Fundstücke 69 – Was man alles machen könnte …

Ich bin ja bekennender Schlechtwetter-Urlauberin an der See, soll heißen, ich fahre gerne in der kühlen Jahreszeit ans Wasser. Man kann Glück mit dem Wetter haben oder auch Pech, wobei Pech relativ ist. Es kommt halt drauf an, was man daraus macht. Und niemals ist das Wetter nur schlecht – auf Regen folgt Sonne.

Immer wieder werde ich gefragt, was man bei Schietwetter auf einer kleinen Insel wie Juist denn eigentlich machen kann. Nun, zum Beispiel solche Sachen wie

  • sich morgens nochmal hinlegen
  • lesen
  • das Wattenmeerhaus oder das Museum besuchen
  • vor dem Losgehen nochmal Kaffee trinken
  • sich gut anziehen und durch den Regen laufen
  • Regenphasen bei einem Tee oder einem Bier irgendwo aussitzen
  • in den Regenpausen den Standort wechseln
  • durch den Ort huschen und die ganzen kleinen Läden besuchen
  • noch ein Bier trinken und dabei lesen
  • Kreuzworträtsel lösen
  • sich mittags nochmal hinlegen
  • schwimmen gehen
  • irgendwo gut essen
  • sich nach dem Essen hinlegen
  • ins Kino gehen
  • was spielen
  • sich in der Spelunke hemmungslos betrinken (immer wieder schön!)
  • ein Katerfrühstück zu sich nehmen

Wir hatten dieses Jahr das Glück, auch noch die vier Lesungen des Krimifestivals besuchen zu können. Auch eine esoterische Veranstaltung mit Elementarwesen, Engeln, Bäumen und anschließender Meditation wurde angeboten, der blieben wir jedoch fern.

Wem das alles nicht ausreicht, der könnte sich aber auch noch einen Einzeltermin buchen.

Ich wollte die ewige Antje dazu überreden, doch sie war mit dem oben aufgeführten Programm gut ausgelastet.

Juist im Winter

Ich möchte es nicht versäumen, ein paar Bilder meiner Lieblingsinsel Juist einzustellen, auf der ich den Jahreswechsel 2014 verbracht habe. Ich muss allerdings gestehen, dass es kein ganz „richtiger“ Winteraufenthalt war – dafür war das Wetter einfach viel zu gut! 🙂

Begleitet wurde ich auch dieses Jahr von meiner Freundin Antje, mit der ich bei tief stehender Sonne diverse Schatten-Selfies gemacht habe.

Juist Strand Dezember 2014

Auch dich dicke Dame war wieder mit dabei, die es sich nicht nehmen ließ, der neuen Mode der Strickponchos zu frönen. Das konnte ich verstehen – auch bei gutem Dezemberwetter ist es im Bikini einfach zu kalt.

Die dicke Dame am Strand Juist Dezember 2014

Es gibt auf der Insel übrigens auch einen Ort. Mir fällt auf, dass ich immer nur Bilder von der Seeseite poste – hier nun also das Dörfchen mit Blick auf die Wattseite.

Juist Ostdorf Dezember 2014

Es war zwischen den Jahren sonnig und mäßig windig. Der Mond war aber gnädig mit uns und schickte reichlich Wasser – es ist immer schöner, wenn das Meer nicht ganz so weit weg ist, wenn man Fotos machen möchte.

Juist Dezember 2014 Strand und Meer

Der höchste Punkt auf Juist dürfte der Wasserturm auf der hohen Düne sein. Hier haben wir uns auch das Feuerwerk in der Silvesternacht angeguckt – schön war’s.

Das Schöne am Juister Strand ist, dass er nie völlig ohne Wasser ist: Es gibt auch bei Ebbe einen Priel, der sich an einigen Stellen auch ohne Gummistiefel überqueren lässt, und eine Sandbank dahinter. Und hier sieht man das Priel-Delta. 🙂

Juist Strand Priel Winter

„Steht die Sonne tief, wirft der Zwerg auch lange Schatten“, heißt es irgendwo in der zweiten Folge von Peter Maffays Tabaluga. Wir hatten viel Spaß an unseren Schattenspielen.

Schattenspiele Strand Juist

Das allerschönste an Winterinseln sind für mich diese Kombinationen aus Licht und Farben. Ich mag es einfach, dieses wintergelbe Gras, den Sand und den Himmel. Nicht spektakulär, aber schön.

Juist Strand Düne Winter Strandgras

An Neujahr hatten wir echtes Katerwetter: kalt, windig und feucht. Wir wagten uns trotzdem ein wenig hinaus und guckten beim Kompass etwas über das Mäuerchen in Richtung Hafen. Fast wäre die dicke Dame davongeweht!

