Ringelwolle – wie geht das eigentlich?

Vor kurzem saß ich im Zug nach Oldenburg und strickte an einem Strumpf. Ich fing ganz neu an damit: Also Maschen anschlagen, Bündchen stricken. Schon als ich Wolle und Nadeln hervorkramte, fühlte ich mich von dem jungen Mann mir gegenüber beobachtet: Ohne Zweifel, der sah mir ganz genau auf die Finger. Ich grinste ihm zu und er erntschuldigte sich – er fände das gerade so spannend, aber wenn es mich stören würde, könne er gerne woanders hingucken. Es störte mich nicht, schließlich ist ein einfach geradeaus gestrickter Strumpf keine Raketenwissenschaft. Ich fummelte also weiter, der Mann guckte. Und kurze Zeit später guckte noch ein Mann. Ich strickte nämlich eine selbstmusternde Wolle – sowas hier, aber noch viel bunter:

Socke aus der Wolle „Opal Cremige Beere“. Unspektakulär im Knäuel, aber schön im Verlauf

Die Wolle, die ich im Zug verarbeitete, hatte mir schon zuvor viel zu denken gegeben. Ich strickte nämlich schon am zweiten Strumpf und der erste wies einen Fehler auf: In der Ferse hatte der Farbverlauf einen Fehler, es fehlten zwei Farben (Pink und Orange). Es gab auch einen Knoten in der Wolle, irgendwas war beim Färben oder, wahrscheinlicher, beim Aufwickeln, schief gegangen. Ich hätte die schadhaften Stellen abwickeln können, da ich aber nicht wusste, ob das noch öfter vorkommen würde und ich nicht am Ende mit zu wenig Wolle dastehen wollte, ließ ich es so. Tatsächlich sieht man es in dem fertigen Sockenpaar kaum.

Socken mit Macke in der Ferse (unten)

Die beiden Herren ahnten nichts von meinen Gedanken, wollten aber von mir wissen, wie denn diese interessante Wolle eigentlich hergestellt wird. Tja, und ich konnte das leider nicht beantworten – genau darüber hatte ich auch nachgedacht, als ich mit der Macke im Garn kämpfte. Natürlich hat man gewisse Vorstellungen: irgendwie computergesteuert, und bestimmt nicht nur ein Faden zur Zeit, sondern mehrere, damit das Färben nicht ewig dauert. Es ist ja keine handgefärbte, handgewickelte und gefachte Wolle mit langem Verlauf, sondern etwas industriell Hergestelltes, das ganz kleine Farbabschnitte aufweist – manchmal nur zwei Zentimeter pro Farbe. Wie mag das gehen?

Die Herren grübelten, ich trug mein weniges Wissen dazu bei. Irgendwann gaben wir auf und beschlossen, einmal einen Hersteller anzuschreiben. Oder die Redaktion von Löwenzahn, oder die der Sendung mit der Maus. Oder sollte es dort schon einma einen Bericht darüber gegeben haben? Ich recherchierte und fand: meinen fernen Sonntags-Freund Christoph 🙂

Wie genau der Fehler in meiner Wolle entstanden ist, wird hier zwar auch nicht erklärt, aber dafür weiß ich jetzt so in etwa, wie Ringelwolle entsteht. Vielen Dank an Christoph und die Maus, und vielen Dank an die beiden Herren im Zug für das Interesse und das anregende Gespräch.

Kleine Flieger und zwei Krabbelviecher

Der Sommer verschwindet allmählich und die kleinen Flieger, die manchmal so lästig und doch so nützlich sind, werden langsamer und irgendwie müde. Ich gestehe ja ehrlich, dass ich gerade im Spätsommer gut auf die kleinen Kerlchen verzichten könnte – besonders, wenn sie penetrant um mich herumsurren und sich unbedingt in meinem Glas ertränken wollen.

