Novemberwunderwetter

Allmählich wird mir das Wetter ein wenig unheimlich: Neun Tage war ich auf Borkum, und das im November. Fünf Tage lang hatte ich ein wahres Prachtwetter – so, dass die Leute in die Strandcafés kamen und schnauften: „Boah, is dat warm!“

Es war zwar nicht unbedingt Bikiniwetter (die dicke Dame übertreibt mal wieder), aber es war für die Jahreszeit viel zu warm. Mehrmals saß ich ohne Jacke in der Sonne – das ist schon komisch im November.

Die Cocktails waren deutlich verlockender als der Glühwein. Da ich mir aber mal wieder den üblichen Urlaubs-Infekt zuzog, blieb ich trotzdem zumeist bei den Heißgetränken. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Die Sonnenuntergänge waren wirklich spektakulär, das habe ich mir mehrmals angeguckt und auch mal wieder ein bisschen herumexperimentiert – sowohl mit der Dame, die ganz unanständig ihr Maurerdekolltee zeigte, als auch mit der Fotokugel.

Trotz der vielen schönen Sonnenuntergangsbilder war ich eigentlich wegen etwas anderem im Herbst nach Borkum gefahren: Mir stand der Sinn nach Wolken, Wind und feuchter Luft. Ein bisschen was davon gab es auch, insofern habe ich keinen Grund zum Meckern:

Und heute Morgen verabschiedete die Insel sich mit Nebel von mir. Da ich direkt am Leuchtturm wohnte, machte ich mal wieder ein Foto davon. Sicher technisch lausig, aber trotzdem schön 🙂

Borkum im Herbst ist immer wieder toll – super entspannend und erholsam. Es war sicher nicht das letzte Mal.

9 Gründe, den Herbst zu lieben

Gestern war offiziell Herbstanfang. Pünktlich dazu ist es kühler geworden und es regnet endlich mal ein wenig. Ich freue mich jedes Jahr auf den Herbst und glaube, dass er meine Liebings-Jahreszeit ist. Und dafür gibt es eine Menge Gründe. Hier die für mich Wichtigsten:

1. Die Farben

Der Herbst ist für mich golden. Das liegt nicht nur an der Farbes des Laubes, das bunt leuchtet, sondern auch an dem besonderen Licht. Wenn ich mich recht erinnere, steht die Sonne im Herbst tiefer als im Sommer, der Einfallswinkel der Sonnenstrahlen ist flacher und die Farbe des Lichts daher anders.

2. Letzte Blüten

Für mich als Blumenfan sind die letzten Blüten im Herbst immer besonders schön, ich freue mich über jede, die mich anlacht. Jetzt im September gibt es ja noch richtig viele Blumen, später im Jahr muss man schon mal auf Beeren ausweichen, wenn man nach etwas Buntem zum Fotografieren sucht.

3. Rauer Wind und Sonnenschein

In diese Lieblingsjahreszeit fällt in der Regel mein jährlicher „Alleine-Urlaub“ auf einer Insel. Ich liebe es, im rauen Herbstwetter am Wasser spazieren zu gehen, fröstelnd und durchgepustet irgendwo einzukehren und mich – gerne schreibend – aufzuwärmen. In jedem dieser Urlaube erwische ich auch ein par Sonnenstunden, die ein besonderr Genuss sind.

4. Apfelzeit und Erntedank

Ich bin niemand, der das Ernetdankfest bewusst feiert, doch ich finde es gut, im Herbst einmal kurz innezuhalten und dankbar dafür zu sein, dass die Natur es mit uns hier recht gut meint. Auch wenn dieses Jahr sehr trocken war, war es doch vielerorts ein grandioses Obstjahr. Ich habe dieses Wochenende einen tollen Pflaumenkuchen gebacken, vielleicht folgt diesem bald mal wieder ein Apfelkuchen. Denn Äpfel, die ich roh leider nicht gut vertrage, gehören zu meinem liebsten Obst – sei es als Kuchen, Wein, Mus oder, oder, oder …

5. Pilze!!!

Hach, Pilzzeit! Ich liebe Pilze. Zwar habe ich noch nie selber welche gesammelt und werde das wohl auch nie tun (ich denke, es gibt weniger mühsame Methoden, sich umzubringen), doch ich liebe Pilzgerichte aller Art. Besonders Pfifferlinge, die es zuhause nie gab, sind meine Favoriten.

