Brusthaar

Kürzlich erzählte ich einigen Freunden aus meiner „Bildungsfernsehen“-Gruppe, dass ich mich am Vormittag mal wieder den Jugenderinnerungen hingegeben und im Fernsehen zwei Folgen „Baywatch“ geguckt hatte. Das wird derzeit auf Nitro wiederholt und war mir in meiner weit entfernten Jugend sehr wichtig – und das nicht wegen der Brüste von Pamela Anderson. Die Reaktion aus der Bildungsfernsehen-Gruppe war ungläubig: Sie reichte von einem wilden Johlen bis hin zu Roberts Frage: „Hast du denn gar keinen Stolz?“ Bemerkenswert, diese Reaktionen, ist es doch gerade diese Runde, mit der ich mir schon den Super-Shark und ähnliche Kunstwerke zu Gemüte führte. Jemand führte auch an, dass diese Serie doch veraltet sei, schließlich gäbe es inzwischen einen neuen Spielfilm, der sich irgendwie an die Serie anlehnt. Doch dieses Argument zog bei mir nicht.

Bild „Liegender“ zur Verfügung gestellt von Telemarco, http://www.pixelio.de

Ja, es gibt einen neuen Spielfilm, und ja, die Leute dort tragen rote Badekleidung und es sind hübsche Jungs dabei. Aaaaaber: Das ist alles ganz anders, die haben nämlich alle kein Brusthaar. Einer hat nicht mal Haupthaar, aber da will ich nicht kleinlich sein, sowas kommt im Alter ja vor. Aber dieses fehlende Brusthaar zeigt mir deutlich, wie sie die Mode und das Schönheitsempfinden in den vergangenen 20 … ääähhh … ne, huch, fast 30 Jahren verändert haben. Der Oberbademeister damals trug eine üppige Lockenpracht auf dem Kopf und fast genauso ein Lockenfell auch auf der Brust, und genauso muss das für mich sein.

Um es ganz klar zu sagen: Ich bin keine Körperbehaarungsfetischistin. Ich finde nicht, dass der menschliche Körper völlig haarlos sein muss (Menschen, die „iiiihhhh“ schreien, wenn eine Frau mit unrasierten Beinen gesichtet wird, haben meines Erachtens einen an der Waffel!), ich bin aber auch kein Fan von gorillaähnlicher Rückenbehaarung. Im Grunde ist es mir egal, ob da Haar ist oder nicht. Mir fällt aber auf – schließlich gehe ich oft schwimmen – dass die früher oft üppige Brustbehaarung bei Männern inzwischen besonders bei den jüngeren Jahrgängen deutlich nachlässt. Offenbar hat auch sie das Enthaarungsdiktat, mit dem sich Frauen seit vielen Jahren gemäß Modezeitschrift, Beautyblogs und Kosmetikindustrie herumschlagen sollten, inzwischen erreicht.

Dementsprechend fällt es einem inzwischen auf, wenn sich irgendwo eine Locke hervorkringelt, wo man nicht damit gerechnet hätte. Gut, eigentlich denke ich nicht darüber nach, ob es irgendwo Brusthaar gibt oder nicht, aber als kürzlich ein leger gekleideter Kollege die üppige braune Pacht aus dem V-Ausschnitt hervorwallen ließ, war ich schon etwas verblüfft. Und ich dachte während der Besprechung etwas off topic darüber nach, wie ich mir die Brust dieses Kollegen eigentlich vorgestellt hätte. Und ja, tatsächlich, mein Gehirn hat die modischen Veränderungen der letzten 30 Jahre mitgemacht und signalisierte mir, dass in meiner Vorstellung diese Brust hätte nackt sein müssen – keine Locken, kein Wallewalle.

Und so diskutierte ich den neuen Baywatch-Film nochmal mit Bildungsfernsehen-Mitglied Maike: Wir kamen überein, den neuen Film irgendwann in unser Bildungsfernsehen-Programm aufzunehmen – man muss ja Neuerungen gegenüber offen sein.

Nicht totzukriegen – der Jumpsuit

Vor einer Weile betätigte ich mich ja schon einen Artikel lang als Modebloggerin und widmete meine Aufmerksamkeit dem Thema Leggins. Eigentlich sollte das mein einziger Ausflug in die Modewelt sein, doch der diesjährige Sommer nötigt mir mal wieder eine kleine Stellungnahme ab. Ich sehe nämlich immer mehr Frauen im „Jumpsuit“ herumlaufen – mal kurz- und mal langbeinig.

Diese Dinger gibt es ja immer mal wieder. Ich kann mich selber nicht daran erinnern, aber schon als ganz kleines Kind hatte ich wohl eine eindeutige Meinung zu diesen Kleidungsstücken: „Guck mal, Mama, die Frau hat ‘nen Schlafanzug an!“, tönte ich und wies mit meinem kleinen Zeigefinger auf eine modisch gekleidete Dame, die gerade das Wartezimmer eines Arztes betrat. Meiner Mutter war das sehr peinlich, was ich gar nicht verstehe, denn treffender kann man diese Dinger doch gar nicht beschreiben. Und die Dame nahm es wohl sportlich und lachte über die offenherzig vorgetragene Kritik.

