Zu spät entdeckt: Estas Tonne

Beim Arbeiten höre ich sehr gerne Musik, denn ich sitze in einem Großraumbüro und muss das Gewusel um mich herum manchmal ausblenden. Dann stülpe ich mir die Kopfhörer meines Headsets auf und suche mir etwas auf YouTube aus. Ich habe meine Favoritenliste, so dass ich nicht lange suchen muss, sondern einfach nur draufklicken kann.

Kürzlich passierte es mir jedoch, dass ich ganz vertieft eine lange Zeit vor mich hin arbeitete und das von mir ausgewählte Musikstück zuende ging. YouTube beglückte mich also mit einem weiteren Stück seiner Wahl und ich ließ es dudeln – bis ich nach einigen Minuten aufmerksam wurde. Das, was ich da hörte, gefiel mir so über alle Maßen, dass ich erst mal gucken musste, was das ist. Ich fand Estas Tonne. Nie gehört, den Namen …

Auch die deutsche Wikipedia gibt nicht besonders viel her. Ein ukrainischer Gitarrist, 1975 geboren, oft auf Festivals unterwegs. Besonders gut gefiel mir der Satz:

„Oft arbeitet Tonne auch mit anderen Musikern mit kompatiblem Anspruch zusammen, wobei der Charakter der Darbietungen zwischen artistisch und meditativ oszilliert.“

Mehr findet man tatsächlich auf YouTube, denn anderen Leuten ist dieser Künstler durchaus bekannt.  Ich habe mich inzwischen durchgerbeitet und gräme mich ein wenig darüber, dass ich diesen Künstler erst mit über vierzig Jahren gefunden habe – hoffentlich habe ich da nichts verpasst! Ich fand unter anderem ein Video von einem Straßenauftritt, das nicht ganz so lang ist und auch schon ein paar Mal angeklickt wurde – nicht nur von mir. Viel Spaß damit.

Rockin the Blues!

Rockin the Blues, Batschkapp

Gestern war ein besonderer Abend: Die ewige Antje und ich waren auf einem Bluesfestival in der Batschkapp. Drei Musiker nebst Bands und Gast gaben sich die Ehre und ich muss sagen, ich habe schon lange, vielleicht sogar noch nie, ein Konzert mit derart viel „Bumms“ erlebt.

Den Anfang machte Gary Hoey mit Band. Vom ersten Ton an ging es zur Sache – unglaublich, wie drei kleine Musiker eine doch recht große Halle ausfüllen können. Virtuoses Gitarrenspiel, Gesang und eine gesunde Portion Humor machten Spaß und Lust auf mehr.

Der zweite auf der Bühne war der junge Quinn Sullivan, der ganz gewiss ein Ausnahmetalent ist. Er kam poppiger daher als sein Vorgänger, aber nicht weniger kunstfertig.

Quinn Sullivan

Und als dritter kam Eric Gales an die Reihe, ein echter Gitarrenkünstler, der es leider nicht lassen konnte, die werte Gemeinde über sein schweres Leben und so aufzuklären. Doch die Musik war klasse – wieder ganz anders als bei den beiden zuvor.

Als Gast kam Lance Lopez auf die Bühne, der mit der Band von Eric Gales spielte. Das Finale wurde nahtlos, ohne weitere Umbaupause, eingeläutet und ehe man sich versah, waren alle vier Gitarristen gemeinsam auf der Bühne. So viel Rhythmus, so viel Power – man wurde ganz besoffen davon. So bekam das Konzert seinen würdigen Abschluss. Das unten eingebundene YouTube-Video stammt von einem Auftritt aus Dortmund.

Gary Hoey

Abgesehen von der fantastischen Musik gab es natürlich auch sonst noch allerhand zu beobachten: Eine gute Akustik in einer Halle, die sich nicht sofort überheizte – prima. Trotz der Lautstärke hatte man also nicht das Gefühl, dass einem das Trommelfell platzt. Ausreichend Getränkestände und moderate Apfelweinpreise – auch gut. Und ein begeistertes Publikum mit der überwiegenden Haarfarbe Grau. Mir ist bewusst, dass Blueshörer oftmals schon etwas ältere Semester sind, aber hey, Kinnings, ihr verpasst echt was, wenn ihr da nicht hingeht. Solche Musik kriegt man nicht oft geboten.

Fazit: Normalerweise neige ich ja nicht unbedingt zur Euphorie. Doch dieses Konzert war schon etwas ganz Besonderes. Es hat Spaß gemacht und obwohl es recht lange ging und ich irgendwann Plattfüße und Rücken hatte, war es das wert. Und auch wenn um mich herum alle grau waren, fühlte ich mich jung und dynamisch. War das geil!