Schön ausgedrückt – schlüpfrig

Kürzlich saßen wir in lustiger – manch einer mag auch sagen alberner – Runde beisammen und Barbara äußerte das schöne Wort „schlüpfrig“. Das führte zu einer Reihe weiterer Ausgelassenheiten und viel Gelächter. Natürlich dachten wir dabei nur an die eine Bedeutung dieses Wortes. Und dabei hat es doch zwei, von denen eine völlig harmlos ist.

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Mein Freund, der gelbe Duden, beschreibt das Wort als eher selten im Gebrauch und es stammt aus dem Mittelhochdeutschen. Das ist erst mal wenig überraschend.

Die erste Bedeutung ist feucht und glatt, ich habe spontan den Rand eines Sees oder einen alten Steg im Sinn. Auch so manches Schwimmbad hat eine schlüpfrige Umrandung, genau wie der kleine Anleger, an dem ich einmal aus einem Kanu stieg und aufstehen wollte, um einer Kollegin auch aus dem Boot zu helfen. Der Untergrund war schlüpfrig und so fiel ich gleich mit Schwung wieder in die Lahn hinein. Gut, dass es von dieser Aktion auf feuchtem Grund keine Fotos gibt.

„Schlüpfrig wie Schneckenschleim“, auch diese Bemerkung über einen unangenehmen Zeitgenossen kommt mir in den Sinn. Hier verbindet sich die Bedeutung von „aalglatt“ mit der Abwertung, die der Duden als zweites anführt, wenngleich diese eindeutig sexueller Natur ist. „Anstößig, zweideutig, unanständig“, heißt es da im Duden, und das war es natürlich, woran wir damals in der Kneipe alle dachten.

Auch die anderen bekannten Wörterbücher geben nicht viel mehr her, doch eine Unterhaltung mit Kollegen, bei denen ich ebenfalls dieses schöne Wort erwähnte, brachte die Assoziation zum „Schlüpfer“ mit sich. Über den wurde auf Meikes bunter Welt bereits berichtet, allerdings auch da nur in einem Nebenstrang. Es scheint das Schicksal des Schlüpfers zu sein, dass er immer nur eine untergeordnete Rolle spielt.

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Etwas anderes passierte mir aber, während ich über diesen Beitrag nachdachte: Ich suchte eine Illustration und weil ich hier im Blog nicht schlüpfrig (2), also anzüglich sein will, brauchte ich ein Foto für schlüpfrig (1): der Glätte. Und dabei fiel mir auf, wie viele wunderschöne Fotos von Schnecken es doch gibt. Diese Tierchen habe ich bislang viel zu wenig beachtet. Ich glaube, ich muss mich demnächst einmal in aller Frühe auf Schneckenjagd machen.

Fünf Gründe, den Mai zu mögen

Listen sind in. Überall im Internet findet man Listen: 10 Gründe, warum du nicht abnimmst. 8 Möglichkeiten, sich einen schönen Mann zu angeln. 11 Arten, mit Würde eine Dauerwelle zu tragen. 6 Gründe, warum du immer noch nicht reich bist. Und so weiter und so fort. Nun, ich will auch mal eine Liste machen, und zwar über den Mai. Denn der ist wirklich ein ziemlich guter Monat.

5 Gründe, den Mai zu mögen

1. Das Wetter wird besser

Ja, ich gebe es zu, heute ist es noch nicht so dolle. Es ist kalt und windet wie verrückt. Doch die Tendenz stimmt: Zum einen war es gestern, also am 30. April, noch viel schlechter. Und zum anderen soll es in ein paar Tagen richtig gut werden. Da will ich also heute nicht klagen, sondern optimistisch in die Zukunft gucken. Der Sommer kommt. Mein Schwimmbad in Hausen hat geöffnet, der jährliche Husten ist rum, die Haut nimmt einen gesunden Braunton an.

