Blitzschneller Schal aus Hip-Hop-Wolle

Noch einmal habe ich mich über den Sack mit der Erbwolle hergemacht. Eine seltsame kunterbunte Faser erweckte mein Interesse, wenngleich ich etwas skeptisch war, ob die vier Knäulchen, die ich vorfand, für irgendetwas reichen würden. Jedes Knäuel hatte nämlich nur 25 Gramm sowie 25 Meter Lauflänge. Das in Kombination mit Nadeln, die Besenstielen glichen (Stärke 8) – ganz viel Länge für einen Schal ließ das nicht erwarten.

Ich entschied mich daher für einen mäßig breiten Schal mit einem Lochmuster. Die Idee dahinter war, dass man den fertigen Schal zu einem Loop zusammenknöpfen können sollte, und zwar an der Stelle, die einem gut passt – also einfach in die Löcher des Lochmusters hinein. Einen Versuch war es wert.

Ich werkelte also drauflos, mit 21 Maschen und dem einfachsten Lochmuster der Welt: Zwei Maschen stricken, danach bis zum Ende der Reihe immer einen Umschlag, zwei Maschen zusammen. In den Rückreihen einfach linke Maschen stricken. Man sieht das Lochmuster im Foto kaum, aber es ist da und sollte dem Schal „helfen“, weicher und nicht so massiv warm zu werden. Das funktionierte gut und die weiche Mikrofaser fühlte sich schön an. Das ist überhaupt ein großer Vorteil dieser eigenartigen Mikrofaser-Wolle: Sie kratzt wirklich gar nicht, nicht einmal bei so einer Mimose wie mir.

Der Schal ließ sich unheimlich fix stricken – ich glaube, die Sache hat gerade mal drei Stunden gedauert. Für meinen Geschmack hätte er etwas länger sein dürfen als die knappen 120 cm, die er nun hat, aber die Wolle war alle. Aber er sieht auf jeden Fall hübsch aus und dürfte sich gerade zu einer schwarzen oder grauen Winterjacke recht gut machen.

Die Idee mit den Knöpfen setzte ich auch um. Zu meiner Freude kamen endlich die beiden gelben Knöpfe zum Einsatz, die seit Jahrzehnten in der Knöpfekiste meiner Mutter schlummerten. Die sind von ihrem alten, gelb-weiß gepunkteten Kleid, das ich als Kind so geliebt habe. Echte Antiquitäten also, die hier eine zweite Karriere antreten dürfen.

Was ich mit diesem Strickwerk genau mache, weiß ich noch nicht, bin mir aber sicher, dass es eine Abnehmerin finden wird. Irgendjemand findet sich immer 🙂

Jaffa!

Kürzlich sprach ich mit einigen Kollegen über das 10-Finger-System. Und dieser Ausdruck weckte eine Erinnerung in mir – eine, die merkwürdig weit weg war. Und dabei war ich schon 16, als all das passierte …

Jaffa!

Schreibmaschine, Typen

„Makro Letters“ – bild zur Verfügung gestellt von PeterFranz, http://www.pixelio.de

Vor über dreißig Jahren musste ich etwas machen, in dem ich gar keinen Sinn sah: Einen Kurs im Schreibmaschine schreiben. Meine Eltern fanden, dass das ein guter Beitrag zu meiner Ausbildung sei, und auch meine Schwester hatte sich mit dieser Beschäftigung schon abmühen müssen. Gegeben wurde der Kurs von einem Mitglied des „Rasteder Stenografenvereins“. Ob es den heute noch gibt, konnte ich tatsächlich nicht herausfinden.

Nun ist es ja so, dass man als Jugendlicher oft nicht so recht versteht, was die Eltern alles für sinnvoll halten. Manchmal sieht man das als Erwachsene anders. Im Falle dieses Schreibmaschinenkurses verhält es sich so ähnlich – hätte ich dort etwas gelernt, wäre das sicher ganz gut gewesen. Doch damals hatte ich einen derartigen Widerwillen gegen diese Veranstaltung, dass ich dort tatsächlich nichts lernte. Ich absolvierte sowohl den Anfänger- als auch den Fortgeschrittenenkurs, ohne ordentlich Maschineschreiben zu lernen. Das lag mit hoher Wahrscheinlichkeit an mir, nicht am Kurs.

