Sommerlicher Farbenrausch

So ganz allmählich erwachen meine Lebensgeister wieder – das hat eine ganze Weile gedauert nach der coronabedingten Rückzugs-Starre. Deshalb hatte ich auch viel Freude an den tollen Außenanlagen im Museumsdorf in Cloppenburg. Gemüse- und Bauerngärten, riesige Hortensien und Blumen, Blumen, Blumen. Trotz der Hitze hatte ich Spaß daran, die eine oder andere Blüte zu knipsen.

Es gibt nicht nur Kulturpflanzen im Museumsdorf, auch allerhand Wildkraut gibt es anzugucken. Auf Wiesen und in Pferchen wohnen alte Haustierrassen und ich verliebe mich jedes Mal wieder neu in die Heidschnucken, die mir dieses Mal leider nur den Hintern zudrehten. Dafür hatte ich einige nette Unterhaltungen mit gescheckten Pferden.

Zu meinem großen Erstaunen fand sich heute Morgen gar keine Aufnahme von Phlox. Dabei kam der in fast jedem Garten überreichlich vor. Wir wunderten uns darüber und haben mehrfach darüber gesprochen – aber geknipst habe ich keinen. Schade. Aber gut, dafür gab es allerhand anderes …

Immer, wenn ich derartige Blumen sehe, denke ich, dass Gärtnern ja auch wirklich ein schönes Hobby ist. Wenn ich dann jedoch daran denke, wie ungern ich früher zuhause im Garten gewerkelt habe, verwerfe ich diesen Gedanken wieder. Meine Freundin Maike jedoch, der ich das Bild von der Rosenblüte mit Knospen und blauem Nebengeblümel schickte, fühlte sich davon inspiriert und will diese Farbkombination im nächsten Jahr auf ihrer Dachterrasse umsetzen. Das soll sie mal machen, ich knipse das dann 🙂

Reif für’s Museum

Bei aller berechtigten Kritik an den sozialen Medien: Manchmal sind sie zu was gut. Beim Verbreiten von kleinen Informationen zum Beispiel, an die man ohne Internet-Kontakte vielleicht gar nicht rangekommen wäre. So ging es mir vor etwa zwei Wochen, als ich einen Beitrag meiner früheren Schulfreundin Petra auf Facebook sah: Sie berichtete, dass das Museumsdorf in Cloppenburg erweitert worden sei, u. a. um eine Discothek. Da meine Schwester und ich zuletzt vor 7 Jahren in diesem Museum waren, beschlossen wir, mal wieder hinzufahren. Bei brütender Hitze vielleicht eine komische Idee, aber zumindest war es gar nicht voll. Und – was soll ich sagen – es war ein Rückstoß in unsere Jugend.

Dorfdisco "Sonnenstein" in einem Klinkerbau

Dorfdisco, wie ich sie kannte

Die an ihrem alten Standort in Harpstedt abgebaute und ins Museumsdorf versetzte Dorfdisco „Zum Sonnenstein“ erinnerte mich schon von außen an die Lokale, in denen ich meine Jugendabenteuer erlebte. Bei uns war es die „Gaststätte zum Loyerberg“, das „H9“ oder das „Ede Wolf“, und sie sahen dem Sonnenstein innerlich und äußerlich frappierend ähnlich. Klinkerbauten, altmodische Leuchtreklamen, innen dunkle Holztheken, in allen Ecken aufgestapelte Getränkekisten, Tiffanylampen – diese wilde Mischung machte den Discoabend aus. Getrunken wurde bei uns Cola mit Weinbrand, genannt Charly, und in der Happy Hour von 0 bis 1 Uhr kostete ein kleines Glas dieses Gesöffs gerade mal eine Mark. Prost.

Innenaufnahmen aus dem Sonnenstein: Dorf-Disco-Ambiente der 80er Jahre.

In der Disco lief 80er-Jahre-Musik, es standen vertraut aussehende Getränke herum und die in einem Ausgabe-Fenster auf Abholung wartende Currywurst sah genau so appetitlich aus, wie es damals üblich war. Über das Anrichten einer Speise machte man sich dort keine Gedanken, hauptsache warm, fettig und salzig. Guten Appetit!

Beim Betreten der Räumlichkeiten wurde man schon von einem imaginären Türsteher angesprochen: Meine Schwester solle sich dieses Mal gefälligst benehmen, sonst flöge sie raus. Und ich sei besonders scharf gekleidet heute – nun ja. Auch wenn man weiter ging, konnte man Gespräche belauschen: Mal wurde eine Gunda befragt, wo sie denn die gelien Klamotten her habe, dann jammerte ein junger Mann, dass er dringend eine Mitfahrgelegenheit nach Bassum suche. Der Arme, das ist wirklich weit ab vom Schuss. Zum Glück nahm sich jemand seiner an. Es war lustig und authentisch, wir hatten viel Spaß.

