Zeit zum Teilen

Das Jahr ist irgendwie dahingeglitten, ohne Highlights, mit viel Pandemie-Gerede, Krankheit und Sorgen für Viele. Der Alltag eines jeden hat sich wohl irgendwie geändert. Und ehe man sich versieht, ist plötzlich Vorweihnachtszeit. Dekoration, Backen, Geschenke aussuchen und liebevoll einwickeln.

Und da sind sie wieder, die Sorgen für Viele. Denn nicht jeder hat das Geld für Geschenke. Nun könnte man natürlich sagen, was soll’s, schenkt man einander eben nichts, ist sowieso alles verschwenderischer Schwachsinn und Konsumterror. Aber erklärt das mal einem Fünfjährigen, dass der Weihnachtsmann nur zu den Nachbarn kommt. Oder einer Zwölfjährigen, die zwar schon gelernt hat, dass das Geld zuhause knapp ist, die aber trotzdem hofft.

Auch in diesem Jahr bemüht sich das Frankfurter Kinderbüro darum, dass möglichst jedes Kind zumindest ein schönes Geschenk bekommt. Trotz Corona-Einschränkungen und all den dazugehörigen logistischen Schwierigkeiten, die diese mit sich bringen, wurde eine Möglichkeit gefunden, Kinder zu beschenken. Wieder stehen Weihnachtsbäume oder Körbe mit Geschenkkärtchen in Geschäften und warten darauf, dass jemand sie mitnimmt und einen Kinderwunsch erfüllt. Dieses Jahr muss es etwas anders laufen, die Wünsche sind nicht so individuell wie in den letzten Jahren, doch alle Kinder sollen mit Spielen oder Büchern beschenkt werden können.

Auch in anderen Städten gibt es derartige Aktionen. Sogar in der Kleinstadt, in der ich aufgewachsen bin, gibt es inzwischen so einen Baum, der hilft, Kinderwünsche zu erfüllen. Ich würde mich freuen, wenn jeder, der es kann, sich eine oder auch mehr Karten vom Baum pflückt und mithilft, Kindern aus finanziell schwachen Kindern ein schönes Fest zu bereiten. Denn Weihnachten sollte auch ein Anlass zum Teilen sein.

Ich war heute in meiner Mittagspause unterwegs und habe Kärtchen gepflückt. Weil ich’s kann und weil es Freude macht.

4800!

Kürzlich wurde ich auf eine Aktion des Frankfurter Kinderbüros aufmerksam: Seit vielen Jahren werden über diese Organisation Kinder mit Weihnachtsgeschenken bedacht, die ansonsten nichts bekommen würden. Letztes Jahr kamen rund 4.800 Pakete zusammen, die von Spendern besorgt oder zumindest bezahlt wurden. 4.800 Päckchen – das ist eine beeindruckende Zahl.

4.800 Päckchen, das bedeutet nicht nur viele hilfsbereite Spender, sondern eben auch 4.800 Kinder, die in verschiedenen Einrichtungen leben oder betreut werden und in einer Situation sind, in der sie keine Weihnachtsgeschenke zu erwarten haben. Natürlich feiern viele dieser Kinder keine christlichen Feste, aber jedes Kind freut sich über eine Aufmerksamkeit zum Jahresende – und sei es nur, um in der Schule mitreden zu können, wenn es um das schönste Weihnachtsgeschenk geht. Oft sind es kleine Herzenswünsche, die es zu erfüllen gilt. 20 bis 25 Euro sollen die Geschenke kosten. Bescheiden, wenn man bedenkt, in wie vielen Familien hunderte von Euro in die weihnachtliche Geschenkeschlacht inverstiert werden.

Letztes Wochenende habe ich mir drei Kärtchen mitgenommen. Zwei kleine Jungen und ein Mädchen bekommen dieses Jahr ein Geschenk von mir, ohne das je zu erfahren. Ich werde nicht sehen, ob sie sich freuen, aber ich nehme es an und stelle mir das einfach vor. Schließlich habe ich mir viel Mühe damit gegeben, die kleinen Wünsche zu erfüllen und für jeden noch eine unerwartete Kleinigkeit dazuzulegen. Es hat richtig Spaß gemacht, mal wieder Spielzeug auszusuchen.

In diesem Jahr wurden über 5.000 Kärtchen mit Weihnachtswünschen an die Frankfurter Wunschbäume gehängt oder in kleinen Körbchen ausgestellt. Gewiss gibt es noch einige Karten, die auf jemanden warten, der sich ihrer annimmt. Es sind auch noch ein paar Tage Zeit. Auch in anderen Städten gibt es derartige Aktionen, und das finde ich richtig gut. Vielleicht hat ja noch jemand Lust, mitzumachen.