Seltsamerweise erinnere ich mich – trotz meines Elefantengedächtnisses – nicht an den Namen der Kursleiterin. Ich weiß aber noch, was wir am ersten Abend machten: An uralten mechanischen Schreibmaschinen übten wir die Grundstellung der Finger. Es sei leichter, von mechanischer Maschine auf elektrisch umzulernen als umgekehrt, erklärte man uns. Und dann schrieben wir Jaffa. J A FF A, immer wieder. Oder vielleicht auch J a ff a, das weiß ich nicht mehr genau. Ich brauche das Wort nur sehr selten, aber ich kann es schreiben, immerhin. Jaffa. Klack, klack, klackklack, klack.

Im Kurs sollten wir lernen, blind zu schreiben, schließlich müsse man oft Texte von einer Vorlage abschreiben und sich dann auf das Abgucken konzentrieren, nicht auf das Suchen der Buchstaben. Damit wir das lernten, wurde manchmal im Klassenraum das Licht ausgemacht und etwas diktiert. Zum Beispiel Bedeutendes wie: Horst ging abends spät nach Hause. Ich schrieb dann Ominöses wie „Horst fomh avrmfd düöz msch Jaudr“, und die Schreibmaschinen-Lehrerin guckte traurig. Die letzten beiden Kursabende sowie die Abschlussprüfung habe ich geschwänzt.

Erika Schreibmaschine, Bild zur Verfügung gestellt von WeFoCo, http://www.pixelio.de

Inzwischen schreibe ich viel auf Tastaturen, alle elektrisch, aber ich schreibe noch immer nicht richtig „blind“. Ich kann noch immer kein 10-Finger-System, sondern nutze so in etwa sechs Finger, die nicht immer auf ihrer Seite bleiben, sondern da herumsuchen, wo es ihnen gerade passt. Auf diese Weise schreibe ich auch recht flott. Irgendwie wissen meine Finger, wo die Buchstaben sind, bis auf beim B, das bekanntlich immer mal woanders hinhuscht. Deshalb ist es wahrscheinlich auch nicht in „Jaffa“ drin, denn das wäre für Anfänger viel zu schwierig.

Dreieckstuch aus Brazilia

So, der Winter kann kommen. Zumindest wenn man mein neuestes Strickwerk betrachtet. Es ist ein einfaches Dreieckstuch aus der fransigen Brazilia-Wolle, die bei diesen Temperaturen eigentlich nur in den frühen Morgenstunden zu stricken war.

Die Wolle für dieses Tuch habe ich geschenkt bekommen, von einer Dame, die ich kaum kenne. Sie hatte einen riesigen Sack mit Wolle geerbt und strickt selber gar nicht. So kam ich in den Genuss des Sammelsackes – der in Teilen etwas fragwürdig war. Denn das Garn, das da scheinbar eifrig angehäuft worden war, war zum Teil nicht unbedingt mein Geschmack: Es handelte sich zumeist um sogenanntes Effektgarn mit Fransen oder Bommeln, oder auch mit Glanz. Meine erste Reaktion war: Oha, was soll ich denn damit? Aber nachdem ich die Sachen erst mal sortiert, hin- und hergelegt und zugeordnet hatte, die Einzelknäuel, zu denen mir nichts einfiel aussortiert wurden und die halb abgerollten Bommel neu gewickelt waren, sah die Sache schon anders aus. Ich würde solche Garne zwar selber nicht kaufen, aber man kann sie ja mal ausprobieren – wenn sie schon da sind.

Für das dicke Kuscheltuch mussten also sechs Knäuel Brazilia Color in Rottönen und drei Knäuel Brazilia Color Fantasy in schwarz-weiß-grau dran glauben. Diese Fransenwolle ist sonst recht teuer, wäre zum Wegschmeißen also viel zu schade. Ich entschied mich für das einfache Dreieckstuch, weil das so eine schöne Spitze gibt und der Farbkontrast gut zur Geltung kommt.

Gestrickt wurde das Tuch mit einem Anschlag aus sechs Maschen. Ich habe nur rechte Maschen verwendet – jedes Muster würde in diesem Gefranse ohnehin verschwinden. In jeder Hinreihe wurden die beiden Randmaschen sowie die beiden Mittelmaschen verdoppelt, so dass die Maschenzahl schnell wuchs und das Tuch eine respektable Größe bekam.

