An meine Banane

Zugegeben, du hast wirklich schon einmal besser ausgesehen. Als ich dich am Samstag kaufte, warst du deutlich fester, deine Haut prall und wächsern, du hast geglänzt, deine Farbe war strahlend gelb. Was mir wichtig war, war der charmante grüne Ausläufer oben an der Aufreißlasche – ich liebe es, wenn Bananen noch ein kleines bisschen hart sind. Auch du warst so ein freches, unreifes kleines Ding, als ich dich kaufte, genau wie deine vier Schwestern. Ich weiß gar nicht, was mich geritten hat, dass ich gleich fünf von eurer Sorte kaufte. Aber ihr saht halt so gut auf, wie ihr dicht gedrängt und eng aneinander haftend als Bündel auf dem Stand des Wochenmarkthändlers lagt, ich konnte euch nicht widerstehen.

Fünf Bananen also – das konnte nur schief gehen. Die erste, gleich am Samstag gegessen, war wenig süß, ihr Fleisch leistete meinen Zähnen noch Widerstand. Die zweite, Montags mit Haferflocken und Joghurt zu Mittag verzehrt, war schon ein wenig weicher, und die Kandidaten von Dienstag und Mittwoch übertrafen einander, was Weichheit und Süße anging. Ich fand, dass zumindest Miss Mittwoch es in beiden Punkten ein wenig übertrieb, und sah dich, meine einsam auf dem Obstteller liegende Donnerstags-Banane, aus misstrauischen Augen an. Vergangen war deine Schönheit, die grüne Aufreißlasche war zu einem dunklen braunen Stiel verschrumpelt und auch auf deiner gelben Haut, weich und nachgiebig jetzt, zeigten sich allerhand braune Flecken. Tatsächlich, innerhalb von nur fünf Tagen bist du von der strahlend schönen Banana-Queen zu einer wenig anziehenden Tigerbanane mutiert. Ich kann Tigerbananen nicht leiden. Eigentlich.

Denn du, meine kleine weiche Donnerstags-Speise, kannst nichts dafür, dass du so wurdest, wie du heute eben warst: weich, viel zu süß und an einigen Stellen angedatscht. Es ist nicht deine Schuld, dass ich dich und deine Schwestern alle kaufte, anstatt euch gleich dort am Marktstand zu trennen und nur drei von euch mitzunehmen. Du warst halt nur eine ganz normale, durchschnittlich begabte Banane, und du hast getan, was du konntest. Und den Umständen entsprechend hast du auch einen ordentlichen Job gemacht: Als ich dich von deiner schlappen, weichen Pelle befreit hatte – was gar nicht so einfach war, denn der Aufreißmechanismus funktionierte nicht mehr, sodass ich mit einem Messerchen nachhelfen musste – da sahst du von innen besser aus als von außen. Du hast dich widerstandslos matschen und mit Joghurt vermischen lassen, und mit dem sauren Milchprodukt warst du durchaus genießbar, wenn auch kein Hochgenuss. Meiner Verdauung warst du ganz gewiss zuträglich und satt war ich auch. Es gibt also Grund genug, dich zu loben, liebe Miss Donnerstag. Ich danke dir.

Fundstücke 26 – Buggy Banane

Manchmal ist es wirklich ärgerlich: Da wird eine Sache von der Natur überaus perfekt zur Verfügung gestellt und irgend jemand zerstört völlig ohne Not dieses wunderbare Gesamtbild. Sei es aus Unwissenheit oder purem Vandalismus, so ein Verhalten ist im Grunde unverzeihlich. So wie im Falle dieser Banane: Wohlschmeckend und dazu noch so praktisch verpackt, als hätte Daniel Düsentrieb selbst sie ersonnen, kam sie einmal prachtvoll daher. Doch dann fiel sie den Kollegen in unserer Kantine in die Hand und diese trennten mutwillig eines der Hauptfeatures der wehrlosen Südfrucht ab: die Aufreißlasche. Und dabei ist doch eine ausgeprägte Aufreißlasche der Stolz einer jeden Markenbanane,  also quasi das „Brust raus“ dieser selbstbewussten gelben Frucht. Eine abgetrennte Aufreißlasche kommt einer Kastration gleich, ohne Narkose, versteht sich.

Und so landete sie auf meinem Schreibtisch: verstümmelt, im Wert deutlich gesunken und seelisch gebrochen. Mir blieb nichts anderes übrig, als ihr den Gnadenstoß zu geben, sie mühsam aufzufummeln und wegzufuttern. Denn so ein Obst mit technischem Fehler – in meiner Branche nennt man das auch gerne einen Bug – lohnt das Aufheben einfach nicht.

Buggy Banane