Biene, Blüte

Ich verstehe das gar nicht – Blüten sind doch viel attraktiver. Und ungefährlicher auch, nicht zuletzt, weil man als Fluginsekt da deutlich weniger Gefahr läuft, einen Schuh auf den Kopf zu kriegen. Kaffeetische sollten für nicht eingeladene Gäste generell tabu sein.

Die beiden Wespen oben fand ich auf meinem Weg von der Arbeit zum Bus. Der ganze lila Strauch scheint ein Wespenparadies zu sein, es wimmelt direkt von ihnen. Die Blüten waren so interessant, dass ich ziemlich in Ruhe knipsen konnte. Das war bei dieser Biene, beheimatet im norddeutschen Greetsiel, schon schwieriger.

Und zu guter Letzt noch etwas anderes: Aus irgendeinem Grund erinnert mich diese Hibiscusblüte an ein Karussell – ein Ameisenkarussell. Ich hoffe, die Mädels hatten Spaß – man kann ja nicht immer nur arbeiten.

Fundstück: Ganz toller Kaffee!

Da, wo ich arbeite, gibt es manchmal Verkostungen – mal im Haus, mal draußen. Dann kann man etwas Neues probieren oder auch etwas Altes, das man schon immer mal versuchen wollte oder auch nie, was einem dann aber aufgeschwätzt wird. Naja, warum auch nicht, man kann es ja mal versuchen.

Was ich aber nie versuche, sind Kaffees mit süßenden Bestandteilen – irgendwelche Sirupe oder so. Gesüßten Kaffee finde ich ganz fies, da steige ich aus. Trotzdem ging ich nach dem Mittagessen mit Kollegin Sabine zu einem Kaffeeverkostungsstand, in dem mehrere Menschen Nespresso-Kaffee ausschenkten. Zwei waren ganz normale Menschen, die Kaffeemaschinen bedienten. Der dritte aber war ein echter Barista, also ein Kaffeekünstler, der zwar für jeden Kaffee eine halbe Ewigkeit brauchte, aber dafür – aus mehreren Gründen – schön zu beobachten war: Diese Leidenschaft, die Kreativität, dieses sich Hineinversetzen in jeden einzelnen Kunden – was will der, was braucht der, was kann ich da noch alles reinrühren, um das optimale Kaffeeerlebnis zu erzeugen? Hübsch war er auch noch, der Barista, was die Sache noch angenehmer machte.

Wir sahen eine Weile zu. Sabine wollte auch so ein Kunstwerk haben, so ein Gebilde aus Schichten, Schaum, Bröseln und allerlei Geheimnisvollem. Und mit einem Blatt – das war ihr wichtig. Denn jedes Becherchen Kaffee bekam seine Zierde, mal einen Amarettino, dann einen Keks, mal ganz, mal halbiert, je nach künstlerischer Komposition. Für die Scholadenliebhaber wurde der Becher auch schon mal halb mit Nutella ausgeschmiert, ganz liebevoll, da wurde nicht einfach mit einem Kaffeelöffel ein Klecks reingehauen, nein, das wurde dekoriert. Sah auch hübsch aus hinterher, machte mich beim Warten aber etwas närrisch. Ich wollte einen Pott Kaffee, sonst nix.