Die dicke Dame Juist Hafen

Und von mir gibt es dieses Mal auch Fotos. So sah ich an Silvester aus!

Juist Strand Meikes bunte Welt Meike Möhle

Atemlos

Den Jahreswechsel habe ich, wie schon erwähnt, mit einer Freundin auf der Insel Juist verbracht. Dort kamen viele Gäste zu Silvester erst an, täglich drei Fähren schaufelten Besucher auf die Insel. Die Lokale mit den Menüarrangements waren schon lange ausgebucht und auch die Kneipiers bereiteten sich sorgfältig auf den Ansturm vor: Reservegläser wurden aus den Kartons geholt, alles verfügbare Personal stand bereit und sogar große Brüder wurden vom Festland geholt und als Aushilfen rekrutiert. Alles wartete und wollte

Atemlos ins neue Jahr (ein fast sachlicher Bericht)

Die kleine, beschauliche Insel Juist im ostfriesischen Teil der Nordsee ist, anders als Norderney oder das nordfriesische Sylt, nicht unbedingt als Partyinsel bekannt. Dennoch gibt es natürlich reichlich Gastronomie, in der man teilweise hervorragend essen kann, sowie einige Kneipen, in denen heftig gesoffen wird. Zu Silvester treffen sich hier beide, die Gourmets und die Säufer, oftmals auch in Personalunion. Und es bieten sich auf dieser kleinen Insel, gerade wenn sie ausgebucht ist, immer wieder Gelegenheiten für Beobachtungen der Sorte Sozialstudie.

Juist Silvester 2014

An Silvester befand sich die Insel, wie wahrscheinlich fast alle Orte in Deutschland, in Warteposition: Die meisten Cafés und Restaurants schlossen am frühen Nachmittag, damit Vorbereitungen für den Abend getroffen werden konnten. Nur einige der unermüdlichsten Gastronomen vertrauten ausreichen auf ihr Organisationstalent, um auch das Nachmittagsgeschäft noch mitzunehmen. Dementsprechend wurde es früh ruhig auf den Straßen.

Während ich vom Strand nach Hause ging, gut durchgepustet und angenehm müde, hörte ich aus einem der Hotels den Soundcheck für den kommenden Abend: „Atemlos!“, quietschte Helene Fischer aus dem Lautsprecher, laut genug, um selbst die schwerhörigsten Hotelgäste vom Kanapee zu locken. Ich ahnte schon, dass dieses Lied die Begleitmusik der diesjährigen Silvesternacht werden würde – hier und wahrscheinlich auch anderswo.

Die Touristen verschwanden also fast völlig von der Straße, wohl um vorzuschlafen und sich schön zu machen. Wir taten dasselbe: Etwas herumlungern, umziehen, Haare bürsten und runter ins „Piratennest“, wo wir das Silvestermenü gebucht hatten. Das war rundum lecker, wurde sehr gerne in angenehmer Atmosphäre serviert und hatte einen vernünftigen Preis. Denn obwohl meine Freundin und ich beides keine Geringverdiener sind, war uns Letzteres trotzdem wichtig: Schließlich ist Juist, verglichen mit den anderen ostfriesischen Inseln, mit Abstand die teuerste. Der Geldbeutel leert sich hier gefühlt schon vom Atmen der guten Luft mit den vielgepriesenen Aerosolen.

Während des Essens schwatzten wir mit den Leuten vom Nebentisch. Das nette Paar in den Vierzigern reiste mit zwei Mädchen von etwa elf Jahren und hatte wie wir vor, nach dem Essen und der unvermeidlichen Böllerei noch ein wenig in der Dorfdisco „Zappel“ vorbeizuschauen – der Kinder zuliebe, die sowas mal sehen wollten. Wir waren auch noch nie im „Zappel“ und waren mindestens genau so neugierig wie die Mädels.

Folglich machten wir uns nach dem Essen auf zur Strandpromenade, denn wir wollten zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen wollten wir den Großteil der an sich überschaubaren Wegstrecke zur Disco schon einmal hinter uns bringen, und zum anderen gedachten wir, am Wasserturm auf der hohen Düne das Feuerwerk zu bestaunen. Von dort hat man nämlich einen tollen Blick in alle Richtungen und sieht bei gutem Wetter sogar noch ein bisschen Feuerwerk vom Festland und aus Norderney. Auf unserem Weg zur Düne hörten wir es aus allen Kneipen und Schirmbars: Offenbar warteten alle DJs der Insel „atemlos“ auf Mitternacht.