Das Garn lässt sich fix mit dicken Nadeln verarbeiten, allerdings ist es unheimlich glitschig, wenn mal eine Masche runterfällt: Die fängt man nur schwer wieder auf. Außerdem sind die Bommel eigenartig locker gewickelt, so dass ich es vorgezogen habe, die Wolle vor dem Verarbeiten neu zu rollen – das schützt vor Knoten und schont die Nerven.

Das warme Wintertuch wird verschenkt, und zwar an die Dame, die mir den Wollsack vermacht hat. Sie soll ja auch was von ihrem Erbe haben.

Warum hast du nichts gesagt?

Ja, ich gebe es zu, ich habe dich ungerecht behandelt. Ich habe dich innerlich verflucht, wild beschimpft, dir üble Dinge nachgesagt. Das war ein Missverständnis, ein dummer Fehler, der beinahe zu einer Katastrophe geführt hätte.

Wir hätten einfach miteinander reden müssen. Ich hätte wissen müssen, dass du mir nichts Böses willst, hätte darauf vertrauen sollen, dass du einfach nur wie immer deinen Job machst. Und du hättest es mir sagen können, hättest mich darauf hinweisen müssen, dass ich Mist baue. Das musst du doch bemerkt haben. Spätestens, als wir anfingen, miteinander zu kämpfen, hättest du dich melden müssen. Dann wäre diese blöde Geschichte gar nicht so eskaliert.

Es ist wahr, ich habe wirklich unter dir gelitten. Ja, ich weiß, dafür konntest du nichts, es war meine Schuld. Aber hättest du mich nicht in meinem Elend alleine gelassen, wäre ich nicht so zornig geworden. Ich habe deine Vernichtung geplant, aber doch nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus dem Gefühl heraus, dass ich mich gegen dich wehren muss. Du hast mir die Luft zum Atmen genommen, mir die Kehle zugedrückt, mich regelrecht gewürgt. Ich dachte, du wolltest mich umbringen. Nur deshalb habe ich dir nach dem Leben getrachtet. Ich wollte dich in einen Sack stecken und klammheimlich verschwinden lassen.

Fast zu spät fiel mir mein Fehler auf, beinahe wäre er uns beiden zum Verhängnis geworden. Es tut mir leid, wie ich dich behandelt habe, und ich verspreche dir, es wird nie wieder vorkommen. Ich habe es begriffen, ein für alle Mal: Mein liebes graues T-Shirt, das nächste Mal ziehe ich dich gleich richtig herum an.

Irgendeiner räumt das schon weg

Schild MüllkippeWie schon ab und zu mal erwähnt, bin ich kein ordentlicher Mensch. In meiner Wohnung liegt oft Kram herum und wenn man einen schlechten Tag erwischt, kann man in meinem Flur durchaus über riesenhafte Wollmäuse stolpern. Das ist für mich kein Drama, denn das ist meine Wohnung, die muss nur mir gefallen. Genauso ist es mir egal, wie es in anderer Leut’s Wohnung aussieht.

Was mich jedoch ärgert – und da weiß ich nicht, ob das am zunehmenden Alter liegt oder doch in einer Art tief verwurzelten Ordnungssinn – sind Leute, die außerhalb ihrer eigenen vier Wände alles hinschmeißen, liegen lassen, von anderen wegmachen lassen. Und dabei ist es in Deutschland sogar schon sauberer geworden als früher, zumindest kommt es mir so vor, wenn ich die heutige Realität mit meinen Kindheitserinnerungen vergleiche. Damals lagen überall Zigarettenschachteln und Eisstängel herum, von massenweise Hundehaufen ganz zu schweigen.

