Noch Leben drin

Vor einigen Tage war nochmal Weihnachten: Ich hatte meiner Schwester und meinem Schwager im letzten Jahr Konzertkarten geschenkt, und mir gleich eine mit. Ich wollte schon immer mal zu einem Konzert von Klaus Lage gehen, die Verwandtschaft hatte dieses Erlebnis in den 80er Jahren bereits mehrfach. Und so juckelte ich ganz „außer der Reihe“ mal wieder nach Oldenburg, um an einem Mittwochabend in die Kulturetage zu gehen. Ach, kamen da Erinnerungen hoch. Aber war die Halle früher nicht größer? Und wo kamen die ganzen Stühle her?

Es war ein Solo-Konzert, auf der Bühne nichts mehr als ein Mann mit Gitarre, Hocker und Mikrofon. Und ja, was soll ich sagen – es ist noch eine Menge Leben drin im alten Mann. Neben vielen alten Liedern, die immer wieder das eigene Kopfkino anwarfen, gab es auch einige launige Erzählungen aus dem Leben des Meisters. Natürlich fehlte der große Hit „1000 mal berührt“ nicht, für mich war das aber nicht unbedingt das Highlight. Zu viele Lieder kannte ich, hatte ich lange nicht gehört, begrüßte ich freudig wie einen alten Bekannten. Mein persönlicher Favorit war, heute wie damals, das wunderbare „Mit meinen Augen“.

Schmunzeln musste ich ein bisschen über das Publikum: fast alles Grauköppe. Und doch saß (!) hinter uns eine Gruppe aus vier Herren, die sich benahmen, als seien sie direkt in die 80er zurückgebeamt – nämlich pubertär. Die Menge an Bier, die die schon drin hatten, als das Konzert losging, führte dazu, dass wir sie nicht lange ertragen mussten, sie mussten dauernd pieseln und dann nachkippen. Es genießt halt jeder seinen freien Abend auf seine Weise. Ich habe es für mich genossen – inzwischen ebenfalls sitzend, mitsingend und rundum froh in der angenehmen Gesellschaft meiner Schwester und meines Schwagers.

Danke an Ilka, Dieter und Klaus für diesen schönen Abend!