Ein anderer sein

Mal wieder eine Miniatur aus dem Schreibworkshop: „Ich stelle mir vor“ lautete das Thema und es gab die üblichen rund zwanzig Minuten Zeit. Hui, da flogen aber die Gedanken – was man sich alles so vorstellen kann! Ich wollte einfach aus Spaß mal

Ein anderer sein

Holzfiguren, Puppen, Fragen Spiegelbild

Bild zur Verfügung gestellt von Clara Diercks, http://www.pixelio.de

Manchmal stelle ich mir vor, einfach jemand anderes zu sein. Niemand Bestimmtes, also nicht Britney Spears oder Fürstin Gloria oder so, sondern einfach irgendein anderer Mensch. Nicht, dass ich mit dem Menschen, der ich bin, nicht zufrieden wäre, aber es ist spannend, in Gedanken mal Heidelinde von Opitzburg zu sein.

Ich stelle mir dann vor, ich wäre eine Blondine, oder eine Brünette, eigentlich ist die Farbe ganz egal, mit glatten Haaren bis auf den Hintern und Beinen bis fast an den Hals. Ein bisschen wie Barbie, nur ohne die großen Möpse, und ohne Ken natürlich. Single zu sein ist wichtig, was nützen einem sonst die langen Beine?

Oder ich stelle mir vor, ich wäre furchtbar klug, noch klüger als jetzt schon, also gefährlich klug, und säße in Talkshows herum, um meine von den Umsitzenden sehnsüchtig erwartete Meinung über die Probleme dieser Welt kundzutun. Man hängt an meinen Lippen, selbst wenn ich mich nur bedeutungsschwanger räuspere oder um ein Glas Wasser bitte. Wenn ich das Wasser dann habe, in meiner Vorstellung natürlich, schwenken meine Gedanken wieder um, mal zurück zur Blondine, die plötzlich eine Koryphäe in Astrophysik und mit George Clooney liiert ist, mal in eine ganz andere Richtung. Ganz andere Richtungen sind ganz anders spannend.

Ich stelle mir vor, ich wäre ein Mann. Männer sind anders, sie reden anders, denken anders, laufen anders. Sie tragen andere Schuhe als Frauen, in den Schuhen eines Mannes zu gehen, fühlt sich anders an als in denen einer Frau. Haben Sie schon einmal darauf geachtet, wie Männer laufen? Manche gehen nach hinten geneigt und schwingen die Füße nach vorn, andere laufen steif und breitbeinig, da scheint was zu scheuern. Mir das vorzustellen fällt mir schwer und meine Gedanken gehen andere Wege. Zurück zu Vertrautem: Der breitbeinige Mann kriegt Beine bis fast an den Hals und lange glatte Haare bis fast auf den Hintern. Komischerweise sind die Haare dann immer schwarz, ich mag keine männlichen Blondinen. Und schon gar nicht, wenn ich das bin.

 

Ich bin neugierig: Was stellt ihr euch denn so vor, wenn die Gedanken frei fließen dürfen und dummes Zeug erlaubt ist?