Mal was Neues – Knöpfe!

Noch immer sitze ich viel zuhause und werkel so vor mich in. Da ich derzeit kein fernsehtaugliches Muster stricke, sondern eine arge Fummelei, gab es länger nichts zum Zeigen, doch es geht voran. Kürzlich wurde ich jedoch auf etwas anderes aufmerksam, dass mich interessierte und für das ich die allermeisten „Zutaten“ auch zuhause habe: Das Herstellen von Knöpfen aus einem Holz- oder Alurohling und Wolle. Werkzeuge braucht man nicht, von den üblichen Nadeln und Scheren einmal abgesehen. Ich guckte mir also diverse Anleitungen auf YouTube einmal an und beschloss: Das kann ich auch. Dabei kann nix schiefgehen. Also bestellte ich Aluringlein, dazu noch etwas ganz dünnes Häkelgarn (weil ich mir die ganz feinen, kleinen Blusenknöpfchen, die mit der reichlich vorhandenen Nähseide gemacht werden, doch noch nicht zutraue) und guckte noch ein paar Videos und Instagram-Bilder zur Inspiration.

Links die Nummer 1 meiner Knopfkarriere, rechts Nummer 2

An dieser Stelle möchte ich übrigens all den Leuten einmal danken, die ihr Wissen in teils ausführlichen Lehrvideos (neudeutsch „Tutorials“) teilen und so für andere zugänglich machen. Ich habe mich an die freundliche Stimme von Jana aus Janas Bastelparadies gewöhnt, die meine ersten Zwirnknopf-Wickelversuche begleitet hat und immer noch begleitet. Und auch von Gina, die mir mir Englisch spricht, habe ich mir schon allerhand abgucken dürfen.

Ich wartete also auf einen müßigen Sonntagnachmittag, packte meine Utensilien aus und werkelte drauflos. Das erste Mal Wickeln gelang mir gar nicht, was war denn das? Falsch rum, aha! Nochmal abwickeln, von vorne. Und siehe da, das ging besser. Ich habe aber auch einen Ring mit 3,6 cm Durchmesser, das ist nicht unbedingt filigran zu nennen. Aber macht nix, Kunst kommt von Können und noch kann ich nichts, also stelle ich erst mal große Knöpfe her. Der erste Knopf in Grün, Orange und Gelb dauerte gefühlt ewig, wurde aber sehr hübsch. Und auch der maritime Knopf, den ich danach wickelte, sah prima aus.

Ähnliche Muster, ganz andere Farben. Das Spiel mit den Farbkombinationen macht viel Spaß!

Inzwischen habe ich es auf eine stolze Sammlung von sechs Knöpfen gebracht und fühle mich sehr erfahren. Bald bin ich reif für Blusenknöpfe. Die Sternmuster gehen mir schon ganz gut von der Hand, die wurden im Internet aber auch wirklich gut erklärt. Die beiden Knöpfe mit den „eckigen“ Mustern waren deutlich schwieriger, aber dafür hatte ich auch keine Anleitung, sondern ich versuchte, anhand von Bildern herauszufinden, wie das wohl funktioniert. Nun ja – bisschen zittrig, aber man kann erkennen, was das eigentlich werden wollte.

Was bleibt, ist natürlich die Frage, was ich mit den gebastelten Knöpfen einmal angangen will. So ganz genau weiß ich das noch gar nicht. Wenn es in dem Tempo weitergeht, habe ich im Jahr 2030 genügend Knöpfe, um einmal auf einen Handwerkermarkt zu gehen. Oder ich nähe die Werke irgendwo dran. Hübscher Sommerschmuck sind sie auch. Wir werden sehen. Erst mal macht es Spaß und ist entspannend, zumindest wenn einem nicht gerade beim Vernähen ein Faden vom Ring geflutscht ist.

Ein Freistilmuster und ein nachgebautes Webmuster. Schwierig …

Aus Mutters Nähkasten

Die Weihnachtsfeiertage verbrachte ich wie immer bei meiner Schwester in Norddeutschland. Hier schlummern immer noch einige Dinge aus dem Nachlass meiner Mutter, bei denen wir uns nicht so recht sicher sind, was wir damit anfangen sollen. Zum Wegwerfen zu schade, aber gebrauchen kann es so recht auch niemand. Dieses Mal war der Nähkasten Gegenstand unserer Diskussion. Eines vorab: Er passte in meinen Koffer.

Als ich ein Kind war, hatte meine Mutter einen dieser typischen runden Nähkörbe auf drei Beinen. Soweit ich mich erinnere, war er gelb, in etwa so wie dieser hier. Ich habe dieses eher unpraktische Ding immer geliebt, denn in ihm waren so schöne Dinge wie die Knöpfekiste und die Box mit den verschiedenfarbigen Nähseiden. Auch ein Kopierrädchen und Schneiderkreide gab es dort, außerdem allerhand Stoffreste für Flicken. Die Knöpfekiste gibt es noch, ich habe heute schon ein wenig darin herumsortiert – genau wie früher.

Die alte Knöpfekiste – wohl ursprünglich mal ein Schminktäschchen

Irgendwann wollte meine Mutter den Korb im 70er-Jahre-Design nicht mehr herumstehen haben, so dass mein Vater ihm die Beine amputierte und der Korb im Schrank verschwand. Noch später wurde das Körbchen durch eine praktische Kunststoffbox ersetzt – ich bekam nach meinem Auszug die gleiche für meinen Nähkram geschenkt. Und hier kommen wir schon zu meinem Nähkorb-Dilemma: Es ist nicht so, dass ich von diesen Dingen nichts daheim hätte. Nun besitze ich also eine zweite dieser Boxen. Wahrscheinlich werde ich meine Stricknadeln da hineinsortieren.

Auf jeden Fall besitze ich jetzt neben den vielen Knöpfen noch zahlreiche andere Dinge, die mir bislang nicht gefehlt haben: Ich habe jetzt einen Stopfpilz und diese Festhaltedinger von Hosenträgern, ein Trennmesser und jede Menge Häkelnadeln (ich erbte auch schon die meiner Oma – vielleicht sollte ich doch mal anfangen, zu häkeln). Den großen Beutel herausgetrennter Reißverschlüsse habe ich schweren Herzens entsorgt, genauso wie die Stoffflicken.

Ebenfalls weggeworfen habe ich etwa die Hälfte des Stopfgarns – denn ich habe noch nie was gestopft. Wir hatten aber viel Spaß daran, die vielen Kärtchen mit Stopfgarn einmal genau anzugucken, denn das zeigte uns doch deutlich, wie sich die Zeiten geändert haben. Zum einen stand auf einigen der Kärtchen noch der alte Preis drauf: 35 Pfennig für 5 Gramm. Zum anderen wurde auf vielen Kärtchen stolz hervorgehoben, dass es sich bei dem Garn um haltbare Synthetikfasern gehandelt hat – heute in der Handarbeit eher verpönt. Und zum dritten ließ uns das wilde Farbangebot etwas schmunzeln: Neben den typischen gedeckten „Sockenfarben“ gab es jede Menge kunterbunte Garnkärtchen in Türkis oder Knallrot – vielleicht mal gekauft für unsere Kindersocken.