Trotzdem kann ich mich über Vieles nur wundern oder auch ärgern: Zum Beispiel über die Stehtische auf irgendwelchen Festchen, die allesamt immer voll sind mit Müll, obwohl es ausreichend Mülleimer gibt, in denen man die Pommespappen oder Kaffeebecher entsorgen könnte. Ein wildes Beispiel war der Sachsenhäuser Weihnachtsmarkt: Gerade hatte die ewige Antje, die sehr ordnungsliebend ist, unseren Tisch entmüllt, kam eine Frau heran, stellte ihren Dreck vor uns ab und schickte sich an, wieder zu gehen. Nach einer Sekunde der Verblüffung griff ich mir das Zeug und die Frau und gab ihr den Unrat mit einigen kernigen Worten wieder mit – ich glaub‘ es hackt. Im Restaurant stelle ich doch meine Schmutzteller auch nicht auf den Tisch vor die Nasen anderer Leute, die da gerade essen. Warum sie den Tisch mit einem Mülleimer verwechselt hatte, konnte mir die Gute auf Nachfrage gar nicht sagen, aber offensichtlich ging sie davon aus, dass irgendwer das schon wegmachen würde. Ich habe sie wohl einigermaßen beeindruckt, ihrem verschreckten Gesichtsausdruck zufolge überlegt sie sich künftig zweimal, ob sie andere Leute zumüllt.

Erstaunlich finde ich, dass es nicht immer nur die viel geschimpften Jugendlichen sind, die ihren Kram unachtsam in der Bahn liegen lassen oder neben der Mülltonne entsorgen. Immer öfter fallen mir auch Menschen in meinem Alter auf, die keine Hemmungen haben, ihren Kram einfach auf Tischen stehen zu lassen oder im Zug in eine Ecke zu drücken. Mich wundert diese extreme Gegenbewegung zum Trend des „Achtsam seins“, das ja furchtbar in ist, genau wie der Ausdruck „Respekt“.  Wahrscheinlich ist es etwas Anderes, ob man von Trends redet oder sie lebt. Oder ob man Achtsamkeit und Respekt für sich einfordert oder gleiches anderen gewährt. Ich frage mich, woher das kommt. Erzogen wurden wir doch wahrscheinlich fast alle anders.

Höchst Bluesig

Es gibt ja so Tage, an denen hat man zu nichts Lust. So einer war der letzte Sonntag. Die Woche war lang und stressig gewesen, viel zu wenig Zeit zum Entspannen und einfach mal dumm gucken. Und jetzt Blues, fünf Bands, und das in Höchst – wollten wir da wirklich hin? Musste das sein? Nein, es musste nicht, aber die ewige Antje und ich wollten. Zum einen, weil wir Karten gekauft hatten, zum anderen, weil wir gar nicht erst damit anfangen wollen, aus lauter Faulheit auf der Couch zu bleiben. Noch nicht – dafür sind wir noch viel zu jung. Also rissen wir uns zusammen und enterten pünktlich um 14 Uhr die Höchster Schlossterrasse. Dieses Programm wartete auf uns:

Frankfurt Höchst – was ist das eigentlich nochmal? Dieser komische Stadtteil mit dem grauslichen Bahnhof und den Farbwerken, wegen denen es angeblich manchmal bunt regnet? Diese seltsame kleine Innenstadt, die nicht besonders viel zu bieten hat? Ein bisschen Altstadt, wirklich hübsch, und ein Schloss – und sonst noch was? Oh ja …

In Höchst gibt es Kultur. Seit Jahren besuchen wir regelmäßig das Neue Theater mit seinen vielen guten Kabarettvorstellungen und Konzerten. Bislang unbeachtet ließen wir die Veranstaltungen, die unter dem Namen „Sommernach am Schloss“ zusammengefasst werden – der Sommer ist ja auch nicht unbedingt Theaterzeit. Dieses Mal besuchten wir eine Kabarett-Gesangs-Veranstaltung und es war prima. Und jetzt also „Höchst Bluesig“.

Schloss Höchst unter dramatischem Himmel – was für eine Aussicht von der Terrasse

Als wir eintrafen, ging erste Konzert gerade los und was wir hörten, gefiel uns extrem gut. Noch war wenig los, wir holten Getränke und setzten uns auf einen Premium-Platz, soll heißen, auf eine Bierbank mit Ausblick auf den Main. Insgesamt beglückte man uns an diesem Tag mit fünf Bands, die jeweils eine gute Stunde spielten. Über sechs Stunden Musik für 11 Euro – wenn das mal nicht ein unglaubliches Preis-Leistungs-Verhältnis ist.