Im Zusammenhang mit Punkt 1 ist dann auch Punkt 2 auf meiner Liste zu sehen:

2. Die Zeit der Weinfeste beginnt

Weißwein, WeingläserIch liebe es, draußen zu sitzen und einen kühlen Weißwein zu schlürfen. Oder eine Fruchtbowle, einen Apfelwein, zur Not sogar ein Bier. Der Sommer ist Festsaison in Frankfurt, es wird gefeiert, was das Zeug hergibt. Das Wochenende um den ersten Mai herum ist bei mir und der ewigen Antje traditionell dem Bornheimer Weinfest vorbehalten, wo wir uns dieses Mal nach einem kurzen Umweg über einen etwas wässrigen Rivaner für einen wunderbar leichten Chardonnay entschieden. Das einzige, das komisch war an diesem Getränk, war seine Wirkung: Obwohl klar und flüssig, machte es ganz schön Durst – zumindest am nächsten Morgen.

3. Der Flieder blüht

FliederDerzeit erfreue ich mich jeden Morgen, wenn ich am Südbahnhof umsteigen muss, am wunderbaren Geruch des Flieders, der dort blüht. Leider ist das immer nur ein kurzes Vergnügen (besonders im letzten Jahr, als ein dickes Gewitter die feinen Blüten allesamt zu Brei verarbeitet hatte), doch die paar Tage, in denen die Büsche in voller Blüte stehen, finde ich wirklich schön.

4. Spargelzeit

Ja, ich weiß, es ist nur ein Gemüse. Noch dazu eines ohne kräftigen Eigengeschmack, das in den meisten anderen Ländern kaum beachtet wird. Spargel ist eine deutsche Marotte – aber eine, die ich sehr schätze. Spargel gehört für mich in eine gute Hühnersuppe à la Mama Uschi. Außerdem muss ich jedes Jahr ein paar mal so einen dekadenten, teuren Spargelteller mit Hollandaise und Schnitzel haben. So einen wie diesen hier, den man mir im „Wirtshaus am Ostend“ servierte:

5. Feier- und Brückentage

Last but not least: Für einen faulen Menschen wie mich sind Feiertage etwas Tolles. In diesem Mai haben wir hier in Frankfurt gleich vier davon (ja, ich weiß, es gibt Regionen, die keinen Fronleichnam haben – die haben dafür bestimmt irgendwas anderes Schönes. Nordsee oder so.). Den 30. April habe ich mir als Brückentag gegönnt und um Fronleichnam herum besuche ich immer gerne meine Schwester. Das wird hoffentlich auch dieses Jjahr wieder klappen. Und um Pfingsten blühen dann die besonders schönen Pfingstrosen, mit denen ich diese meine erste Liste beschließen möchte.

Und plötzlich ist der Zimt alle!

Zimt, ZimtdoseKürzlich habe ich mal wieder Milchreis gekocht. Das ist seit meiner Kindheit mein Lieblingsessen, und das nicht nur, weil das jeder Doofi kochen kann, sondern weil es mir einfach gut schmeckt. Ich nehme kaum Zucker und etwas Zimt hinein und leckeres weiches Dosenobst obendrüber. Und gestern passierte es tatsächlich, dass der Zimt alle war.

Ich konnte es gar nicht fassen: Die Zimtdose leer? Wie konnte das passieren? Zimt ist so ein Produkt, dass man immer zuhause hat und das sich nie verbraucht – zumindest war das bislang mein Eindruck. Gut, die Dose war schon lange ziemlich leicht, aber das war sie doch von Anfang an – oder etwa nicht? Zimt ist so ein Produkt wie Alufolie, man kauft es einmal und hat ewig was davon. Allerdings musste ich auch Alufolie kürzlich einmal nachkaufen, unglaublich. Meine alte Rolle hatte ich wahrscheinlich noch in D-Mark bezahlt. Und mein Zimt war tatsächlich schon etwas in die Jahre gekommen, genau genommen war er abgelaufen, und das nicht erst gestern, sondern seit vier Jahren.