Irgendwann verließ ich also Sabine, um mich bei einer der anderen Schlangen anzustellen – bei den bodenständigen Maschinenbedienern. Ich orderte einen starken Kaffee mit normaler Milch, ohne süßende Bestandteile und vor allem ohne Blatt. Grinsend füllte mir ein junger Mann genau so etwas ab und traf damit voll meinen Geschmack. Ich kehrte zu Sabine zurück, die es inzwischen schon ziemlich weit in der Schlange der Begehrlichkeiten geschafft hatte, und sah nochmal dem Kaffeespezialisten zu. Irgendwann war ich jedoch erschöpft, setzte ich weiter hinten auf einem Bänkchen in den Schatten und nippte an meinem Kaffee. Irgendwann hörte ich Sabines Stimme eine Bestellung aufgeben: „Ich möchte einen ganz Tollen, bitte. Und ein Blatt.“ Es begannen leise Verhandlungen – ob sie Vanille mag, oder Nuss, oder beides? Dann wurde gewerkelt, und heraus kam eine Komposition aus Vanille-Kaffee mit ganz viel Milchschaum, Haselnusssirup, Krokantkrümeln, Schokolade und Pfefferminzblatt – ich war wirklich beeindruckt. Ohne Zweifel, dieser Becher sah deutlich hübscher aus als mein Pott Kaffee mit H-Milch – aber tauschen hätte ich nicht wollen.

Inbetriebnahme meiner neuen Soft-Ware

Vor einigen Wochen langweilte ich euch mit einem Beitrag über meine abgenutzte Frottierware. Ich schlug mich mit dem Problem des „Haben wollens“ und der Nachhaltigkeit herum, dem ewigen „das ist doch noch gut“, das mein Gewissen plagte. Und doch habe ich es jetzt getan: Ich habe meine olle Hart-Ware aussortiert und gegen neue, farblich zusammenpassende Weich-Ware ausgetauscht.

Am Wochenende war es soweit: Die neuen Handtücher – 15 an der Zahl – sowie drei Duschvorleger wurden gefaltet und farblich sortiert in den Schrank gelegt. Eines nicht, das kam auf den Handtuchhalter. Und ein Duschvorleger auf den Boden. Außerdem wurden testweise die schon vorhandenen lila Saunatücher vor die Neuware gehalten – passt! Und dann habe ich geduscht. Das tue ich öfter, doch dieses Mal war mir besonders feierlich zumute. Ein neues etwas längeres Handtuch um den Kopf, einen weichen Duschvorleger unter den Füßen – nee, wat schön!

Natürlich wird diese Soft-Ware nicht immer so schön soft bleiben, verwende ich doch weder Weichspüler noch einen Wäschetrockner. Doch noch genieße ich den kuscheligen Stoff und die schönen Farben, die so gewählt wurden, dass die Tücher auch im Schwimmbad nicht gleich ominöse Flecken bekommen werden.

Und mein Nachhaltigkeitsproblem habe ich auch gelöst: Die alten Handtücher wurden nicht etwa weggeworfen, sondern werden – dem Rat meines Bloggerkollegen Philipp Elphs (Krimilese) folgend – zum Hunderubbeln weiterverwendet. Der erste Preis in Form eines umfangreichen Handtuchpaketes ging also an Lennox „the Erdferkel“ Reichert, der in seinem jugendlichen Ungestüm derzeit noch an allem Freude hat, was matschig ist und stinkt.

australien Shepherd

Vor und nach dem Duschen – man beachte die porentiefe Reinheit des Fells und die Aprilfrische im Blick.

Die Eilmeldung

eilig, eilt sehr

Bild zur Verfügung gestellt von Stephanie Hofschlaeger / http://www.pixelio.de

Wie viele Menschen lese ich meine Nachrichten inzwischen hauptsächlich am Handy. Gerne schaue ich zum Beispiel während der Straßenbahnfahrt nach Hause mal in Spiegel Online oder die FAZ-App rein und informiere mich darüber, was der Tag so gebracht hat. Auch die Gala-App fand ihren Weg auf mein Handy, genau wie CNN und der Focus. Es gibt also genug zu lesen. Was mich jedoch zunehmend befremdet sind die „Eilmeldungen“, die mir auf das Handy geschickt werden.

Eilmeldungen – was sind das eigentlich? In meinem Verständnis sind das Dinge, die unbedingt ganz schnell gelesen werden sollten. Aber welches Thema verdient es, zur Eilmeldung zu werden? Sind das nur politisch hochwichtige Themen, Unglücksmeldungen oder Nachrichten von großer nationaler oder internationaler Tragweite?