Natürlich ist es Geschmacksache, und bequem sind diese leichten sommerlichen Anzüge ganz bestimmt. Aber die allermeisten Modelle sehen – zumindest für mich – an den allermeisten Frauen sehr merkwürdig aus. Ich muss mir immer das Schmunzeln verkneifen, besonders wenn Frauen, die eigentlich ausgesprochen gut gebaut sind, durch einen unförmigen Einteiler all ihrer Reize beraubt werden. Das ist sicherlich anders gedacht – glaube ich zumindest. So richtig kenne ich mich damit natürlich nicht aus.

Selber hatte ich übrigens auch mal so einen Einteiler: Damals, 1983, im Italienurlaub. Meiner war türkis, der von meiner Schwester pink. Zusammen sahen wir damit wahrscheinlich aus wie zwei pastellfarbene Plüschmonster aus der Sesamstraße. Und noch früher trug ich sowas natürlich auch – aber das waren dann tatsächlich Schlafanzüge.

Im Jumpsuit bei Oma, etwa 1973. Dieses geblümte Teil war aus Frottee und mein letzter einteiliger Schlafanzug.

Leggins

Gestern bin ich mal wieder eine lange Strecke Zug gefahren. Dabei hat man Zeit zum Beobachten, manchmal auch Gaffen, und zum Nachdenken. Und da ich gestern mehrfach die gleichen Ungeheuerlichkeiten angaffen durfte, kreisten meine Gedanken irgendwann um eine weltbewegende Frage:

Wer hat eigentlich die Idee verbreitet, dass Leggins schön sein können?

Zuerst einmal Entwarnung: Zu diesem Beitrag gibt es KEINE Fotos. Zum einen, weil ich keine habe, zum anderen, weil ich lieber schöne Sachen zeige. Und ein schöner Anblick war gestern im Zug selten. Statt dessen trugen sehr viele Frauen, die sich durch den Gang schlängelten, Leggins. Bei einigen wenigen sah das ganz passabel aus. Bei allen anderen wirkte es seltsam bis fatal. Und das bringt mich dazu, mich zum ersten Mal in meinem Leben als Modebloggerin zu betätigen.

Es ist ja nicht so, dass Leggins eine moderne Erfindung sind. Ich erinnere mich noch gut an die 80er Jahre, als viele Frauen in Leggins jedweder Farbe herumliefen: die Konservativeren in Schwarz, die Mutigen in bunt, glänzend oder gemustert. Oder auch in buntglänzend gemustert. Damals trug man dazu lange Pullis, die die Problemzonen einigermaßen versteckten, oder lange Blusen, die teils mit einem breiten Gürtel in Form gedrückt wurden. War Taille vorhanden, konnte das noch recht vernünftig aussehen, gab es keine, konnte der Gürtel das Arrangement genauso wenig retten wie die damals gerne getragenen großen Schulterpolster. Ein breites Kreuz hilft einfach nicht gegen zu viel Hintern – da spreche ich aus Erfahrung.

Das Komische an Leggins ist ja, dass auch ganz schlanke, perfekt gebaute Frauen in ihnen oftmals unvorteilhaft aussehen. Das war nach dem Abflauen der Modewelle in den 80er Jahren durchaus bekannt. Wie oft haben wir die berühmt-berüchtigten 80er-Jahre-Shows geguckt und uns dabei über die unvorteilhaften Beinkleider amüsiert? Galten sie nicht zurecht als DIE Modesünde des letzten Jahrhunderts? Haben wir nicht alle schallend gelacht, wenn wir Bilder oder Zeitschriften sahen, in denen Damen in Leggins (und wenn es ganz dicke kam, einem darüber gezogenen Gymnastikanzug) sich körperlich ertüchtigten? Soll das jetzt, im Jahr 2013, plötzlich nicht mehr gelten? Sind die Dinger in den vergangenen 25 Jahren vielleicht gereift, also schöner geworden? Oder wie erklärt sich die phönixhafte Wiederauferstehung der hässlichen Hosen?

Irgendetwas hat bewirkt, dass die Buxen, in denen angeblich schon Robin Hood eine schlechte Figur machte, wieder salonfähig wurden. Deshalb sah ich mich gestern plötzlich neun jungen Frauen gegenüber, die in schwarz glänzenden Leggins und lustig bedruckten kurzen T-Shirts einen Junggesellinnenabschied feierten. Eines der Mädels sah gut aus, vier erinnerten an Leberwürste, die restlichen vier an Birnen der Sorte Abate Fetel – zumindest von hinten. Ich habe nicht ausmachen können, welche der Frauen wohl die Braut war und hoffe jetzt einfach mal, dass es die war, die gut aussah. Wer weiß, vielleicht haben die anderen acht sich so eigenartig hergerichtet, um der Hauptperson des Abends nicht die Schau zu stehlen? Leggins statt Burka – auch ein Konzept. Wenn auch nicht meines.

Mir ist durchaus bewusst, dass diese Tirade gegen einen aktuellen Modeartikel konservativ und spießig klingt. Vielleicht auch neidisch – sähe doch mein ausladendes Gesäß in so einer Presspelle aus wie das Hinterteil eines Brauereipferdes. Ich will auch niemandem die geliebte Leggins ausreden. Ich gebe aber offen zu, dass sich mein Auge in diesem Sommer doch so manches Mal beleidigt fühlte. Deshalb warte ich darauf, dass die Leggins-Welle 2013 abflaut und die schmalen Stretchtüten wieder in der Versenkung verschwinden – der Lächerlichkeit preisgegeben für mindestens weitere 25 Jahre. Gerne auch länger …

Und damit schließe ich den Ausflug von Meikes bunter Welt in den Bereich der Mode-Blogger.