Es gibt für mich ja Haushaltsprodukte in unterschiedlichen Kategorien: Einige muss man nur alle paar Jahre mal kaufen, wie oben beschrieben. Andere sind durchlaufende Posten, man muss sie immer wieder kaufen, weil man sie regelmäßig verbraucht. Dazu gehören Tomaten, Frischkäse, Shampoo und Klopapier – wobei letzteres bei mir die Angewohnheit hat, sich unangemessen zu vermehren. Ich denke, das liegt daran, dass ich alle paar Monate mal eine große Bestellung bei Rewe online aufgebe und immer Toilettenpapier mitbestelle, damit ich es nicht schleppen muss. Irgendwie übersteigt meine Kalkulation aber wohl meinen Verbrauch. Sobald man feststellt, dass man etwa einen halben Lastwagen Klopapier im Haus hat, kann man eine Weile mit dem Nachkaufen aussetzen. Schließlich will ich meinem Erben nicht irgendwann eine Wagenladung Hygienepapier hinterlassen, der wird auch so schon genug Schaff damit haben, meinen Plunder aufzuräumen.

Auch andere, weniger platzfressende Produkte neigen zur karnickelartigen Vermehrung: Backpulver zum Beispiel. Immer, wenn ich was backen will, frage ich mich beim Einkaufen, ob wohl noch genug Backpulver im Haus ist, und nehme vorsichtshalber ein Päckchen mit. In einem Päckchen sind 10 Tütchen. Kürzlich machte ich Inventur und fand rund 40 Tütchen Backpulver, verbraucht habe ich am gleichen Tag immerhin zwei davon. Folglich habe ich für mindestens die nächsten zwei Jahre Backpulverkaufverbot. Auch Müllbeutel sammeln sich gerne an, Pizzagewürz, Puderzucker und Kochmettwurst in Gläsern. Thunfisch zeigte eine Weile ebenfalls diese Tendenz, so dass ich keinen mehr kaufte und irgendwann, als ich eine Thunfischpizza backen wollte, keinen hatte (Meikes bunte Welt berichtete).

Ich habe also Zimt auf meine Einkaufsliste geschrieben, es hilft ja nichts. Vielleicht bekomme ich ein Tütchen zum Nachfüllen der alten Dose. An die bin ich jetzt schon so lange gewöhnt, ich weiß gar nicht, ob ich mich da noch umstellen kann.

Brutpflege

Es ist Kükenzeit. Schon letztes Jahr wurde ich auf eine Webcam aufmerksam gemacht, die ein Nest auf einer Nürnberger Burg zeigte – ein Wanderfalken-Paar hat es sich hier im Kies gemütlich gemacht. Derzeit haben sie ein weißes, flauschiges Küken. Zwei Eier sind auch noch da und ich bilde mir ein, dass aus einem schon ein kleiner Fuß rausguckt.

Auch in Bayern kann man Ähnliches beobachten. Hier haben die Vögel von der Community sogar Namen bekommen: Frieda und Friedo heißen sie. Leider ist diesem Pärchen von ursprünglich drei Eiern nur noch eines übrig geblieben. Doch aus diesem schlüpfte Feli – weiß, plüschig und sehr munter. In diese beiden Seiten habe ich schon im letzten Jahr gerne reingeguckt.

Heute aber wurde ich auf noch eine wunderschöne Seite aufmerksam gemacht, die zum Beobachten von Vögeln einläd. Diese Seite stammt aus Estland, so dass ich vom Text leider nicht allzuviel gebrauchen kann. Ich habe aber verstanden, dass darauf geachtet wird, die Vögel nicht zu stören und dass die beiden Adler namentlich nicht bekannt sind. Auch sie haben schon ein bezauberndes graues Küken. Die Aussicht, die diese kleine Familie aus ihrem Hochsitz hat, finde ich legendär – das wirkt, als wäre man bei den Waltons in den Rocky Mountains. Auf Estland als Standort wäre ich nie gekommen.

