Kampf dem Lotterleben!

Ranunkel vom Wochenmarkt – man muss es sich schön machen!

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag wirklich schreiben sollte – denn ich weiß, dass viele vom Thema „Corona“ inzwischen übersättigt sind und einfach mal was anderes lesen möchten. Aber es gibt etwas, das mich im Moment schwer beschäftigt, und daran möchte ich euch teilhaben lassen: Die Isolation in der Wohnung als Single. Ich arbeite seit dieser Woche im Homeoffice und habe alle Freizeitaktivitäten außer Haus, alle Workshops etc. eingestellt.

Eigentlich trifft diese Abschottung durchaus meine Neigungen. Ich bin eine, die es braucht, immer mal wieder ein paar Tage alleine zu sein. Ich genieße es, an Wochenenden ohne Termine am Freitag meine Tür zu schließen in dem Wissen, dass ich nicht mehr raus muss bis Montag – wenn ich das so möchte. Und kürzlich war ich krank, insgesamt drei Wochen – da gehörte es für mich dazu, im Schlafanzug oder oller Jogginghose mit Labbershirt herumzustapfen und mit meinem Gesamtauftritt den Paketboten zu erschrecken. Auch wenn ich mal einen einzelnen Tag Homeoffice mache, laufe ich so rum – sieht ja keiner.

Genau dieses „sieht ja keiner“ ist aber im Moment die Herausforderung. Ich fürchte ein wenig, dass ich in der Zeit des Zuhausebleibens völlig verkomme – zu einer wunderlichen, körperlich runtergewirtschafteten Trulla mit eckigen Augen vom Fernsehen und ungepflegtem Äußeren. Das geht so nicht!

Was also tun? Nun, zunächst mal braucht es etwas Struktur. Und Kontakte. Wasser und Seife natürlich, aber auch einigermaßen ordentliche Klamotten. Gesunde Ernährung und Bewegung. Und andere Freizeitbeschäftigungen als nur die Glotze. Folgendes habe ich mir vorgenommen:

  • Ich besitze ein Trimmrad, dass in Zeiten, wenn mir mein Knie wehtut, eifrig benutzt wird, zu anderen Zeiten aber zum Kleiderständer degradiert wird. Ich habe mir heroisch beschlossen, mir meine Mahlzeiten künftig zu verdienen und vorher immer ein bisschen zu strampeln. Muss ja nicht lange sein – jeder „Kilometer“ hilft. Schließlich fehlt mir derzeit die Grundbewegung, die ich sonst schon allein dadurch bekomme, dass ich kein Auto besitze und oft zu Fuß unterwegs bin.
  • Keine Schlafanzugstage. Bequem ja, aber so, dass man ohne Bedenken die Tür öffnen kann, sollte es klingeln.
  • Regelmäßige Arbeitszeiten. Die letzte Woche habe ich zwischen halb acht und acht angefangen zu arbeiten, das passt gut. Allerdings muss man auch auf regelmäßige Pausen achten und sich zwischendurch mal vom Stuhl erheben. Im Büro läuft man ja auch mal rum, zum Klo, der Kaffeemaschine oder dem nächsten Meetingraum. Unser Gebäude ist über 100 Meter lang, da kommen schon ein paar Schritte zusammen. Oder man geht zu einem Kollegen rüber, um bei dem auf den Bildschirm zu gucken, steht dann da ein bisschen und beredet was.
  • In der letzten Woche haben einige Kolleginnen und ich angefangen, per Skype gemeinsam Mittagspause zu machen. Jede saß für sich vor der Kamera, wir haben uns angeguckt, gegessen und geschwatzt – gerade so, wie wir es sonst in der Kantine auch tun würden. Das ist gut, lockert es doch den Arbeitstag auf. Mich bringt es außerdem dazu, nicht ganz so sehr wie eine Trümmerlotte aussehen zu wollen und ein bisschen mehr aufzuräumen – schließlich gucken die mir in die Wohnung!
  • Und ja, die Wohnung, das ist auch so ein Thema. Ich bin ja ein furchtbar unordentlicher Mensch – oft starte ich Aufräum-Panikaktionen, wenn Besuch angekündigt ist. Nur … im Moment kommt kein Besuch, und ich bin den ganzen Tag zuhause und mülle vor mich hin. Das muss ich mir für die nächsten Wochen abgewöhnen, denn sonst wird beides ungemütlich: der Arbeitstag und die Freizeit. (Der Kollege, der als Letzter bei uns im Büro war und alle Telefone umgestellt hat, erzählte mir, dass er bei mir etwas aufgeräumt habe. Ich mache das sonst immer vor dem Urlaub und hatte das dieses Mal völlig vergessen – ist ja kein Urlaub. Das war mir schon ein bisschen peinlich. Danke, Sebastian, du Guter!)
  • Noch ein Thema: Arbeitszeit und Freizeit. Ich arbeite derzeit im Wohnzimmer am Esstisch. Das geht gut, ich sitze bequem, habe ausreichend Platz und Licht. Aber zumindest zum Wochenende muss ich den ganzen Arbeitskram wegräumen – sonst guckt mich das das Wochenende über immer an. Gestern habe ich also alles weggepackt und ins Regal verräumt.
  • Und in der Freizeit? Was mache ich da? Mir ist in den letzten Tagen aufgefallen, dass ich keine Lust habe, mich da auch noch an den Esstisch zu setzen und am PC zu werkeln – auch nicht privat. Immer nur fernsehen kommt auch nicht in Frage – das ist toll, wenn man krank ist, aber wenn man gesund ist, wird man davon auf die Dauer rammdösig. Also werde ich wohl mehr lesen, stricken oder Hörbücher hören. Und mal wieder was Größeres schreiben – wie immer bei Entwürfen erst mal im Notizbuch.
  • Und ich will etwas Neues probieren. Ich wollt schon immer mal häkeln lernen, oder ein altes Hobby auffrischen und eine Figur bauen. Ich habe so viel Bastelkram zuhause, damit sollte sich doch die Zeit füllen lassen. Was ich mit dem gebastelten Kram dann später tue, werden wir sehen …
  • Und natürlich will ich mit meinen Lieben in Kontakt bleiben. Wir haben inzwischen so viele Möglichkeiten neben dem Telefon – seien es die kleinen, hingeworfenen Kommentare per Social Media oder WhatsApp oder längere Skype-Sessions mit Kamera. Noch vor wenigen Jahren hätte das alles ganz anders ausgesehen.

Mir ist übrigens klar, dass ich zu denen gehöre, die sehr weich fallen in dieser Krise: Ich habe keinen Beruf, in dem ich mich unmittelbar der Ansteckungsgefahr aussetze, muss mich nicht von Klopapiersüchtigen beschimpfen lassen. Ich muss als Mitarbeiterin in der Lebensmittelindustrie erst mal keine Angst haben um meinen Arbeitsplatz, kann von zuhause arbeiten. Ich habe zwar keinen Garten, aber eine geräumige Wohnung mit komfortabler Ausstattung. Ich muss während der Arbeit keine kleinen Kinder bespaßen und muss mich nicht um alte Eltern ängstigen, die vielleicht zu versorgen wären. Diese paar Wochen Hausarrest, so surreal die Situation auch erst mal ist, sollte gut zu überstehen sein.

Und ihr, die ihr das jetzt gelesen habt: Passt auf euch auf und bleibt zuhause, soweit es geht.