Herbstküche oder: Mein Kürbis und ich

Letzte Woche habe ich mal wieder gekocht. Das tue ich öfter, also soweit, so unspektakulär. Ich habe mich aber mal an etwas versucht, das ich noch nie zuvor getan habe, oder zumindest nicht so: Ich habe einen Kürbis verarbeitet.

Gartenkürbis
Bild von Pixabay.

Ich hatte nicht zum ersten Mal in meinem Leben mit so einem Gemüse zu tun. Zuhause hatten wir Kürbisse im Garten und ich habe meiner Mutter ab und zu bei deren Verarbeitung geholfen. Damals hatten wir „gelbe Riesen“ im Garten, enorm dicke Kürbisse ohne Riffelung, die mit der Schubkarre ins Haus geschleppt und von meinem Vater teilweise mit grobem Werkzeug gespalten wurden. Ich wusste also, dass Kürbisse steinhart sind und sich gegen die Verarbeitung gerne wehren.

Ich wollte aber ja keinen gelben Riesen verwerkeln, sondern erwarb einen Hokkaido-Kürbis, der etwa 2 Kilo Gewicht hatte. Einen herbstlichen Gemüsekuchen wollte ich backen, mit einigen anderen Gemüsen dazu, und den Rest in eine Kartoffel-Kürbissuppe verkochen.

Herbstgemüse: rote Bete, Kürbis, Pilze, Zwiebeln, Zucchini

Ich begann also fröhlich zu werkeln. Zwei rote Beten hatte ich noch gekauft, Pilze und eine Zucchini für die Farbvielfalt. Zwiebeln sollten auch rein, wie immer. Ich legte mein Blech mit fertigem Pizzateig aus und schnippelte alles „Kleingemüse“. Sah schon mal gut aus, aber noch fehlte natürlich mein Kürbis. Ich wählte mein Messer und säbelte ihn an. Und säbelte. Und säbelte. Hmpf …

Die Sache erwies sich als schwierig. Nach und nach probierte ich all meine Messer durch, sägte mir mit der Juister Brötchensäge wieder einmal in den Finger, blutete dramatisch und werkelte weiter. Zwischendurch dachte ich an den Ausspruch meiner Mutter: „Diese Messer sind allesamt so stumpf, auf denen kann’ste mit’m nackten Arsch nach Bremen reiten!“ Zuhause kam in diesen Fällen immer mein Vater zu Hülf, der einen professionellen Schleifstein besaß und immer schnell Abhilfe schaffte. Mir half niemand ab. Aber nach und nach arbeitete ich mich vor und zerlegte einen halben Hokkaido in kleine Stückchen. Ich zweifelte übrigens an, dass man diese harte, pockige Schale tatsächlich mitessen kann, und schälte meinen Kürbis. Das ging mit einem einfachen Gurkenschäler überraschend gut. So vervollständigte ich also mein Gemüse für den Gemüsekuchen.

Herbstgemüse

Über das Gemüse kam eine Frei-Schnauze-Mischung aus Eiern, Schmand, Joghurt und Sahne – von Letzterem aber nur ein ganz bisschen, das war ein Rest und musste weg. Gewürzt wurde auch – mit einer Grundlage aus Gemüsebrühe sowie ein bisschen Dit und Dat. Das kam über das Gemüse. Und dann noch geriebener Cheddar – Käse ist für sowas ja immer sehr nützlich. Dann backen und immer wieder misstrauisch durch die Scheibe gucken, ob das wohl was wird.

Nach fast einer Stunde Backzeit kam mein Gemüsekuchen aus dem Ofen und war ziemlich genau so, wie ich ihn mir gewünscht hatte. Ich aber war total erschossen vom Kampf mit dem Kürbis und vertagte das Suppekochen auf den nächsten Tag.

Und, was soll ich sagen, auch die Suppe gelang. Der Kürbis war erfolgreich verkocht und ich beschloss trotzdem, so ein Ding nie wieder zu kaufen. Viel zu viel Arbeit, da lobe ich mir doch den Blumenkohl! Und dann sah ich diese Woche im Fernsehen, dass man diese kleinen Kürbisse einfach vor dem Verarbeiten ein paar Minuten kochen soll, damit man sie besser schneiden kann – ach was? Wirklich? Warum hat mir das denn vorher keiner gesagt? Wenn das so ist, versuche ich das irgendwann nochmal – vielleicht nicht in diesem Herbst, aber im nächsten …

Ach so, und bevor ihr euch über meinen enormen Appetit wundert: Ich bin ja immer noch im Homeoffice, habe folglich keine Kantine mehr. Deshalb koche ich gerne etwas, das man gut einfrieren kann, sodass ich mir Mittags flott einen kleinen Snack nehmen kann und abends was koche oder aufwärme. So ein Stück Gemüsekuchen ist ein prima Mittagessen und eine Schüssel Herbsteintopf sättigt abends und macht die Seele schön warm. Das ist in diesen komischen Zeiten ja auch nicht unwichtig.