Sogar über die Platzierung der Kameras und deren Technik wird viel erklärt auf der Seite. Das hat mich allerdings in Teilen eher verwirrt, denn der Google Übersetzer behauptete:

Das Kamerasystem ist so aufgebaut, dass bei Dunkelheit alle Stromverbraucher aus- und wieder einschalten. Dies wird den Energieverbrauch des Vorfrühlings stark reduzieren, und es ist nicht notwendig, beim Batteriewechsel Eidechsenstörung zu essen. Sonnenkollektoren funktionieren gut, wenn sie nicht auf der Sonne stehen und die Sonne scheint.

Nun gut, lassen wir das mal so stehen.

Auf der estnischen Seite gibt es noch weitere Kameras zu sehen, so auch eine, die ein Paar Schwarzstörche zeigt. Vier Eier haben die beiden – das wird ein Gewusel geben. Wahrscheinlich essen diese Vögel sogar Eidechsen …

Korrektur und Nachtrag: Soeben habe ich entdeckt, dass man die Webseite auch auf Deutsch umstellen kann. Diese Übersetzung ist deutlich besser als die von Google, aber bei Weitem nicht so lustig! Der oben zitierte Teil mit den Kameras liest sich jetzt so:

Das Kamerasystem ist so eingericht, dass bei Dunkelheit alle Verbraucher abgeschaltet und wenn es hell wird wieder eingeschaltet werden. Das erlaubt uns die notwendige Energie vor allem im frühen Frühjahr zu reduzieren und wir müssen nicht riskieren, den Horstalltag der Adler für einen Batteriewechsel zu stören. Die Solarpanele arbeiten gut, wenn sie nicht von Schnee bedeckt sind und die Sonne scheint.

Wochenendtrip nach Göttingen

Dieses Wochenende war es endlich soweit: Meine liebe Schwester und ich trafen uns in Göttingen zu einem Mädelswochenende. Diesen Kurztrip hatte ich meiner Schwester zum 50. Geburtstag geschenkt und schlug so gleich drei Fliegen mit einer Klappe: Ich hatte ein schönes Geschenk, kam mal nach Göttingen und konnte viel Zeit mit meiner Schwester verbringen. Was will man mehr?

Fachwerk, altes Rathaus, Göttingen Pünktlich um 14 Uhr trudelten wir beide am Bahnhof ein und fanden auch gleich das zentral gelegene Hotel. Es zog uns ins Freie – das Wetter war bombastisch. Und so ging unser super-entspanntest Wochenende los: Mit einem ersten Stadtbummel, Kaffeetrinken in der Sonne und vielen angeregten Gesprächen. Das Geschnatter ging sogar soweit, dass meine Stimme, noch immer etwas „spröde“, irgendwann fast völlig versagte. Eine Krähe klang wahrscheinlich melodisch gegen mich!

Am Samstag gigen wir erst mal shoppen. Dabei hatten wir allerdinge ein Problem: Das Wetter war so schön, dass wir gar keine Lust hatten, in irgendwelche Läden zu gehen. Außerdem brauchten wir nichts. Also suchten und fanden wir den alten botanischen Garten.

Hier bummelten wir eine Weile herum, lauschten einem Froschkonzert am Teich und landeten irgendwann – richtig – im Kaffee.

Das Schöne an Göttingen ist, dass die Stadt klein und „zentriert“ ist, so dass Vieles ganz gemütlich zu Fuß zu erreichen ist. Immer wieder landeten wir am alten Rathaus und dem berühmten Gänseliesel-Brunnen. Hier kraxeln fertige Doktoranden hinauf, küssen die Figur und stecken ein Blumensträußchen daran. Wir wurden Zeuge von zwei derartigen Aktionen – merkwürdig, aber irgendwie ganz niedlich.