Ich gebe zu, dass ich das immer so verstanden hätte. Eilmeldungen, das sind wichtige Nachrichten, die Wellen schlagen und Reaktionen hervorrufen. Wenn früher eine Eilmeldung auf mein Handy kam, wappnete ich mich und war auf das Schlimmste gefasst, wenn ich sie geöffnet und gelesen habe. Was würde ich dort zum Beispiel erwarten? Passend wäre für mich so etwas wie: Angela Merkel tritt zurück. Oder: Die USA treten der Eurozone bei. Oder: Zug bei Wuppertal entgleist. Oder: die Katze erhält den Literatur-Nobelpreis. Es gibt viele Dinge, die ich mir als Eilmeldung vorstellen kann.

Andere Nachrichten empfinde ich hingegen als unpassend, wenn sie als Eilmeldung daherkommt. Zum Beispiel Todesmeldungen: So ärgerlich der Tod auch für den Verblichenen ist, er hat es nicht mehr eilig und ist auch morgen noch tot. Was soll also diese blinde Hast? Auch Klatsch und Tratsch hat meines Erachtens nichts in den Eilmeldungen zu suchen, und da ist es mir ganz egal, welches prominente Pärchen sich gerade getrennt oder die lang ersehnte Schwangerschaft verkündet hat. Unfallmeldungen aus weit entfernten Ländern brauche ich ebenfalls nicht sofort, denn sie haben mit meinem Leben erst mal nichts zu tun. Das soll nicht heißen, dass mir z. B. in Honduras umgekommene Businsassen egal sind, aber ich kann mich nicht um alles kümmern und nicht jede Information im Eiltempo verarbeiten.

Zu viele Eilmeldungen über zu beliebige Themen entwerten meiner Ansicht nach die wirklich wichtigen Nachrichten. Wir werden ohnehin schon mit Informationen und Neuigkeiten überflutet. Da reicht es mir völlig aus, wenn nur die wirklich wichtigen Dinge als eilig gekennzeichnet werden. Natürlich ist es immer ein wenig Ansichtssache, was nun wichtig ist oder nicht, aber einige Themen kann man ganz gewiss aus diesem Kreis der potentiell eiligen Nachrichten herausnehmen. Und um der Flut Herr zu werden, habe ich alle Eilmeldungen inzwischen deaktiviert – man wird ja sonst ganz dusselig dabeei.

Genauso ist es übrigens mit als „Wichtig!“ gekennzeichneten E-Mails: Findet man heraus, dass ein Kollege grundsätzlich seine Mails mit rotem Ausrufezeichen versendet, ist es ganz normal, dass dessen Nachrichten ungelesen nach unten sacken. Sollte tatsächlich einmal etwas Wichtiges dabei sein, wird es durch das zu häufig verwendete Ausrufezeichen entwertet und nicht mehr beachtet – selber schuld.

Feste feiern

Mein Frankfurt ist die Stadt der Feste. „Dass hier mal kein Fest ist, gibt es nicht!“, befand meine Freundin Kerstin schon vor einigen Jahren, als wir uns Bowle trinkend am Liebfrauenberg wiederfanden. Und sie hat recht, es gibt fast an jedem Wochenende irgendein Fest. Manchmal auch zwei.

Frankfurt Panorama

Ein aus mehreren Handybildern zusammengebasteltes Panoramabild – Ausbeute meines Freitags-Workshops. Beim Anklicken wird es größer.

Und so gaben die ewige Antje und ich uns auch an diesem Samstag wieder der fröhlichen Feierei hin und genossen den Luxus, mit dem Weinfest in Bockenheim anfangen und dann, als es dort zu anstrengend (weil viel zu voll) wurde, zum Brunnenfest in Sachsenhausen umschwenken zu können. Ich gebe ja zu, dass Alt-Sachsenhausen nicht mein Stadtteil ist – um ehrlich zu sein, könnte man das von mir aus gerne zuschütten, inklusive der Pieselecken und der zahlreichen dort herummarodierenden Junggesellenabschiede. Doch das Brunnenfest war schon wirklich lustig – trotz der Lage, des zwischenzeitlichen Regens und der Schlagermusik. Oder vielleicht auch gerade wegen der Schlagermusik.