Doch trotz des günstigen Preises wollten die Frankfurter nicht so recht anbeißen, die Veranstaltung war leider eher dünn besucht. Besonders die erste und die letzte Gruppe spielten vor ziemlich leeren Bänken, und das hatten sie nicht verdient. Denn die Musik war wirklich toll, es gab nicht eine Band, die uns nicht gefiel. Ich mag ja diese handgemachte Musik, bei der man den Musikern nicht nur anmerkt, dass sie ihre Instrumente beherrschen, sondern auch, dass sie mit Leidenschaft bei der Sache sind.

Die Höchst All Stars – Blues vom Feinsten und an diesem Tag meine Favoriten

Das Allerschönste war für mich aber, natürlich neben der guten Musik, die entspannte, „chillige“ Atmosphäre. Alle waren gut gelaunt, die Kullisse war sehenswert und trotz des dramatischen Wolkenhimmels war es angenehm warm, mit leichtem Wind. Zu Essen und zu Trinken gab es reichlich, ebenfalls zu Preisen, bei denen keiner meckern konnte. Einigermaßen barrierefrei war es auch, es gab sogar ein lustiges Behindertenklo in einer Holzkiste.

Aussicht von der Schlossterrasse

Alles in allem war es ein wunderschöner Tag und wir waren froh, uns aufgerafft zu haben. Die Auswahl der Bands war sehr gut, das Publikum nett, die ganze Veranstaltung war rund und wirkte liebevoll organisiert. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Jahr und hoffe, dass dann ein paar mehr Besucher kommen. Macht euch auf, liebe Frankfurter, kommt nach Höchst – es lohnt sich!

(Und wen das alles immer noch nicht reizt, der kann ja vielleicht noch an Blumen schnuppern – die gibt es da nämlich auch!)

Rose

Fässer, Flaschen, Gärung und Sekt

Gestern Abend war ich mit Freundin Frauke mal wieder in Sachen „Bildung und Kultur“ unterwegs. Soll heißen, wir hatten über die Frankfurter Stadtevents eine Führung bei der Sektkellerei Henkell mit Kostproben und Häppchen gebucht. Schon die Eingangshalle nebst Kronleuchter beeindruckten mich sehr.

Wir lernten, dass dieses historische Gebäude zwar früher die Produktion und alle anderen Firmenräume beherbergt hatte, es aber nie der Wohnsitz der Familie war. Vielmehr diente es repräsentativen Zwecken – man wollte also beeindrucken. Heute finden in dieser Eingangshalle noch Konzerte und Feste statt, auch kennt man sie aus diversen Werbespots, von denen wir später einen kleinen Ausschnitt zu sehen bekamen.

Von der Eingangshalle aus ging es sieben Stockwerke nach unten in den Keller. Hier gab es Einiges zu sehen, vor allem aber: Fässer.

Weinfass, Sektkellerei Henkell

Obiges Fass ist nur eines von Vielen, und es ist ein kleines Fass – also ein Fässchen. Weiter hinten kamen welche, die über 200.000 Liter fassen sollten, und auch diese waren nach Aussage unserer Begleiterin klein im Vergleich zu denen, die aktuell in der Produktion benutzt werden. Die Produktion ist inzwischen in ein moderneres Nebengebäude umgezogen, doch noch immer sind die Fässer im alten Keller einsatzbereit, um hin und wieder einen kleinen Schoppen Wein zwischenzulagern. Alles intakt und lebensmittelhygienisch einwandfrei, versicherte man uns, wobei ich zugeben muss, dass ich über diese Frage bis dahin gar nicht nachgedacht hatte.

Gang mit Fässern

Wie bekamen allerhand über die Produktion von Sekt zu hören: Z. B. dass in einem Sekt teilweise 55 verschiedene Weine enthalten sein können, um einen gleichbleibenden Geschmack hinfummeln zu können. Wir hörten von Jahrgangs- und Rebsortensekt, Anbaugebieten und Herstellmethoden. Besonders auf die Unterschiede der Flaschen- und Fassgärung wurden wir immer wieder hingewiesen, außerdem auf die verschiedenen Zuckergehalte der verschiedenen Erzeugnisse.

Modell zur Erläuterung von Flaschengärung

Auch einen kleinen Blick in die Produktin durften wir werfen, hier sahen wir massenweise Flaschen mit melodischem Klirren über Bänder rattern. Dieser Teil war jedoch kurz und weniger interessant, ausßerdem durfte man nicht fotografieren.