6. zur Ruhe kommen

Im Sommer will ich immer was machen: Schwimmen gehen, an den Main, zumindest auf den Balkon. Dieser Sommer war allerdings so heiß, dass ich mich manchmal zuhause eingeigelt habe – aber immer mit einem schlechten Gefühl dabei. Der Herbst läd dazu ein, zur Ruhe zu kommen, dem Sofa zu huldigen und einfach mal abzuhängen.

7. Teezeit

Mit der Sofazeit und dem Abhängen kommt natürlich auch der Teedurst zurück. Zwar mache ich mir auch im Sommer mal ein Kännchen Tee, aber in den kalten Monaten ist Teetrinken für mich ein Muss. Meistens gibt es kräftigen Ostfriesentee, manchmal aber auch Rotbusch- oder Kräutertee. Wie gut das schmeckt, wenn es kühl und dunkel ist!

8. Erste Weihnachtskekse

Ich fand es ja schon etwas seltsam, als ich letzte Woche aus dem Freibad kam und im Supermarkt kistenweise Weihnachtskekse sah. Ich gestehe aber, dass ich zu denjenigen gehöre, die immer schon früh im Jahr ein Päckchen davon kaufen, um es gemütlich zum Tee zu schnabulieren. Ich weiß, das finden viele blöd, aber ich stehe dazu! Es gibt bei mir übrigens bevorzugt Mandelspekulatius 🙂

9. Stricken

Mit der Chill-Tee-Keks-Sofazeit werde ich mich auch wieder mal meinen Wollhaufen widmen und ein wenig Stricken. Ich brauche noch eine Mütze, finde ich, und auch mein letztes Sockenpaar wartet noch auf die Fertigstellung.

Und damit bin ich mit meiner Liste am Ende. Wem noch etwas einfällt, der schreibe es gerne in die Kommentare – ich bin sehr neugierug darauf, was andere am Herbst mögen.

Ein Sturm kommt

Manchmal muss man auch Glück haben: Ich bin von meinem Usedom-Urlaub schon am Samstag zurückgekehrt, konnte also noch problemlos mit der Bahn fahren. Nur einen Tag später wäre ich spätestens in Berlin gestrandet. So aber konnte ich das Heraufziehen des Unwetters beobachten, und zwar schon am Freitag. Dieser Tag war vom Wetter her nur was für echte Küsten-Fans – ungemütlich ist noch freundlich formuliert.

Ich wagte mich tatsächlich für ein Weilchen an den Strand. Dort wurde man regelrecht verblasen, die Kaputze flog vom Kopf, das Zopfband hinterher. Richtig viel Spaß hatte dort unten wohl nur noch dieser Hund, der die für Ostseeverhältnisse hohen Wellen sichtlich genoss. Ich hoffe nur, er hat sich keinen Schnupfen geholt, so nass wie er irgendwann war.

Ich verzog mich nach einer Weile auf die etwas windgeschütztere Promenade und spazierte von Heringsdorf nach Ahlbeck. Keine große Wanderung, das gebe ich zu, aber an diesem Tag reichte es mir. Es schauerte immer mal wieder gar schauerlich, und ich wollte gerne in der Nähe der zahlreich vorhandenen Gastronomie bleiben, um notfalls unterschlüpfen zu können.

Viele Leute waren wahrlich nicht unterwegs bei diesem Schietwetter, aber die, die man traf, waren alle gut gelaunt. Es waren die Wetter-Enthusiasten, die genau wissen, was sie bekommen können, wenn sie zu dieser Jahreszeit an die Küste fahren. Und da die Tage zuvor beinahe windstill gewesen waren, war dies der gerechte Ausgleich dafür. Sogar einige wenige Kite-Surfer sah man, die den heraufziehenden Sturm nutzten. Ich fror schon, wenn ich ihnen nur zusah.

Reichlich durchgepustet und mit echter Trümmerlotten-Frisur kam ich ein paar Stunden später wieder in meinem Hotel an und belohnte mich mit heißer Suppe. Zum ersten Mal in meinem Leben aß ich diese merkwürdige Reste-Komposition namens „Soljanka“. Hat gut geschmeckt, ist aber ein bisschen merkwürdig. Besonders zu loben war aber das wunderbare Brot, dass es in diesem Hotel gab. Das schmeckte deutlich besser als das olle Baguette, das Suppen ansonsten gerne komplettieren soll.