Natürlich kommt es ein wenig darauf an, wie man Schlagermusik definiert und auch interpretiert. Gestern Abend erfreute man uns mit einer wilden Mischung aus 70er-Jahre Schlager, 80er-Jahre „Neue Deutsche Welle“-Musik (und diese Leute hätten es sich ja früher verbeten, als Schlager bezeichnet zu werden) und allerhand Partykrachern à la „Viva Colonia“. Das „Medley“, sonst zumeist breiförmige Geißel aller Zuhörer, wurde völlig neu erfunden und auf Helene Fischer und Andrea Berg dankenswerterweise verzichtet. Das war gut, denn ansonsten hätte ich am Ende noch Ireen Sheer gebraucht: „Und heut‘ Abend hab ich Kopfweh …“.

Es gab also Gesang auf und vor der Bühne und ich wunderte mich wieder einmal über meine eigene Textsicherheit. Sogar so ein Geöle wie Bernd Clüvers „Junge mit der Mundharmonika“ fiel mir wieder ein und weckte Erinnerungen, denn mein Vater sang früher immer „Der Junge mit dem Hund von Monika“, was ich als Kind unheimlich lustig fand. Bei „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“, im Original von Jürgen Marcus, schmetterte ich fröhlich mit und klatschte an den richtigen Stellen, nur leider nicht an der richtigen Position, was bewirkte, dass ich mein Weinglas erwischte und der kurz zuvor mühsam ergatterte „Eintracht-Riesling“ sich über die tapfere Antje sowie in meinen Ärmel ergoss. Beide, Ärmel und Freundin, sind Kummer gewohnt und trugen es mit Fassung – Opfer müssen gebracht werden.

Interessant fand ich es wie immer, mir die verschiedenen Leute auf so einer Veranstaltung anzusehen. Da waren die eigenartig aussehenden Möchtegern-Rocker, die scheinbar furchtbar wild und gefährlich wirken wollten und doch als erstes losrannten, um ruhig und sachkundig die Bergung eines umgefallenen älteren Herrn durch Sanitäter zu veranlassen. Und da war die große, kräftig gebaute Dame in geblümter Oma-Bluse, die für mich eher nach Sofa-Kartoffel aussah, sich jedoch als echtes Feierbiest erwies und den ganzen Paradiesplatz gesanglich niederschmetterte. Mit den Leuten vom Baguettestand hielt ich überraschend philosophische Gespräche und mit einer Frau im bunten Sommerkleid lachte ich immer wieder über die gleichen Sachen. Sympathische und vielfältige Menschen gibt es halt überall, und in Frankfurt ist die Mischung besonders bunt.

Es war ein wirklich schöner Abend – sogar in Alt-Sachsenhausen.

Fundstücke 48: Alles für den Hund

Odin, Irish WolfEs gibt Leute, die nutzen Facebook ganz sachlich dazu, um andere zu informieren. Und so schrieb da einer in einer Gruppe, dass ein Antrag gestellt worden sei, und zwar auf die Aufstellung einen Hundekottütenautomats mit Abfalleimer irgendwo da, wo Leute mit Hunden gerne herumlaufen.

Der Antrag wurde bearbeitet und bewilligt, allerdings formulierten die offiziellen Antragsbeantworter ein wenig anders: Man wolle einen Hundekotbeutelspender anbringen, einen Abfallbehälter mit Deckel installieren sowie die Leerungsintervalle anpassen.