Das Feuerwerk empfand ich in diesem Jahr als ungewöhnlich angenehm: nicht zu viel und nicht zu wenig. Anders als in Frankfurt, wo ich immer Angst habe, von wild herumfliegenden Feuerwerkskörpern abgeschossen zu werden, konnte man auf der Düne ganz in Ruhe gucken. Und die wenigen übermütigen Jugendlichen, die es wagten, unkontrolliert einen Böller zu werfen, wurden von einigen kräftigen Insulanern sofort zur Ordnung gerufen und mit körperlichen Konsequenzen bedroht. Ich wusste es noch nicht, aber der Begriff „auf die Schnauze kriegen“ sollte in dieser Nacht noch mehr Bedeutung bekommen.

In der kleinen Discothek – wann war ich überhaupt zum letzten Mal in einer Disco?! – waren wir gegen halb eins fast die ersten Gäste. Es füllte sich jedoch, getanzt wurde eifrig und die moderaten Getränkepreise schienen den einen oder die andere dazu zu verführen, etwas zu sehr zuzulangen. Schnell stellte sich bei einigen Gästen der stiere Blick der Betrunkenen ein – eine Tatsache, die den beiden kleinen Mädchen, die wir mit ihren Eltern dort wieder trafen, sichtlich nicht behagte. „So ist das, wenn Erwachsene feiern“, erklärte man ihnen, und sie guckten befremdet. Gewiss entstanden in dieser Nacht zwei neue Exemplare von Petra Pan. Und ich, die ich von mir immer wieder behaupte, kein Muttergen zu besitzen, ertappte mich dabei, dass ich die beiden wildfremden Mädchen gemeinsam mit deren Vater in eine Ecke drängelte und den Eingang dorthin mit meinem schwer beiseite zu schiebenden Körper verschloss, als es hinter uns zu Handgreiflichkeiten zwischen Gästen kam. Wir wandten also ohne Absprache die Auerochsen-Technik an – wahrscheinlich habe ich einfach zu viele Tierfilme gesehen.

Die Menge der Schlägereien in dieser kleinen Disco war jedoch auffällig und für mich wirklich erstaunlich. Natürlich ist Silvester eine besondere Nacht und viele Leute waren sicherlich betrunkener, als sie es unter normalen Umständen gewesen wären. Ich hatte mir aber immer eingebildet, dass diese Festtagskeilereien ein Phänomen aus der Jugendzeit meines Vaters gewesen seien, der immer wieder von ausgeuferten Schützenfesten und eskalierten Hochzeitsfeiern erzählte. Er sagte immer, Prügeleien seien damals (wohl um 1950) etwas Normales gewesen, und wenn man sich wie er nicht habe prügeln wollen, dann habe man dem Widersacher zumindest heimlich ein rohes Ei in die Sakkotasche gesteckt und sich aus sicherer Entfernung daran ergötzt, wenn dieses im Gedränge platzte und der Feind in der Schmiere stand. Nun, diesen Sinn für Abstand ließen in dieser Nacht etliche Gäste vermissen und das Personal hatte allerhand zu tun. Ich war immer wieder erstaunt, wie schnell die Thekenjungs und anderen Helfer es gesehen haben, wenn es irgendwo brenzlig wurde: Plötzlich rannten sie los, griffen sortierend ein, redeten gut zu. Sicherlich ist es von Vorteil, wenn man den Großteil der Streithammel mit Namen kennt: Etwas persönliche Ansprache half zumeist, die Gemüter zu beruhigen, der uneinsichtige Rest flog raus. Da meine Freundin und ich aber, anders als mein robuster Vater, dieses Gekeile nicht normal fanden, strichen wir um halb drei die Segel und gingen noch auf einen Absacker in unsere Stammkneipe, die Spelunke. Hier wird zwar auch hart gesoffen, aber die Kneipe ist so geschnitten, dass man kaum unbeobachtet pöbeln kann – und wer pöbelt, kriegt Schimpfe. Dabei ist der Wirt mit der donnernden Stimme alles andere als leise, sodass zumeist eine Verwarnung reicht. Eine Zweite gibt es allerdings auch nicht.