Am Freitag blies es also schon kräftig und am Samstag war es so unfreundlich, dass ich darauf verzichtete, vor meiner Abreise gegen Mittag noch einmal an den Strand zu gehen. Das Wetter machte mir die Abfahrt dieses Mal recht leicht.

Herbst

Der Herbst ist meine Lieblingsjahreszeit – auch hier in der Stadt. Diese Pilze wachsen mitten in der City, in der Nähe der alten Oper.

Diese Blätter fielen mir abends auf dem Heimweg auf: In der Nähe des Lokalbahnhofs wurden sie von einer Straßenlampe beschienen und die kleinen Regentropfen ließen sie hübsch glitzern. Genau das Richtige für eine Glitzerliebhaberin wie mich.

Ein Fundstück aus Borkum: Die Hortensienblüte ist zugegebenermaßen nicht mehr so dolle, aber die Blätter lassen es farblich nochmal richtig krachen.

Und diese kleinen Kumpel besuchten mich für eine ganze Weile, während ich auf Borkum meinen Kaffee mit Baileys schlürfte. Ich teilte meinen Karamellkeks mit ihnen.

 

Nachsaison

Die dicke Dame, Borkum

Die dicke Dame übertreibt: Es gibt auch im November Sonne, aber nackig machen sollte man sich nicht.

Wie schon ab und zu mal erwähnt, liebe ich es, in den kühlen Monaten ans Wasser zu fahren: wenn der Wind tüchtig bläst, die meisten Touristen abgereist sind und wenige Angebote mich von meinem eigentlichen Ziel, ein wenig zur Ruhe zu kommen, ablenken. Und doch bin ich immer wieder erstaunt darüber, wie die Atmosphäre sich schlagartig verändern kann, wenn die letzten Herbstferien zuende gehen: Dieses Runterschalten von Volldampf in der Sommersaison über halbe Kraft im goldenen Oktober auf gaaaaanz langsam ab November finde ich faszinierend.

Plötzlich haben Läden und Cafés geschlossen. „Wir machen Ferien“ liest man dann auf den Schildern in vielen Eingangstüren. Und ja, du meine Güte, sie haben es sich verdient, die vielen guten Geister, die auf den Inseln die Saison durch arbeiten, mit langen Arbeitszeiten und nur wenigen freien Tagen.

Überbleibsel einer langen Saison: die Fundsachen des Sommers.

Die wenigen Touristen, die unbeirrt und warm eingepackt dem Wind und den Regenschauern trotzen, finden alle noch ihren Platz zum Kaffee trinken, und sobald die Sonne scheint, drängen sie sich auf den Sitzplätzen im Freien zusammen. Ich auch, wenngleich ich es eigentlich fragwürdig finde, wenn die kühle Herbstluft durch Heizpilze aufgewärmt wird. Zum Glück begegnete mir das in diesem Jahr selten, eher lagen Decken aus – leicht klamm von der Feuchtigkeit, aber ein guter Schutz gegen den Wind.

Mal wieder ein Kugelexperiment: In diesem Café hatte man trotz dicker Wolkendecke einen wunderbaren Blick auf die Brandung – wenn man es denn draußen aushielt.

Natürlich haben nicht alle frei – für eine fängt jetzt die Hauptkampfzeit auf der Insel erst an. Es wird renoviert und mit Hochdruck geputzt: Die Gebäude auf der Promenade werden mit viel Wasser und hohem Druck vom Grünspan befreit, Mauern werden geschrubbt. Plötzlich sitzen neben mir im Café rotgefrorene Männer in Arbeitsanzügen, die zur Firma „Die Abdichter“ gehören und von der Cafébesitzerin mit einem Pott Kaffee versorgt werden. Ja, man darf kein Weichei sein, wenn man bei diesem kalten Wind da draußen arbeitet.

Novemberstrand auf Borkum, fast menschenleer

Der Strand gehört jetzt den Spaziergängern und Drachensteigenlassern. Was in der Hauptsaison am Hauptstrand streng verboten ist, macht jetzt bei ordentlich Wind so richtig viel Spaß – wenngleich ich auch eine Mutter mit etwa 16-jährigem Sohn beobachtet habe, die es selbst bei Windstärke 6 nicht geschafft haben, ihren Drachen zum Fliegen zu bringen. Der lautstarke Streit der beiden erheiterte die anderen Strandwanderer, denn so wenig fliegerischer Grundverstand verteilt auf zwei Leute ist schon selten.

