Gefangen sein

Ich mache mal wieder einen neuen Schreibworkshop mit. Neue Themen, neue Übungen – sowas macht mir immer viel Spaß. Als es in der letzten Woche losging, hatte ich aber gar keine Lust – zu sehr hatte mich noch immer die gewaltige Erkältung im Griff. Da kam mir die erste Übung zum Thema „Gefangen“ gerade recht …

Gefangen sein …

Stofftier, schielen

Der sieht aus, wie ich mich fühle

Ich bin gefangen in meiner Nase. Wie frei könnte ich sein, wäre sie frei. Aber sie ist verstopft. Schnarchen ohne zu schlafen. Seit Wochen treibt mich das jetzt um. Es nervt.

Gefangen sein – das ist kein triviales Thema. Zu schade für einen ordinären Rotz. Zu intellektuell. Der Intellekt geht, wenn die Viren kommen. Die haben eine Wechselbeziehung, Viren und Verstand. Ja, genau, eine Wechselbeziehung, keine Symbiose. Denn das wäre ja was Gutes.

Die Augen tränen auch – ich werde alt. Bin gefangen in meinem Körper. Wer mit 50 morgens ohne Schmerzen aufwacht, ist angeblich tot. Ich bin noch keine 50, aber ich übe schon mal. Was ich mache, mache ich schließlich ordentlich.

Inmitten dieser trüben Gedanken ertönt draußen lauter Glockenschlag – wie ein Abgesang. Alle Gefangenen antreten zur Hinrichtung. Schnipp, Schnapp, Rüssel ab – man kann auch ohne Nase leben. Aber es sieht furchtbar aus, und das will ich auch nicht.

 

Nachtrag: Diesen deprimierten Text schrieb ich vor acht Tagen. Inzwischen ist die Malaise von der Nase in die Bronchien gesackt – auch nicht besser. Ich fürchte, ich bin Sondermüll …