Schild in der Spelunke auf Juist

Wanddekoration in der Spelunke

Schon auf der Treppe hörten wir es: „Atemlos“, schmetterte Helene, und „Atemlos“ grölte die Menge im Chor. Was war das denn? Gab es in diesem meinem Lieblingsetablissement nicht mal eine Art „Helene-Fischer-und-Andrea-Berg-Verbot“? Wurde nicht jeder, der seine Neigung zu einer dieser beiden Damen bekannte, mit einer Strafzahlung belegt, zu entrichten in Alkohol für’s Personal? Ganz offensichtlich galt das an diesem Abend nicht, und da der Wirt eine unverhohlene Schwäche für Schlager hat, bekamen wir auch noch Marianne Rosenberg und Roland Kaiser auf die Ohren. Eine harte Nacht, wahrlich. Als einer der Thekenleute eigenmächtig das Programm wechselte und sein Glück mit dem Klassiker „Music“ von John Miles versuchte, machte er mich damit zwar kurzfristig glücklich. Der Unglücksvogel handelte sich selbst aber einen der gefürchteten lautstarken Rüffel seines Chefs ein: „Was ist das denn für ’n Scheiß? Mach sofort wieder was Ordentliches an, die Leute wollen tanzen! Mach „Atemlos“ oder so!“ Und ich saß da wie ein begossener Pudel und dachte nur: ‚Hallo, Lieblingswirt? Ist da jemand zuhause? Was ist denn los? „Atemlos“ war gerade erst, und außerdem ist hier Fischer-Verbot! Und tanzen kann man hier auch nicht, hier ist das viel zu voll!‘ Wie üblich verhallte mein schweigend vorgetragener Protest ungehört und ich fügte mich dem Druck der Massen. „Atemlos!“, kreischte die trunkene Menge, ein älteres Paar versuchte sich im Gedränge an einem Discofox, alle waren zufrieden und keiner pöbelte. Bis kurz vor vier hörte ich Schlager, dann verabschiedete ich mich von meiner Freundin, die noch etwas plaudern wollte, von meinem lauten Lieblingswirt und einer gelungenen Nacht. Beim Raustreten aus der Kneipe raubte mir der kalte, starke Wind für einen Moment die Luft, sodass ich atemlos dem neuen Tag eines neuen Jahres entgegenlief und trotzdem mühelos die wenigen Meter bis zu meinem Bett bewältigte.

Spätsommerinsel

Zur Abwechslung mal eine ganz kleine Fotostrecke: Immer mal wieder werde ich gefragt, warum ich lieber erst am Ende des Sommers auf meine Lieblingsinsel fahre und nicht zur Hauptsaison. Nun, zum einen lockt mich das Krimifestival, das immer am ersten Wochenende im September auf Juist stattfindet. Das hat in diesem Jahr leider nicht geklappt. Trotzdem hatte Juist eine Menge Höhepunkte zu bieten, denn fast noch wichtiger als die Krimis sind mir jedes Jahr die Ruhe, die beeindruckende Natur und die netten Leute:

So gab es zum Beispiel freie Strandkörbe mit reichlich Platz zwischen den einzelnen Ruheplätzen. Blauen Himmel und eine angenehme Wärme gab’s dazu – und bei Schlamperei mit der Sonnenmilch auch einen ordentlichen Sonnenbrand.

Juist im Spätsommer

Nette Gäste kamen zu Besuch und ließen sich neben mir nieder – sowohl am Strand, am Rand der Dünen, als auch in den Grünanlagen rund um den Schiffchenteich und den Kurplatz.

Seehunde in der Nordsee

Wer sich auf’s Schiff traute, konnte einige Kumpel der anderen Art treffen: plump an Land, wo sie lustig herumrutschen, und elegant im Wasser, von wo aus sie uns genauso neugierig angeguckt haben wie wir sie.

Juist im Spätsommer

Sommerblüten trafen auf Spätsommerfrüchte, kombiniert mit einem Käfer, der das Ganze mal aus der Nähe betrachten wollte. Auf der Insel gibt es übrigens massig Brombeeren – wenn das mein Vater gesehen hätte, hätte er sich sofort einen Eimer besorgt (natürlich bei Behrens!) und losgepflückt.

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Und an einem Tag hatten wir mächtig Wind – da war wirklich was los im Wasser. Natürlich habe ich meinen Kaffee trotzdem tapfer draußen getrunken, denn „draußen trinken“ gehört zum Urlaub einfach dazu.

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Und schließlich gabe es auch den einen oder anderen knallig-kitschigen Sonnenuntergang zu bewundern. Immer wieder schön, egal ob es über dem Meer oder über den Dünen in so schönen Rottönen leuchtet.

Wen diese Bilder nicht von meiner Spätsommerinsel überzeugen, dem sei angeraten, es selber einmal zu versuchen. Außerhalb der Hauptsaison urlaubt es sich ganz hervorragend auf Juist. Und wenn es wider Erwarten doch mal regnen sollte, gibt es eine Mennge schöner Lokale, die einem helfen,  die Zeiit bis zum nächsten Sonnenfenster zu überbrücken.

Nachtrag: Dieses Jahr scheint auf Juist ein grandioses Hortensienjahr gewesen zu sein. Zum Beweis hier das Exemplar, das mich vor dem Kino immer wieder erfreut hat. Nur eines von vielen…

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