die zu beklagende Misere kann oder nicht. Da bin ich ja mit Udo Jürgens noch gut bedient, da gibt es wenigstens eine Melodie und sowas wie eine Aussage.

Also lasse ich Gaby erst mal weiter im Park warten, es hilft ja nichts. Und es ist gut, so wie es ist. Immerhin heißt sie nicht Claudia und hat auch keinen Schäferhund. (Nein, das verlinke ich nicht – das ist nämlich nicht jugendfrei!)

 

Übrigens: Sollte jemand ein ähnliches Namens-Ohrwurm-Problem haben, freue ich mich über Kommentare. Ich habe ganz bestimmt einige schöne Schlager vergessen …