Die dicke Dame in den Dünen

Schon besser: die dicke Dame rastete des öfteren warm eingepackt irgendwo am Dünenrand. Hier blühte noch einiges

Und auch die Hunde erobern den Strand, glückliche Vierbeiner, die herumrennen, buddeln, Bälle durch den Sand treiben (besonders tat sich dabei ein winziger, niesender Dackel hervor, der anscheinend ständig Sand in seiner eifrigen Nase hatte) und, wenn sie es dürfen, in die Wellen springen. Selten habe ich so viele schöne, zufriedene Hunde gesehen, die einander friedlich begegneten und Spaß daran hatten, so richtig drauflos zu rennen. Und zum ersten Mal sah ich einen Windhund in vollem Galopp – was der rennen konnte! Frauchen guckte übrigens genauso ungläubig wie ich, Luna dachte nämlich gar nicht daran, auf ihren Ruf hin zurückzukommen, die wollte sich austoben und hörte erst damit auf, als ihr die Zunge weit aus dem Hals hing. Frauchen auch, aber die gab viel schneller auf.

Neuer Leuchtturm Borkum – seit meiner Kindheit eines meiner Lieblingsmotive

Was mich in der Nachsaison zunächst immer erschreckt, dann aber erleichtert, sind die wenigen Veranstaltungen, die angeboten werden. Zuerst denke ich „Was soll ich denn nur die ganze Zeit machen?“, doch dann finde ich es toll, nichts oder nur wenig verpassen zu können. Gut, ich könnte mal ins Kino gehen, muss ich aber nicht. Ich könnte auch mal ein Fahrrad mieten und ins Ostland radeln, muss ich aber auch nicht. Ich kann gemütlich herumschlendern, von einem Tee zum nächsten, ohne dass mir etwas Weltbewegendes durch die Lappen ginge. Ich werde entschleunigt, ohne mich dafür anstrengen zu müssen. Und das ist für mich der große Vorteil der Nachsaison: Sie hilft mir, mich auf das zu konzentrieren, was ich eigentlich möchte.

Auch im Herbst geht die Sonne manchmal dramatisch unter

Mach’s gut, Sommer!

Eigentlich hätte ich heute einen endlos langen Bürotag machen müssen – nach einigen Tagen Abwesenheit hatte sich etliches aufgestaut. Und eigentlich hätte ich heute auch meinen Schreibworkshop gehabt. Für den habe ich bezahlt, da sollte ich schon immer hingehen, wenn es sich einrichten lässt. Und eigentlich ist der 29. September auch kein Tag zum draußen Badengehen – schließlich ist schon Herbst. Doch das Wetter sagte etwas anderes, und meine Laune auch. Und noch hat das Schwimmbad Hausen geöffnet. Noch – genau genommen bis Montag. Und es wird kälter.

Ich machte bei der Arbeit also früh meinen Laden dicht und fuhr schwimmen – wohl zum letzten Mal in dieser Saison draußen. Das Bad war knallevoll, doch damit hatte ich gerechnet. Schießlich ist es das letzte Freibad in Frankfurt, das noch geöffnet hat. Vielen Schwimmern schien es wie mir zu gehen: Sie paddelten herum wie seniore Dauerwellenträgerinnen, eifrig darauf bedacht, die letzten Sonnenstrahlen ins Gesicht zu kriegen – das geht natürlich nicht, wenn man sportiv kraulend das Becken durchpflügt.

Und ja, man spürte bereits den Herbst. Als die Sonne verschwand, war es im Wind lausig kalt. Im Becken lagen schon eine ganze Menge abgefallene Blätter und das Licht erinnerte an den goldenen Oktober. Ich bin damit nicht unzufrieden, ich mag den Herbst, und ich finde, wir hatten einen schönen Sommer. Natürlich war der Juni nass und der Juli schwül, und natürlich habe ich darüber gemeckert. Meckern ist meine Kernkompetenz. Doch alles in allem fand ich es toll in diesem Jahr – besonders diesen langen Spätsommer.

