Eierkauf 3 – kein Ei im Haus

Seit ich in meiner aktuellen Wohnung wohne, bin ich in der glücklichen Lage, einen Vorratsschrank zu besitzen. In dem habe ich immer einen gewissen Grundbestand an Lebensmitteln, der es mir ermöglicht, ein paar Tage etwas Vernünftiges zu kochen, auch wenn ich einmal keine Lust hatte, einkaufen zu gehen. So wie an diesem einen Samstag, an dem ich eigentlich zum Wochenmarkt hatte gehen wollen, mich aber aufgrund des fiesen Wetters sowie meiner mir stets anhaftenden Faulheit nicht hatte aufraffen können. Ich spähte in den Kühlschrank – gab es etwas, was ich unbedingt brauchte? Nein, es würde reichen – Käse, Wurst, sogar etwas frisches Gemüse lag noch im Gemüsefach. Das Einzige, was fehlte, waren Eier – ich esse sonntags gerne ein gekochtes Ei zum Frühstück. Aber gut, einen Sonntagmorgen ohne Ei würde ich überleben.

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Ein Gericht aus der früheren Hesse-Wirtschaft am Frankfurter Ostend – ein sog. „Pfännchen“

Ich überbrückte das eierlose Frühstück mit Joghurt und fühlte mich recht gut dabei. Die Entzugserscheinungen setzten erst später ein – genau genommen, als ich überlegte, was ich später kochen könnte.

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Hausmacher-Pfannkuchen

Vor meinem inneren Auge zogen Berge von frischen Pfannkuchen vorbei, hübsch angerichtet mit Preiselbeeren. Aber das musste ich mir aus dem Kopf schlagen. Zur Ablenkung beschloss ich, einen Kuchen zu backen. Ohne Ei war das aber auch keine gute Idee. Ich beschäftigte mich also mit etwas anderem.

Abends gab es Nudeln. Ich beschloss, gleich einen ganzen Haufen zu kochen, denn dann könnte ich den Rest am nächsten Tag mit etwas Gemüse braten und ein Ei drüber klopfen. Leider kam ich auch am Montag nicht zum Einkaufen und musste meine Nudeln ohne Ei wieder aufwärmen. Mir fiel schon etwas zu meinem Nudelrest ein, so ist es ja nicht. Doch alles, was mir einfiel, wäre mit Ei viel schöner gewesen. Überhaupt war es merkwürdig, wie viele Eierspeisen mir im Laufe des Tages in den Kopf gekommen waren, die ich mit meinen Vorräten durchaus hätte kochen können, wenn denn Eier da gewesen wären: Eier in Senfsoße, Omelette mit Champignons, Waffeln mit Blaubeeren, Bauernfrühstück und strammer Max. Die Variationen an Eierspeisen, die meine Gedanken beherrschten, waren außerordentlich vielfältig.

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Mein liebstes Frankfurter Gericht: Eier mit grüner Soße und Bratkartoffeln. Sowas von lecker!

Ich entwickelte in den nächsten Tagen eine regelrechte Eier-Obsession, sodass ich am Mittwoch tatsächlich nach der Arbeit loseilte, um das Ersehnte zu erwerben. Dazu gleich noch einen kleinen Eimer grüne Soße, noch mehr Senf und Mehl für allerlei Gebäck. Ganz gegen meine Gewohnheit kaufte ich gleich zehn Eier – sonst komme ich mit sechs Stück in etwa zwei Wochen lang hin. Aber bevor die wieder knapp wurden, sorgte ich lieber vor.