Puh, ich bin beeindruckt – so schöne Worte allein für den Hund. Damit wäre man beim Galgenraten der King und würde beim Glücksrad reich werden. Und in meinem inneren Radio hörte ich schon die pragmatisch-kurze Bitte von Herrchen an Frauchen, wenn der Hund geschissen hat: „Gib‘ mir mal ’nen Kacksack!“

P.S.: Danke an Christian für diese wohlduftende wohlformulierte Inspiration.

Glatze wär‘ schlimmer

Vor kurzem saß ich mal wieder beim Frisör meines Vertrauens und mopste mich ein wenig. Diese Einwirkzeit der Strähnchenfarbe ist immer ein wenig zäh, denn da ich meine Brille dann nicht aufhabe, kann ich nicht gut in diesen hochinteressanten Magazinen lesen. Gut, ich könnte darin herumblättern und die Überschriften studieren, aber wer genau mit wem oder wem nicht und warum und weshalb, das würde mir dann entgehen. Da liefe ich glatt Gefahr, die falschen Schlüsse zu ziehen! Auch wüsste ich nicht, wer diese entzückenden Kleider alle designt hat und was die must-not-haves dieser Saison so kosten würden, wenn man sich doch zum Kauf entschlösse.  Mir entginge schlicht das ganze Kleingedruckte, und nur Bilder finde ich öde. Also machte ich aus purer Langeweile ein Foto von mir im Spiegel und postete dieses auf Facebook. Die Resonanz war überwältigend …

Gleich drei Bekannte posteten ähnliche Fotos. Scheinbar bin ich nicht die Einzige, der beim Frisör nichts Besseres einfällt. „Es wird halt aufwendiger“, kommentierte meine frühere Sandkastenfreundin Anne, und sie hat recht: Vorbei sind die Zeiten, in denen die lange Mähne ohne besonderes Zutun bei jeder Bewegung wild in der Gegend herumwallte und güldene Kringel bildete.

Kringel bildet meine Frisur noch immer, allerdings hat sich der metallische Glanz verändert: Statt Gold hat sich nun Silber hineingeschmuggelt. Das ist schon Alchemie der besonderen Art: Statt aus Stroh Gold zu machen, wird hier aus Gold Silber oder, wenn man ehrlich ist, eher Alteisen. „Wenn man auf Aschblond mit Grau einfach Aschblond drüber tönt, sieht das ziemlich nach Asche aus“, kommentierte eine der netten Frisörinnen die Malaise irgendwann ungeschönt, weshalb ich mich für die zweifarbigen Strähnchen mit „Highlights“ entschied. Nun habe ich also Aschblond mit Grau, Mittelblond und Gold auf dem Kopf – wahrscheinlich sehe ich irgendwann aus wie ein Meerschweinchen.

Meerschweinchen, Bild zur Verfügung gestellt von nero, http://www.pixelio.de

Worüber ich mich hingegen nicht beklagen kann, ist das früher so oft in der Werbung besungene Volumen – Masse ist vorhanden. Es gab Zeiten, da war das anders – da war mein Köpfchen deutlich weniger behaart. Zwar kringelte es sich damals schon, aber dünn und wenig vorteilhaft. „Schweineschwänze“ nannte meine Schwester diese Frisur einmal – nur gut, dass mich sowas damals noch nicht gestört hat.

Ehrlich gesagt stört mich eine nicht sitzende Frisur auch heute noch nicht. Es wächst halt reichlich fröhliches Kraut auf meinem Kopf, schwer zu bändigen und an feuchten Tagen immer kurz vor der Explosion. Irgendwas ist wohl immer – und mein Wildwuchs ist wohl eher ein Luxusproblem.