Auch einen neuen Laden gibt es, in dem Produkte unserer Kindheit zu kaufen waren, und eine Ausstellung ließ uns ebenfalls in Erinnerungen schwelgen. Das hat Spaß gemacht und war toll, aber dass meine Generation inzwischen reif für’s Museum ist, stimmt mich doch ein bisschen wehmütig.

 

Besuch im Museumsdorf in Cloppenburg

Wieder einmal bekam ich von meiner Schwester Zeit geschenkt: Mein letztjähriges Weihnachtsgeschenk war unter anderem ein gemeinsamer Besuch im Museumsdorf in Cloppenburg. Da ich geschichtlich interessiert bin, habe ich mich darüber sehr gefreut, auch wenn ich schon öfter da war – oder vielleicht auch weil ich schon öfter da war.

Museumsdorf Cloppenburg

Was gibt es dort: Das Museumsdorf ist nicht weit von meinem Heimatort entfernt, so dass wir es als Kinder auch mit der Schule und den Eltern ab und zu besuchten. In den letzten Jahren wurde es jedoch ständig erweitert, so dass es inzwischen über 50 Gebäude aufweist, die stilecht eingerichtet sind. Die Gebäude wurden nicht nachgebaut, sondern andernorts abgebaut und wieder aufgestellt.

Museumsdorf Cloppenburg

Bockwindmühle

Was ist das Besondere: Die Anlage finde ich sehr reizvoll, auch weil die Gebäude weit auseinander stehen. Was mich als Kind etwas anödete – der insgesamt recht ordentliche Spazierweg, wenn man alles ansehen will – begeistert mich jetzt. Es ist schön, aus der Entfernung eines der alten Gebäude auftauchen zu sehen. Gerade jetzt im Frühsommer ergibt das eine sehr schöne Szenerie aus üppigem Grün und Fachwerk- oder Klinkergebäuden.

Museumsdorf Cloppenburg

Jedes Gebäude ist am Eingang knapp beschrieben: Zweck, früherer Standort, (ungefähres) Erbauungsjahr, Baustil. Auch im Inneren gibt es Erläuterungen, man wird in den „normalen“ Häusern jedoch nicht mit Texten erschlagen. Ansehen und entdecken, lautet das Konzept. Und so taten wir das, was wir schon als Kinder gemacht haben: Überall reingucken, die Alkoven mit den Betten suchen, uns über die schönen Öfen freuen und die Nase rümpfen über den Rauchgeruch in den meisten Häusern.

offene Kochstelle

Für ganz Informationshungrige gibt es jedoch auch theoretische Ausstellungen mit alten Bildern, Fotos, Vorstellung alter Techniken und vielem mehr. Dieses Mal schenkten wir uns diese Räumlichkeiten, das Wetter war einfach zu gut dafür. Ich war jedoch vor Jahren auch schon einmal im dunklen November im Museumsdorf und habe es damals genossen, mich zwischendurch lesend aufzuwärmen.

Ofen

Auch einige wenige Tiere gibt es zu sehen, etwas bunte Bentheimer Schweine, Schafe oder Pferde. Leider kooperierten die Tiere jedoch nicht beim Fotografieren und wandten mir größtenteils den weniger hübschen Hintern zu.

Museumsdorf Cloppenburg

Wachsame Gans

Freundlicher waren da die Bauerngärten, in denen es neben alten Blumenarten auch allerhand Nützliches zu bewundern gab. Einige Pflanzen waren beschriftet, andere wieder nicht, so dass wir hier und da rätselten, was denn da wohl wachsen mochte.

Museumsdorf Cloppenburg

Sonnendurchflutet

Was gibt es noch: Die Gastronomie im Museumsdorf ist mehr als solide: Im Dorfkrug wird man von einigen Kellnern teils auf Platt empfangen, die Atmosphäre ist freundlich-familiär, die Karte nicht umfangreich, aber das Essen gut und günstig. Inzwischen gibt es sogar einen Spielplatz, den habe ich als Kind vermisst.

Badezimmer

Der Eintrittspreis ist mit 7,50 Euro pro Vollzahler nicht zu teuer, legendär günstig ist die Familien-Jahreskarte mit 45 Euro.

Für Rollstuhlfahrer ist das Dorf leider nur bedingt geeignet: Zwar sind Hauptwege und Brücken gut befahrbar, doch die alten Häuser weisen Stufen und Buckel auf. Das liegt leider in der Natur der Sache. Bei Nachbauten sähe die Sache vielleicht anders aus, doch hier sehe ich keinen Weg, wie man das ändern könnte.

Museumsdorf Cloppenburg

Klapperballerina