Besuch in Leer

„In Aurich ist’s schaurig, und in Leer noch viel mehr!“ Jeder, der in meiner Ecke aufgewachsen ist, kennt diesen dummen Spruch. Zumindest, was Leer angeht, kann ich das allerdings nicht bestätigen. Ich fahre mit meiner Schwester immer gerne in eine der kleinen ostfriesischen Städtchen und dieses Mal stand das an Ems und Leda gelegene Leer auf unserer Route. Und eines war tatsächlich so wie fast immer: Ostfriesland erwartete uns mit echtem norddeutschem Schietwetter. Darauf gab es erst mal einen Tee – schließlich ist Leer eine Teestadt (im Hintergrund der freundlichen Statue sieht man das Stammhaus der Firma Bünting). Dazu verschnabulierte ich einen der besten Apfelkuchen, die ich je hatte: mit Schmand und Walnüssen.

Teestadt Leer

Es war schwül und nieselte eine ganze Weile etwas unmotiviert vor sich hin – zu wenig, um reinzugehen, aber zu viel, um ganz entspannt draußen herumzulaufen. Wir machten also erst mal einen Stadtbummel, gingen in wenige Geschäfte und liefen durch die niedliche kleine Altstadt – unter anderem vorbei an dem Restaurant, in dem meinem ewig hungrigen Neffen einmal ganze 14 Pommes zu seiner Currywurst serviert wurden. Er war so empört darüber, dass uns diese Episode wohl ewig im Gedächtnis bleiben wird.

Altstadt in Leer

Gerade rechtzeitig entschlossen wir uns zu einer weiteren Einkehr und wählten einen Platz unter einem großen Schirm. Kaum saßen wir, beschloss der Wettergott, dass das sachte Gefiesel uns, was Wasser angeht, nicht so recht weiterbringt, und der Himmel öffnete alle Schleusen. Es regnete, dass es nur so spritzte. Danach war es dann aber auch gut, der Himmel riss auf und wir zogen weiter in Richtung Hafen. Leer hat eine sehr schöne Uferpromenade entlang des Museumshafens, an der man spazieren gehen, auf Bänkchen sitzen, eine Rundfahrt machen und Boote beobachten kann. Besonders gefiel uns das winzige Böötchen mit dem Namen „Kerlke“: ganz klein, aber doch alles dran.

Hafen in Leer

Es war ein entspannter Tag im hübschen Leer, der uns ganz zum Schluss sogar noch ein wenig Sonne gönnte. Ich habe an meiner Lust am Fotografieren gemerkt, dass ich dieses Jahr noch viel zu wenig unterwegs war – Corona sei Dank. Ich habe deshalb auch noch eine rosa Rose für euch, denn auf Regen folgt Sonne.

Rose

Wismar – schön ist zu wenig

Aus einer Laune heraus entschloss ich mich nach meinem verkränkelten Ostsee-Urlaub im Herbst, einige Wochen später nochmal loszujuckeln, und zwar nach Wismar. Natürlich ist der Januar nicht der ideale Reisemonat, aber ich wollte einfach ein paar Tage meine Ruhe haben und entspannen – ohne Rotznase und Husten.

Das Wetter war während der ganzen Woche winterlich grau, doch gerade am Sonntag spendierte der Januar einige kurze Sonnenstunden. Die nutzte ich zu einem Ausflug an den alten Hafen.

Ich gönnte mir eine Hafenrundfahrt, bei der man mit dem Ticket gleich einen Glühwein miterwarb, und schlürfte sogar noch einen zweiten. Denn kalt war es an diesem klaren Sonntag – wie gut, dass ich meine Pudelmütze dabei hatte.

Auch am nächsten Tag war noch Mützenwetter und ich nutzte die leidlich hellen Stunden dafür, die kleine Stadt zu erkunden. Wismar ist Unesco Weltkulturerbe – warum, sieht man sofort, wenn man sich der Innenstadt nähert. Altes Gemäuer an jeder Ecke, größtenteils sehr gut erhalten.

Die vielen alten Häuschen ließen mich immer wieder von meinem Fahrrad steigen, damit ich in Ruhe gucken konnte – den nächsten Tag bin ich gleich zu Fuß gegangen. Der alte Markt und die vielen kleinen Seitenstraßen, all das ist wirklich schön.

Auch in einige Kirchen hat es mich verschlagen. In einer gibt es ein interessantes Konzept: Hinten gibt es eine Sitzecke, in der man Tee trinken kann – gegen eine moderate Spende. Auch einen Platz, an dem kleine Kinder spielen können, gibt es hier. Dem Anschein nach kommen hier Menschen ganz informell zu einem Schwatz zusammen, trinken einen Tee und gehen wieder. Für mich ist das eine gute Idee, um Menschen an die Kirche zu binden – zumindest besser, als manch andere Idee, von der man schon hörte.Wismar, am Markt

Auch das kleine Museum sah ich mir an. Es befindet sich ebenfalls in einem dieser alten Häuser und es wird gut erklärt, wie diese kleinen Häuschen früher bewohnt wurden. Denn hier wurde nicht nur gelebt, sondern auch gearbeitet und gelagert – schließlich wurden über die Hanse große Mengen an Waren umgeschlagen.

Und immer wieder kam man zurück an den Marktplatz – ob man wollte oder nicht. Denn interessanterweise war Google Maps mit dem Wismarer Markt irgendwie überfordert – selbst, wenn man mitten aus dem Platz stand, sagte die Navigationshelferin noch: „Gehen Sie Richtung Markt“. Mein kleiner Faltplan, den man mir im Hotel ausgehändigt hatte, wurde also durchaus benutzt.

Und auch zu tun gibt es noch allerhand in Wismar: Zwar ist ein großer Teil der Innenstadt super in Schuss, doch hier und da findet man auch renovierungsbedürftige Fassaden. Fast schon beruhigend – Perfektion schadet in meinen Augen eher, als das es etwas nützt.

Gegen Abend konnte ich über einen kleinen Schleichweg zu meinem Hotel zurückgehen. Von dort hatte man einen schönen Blick auf die Altstadt, und zwar über die „Kultweide“, wenn ich den Stadtplan richtig verstanden habe.

Fazit: Da auch mein Wellness-Hotel an der Therme mir ausgesprochen gut gefallen hat, war dies nicht mein letzter Aufenthalt in Wismar. Es ist einfach schön da – sogar im Winter.