An meine gelbe Plastikdose

Wenn ich dich ansehe, bin ich gerührt. Einst warst du ein Werbegeschenk, trugst kleine Schachteln mit Cornflakes in dir. Alt bist du nun geworden, und müde. Deine Schrift ist schon lange abgeschabt und viele hundert Waschgänge in der Spülmaschine haben deinen früheren Glanz ermatten lassen. Und doch warst du immer loyal, pflichtbewusst und beinahe unermüdlich.

Du hast meinen Käse gehütet und den Aufschnitt. Obst war in dir sicher, egal ob Erdbeeren, Kirschen oder geviertelte Pfirsiche. Und wenn in dir mein Frühstücksbrot lag, hatten noch mindestens acht kleine Tomaten daneben Platz. Ich konnte dir immer vertrauen.

Viele Rollen Plastiktüten hast du eingespart. Hast Lebensmittel frisch und appetitlich gehalten. Und doch gibt es Stimmen, die Dosen wie dich schmähen, wegen deines Materials. Die alles, was aus Plastik ist, verdammen und verteufeln. Die völlig intakte Plastikdosen aus der Küche verbannen und stattdessen Behälter aus Glas kaufen, mit denen sie dann bei Instagram posieren. Und auf Twitter, das gibt es auch. Es ist nicht jeder so rational wie du. Du hast diese Häme nicht verdient.

Ich sehe dich an und werde traurig. Über zwanzig Jahre warst du mir treu. Und jetzt bist du kaputt. Nach vielen tausend Malen, die du auf und zugeklappt wurdest, ging dein Deckel ab. Eigentlich müsste ich dich wegschmeißen, denn was soll man mit einer Dose ohne Deckel? Wer kann denn sowas noch gebrauchen?

Die Spatzen können es! Und die Meisen! Als Vogeltränke ist so eine Dose ohne Deckel noch wunderbar zu gebrauchen, wenn es wieder so heiß wird. Warum ist mir das nur nicht gleich eingefallen?