Brot

Gerade habe ich mein Abendbrot verputzt – oder besser: meine Abendbrötchen. Ich bin abends die typische Stullenesserin, wie es so viele in Deutschland gibt. Schon zuhause war es so: Abends gab es fast immer Butterbrote, dazu außerdem Tomate, Gurke oder Radieschen. Und Tee natürlich, was sonst. Allerdings war mir das Brot zuhause leicht etwas langweilig, denn bei uns gab es oft – sehr oft – Graubrot. Das fand und finde ich eher fad und bin froh, dass ich inzwischen mein Brot selber kaufen kann. Heute nahm ich gleich zwei, denn der Tiefkühler, der mich in einkaufsfaulen Zeit vor der Hungersnot bewahrt, ist leer, was Brot angeht.

Brot

Ein Fünfkornbrot und ein Kraft-Ballast-Brot – ich denke, es wirkt schon!

Warum aber erzähle ich das hier so langatmig? Ganz einfach, weil ich kürzlich gelernt habe, dass „Die deutsche Brotkultur“ zum sogenannten „nationalen immateriellen Kulturerbe“ der Unesco gehört. Mir war diese Kategorie bislang unbekannt, ich kannte nur das Weltkulturerbe und das Weltnaturerbe. Das Verzeichnis der deutschen immateriellen Kulturerbe liest sich vielfältig und auch ganz lustig – was es alles gibt!

Das Brot ist meines Erachtens völlig zurecht in diese Liste aufgenommen worden. Es schmeckt gut, riecht gut, sieht wunderschön aus. Gut, man kann auch knochenharte Brocken kaufen, aber wenn man sein Geld bei guten Bäckern lässt, kommt das eher selten vor. Ich kann gar nicht damit aufhören, herumzuprobieren und immer neue Brotsorten zu kaufen. Ich habe noch lange nicht alle durch, denn – auch das habe ich gelernt – es gibt in Deutschland über 3.200 Brotsorten. Festgehalten werden die im Brotregister des Deutschen Brotinstituts. Über diese Einrichtung musste ich etwas schmunzeln und dachte nocheinmal: Was es alles gibt! 🙂

Fachpersonal

Diese wunderbaren, einfachen Dinge des Lebens – in Szene gesetzt von Tim Reckmann, http://www.pixelio.de

Überall ist es zu lesen: Der Fachkräftemangel kommt über uns, oder er ist sogar schon da. Zumeist bezieht man sich bei diesen düsteren Prognosen auf technische oder pflegerische Berufe, dabei gibt es doch eine Branche, da ist der Fachkräftemangel offensichtlich schon da: Bei den Bäckereiverkäufern! Also zumindest da, wo ich meine Backwaren kaufe.

Ich kaufe mein Brot und – seltener – meinen Kuchen gerne in Bio-Qualität beim Händler meines Vertrauens. Die Sachen dort sind immer lecker, halten lange (bei einem Single ja nicht unwichtig) und stellen mich rundum zufrieden. Gerade der Kuchen schmeckt zumeist deutlich besser, als er aussieht – das ist bei anderen Bäckereien leider oft andersrum. Aber manchmal frage ich mich doch, ob es da auch mal warenkundliche Schulungen gibt. Oder zumindest irgendwelche Dokumente, in denen die Mitarbeiter mal nachgucken können, was sie da überhaupt verkaufen und wie man das macht.

Natürlich ist nicht jeder Kaufakt dort merkwürdig und gerade meine „Frühmorgens-Frischkäse-Kresse-Bagel-Verkäuferin“ weiß offensichtlich, was sie da tut. Amüsant fand ich aber die Dame, die mir statt einem Rhabarberkuchen einen Apfelkuchen auflud (kann mal passieren) und dann, als ich so ein Dauergebäck mit Erdnüssen orderte, dieses nicht finden konnte. „Meinen Sie dieses?“, wies sie auf etwas mit Walnüssen. „Nein, das mit den Erdnüssen, etwas dahinter.“ Sie suchte herum: „Das da?“ „Nein, das sind ja Mandeln, warten Sie mal …“ Ich machte mich lang und zeigte ganz genau, was ich gerne haben wollte. „Ach das meinen Sie! Das sind Peanuts!“ Sie hielt das Ding hoch und nickte nachsichtig: keine Erdnüsse, Peanuts. Also gut, von mir aus auch Peanuts.

Das nächste Mal beölte ich mich, als ein Mann den jungen Verkäufer fragte, was das denn Rötliches in dem Brot da sei. Das sei ein Roggenbrot, erklärte die Fachkraft hinter der Theke, das Rote sei ein besonderer Roggen. Der Mann wirkte wenig überzeugt und ich half aus: Ich habe dieses Brot nämlich sehr oft daheim, es ist lecker und bleibt lange frisch, was unter anderem an den verarbeiteten Karotten liegt. Der gleiche Verkäufer gab einer Dame, die nach den Inhaltsstoffen eines Brotes fragte, ebenfalls vollumfänglich Auskunft: Das sei aus Getreide, verkündete er – aha.

Das riecht richtig frisch – Bild zur Verfügung gestellt von birgitH., http://www.pixelio.de

Die größte Verwunderung überkam mich jedoch, als ich kürzlich fröhlich mit meinem frischen Brot nach Hause kam und mir damit mein Abendbrot richten wollte. Ich hatte es schneiden lassen – eine Schneidemaschine gibt es nämlich auch. Ich nahm das oberste Brot raus – den Kanten (oder Knust, oder wie auch immer) und dachte „Der ist aber dick“. Naja, dicke Endstücken sind ja keine Seltenheit, aber da ich zwei Brote essen wollte, griff ich noch eines aus der Tüte. Auch so dick – mehrere Zentimeter. Stirnrunzelnd nahm ich das ganze Brot aus der Tüte und zählte fasziniert nach: Sieben Scheiben, oder besser: sieben Klafter. Der begabte junge Mann hatte mein Brot mit der schönen Schneidemaschine gleichmäßig in sieben Teile zersägt. Wahrscheinlich sehe ich so aus, als müsse ich Auflage sparen. Ich versuchte, die Brocken nochmal zu spalten und entschied mich für Querstreifen. So konnte man es zumindest essen, ohne eine Maulsperre zu riskieren. Auf meine morgendliche Klappstulle verzichtete ich jedoch, das war mir zu viel Gefummel. Stattdessen kaufte ich bei eben jenem Laden mal wieder einen Kresse-Frischkäse-Bagel und bat die kompetente Morgenkraft dabei gleich, ihren Kollegen nochmal in die Benutzung der Schneidemaschine einzuweisen. Sieben Scheiben pro Brot ist zwar irgendwie lustig, isst sich aber echt nicht gut.