Wenn er sich nun also davonmacht, der Sommer, habe ich keinen Grund, damit unzufrieden zu sein. Was zu sagen bleibt, sind ein kleiner Gruß und die besten Wünsche: Mach’s gut, Sommer, und komm‘ gesund zurück. Wir sehen uns – spätestens zu Ostern. Denn dann macht das Schwimmbad in Hausen wieder auf!

Über den Wolken

Usedom im Herbst

Für alle, die sich über die ungewohnte Ruhe hier im Blog wundern, habe ich ein paar Fotos, die das Schweigen erklären: Urlaub auf Usedom. Das bring mich schon allein dadurch zum Schweigen, weil der Internet-empfang hier auf der Insel einigermaßen mau ist. Mein Handy denkt sogar immer, dass es in Polen sei, und heißt mich jeden Tag mehrmals dort willkommen. Naja, besser als nichts. Aber „in echt“ bin ich noch auf der deutschen Seite Usedoms, genau genommen in Ahlbeck.

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Im Moment aber sitze ich neben dem Klavier im Hotel-Café. Eine nette Kellnerin hat mir verraten, dass der Empfang hier recht gut sei. Nun, zumindest ist er vorhanden.

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Inselurlaub im Herbst – so manchen schüttelt es bei diesem Gedanken. Was mich immer wieder zu solchen Urlauben treibt, ist die herrliche Ruhe, der Wind und das raue, aber nach meinem Geschmack angenehme Klima. Selbst die Möwen scheinen entspannter als sonst – sie lassen sich ohne jegliche Hemmung fotografieren. Eine hatte übrigens auch keine Hemmungen davor, mich von oben bis unten vollzukacken – das hätte nun nicht sein müssen. Dummes Tier!

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Was mir am Inselherbst besonders gefällt, ist dieses besondere Licht. Irgendwie golden, was nicht nur daran liegt, dass Blätter die Strandabgänge säumen. Man sieht es auch ohne dekorativ begleitendes Laub.

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Und das Vorurteil, das viele haben, dass es in Norddeutschland ab September keinen einzigen Sonnenstrahl mehr gibt, wurde auch dieses Mal eindrucksvoll widerlegt:

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Man darf sich natürlich nicht täuschen lassen: Trotz der Sonne und des wolkenlosen Himmels ist es im Wind lausig kalt und ich staune immer wieder darüber, was es für einen Unterschied macht, ob man die Mütze brav auf dem Kopf trägt oder sie mal wieder im Hotelzimmer vergessen hat.

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Was mich hier auf Usedom übrigens am meisten fasziniert, ist nicht etwa die schöne, manchmal fast etwas kitschig wirkende Bäderarchitektur, die einem besonders in den drei Kaiserbädern Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin überall begegnet. Sie ist hübsch, ohne Zweifel. Aber für mich, die ich die Nordseestrände mit ihrer kargen Vegetation gewohnt bin, sind es eher die vielen Kiefern, die mich immer wieder staunend gucken lassen. Wie groß die Dinger werden können! Und wie viele es hier davon gibt! Ich hatte keine Ahnung, dass es so viel Wald auf Usedom gibt. Und auch nicht, dass er so nach an den Strand heranwächst.

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Außerdem finde ich die Nähe zu Polen sehr spannend. Es begegnen einem sehr viele Polen, sei es, weil sie auf der deutschen Seite der Insel arbeiten oder auch, weil sie auf einem Sonntagsspaziergang in Ahlbeck Kaffee trinken gehen. Ich bin ebenfalls spazieren gegangen, aber in die andere Richtung, über die Promenade nach Swienemünde. Es ist schon lustig, mit dem linken Fuß noch in Deutschland, mit dem Rechten aber schon in Polen zu stehen. Das finde ich besonders bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass diese Grenze in meiner Jugend noch ein wahres Bollwerk war.

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Der vielfach angepriesene „Polenmarkt“, den die Polen übrigens den „Deutschenmarkt“ nennen, interessierte mich zwar nicht sonderlich – schließlich rauche ich nicht, brauche weder Reizwäsche noch Schlagringe und habe auch genügend Handtaschen. Aber die Art, wie die Stadt hergerichtet ist, ist schon sehr ansprechend. Im Sommer bietet sie viele Ecken, in denen man schön draußen sitzen kann, und eine interessante und liebevolle Bepflanzung.

Alles in allem ist Usedom für mich eine Reise wert – und gerne auch noch eine oder mehrere Weitere. Denn übermorgen geht es ab nach Hause. Es war wie immer viel zu kurz!