Fundstücke 47 – Wetterbericht

Ich dachte, ich sei ihm entronnen – meinem altem norddeutschen Feind, dem Sprühregen. Doch nun sprüht es schon seit Tagen, nur ab und an unterbrochen durch Platschregen, was objektiv betrachtet nicht besser ist. Und doch hatte ich vorhin an der Bushaltestelle das Bedürfnis, meinen Schirm kurz abzulegen und ein Foto zu machen: Denn besser als dieses aufgeweichte Stück Salzgebäck* kann man die Großwetterlage derzeit nicht beschreiben.

Doch wie immer, wenn man genau hinsieht, kann man der desolaten Lage auch etwas Schönes abgewinnen. Ich bin ja immer ein Freund von vollgeregneten Pflanzen und heute gab es für mich nicht nur Blättchen, sondern auch Beeren.

Und wenn alle Stricke reißen, gibt es immer noch Ostfriesentee (hab ich), Pflaumenkuchen (hatte ich), eine Kerze (Check!) und dazu gemütlich Musik hören – dann herbstelt es zwar schon ein bisschen, aber immerhin regnet es nur draußen.

 

*Anmerkung: Das Salzgebäck oben ist so eine Art PomBär – ein aufgeplusterter Chip. Seine Struktur hat er dank des vielen Wassers inzwischen verloren, was als Beweis dafür zu werten ist, dass viel Trinken gegen Falten hilft.

90 Minuten Juli-Wetter

Kürzlich habe ich mal wieder meine liebe Schwester besucht. Die wohnt in tiefster norddeutsche Tiefebene – tiefer geht es nicht. Trotz der wilden Wetterkapriolen machten wir am Sonntag eine kleine Tour durch Butjadingen. Die Sonne schien, es regnete, es windete und war schwül. Etwa die letzten 90 Minuten unseres Ausflugs habe ich geknipst – auch wegen des wilden Wetters. Die Bilder kommen hier in chronologischer Reihenfolge.

Da es im angepeilten Sehestädt regnete wie aus dem Eimer, fuhren wir einfach weiter und landeten in Eckwarderhörne. Als wir ankamen, war es immer noch nass, doch nach einer Portion Pommes im Strandlokal klarte es auf und lud dazu ein, ein Stück auf dem Deich zu laufen. Wenige Minuten später sah die Sache jedoch schon anders aus:

Wir hockten uns trotzdem noch ein Weilchen auf eine Bank, genossen den lauen, feuchten Wind und den Blick quer über den Jadebusen nach Wilhelmshaven, das unter dunklen Wolken lag. Irgendwann wurde es uns dann aber doch zu finster, sodass wir flotten Schrittes zum Auto zurückeilten.

Alle weiteren Fotos entstanden durch das Autofenster, was erstaunlich gut funktionierte. Zum Glück goss es weniger heftig als befürchtet, so dass die Sonne noch eine Chance hatte.

Wir sahen in der Ferne das Kernkraftwerk Unterweser in der Sonne strahlen (ja, ja, fünf Euro ins Kalauerschwein), doch davon machte ich kein Foto. Ich mag die großen Windräder lieber. Viele Leute mögen sie nicht, ich aber finde sie äußerst dekorativ.

Auch die Weite der Landschaft faszinierte mich mal wieder, wenn ich auch zugeben muss, dass ich um nichts in der Welt da wohnen möchte. Ich bin zwar auf dem Land aufgewachsen, aber zwischen Dorf und Nichts ist doch ein Unterschied.

Immerhin kann man sich in dieser Ecke nicht über zu viel Verkehr beschweren. Auf den Straßen ist zumeist reichlich Platz, ein Luxus, den ich, wenn ich noch ein Auto hätte, wohl durchaus zu schätzen wüsste.

Der Ausflug war, trotz des ausgesprochen durchwachsenen Wetters, mal wieder richtig schön. Ich genieße meine norddeutsche Heimat immer noch, auch wenn ich inzwischen überzeugte Frankfurterin bin. Wer weiß, vielleicht haue ich irgendwann meine Rente ja doch im hohen Norden auf den Kopf – muss ja nicht ganz in Butjadingen sein 🙂