Einfach mal nicht einkaufen gehen

In solchen kurzen Wochen wie dieser ersten Januarwoche bin ich immer irgendwie durcheinander. Ich weiß nicht, welcher Wochentag ist, vertausche Termine und fühle mich unorganisiert. Am meisten aber irritiert mich, wie schwer es mir fällt, von meinen ausgeleierten Routinen abzuweichen. Zu Beispiel der, zum Wochenende einkaufen zu gehen.

Sie lesen jetzt ein Gespräch zwischen mir und meiner Vernunft, aufgezeichnet gestern. Im Laufe des Tages wiederholte sich dieser Dialog unzählige Male mit leichten Abwandlungen.

Ach, schön, heute Nachmittag habe ich keine Termine, da mache ich früh Feierabend und gehe noch auf den Wochenmarkt.

Was willst du denn auf dem Wochenmarkt?

Ja, einkaufen halt. Dann muss ich morgen nicht los.

Freu dich, du musst gar nicht einkaufen, es ist noch von allem genug da. Juhu, Juhu!

Hä? Es ist Wochenende. Da kaufe ich immer ein.

„Ich mache das immer so“ ist kein Argument. Denk dran, du willst sparen und nichts wegwerfen.

Ja aber … ich MUSS doch Lebensmittel einkaufen …

Es ist wirklich noch genug da – du hast immer noch Reste von Silvester, frisches Obst und Tomaten sind noch da und der Tiefkühler ist auch voll! Du hast sogar Gurken, Oliven und Perlzwiebeln im Kühlschrank. Und im Bücherregal liegt eine Packung Stollenkonfekt.

Im Bücherregal? Ach was. Aber ich muss doch Brot holen. Ich kaufe gerne bei dem Bäcker auf dem Wochenmarkt.

Du hast gestern schon Brot gekauft, weil keines mehr da war. Das reicht mindestens bis Dienstag.

Hmmm … ich werde verhungern!

So siehst du aus, Moppel! *lol*

Lach nicht so blöd. Bist du dir sicher, dass alles da ist? Mittagessen?

Im Tiefkühler ist noch reichlich Eintopf. Und Nudelsoße. Erinnerst du dich, vor Weihnachten meintest du auch, du müsstest einkaufen, und dann konntest du gar nicht alles verbrauchen. Die Reste hast du zu Soße verkocht, die kann gerne irgendwann gegessen werden.

Hmmm … eigentlich wollte ich Pizza machen.

Es ist alles da für Pizza. Sogar fertig geschnittene Zwiebeln. Vom Raclette übrig, du erinnerst dich?

Hmmm … na gut. Dann spare ich ja richtig Zeit.

Siehste!

Aber vielleicht hätte ich gerne ein Fischbrötchen für heute Abend?

Na gut, Fischbrötchen zum Sofortverzehr ist erlaubt. Aber fang dann nicht an, rumzulaufen und noch Sachen zusammenzusuchen. Du BRAUCHST nichts. Auch nichts vom Feinkoststand!

Nicht mal ein Stück Kuchen zum Tee?

Zum Tee, oder zum Fischbrötchen? Wann willst du das denn alles essen? Kuchen ist gestrichen, für kulinarische Notfälle hast du noch Lebkuchen in der orangen Tupperdose. Und eine Maxipackung Gewürzspekulatius im Schrank! Und Schapspralinen …Muss ich weiterreden?

Ach, halt doch den Rand!

 

Nachtrag: Als ich am Wochenmarkt ankam, gab es keinen Fischbrötchenwagen. Da ich kein Mittagessen hatte, verfiel ich kurzfristig in Depressionen, entschied mich dann aber für Aprikosenkreppel. Außerdem gab es zwei Brezel, die ich mit den diversen Resten aus meinem Kühlschrank kombinierte. Nicht ganz perfekt vielleicht, aber ich bin zufrieden. Und heute gibt es Eintopf aus dem Tiefkühler. Hach, was bin ich vernünftig!

Fundstücke 35: Kleingedrucktes

In einem Bekleidungsgeschäft stieß ich kürzlich auf dieses Serviceangebot:

Das ist ja doll, dachte ich. Wenn ich mir hier ein paar Sachen aussuche, muss ich die gar nicht alleine nach Hause schleppen, sondern bekomme einen netten jungen Studenten an die Seite gestellt, der das für mich macht. Für umme natürlich, sonst wäre das ja kein Service. Trinkgeld würde ich natürlich geben, das gehört sich ja wohl so. Ich war natürlich nicht so vermessen zu glauben, dass der Trageengel auch noch gleich meine Rewe-Einkäufe mit nach Hause bringt, aber wenn man richtig ausgiebig geshoppt hat, ist es schon eine Hilfe, wenn jemand die Beute für einen trägt. Fand ich gut, das Angebot.

Doch dann folgte die Ernüchterung – nämlich von nahem. Da stand noch was Kleingedrucktes, das man nicht so gleich sehen konnte. Zumindest nicht, wenn man wie ich über 30 ist. Da stand:

Wie jetzt, Tasche nutzen? Und wer soll die tragen, ich etwa? Und nur hier im Geschäft? Nach Hause tragen sollte ich den Kram also auch noch selber, nicht zu fassen. Das schmälert das Einkaufsvergnügen aber wirklich. Da habe ich einfach mal NICHTS gekauft!