Inselzeit

Heute habe ich meine Reiseunterlagen bekommen. Es ist zwar noch eine ganze Weile hin, bis ich nach Usedom fahren darf, aber freuen kann man sich ja schon mal. Und ich freue mich wie verrückt auf meinen Herbsturlaub auf der Insel.

Ich muss gestehen, dass ich nicht besonders fantasievoll bin, was Reisen angeht. Für mich muss Wasser dabei sein, und zwar kaltes, graues. Außerdem brauche ich eine ordentliche Portion Wind um die Nase und viel Platz, damit ich einen Urlaub als gelungen empfinde. Seit Jahren schon zieht es mich deshalb einmal im Jahr mit einer lieben Freundin nach Juist. Wir reisen außerhalb der Hauptsaison und gönnen uns das Juister Krimifestival – davon werde ich beizeiten einmal berichten.

Was viele Bekannte immer wieder in Erstaunen versetzt ist, dass ich mit großer Leidenschaft im für die meisten Leute fiesesten Monat – nämlich im November – an die Küste fahre. Und dabei ist es eigentlich so einfach: Der Herbst ist für mich eine der schönsten Jahreszeiten, um ans Wasser zu fahren. Die leeren Strände laden dazu ein, sich warm einzupacken und ordentlich durchpusten zu lassen. Mir bläst es dabei den ganzen Stress des Alltags aus dem Kopf, es ist wieder Platz für neue Ideen und ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich versuche, gegen den Sturm anzusingen.

Sylt im November

So wie im letzten Jahr auf Sylt. Der für den November zuständige Wettergott meinte es gut mit mir und schickte wenig Regen, was sicher gut für meinen Geldbeutel war, denn auf Sylt kann man schlechtes Wetter wunderbar durch ausgedehntes Shopping überbrücken. Strandspaziergänge sind da deutlich billiger, auch wenn man dabei der Kälte wegen vom ersten Tee zum nächsten Glühwein schlendert.

Sylt im November

Eine Besonderheit am Inselherbst ist das schöne, intensive Licht, das es einem erlaubt, selbst mit einer schnöden Handykamera anheimelnde Bilder zu schießen. Wellen, Wolken und niedliche Reetdachhäuser sind zudem dankbare Motive, die es einem leicht machen. Man darf jedoch nicht vergessen, dass es auch das Fehlen der Touristenmassen ist, das dazu beiträgt, dass die Erinnerungsfotos so gelungen wirken. Auf Sylt hatte ich tatsächlich wahre „Momente der Einsamkeit“, in denen ich sehr idyllische Fleckchen ganz für mich hatte.

Sylt im Herbst

Was den Tourismus angeht, schlagen tatsächlich zwei Herzen in meiner Brust: Natürlich wünsche ich den Insulanern und Küstenbewohnern, dass möglichst viele Gäste kommen und die Einheimische zumindest ein solides Einkommen aus ihrer schönen Landschaft ziehen können. Andererseits möchte ich zur Hauptsaison, wenn der Trubel seinen Höhepunkt erreicht, nicht in der Nähe sein. Das hat mich schon früher abgeschreckt, als ich noch in Wilhelmshaven studiert habe und eigentlich jeden Tag einmal kurz in Richtung eines der Bäder hätte abbiegen können. Im Winter habe ich das ab und zu getan, im Sommer aber habe ich Orte wie Hooksiel oder Schillig gemieden wie die Gans das Bratrohr. Und als ich auf Sylt sah, wie viele Sitzgelegenheiten bei Gosch in List aufgestapelt und eingemottet auf die nächste Saison gewartet haben, habe ich beschlossen, niemals im Sommer dorthin zu fahren. Das ist nicht meine Jahreszeit – sollen sich dann andere bei Matjes und Champagner vergnügen.

Sylt im Herbst

Dieses Jahr im Herbst soll es also Usedom werden. Da war ich noch nie. Wenn ich richtig informiert bin, gibt es dort Stellen, an denen im Herbst Bernstein angeschwemmt wird. Ich werde mich wieder einmal auf die Suche begeben. Gesucht habe ich schon oft, wirklich etwas gefunden noch nie. Ganz bestimmt wird es dieses Mal soweit sein, der faustgroße Brocken ist mir so gut wie sicher. Ich werde berichten…