Schön ausgedrückt: Die Hohlhippe

Jeder kennt sie, die wenigsten aber können sie korrekt benennen: Diese komische kleine Keksrolle, die es oft zum Kaffee gibt oder die im Eisbecher steckt. Auch ich lernte erst durch meine Freundin Maike, dass es sich bei diesen Röllchen um sogenannte „Hohlhippen“ handelt. Das hatte ich noch nie zuvor gehört.

Meine Recherche im gelben Duden brachte hervor, dass der Begriff „Hippe“ aus dem Spätmittelhochdeutschen stammt und für ein rundes, flaches Gebäck verwendet wird, dass in noch warmem Zustand gerollt oder geformt wird. Die Verwendung ist nicht übertrieben häufig, aber auch nicht so selten, wie ich es gedacht hatte.

Deutlich ergiebiger noch ist der Artikel auf Wikipedia, den ich sehr lesenswert fand: Für die „Hippenmasse“ gibt es unzählige Rezepte, die jeweils zumindest Eiweiß und Zucker enthalten und immer ein mürbes und splittriges Gebäck ergeben. Dieses Gebäck wird erst nach dem Abkühlen fest, so dass es gebogen werden kann. Es gibt allerhand Hilfsmittel dazu, zum Beispiel Hippeneisen zum Backen und Formen zum Rollen.

Sehr oft werden Hippen gefüllt (deshalb sind sie zumeist hohl) oder zum Dekorieren verwendet. Manche sind auch Traditionsgebäcke wie Neujahrshörnchen, an die ich mich gut erinnere: Bei uns hießen sie Krüllkuchen, hatten die Form von Eiswaffeln und wurden mit Anis gewürzt, was ich nie besonders mochte. Wo unser Krüllkucheneisen geblieben ist, weiß ich gar nicht, wahrscheinlich wurde es mangels Fangemeinde entsorgt.

Interessant fand ich auch die sehr vielen regionalen Varianten dieses Gebäcks, die natürlich mit vielen regionalen Begriffen einhergeht. So werden die nüchternen (Hohl-)Hippen manchmal zu Klemmkuchen, Piepkuchen oder Cigarette russes, und auch in der Schweiz gibt es „Hüppen“.

Nachdem ich mich nun so ausgiebig mit den Hohlhippen beschäftigt habe, bekomme ich beinahe Lust, welche zu backen. Ohne doofen Anis natürlich – lieber mit Zimt oder Vanille. Ich glaube, die ewige Antje hat so ein Gerät, vielleicht sollte ich das einmal ausleihen.

 

Nachtrag 1: Von Helge Schneider gibt es noch einen Roman mit dem feingeistigen Titel: „Zieh‘ dich aus, du alte Hippe“. Ich habe das Werk nicht gelesen, gehe jedoch nicht davon aus, dass der Roman von Keksen handelt. Im Duden gibt es noch zwei weitere Bedeutungen für die Hippe: Zum einen ein Werkzeug, zum anderen eine Ziege oder streitsüchtige Frau. Das sollte es in diesem Zusammenhang wohl treffen.

Nachtrag 2: In meiner Kindheit hatten wir tatsächlich so ein Klemmeisen zuhause. Es war von meinem Vater selbst gefertigt worden und hing im Treppenhaus, ich wusste nie so recht, was das eigentlich ist. Zum Backen haben wir es nie benutzt, wir hatten ein elektrisches Krüllkucheneisen.