Hommage auf ein Suppenhuhn

Ich esse gerne Huhn – mal als Suppe, mal als Frikassee. Zuhause bei Muttern gab es das regelmäßig. Wir wohnten auf dem Land und Hühner erhielten wir oft von Bekannten. Das waren dann „echte freilaufende Hühner“, die in Gärten herumgelaufen waren, mit Garten- und Küchenresten gefüttert wurden, Eier gelegt hatten und irgendwann, nach einem langen Leben als Legehenne, im Topf landeten. Diese Hühner waren prima, an ihnen war ordentlich was dran und meine Mutter verstand es, sie wunderbar zuzubereiten.

Bild zur Verfügung gestellt von Ute Zimmermann, http://www.pixelio.de

In Sachen Zubereitung gehöre ich inzwischen auch zu den Fortgeschrittenen, doch leider ist das mit den guten Hühnern nicht mehr so einfach. Die komischen, kleinen Tierchen vom Rewe sind zwar spottbillig (ich konnte es kaum glauben, als ich einmal eines kaufte), doch es ist kaum was dran. Das Wenige, was dran ist, schmeckt nach nichts und ich glaube nicht, dass die mal irgendwo herumlaufen durften. Die nächste Idee, die ich hatte, war der Wochenmarkt am Südbahnhof. Dort gibt es einen Geflügelwagen und der hat auch Suppenhühner. Für ein Hühnchen von einem knappen Kilo Gewicht gab ich dort legendäre 18 Euro aus und das Tier schmeckte nicht besser als eines vom Rewe. Das war also auch nichts.

Als letzte Idee fragte ich bei meinem Lieblings-Fleischwagen auf dem winzigen Oberräder Wochenmarkt an: „Habt ihr auch Suppenhühner?“ Ich könne eines bestellen, bekam ich zur Antwort, dann würde man bei einem Bekannten fragen, ob der gerade welche hat. Das fand ich ja schon mal gut, denn wenn alles sofort verfügbar ist, bin ich bei Frischware immer etwas im Zweifel ob der tatsächlichen Frische. Ich bestellte also mein Hühnchen.

Und tatsächlich, ich bekam eines: 1.500 Gramm für – wie ich fand – moderate 13 Euro. Das sei aber jetzt das Letzte, erfuhr ich, die nächsten kämen erst im Herbst. Gut, so oft muss es ja auch kein Huhn geben. Froh trug ich meine Beute heim und machte mich dran, das wirklich schöne Huhn zu verkochen. Es war zwar kein Riesenhuhn wie seinerzeit die legendären Hennen von Leni von Loy, auch keines wie die liebevoll gehüteten Hühnchen von Papas hochbetagtem Kumpel Emil, aber es war ein sehr gutes Huhn.

Einige Tage später erzählte ich einer Freundin von meinem Kauf. Sie fand diese 13 Euro viel zu teuer, es blieb ihr fast die Luft weg. So viel Geld für ein kleines Geflügel, das könne sich ja gar nicht jeder leisten. Gut, ja, das mag stimmen, Einkäufe auf dem Wochenmarkt, egal ob Fleisch oder Gemüse, sind deutlich teurer als beim Discounter. Wenn ich aber mal rechne, was aus meinem Hühnchen geworden ist, sieht die Sache für mich deutlich anders aus: Ich kochte mein Huhn mit einem Bund Suppengemüse in einem großen Pott Wasser. Daraus entstand ein großer Pott Brühe. Einen Teil davon verarbeitete ich mit einem Großteil des Fleisches zu vier Portionen Frikassee, aus der restlichen Brühe wurde – unter Beigabe von diversem Gemüse und einem Becher Reis und ein ganz wenig vom Hühnerfleisch – ein leckerer Eintopf, der mich ebenfalls vier Mal satt machte. Ganz grob und sehr großzügig gerechnet kamen zu meinem Huhn von 13 Euro noch Zutaten für maximal 17 Euro dazu (Suppengrün, Kohlrabi, drei dicke Möhren, ein halber Blumenkohl, ein paar Tiefkühlerbsen, Reis und zwei kleine Gläser Spargel, außerdem natürlich Pfeffer und Salz). Ich hatte also acht Mal ein gutes und leckeres Essen für maximal 30 Euro – das finde ich wahrlich nicht viel. Wenn ich in Nicht-Corona-Zeiten mittags in die Kantine gehe, gebe ich im Schnitt das Doppelte aus.

Für mich hat sich mein Hühnchen bezahlt gemacht. Ich gebe lieber ein bisschen mehr aus und habe dafür etwas Gutes, als dass ich mich hinterher ärgere, weil das, was ich günstig gekauft habe, keine gute Qualität hat. Dazu kaufe ich auf unserem Wochenmarkt auch noch sehr regional ein, was mir gut gefällt. Ja, einiges ist teurer als im Supermarkt – deutlich teurer sogar. Aber ich weiß bei Vielem, was es dort gibt, wo es herkommt und auch, dass die Leute, die es angebaut haben, vernünftig bezahlt wurden.

Und ja, ich weiß, dass diese Art, einzukaufen, vielen Menschen nicht möglich ist. Gerade Leute, die im Bezug von Grundsicherung sind, erhalten viel zu wenig Geld fürs Essen, da die Sätze künstlich klein gerechnet werden. Das ist aber leider nichts, worauf ich – im Gegensatz zu meinem eigenen Einkaufsverhalten – Einfluss habe.