Fundstücke 69 – Was man alles machen könnte …

Ich bin ja bekennender Schlechtwetter-Urlauberin an der See, soll heißen, ich fahre gerne in der kühlen Jahreszeit ans Wasser. Man kann Glück mit dem Wetter haben oder auch Pech, wobei Pech relativ ist. Es kommt halt drauf an, was man daraus macht. Und niemals ist das Wetter nur schlecht – auf Regen folgt Sonne.

Immer wieder werde ich gefragt, was man bei Schietwetter auf einer kleinen Insel wie Juist denn eigentlich machen kann. Nun, zum Beispiel solche Sachen wie

  • sich morgens nochmal hinlegen
  • lesen
  • das Wattenmeerhaus oder das Museum besuchen
  • vor dem Losgehen nochmal Kaffee trinken
  • sich gut anziehen und durch den Regen laufen
  • Regenphasen bei einem Tee oder einem Bier irgendwo aussitzen
  • in den Regenpausen den Standort wechseln
  • durch den Ort huschen und die ganzen kleinen Läden besuchen
  • noch ein Bier trinken und dabei lesen
  • Kreuzworträtsel lösen
  • sich mittags nochmal hinlegen
  • schwimmen gehen
  • irgendwo gut essen
  • sich nach dem Essen hinlegen
  • ins Kino gehen
  • was spielen
  • sich in der Spelunke hemmungslos betrinken (immer wieder schön!)
  • ein Katerfrühstück zu sich nehmen

Wir hatten dieses Jahr das Glück, auch noch die vier Lesungen des Krimifestivals besuchen zu können. Auch eine esoterische Veranstaltung mit Elementarwesen, Engeln, Bäumen und anschließender Meditation wurde angeboten, der blieben wir jedoch fern.

Wem das alles nicht ausreicht, der könnte sich aber auch noch einen Einzeltermin buchen.

Ich wollte die ewige Antje dazu überreden, doch sie war mit dem oben aufgeführten Programm gut ausgelastet.

Auge in Auge

Dieses Mal habe ich es tatsächlich „geschafft“, auf Borkum das winzige Aquarium zu besuchen. Dieses hat nur wenige Becken und ist dafür mit 4,50 Euro Eintritt recht teuer, aber dafür ist alles sehr gepflegt, es war fast nichts los und ein netter Mitarbeiter stand die ganze Zeit für Fragen zur Verfügung.

Dieser Geselle faszinierte mich besonders – angeblich gehört er zur Familie der Knurrhähne und würde gebraten besonders gut schmecken. Doch seine blauen Augen machten mich so sentimental …

Auch andere Aquariumsbewohner haben schöne Augen – hier haben wir ein Modell in gelb, das perfekt zu den Streifen des Fisches passt. Lagerfeld hätte es nicht besser gekonnt:

Das nächste ist wieder ein Speisefisch – davon hat die Nordsee ja allerhand zu bieten: Die Babyscholle versteckt sich schüchtern im Sand, nur der misstrauische Blick ihrer winzigen Augen verrät sie (und ich erschrak jedes Mal, wenn ich angestrengt suchend in den Sand starrte und plötzlich so ein Fischlein hochschoss).

Gemäß der Infotafel bewegen die Augen der Schollen sich noch ein wenig hin und her, bis sie ihre richtige Position erreichen. Später sehen diese kleinen Kerlchen dann so aus:

Und noch ein Speisefisch: eine Heringsart. Gemäß einer Übersicht der am zweithäufigsten verzehrte Fisch in Deutschland nach dem Alaska-Seelachs.

Ganz zum Schluss haben wir noch einen Vertreter einer ganz anderen Gattung: Eine Srandkrabbe. Die wirkte irgendwie missmutig – aber das wäre ich vielleicht auch, wenn ich aus meinem Wohnzimmer raus- und eine mir unbekannte dicke Dame reinglotzen würde.

Borkum – bei Tag und Nacht

Wieder mal war ich im Urlaub – natürlich an der Küste. Dieses Mal ging es nach Borkum. Eingepackt hatte ich jede Menge Klamotten für alle Wetterlagen – Mitte September kann man noch schöne Tage erwischen, es kann aber auch richtig fies fieseln. Das einzige, das in meinem Koffer fehlte, waren Sachen für Hochsommertage, und gerade die hätte ich gebraucht.

Wasserturm auf Borkum

Wasserturm in den Dünen

Tatsächlich hatte ich eine volle Woche lang Prachtwetter, wandelte im Sonnenschein herum und verbrachte so eine recht preiswerte Woche auf der Insel: immer draußen, mit essen aus der Hand oder Kleinigkeiten an der Milchbude. Borkum ist vom Preisniveau her ohnehin deutlich günstiger als Norderney oder gar Juist oder Sylt. Die Insel ist familiengerecht, angefangen vom breiten Strand über das breite Freizeitangebot bis hin zu den Milchbuden direkt zwischen Strand und Promenade, in denen man recht günstig essen oder Kaffee trinken kann.

Borkumer Strandleben mit Milchbude

Strandleben mit Milchbude

Übrigens – abends haben die Milchbuden geschlossen. Dann sehen sie so aus:

Borkum im Sonnenuntergang

Milchbude im Sonnenuntergang

Die Promenade auf Borkum wurde in den letzten Jahren saniert, als ich zuletzt dort war, war dort noch eine riesige Baustelle. Inzwischen kann man dort wieder ungehindert flanieren, von der „Heimlichen Liebe“ vorbei am Kurpavillon und am „Sturmeck“ bis zum „Seeblick“ gibt es kilometerweit keine Hindernisse mehr – nicht mal für Rollstuhlfahrer.

Borkum Seeblick

Metallkunstwerk am „Seeblick“

Auch in den Dünen kann man endlos laufen oder Rad fahren. Wer nicht laufen möchte,kann schwimmen – in der Nordsee oder wärmer im Gezeitenland. Das ist nicht groß, aber mit seinem Außenbecken, dem Saunabereich und den Wellnessangeboten durchaus attraktiv.

Baden auf Borkum

Baden auf Borkum – die dicke Dame war dabei!

Zu den speziellen Borkumer Wellnessangeboten gehört auch der Sonnenuntergang – perfekt zu beobachten von der Promenade aus, zu den Klängen des Kurkonzertes. Das war dieses Mal zum Glück keine Mischung aus Wiener Walzer und Volksmusik, sondern es gab Wilhelm Wolf und die möblierten Herren.

Borkum in der Dämmerung

Wolkenspiel in der Dämmerung

Und nach dem Sonnenuntergang kann man Lichtspiele der anderen Art genießen: Fast ein bisschen kitschig wirkt der „neue“ Leuchtturm, der in der Dunkelheit noch immer seine Lichtsignale aussendet. Ob dies tatsächlich noch einen Nutzen für die Seefahrt hat, würde ich bezweifeln, für die Touristen ist es aber auf Pilcher’sch Art schön.

Neuer Leuchtturm auf Borkum

Neuer Leuchtturm auf Borkum

Möwen gab es wenige dieses Mal auf Borkum. Auf der einen Seite fehlte mir ihr typisches Kreischen, auf der anderen Seite finde ich es angenehm, wenn ich bei Prachtwetter mein Fischbrötchen im Freien essen kann, ohne Attacken gieriger Möwen befürchten zu müssen. Und angekackt wurde ich dieses Mal auch nicht.

Möwen auf Borkum

Möwen an der oberen Promenade

Ach ja, und Sonnenuntergänge gab es auch – erwähnte ich das schon?

Abendrot auf Borkum, Sonnenuntergang

Abendrot auf Borkum