Akku leer zum Jahresende

Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, ist es recht ruhig derzeit in meiner bunten Welt. Es ist eigentlich wie jedes Jahr: Rechtzeitig zu Weihnachten ist der Akku komplett leer, die für das Jahr zur Verfügung stehende Energie restlos verbraucht. Das merkt man daran, dass man abends auf dem Sofa einschläft oder dass am Wochenende der Intellekt gerade noch dazu ausreicht, um sechs Folgen „Die Pfefferkörner“ am Stück zu gucken. Natürlich nur mit viel Kaffee dazu …

In diesem Jahr habe ich einmal nicht dagegen angekämpft, sondern die Müdigkeit einfach zugelassen. So viele Säugetiere machen einen Winterschlaf, das ist bestimmt nicht die allerdümmste Idee. Ganz gegen meine Gewohnheit bin ich an den Wochenenden also nicht quer durch die Republik gerast, sondern bin zuhause geblieben, habe ein paar Weihnachtsmärkte in der Umgebung besucht und ansonsten einfach mal „gewohnt“. Dicke Kerzen und Teegebäck, Schwarztee mit Wildkirsche und Strickstrümpfe sorgten für den gewünschten Gemütlichkeitsfaktor. Ich habe diese ruhige Zeit genossen und werde sie nach Weihnachten noch ein Weilchen fortsetzen – Tee ist noch reichlich da.

Euch wünsche ich schon jetzt schöne Weihnachtstage. Erholt euch gut, macht es euch nett und guckt den Fernseher leer – Aschenbrödel wartet schon!

Gräusliche Weihnachten

Erneut eine Aufgabe aus dem Schreibworkshop: „Weihnachten steht vor der Tür – nicht aufmachen!“ lautete das Motto. Ein herrliches Thema, das mir viel Spaß gemacht hat 🙂

Gräusliche Weihnachten

Tante Käthe wollte kommen. Und die Schwiegermutter natürlich auch, wie jedes Jahr. Ihren Ernst bringt sie mit, und dann noch Klausi, ihren inkontinenten Dackel mit dem Silberblick. Niedlich war er ja, dieses schielende Ungeheuer, aber wenn er dieses Jahr wieder an die Tanne pinkelte, würde Susanne ihn aus dem Fenster schmeißen, versprach sie sich, während sie schlecht gelaunt ein Gästebett bezog. Und die Schwiegermutter hinterher.

Was ging ihr das auf den Geist: Alle Jahre wieder machten sie an Weihnachten einen auf heile Familie. All diese uneingeladenen Gäste teilten Susanne mit, wann sie zu kommen gedachten und wie sie sich das Fest in diesem Jahr so vorstellten. Sie selber stellte sich das Fest der Liebe ganz anders vor, ruhig und intim, gewiss aber ohne Familienterror. Und auf das schräge Gesinge von Ernst und seiner Holden konnte sie auch gut verzichten. Im letzten Jahr war ihre Kleine davon so verstört gewesen, dass sie drei Nächte lang geschrien hatte. Eine Woche später begann sie zu sprechen und ihr erstes Wort war „Nebenkrähe“. Rolf behauptete zwar, sie hätte „Oma“ gesagt, aber der hörte zu dieser Jahreszeit immer nur das, was er hören wollte.

Susanne knallte die Tür zum Gästezimmer zu und ging in die Küche, um sich einen Tee zu machen. Dort stank es nach Zimt, Rolf hatte gebacken. Die Küche sah aus, als hätte er die Wände neu verputzen wollen und vergessen, die Tapete vorher abzureißen. Und das alles wegen Weihnachten. Susanne stöhnte und goss einen kräftigen Schluck Rum in ihren Tee. Sie musste sich stärken und sich eine gewisse Gleichgültigkeit antrinken. Hätte sie gekonnt, wie sie gewollt hätte, wäre ihre Wohnungstür am 23. Dezember verriegel und bis nach Weihnachten nur geöffnet worden, um Rolf zum Weinholen in den Keller zu schicken.

Friedliche Weihnachten, das wäre mal schön gewesen. Oder auch lustige Weihnachten, schon das hätte sie hellauf erfreut. Zu allem Übel hatte Rolf jedoch auch noch einen Kollegen eingeladen, der gerade erst von seiner Frau verlassen worden war. Der würde sicher so richtig Stimmung in die Runde bringen. Vielleicht sollte sie den einfach zu Tante Käthe setzen, der hatte die Geschichte ihrer Hämorrhoidenverödung im Jahr 1974 ja noch nicht gehört. Und wer weiß, vielleicht mochte der ja ältere Frauen. Oder er war ein Psychopath und brachte welche um.

Ihre eigenen Eltern hatte Susanne übrigens auch mal wieder einladen wollen. Doch die hatten abgesagt, mit schlecht gespieltem Bedauern. Nachdem sie ein Mal das Vergnügen gehabt hatten, mit dem sturzbesoffenen, singenden Ernst die Gästecouch teilen zu müssen, fuhren sie über Weihnachten immer nach Bad Kissingen, um dort verdauungsförderndes Schwefelwasser zu trinken. Vielleicht sollte Susanne einfach mitfahren. Schwefelwasser war doch gewiss verträglicher als überalterte Nebelkrähe an Dackelragout.

Haus mit Weihnachtsbeschriftung

Frohe Weihnachten wünscht Hamburg