Zum Schluss gab es noch einige Sektsorten zu probieren: Wir bekamen einen spanischen Cava, einen Champagner sowie einen Prosecco. Dabei sollten wir jeweils herausfinden, wie viel Zucker dieses Produkt wohl noch hat (darin war ich schlecht) sowie anhand des „Perlenspiels“ beurteilen, ob es sich um eine Flaschen- oder Fassgärung handelt (darin war ich noch schlechter). Ich fand nur heraus, dass mir der verhältnismäßig günstige Prosecco am besten und der teure Champagner am wenigsten schmeckte – auch eine Erkenntnis. Den als „Mitgebsel“ erhaltenen Piccolo mit deutschem Sekt habe ich bislang noch nicht probiert.

Historische Weinkelche

Alles in allem waren es kurzweilige und lehrreiche zwei Stunden, die mit 15 Euro nicht zu teuer bezahlt waren. Ich trinke zwar noch immer lieber Wein als Sekt, aber das Abschlagen eines Flaschenhalses mit einem Schwert würde ich trotzdem gerne mal ausprobieren.

Samstagsflohmarkt: Objekte des Tages

Wieder einmal gönnten die ewige Antje und ich uns einen Flohmarktbummel am Main. Ich wollte Bastelmaterial kaufen, was mir auch gelang. Antje hingegen schlug bei einem Buchanbieter zu und ergatterte ein Büchlein über Apfelwein – Kulturgut also.

Wie immer betrachtete ich sehnsüchtig die schönen Sammeltassen, die es gestern in einer riesigen Auswahl gab. Es gibt ja solche und solche Flohmärkte – dieses Mal schienen sämtliche Besitzer alter Tassen ihre hervorgekrankt zu haben, um sie mir unter die Nase zu halten. Ich war aber vernünftig und kaufte keine: Denn ich brauche keine Sammeltassen, und schon gar keine, die nicht in die Spülette mögen.

Sammeltassen-Paradies: mein Favorit ist die mit den farbigen Vierecken und dem breiten Golddrand – hach!

Es gab aber auch wieder sonderbare Objekte zu bewundern. Ein fröhliches Wiedersehen feierte ich mit einigen schrägen Vasen, die ich schon einmal hier vorgestellt habe. Dieses Mal ergatterte eine Art mongolischer Buddha meinen Platz zwei im Wettbewerb zum Objekt des Tages – der Herr saß würdevoll zwischen einer geblümten Ente, alten Luftpostbriefen und allerhand Porzellanzeug auf einem übervollen Flohmarkttisch.

Statue auf dem Flohmarkt

Der Favorit in dieser Woche war jedoch eine Handarbeit, liebevoll hergestellt in mühevoller Kleinarbeit – ein Pompombaum, auch bekannt als Pudelstrauch oder Troddel-Eiche. Endlich weiß ich, wass ich mit all meinen Wollresten anstellen kann – ich muss nur noch jemanden finden, dem ich das dann schenken kann 🙂

Pompombaum

Grüne Soße Tag

Eine schöne Idee, dieser Tag zu Ehren des Frankfurter Nationalgerichts. Da bin ich gerne wieder mit dabei!

Autorengruppe ARS

Buntes Programm rund um das Frankfurter Kultgericht auf dem Buchrainplatz

Marktstand mit Kräutern – (c) pixabay.com

Das Frankfurter Kultgericht steht am 22. Juni 2017 erneut im Mittelpunkt der Mainmetropole, denn an diesem Tag gilt es, einen Weltrekord im Grüne-Soße-Verzehr aufzustellen. Insgesamt 231.775 Portionen Grüne Soße müssen in Frankfurt verzehrt werden, damit der Weltrekord als gültig angesehen werden kann und für diesen Anlass haben sich zahlreiche Gastronomen, Firmen und soziale Einrichtungen ein buntes Programm einfallen lassen, um die Menschen zum Verzehr zu animieren.

Selbstverständlich ist auch das Restaurant „Grüne Soße und mehr“ in Frankfurt-Oberrad dabei, das mit zahlreichen Aktivitäten schon morgens um 09.00 Uhr seine Pforten öffnet.

