Prinzessin sein

Im Schreibworkshop gab es mal wieder eine ganz kleine Übung zum Thema „Ein anderer sein“. Für diese Lockerungs-Übungen ist immer nur ganz wenig Zeit, weshalb ich in der Regel mit der allerersten Idee drauflosschreibe, die mir durch’s Gehirn fährt. So wurde es dieses Mal … „Prinzessin sein“!

Und da es ja auch noch auf Karneval zugeht, passt es sogar in die Jahreszeit 🙂

Prinzessin sein

Krone, Wasserfarben

Bild von Pixabay

Ich bin die Prinzessin auf dem schwarzen Pferd. Die, auf die alle Männer warten – das Gegenstück zum Prinzen auf dem weißen Pferd.

Ich reite durch die Stadt in pummeliger Eleganz. Am Strand oder in einem riesigen Park wäre sicherlich noch eleganter, aber das Ganze nützt ja nichts, wenn mich keiner sieht. Der Palmengarten wäre vielleicht noch eine Alternative, aber da sind Pferde sicher nicht erlaubt und eine Oma mit Rollator möchte ich auch nicht umreiten.

Ich trabe also gemächlich auf dem Römer herum, sehr zur Freude der vielen dort ausgesetzten Japaner, die mich als deutsches Kulturgut erkennen und unzählige Bilder von mir und meinem Rappen machen. Das royale Winken klappt schon ganz gut, nur manchmal, wenn es wackelt, brauche ich diese Hand, um meine Krone festzuhalten. Die Krone ist ein Herrenmodell, schwer und massiv, denn diese lächerlich kleinen Prinzessinnen-Krönchen passen nicht auf meinen großen Kopf mit dem dramatisch herabwallenden Haar. Immerhin ist ordentlich Glitzer dran. Die englische Königin hat mehrere Kronen, habe ich kürzlich in einer Dokumentation gesehen. Das brauche ich nicht, für den Alltag reicht eine Pudelmütze. Heute aber ist Krönchen-Tag.

Ich zweige ab und reite den Main entlang. Vor dem kleinen Bistro, in dem es die tollen Nachtischteller gibt, sitzen jede Menge Leute und bewundern mich. Zurecht natürlich, diese hoheitliche Erscheinung muss mir erst einmal einer nachmachen. Ob es meinem Nimbus wohl abträglich ist, wenn ich absteige und so einen Dessertteller bestelle? Egal – ich in eine Prinzessin. Ich darf das.

Dessertteller im Bistro am Main – verschnabuliert letztes Jahr im Oktober