Schon im April diesen Jahres hatten die Autoren der ARS Autoren RheinMain Szene e.V. mit ihrer 7-Kräuter-Lesung einen großen Erfolg. Sieben Autoren schrieben je eine Kurzgeschichte zu einem der sieben Kräuter, die in der Frankfurter Grünen Soße enthalten sind, und gaben sie vor einem…

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Altes Handwerk – Bonbonkocherei

In Eckernförde verbrachten Kerstin und ich einen wunderschönen Tag. Das Wetter spielte mit, wir bummelten lange am Hafen und der Promenade herum und schlenderten zum Schluss noch ein wenig durch’s Dorf. Eigentlich waren wir, müde von Sonne, Eis und Fischbrötchen, schon wieder unterwegs zum Auto, als wir beinahe über einen Wegweiser fielen. In einem Hof fanden wir die

Wir zögerten nicht lange und enterten den Laden. Hier fand sich eine Art öffentliche Schauküche sowie viele, viele Sorten Bonbons. Und wir hatten Glück: Es wurden gerade grünliche Kräuterbonbons hergestellt, die nach Anis und irgendwie gesund rochen. Wir drückten unsere Nasen neugierig an die Glaswand und sahen zu: kneten, kneten, was einstreuen, wieder kneten, drücken, ausrollen, noch was einstreuen, kneten, kneten, formen, irgendwann dann portionieren und durch eine Rollmaschine fahren lassen. Heraus kamen lange Bänder mit Bonbons, die zum Abkühlen auf den Stahltisch gelegt wurden.

Das Ganze war übrigens Teamwork, die Herren waren zu zweit, was besonders beim durch die Maschine rollen der Bonbons wichtig zu sein schien: Einer kurbelte, der andere fing den Segen auf und erklärte uns nebenbei, was er tat und warum. Und während ich noch grübelte, wie man aus diesen Bonbonbändern nun leckere Lutschbonbons machen wollte, zeigte man uns, dass die abgekühlten Drops mit einer Metallschaufel in eine Art Rüttelsieb gegeben und dort auseinandergerüttelt werden. Die überstehende Zuckermasse wird dabei abgeschüttelt und weggesiebt – aha! Ich fand übrigens, dass die gerüttelten Bonbons einen enormen Lärm machten – das hätte ich so nicht erwartet.

Interessant fand ich auch die verschiedenen Formen, in die die Bonbons gepresst werden können: Es gab viele unterschiedliche Rollen zu sehen.

In Eckernförde sind natürlich besonders die „Sprotten“ beliebt, schließlich ist man an der Ostsee. Aber auch die anderen Formen konnte man im Laden finden. Und dem Laden widmeten wir uns noch sehr ausgiebig: Es gab jede Menge Frucht- und Kräuterbonbons, außerdem Lakritze, Pfefferminze und Karamell. Natürlich braucht man nicht unbedingt handgemachte Bonbons zu drei Euro das Mini-Tütchen, aber ich habe trotzdem welche ausgesucht – als Mitbringsel für meine Lieben in Norddeutschland. Und eine Mischtüte Karamell gab es auch noch, man war schließlich im Urlaub. Kerstin hingegen schlug bei der Lakritze zu – eine Leidenschaft, die mir immer unverständlich bleiben wird.

Pfefferminzsprotten, Fruchtsprotten und Pflaume-Vanille-Blätter

Wieder zuhause, wollte ich mal gucken, ob jemand anderes schon einmal etwas über diese Bonbonkocherei gepostet hat. Ich hatte nämlich so vage im Gedächtnis, dass ich vor vielen Jahren mal etwas über handgemachte Bonbons im Fernsehen gesehen hatte – vielleicht in der Sendung mit der Maus, oder war es Löwenzahn? Den Bericht von damals fand ich nicht, dafür aber einen kleinen Film, der den Produktionsprozess noch einmal zeigt – und das sogar in zwei Farben!

Und der langen Rede kurzer Sinn ist ein ganz einfacher: Wer mal nach Eckernförde kommt, sollte unbedingt mal in der Bonbonkocherei hereingucken. Es gibt etwas zu sehen, und das ganz für umsonst. Und, nebenbei bemerkt: Barrierefrei ist der Laden auch. 🙂