Gut gefallen hat mir außerdem die ungewöhnliche Gastronomiedichte – die Stadt mit ihren rund 130.000 Einwohnern hat etwa 33.000 Studenten, die natürlich alle ausgehen wollen. Dementsprechend fiel es uns nie schwer, etwas nach unserem Geschmack zu finden – und es gibt in Göttingen auch etwas für jeden Geldbeutel. Wir aßen im Nudelhaus und ließen den Abend später im Hotel mit einigen Gläsern „Rödelseer Schwanleite“ ausklingen. Das erinnerte mich massiv an Loriot …

Die vielen Studenten in Göttingen können inzwischen natürlich jede Menge unterschiedliche Fächer studieren. Bei der Stadtführung am Sonntag lernten wir, dass es früher anders war: Es gab nur vier Fächer (dargestellt im Relief oben), in denen alles enthalten war, was es damals zu lernen gab. Es gab Medizin, Philosophie, Theologie und Jura, wobei z. B. die Naturwissenschaften mit im Bereich Medizin gelehrt wurden, Sprachen hingegen bei der Philosophie. Das klingt mir nach einem ganz schön vielseitigen Studium, dazu hätte ich Lust – aber ich hätte nicht gedurft. Bin ja nur eine Frau … 😦

Außerdem lernten wir während der Führung noch allerhand über Fachwerk. Wann ist ein Stockwerk ein richtiges Stockwerk und wann nur ein Geschoss? Und warum heißt das überhaupt „Geschoss“? Ich konnte mir die Ausführungen unseres Stadtführers nicht ganz genau merken, aber es hatte etwas mit den Querbalken des Fachwerks zu tun – aufgestockt und durchgeschossen, oder so ähnlich.

Und wir erfuhren, dass Göttingen früher schon bekannt war für seine Wurst. Hm … hätten wir das vorher gewusst, hätten wir mal eine gegessen. Das Wurstplakat oben wurde bei Restaurierungsarbeiten gefunden und in einem Innenhof wieder aufgehängt, zusammen mit einigen Fliesen aus der alten Metzgerei.

Göttingen hat mir wirklich gut gefallen: Klein und niedlich, alt, aber nicht verflossen. Natürlich tat das Wetter das Seine dabei – so ein Glück muss man erst mal haben.

Müde sein

Dieser Frühling hat mir etwas Feines mitgebracht: Grippe, entzündete Mandeln, bellenden Husten und Heiserkeit. Fieber und bleischwere Müdigkeit. Zwei Wochen wie ein nasser Lappen mal im Bett, mal auf dem Sofa. Ab und zu auch mal im Bad, aber das ist eigentlich zu anstrengend. Einfach nur hinüber. Der verbliebene Intellekt reicht gerade so für RTL 2: Da renovieren die immer Häuser, und wenn sie fertig sind, weinen alle. Immerhin, das kann ich auch.

Komisch eigentlich – warum dauert das denn so lange? Wieso habe ich keine Lust, den Lesestapel abzuarbeiten oder Strümpfe zu stricken? Ich habe den Verdacht, dass ich mich gehen lasse, und fühle mich unwohl dabei. Noch unwohler als ohnehin schon. Schließlich warten die bei der Arbeit auf mich, die können doch gar nicht ohne mich. Hoffentlich geht die Firma nicht bankrott in dieser Zeit. Was bloggen sollte ich auch mal wieder, und ein paar Geschichten schreiben. Wenn nicht jetzt, wann dann – ich habe doch Zeit. Warum verschwende ich die denn mit schlafen?

Dann irgendwann soll es wieder gehen, beschließe ich. Aber so richtig geht es nicht – es schleppt sich nur. Müde, matt und schlapp – das kann doch nicht sein? So alt bin ich doch noch nicht? Kann mal jemand den Husten wegmachen und meine Stimme ölen? Ich versuche den alten Trick mit dem Apfelwein: hilft nix. Tee aber auch nicht. Und Honig, der mir immer wieder angepriesen wird, kann ich einfach nicht leiden – damit fangen wir gar nicht erst an! Soweit unten bin ich noch nicht!

Treu und brav latsche ich jeden Tag zur Arbeit, krächze mich durch den Tag und versuche, möglichst unauffällig zu husten. Abends bin ich müde und wenn ich einen halben Kilometer gegangen bin, schwitze ich theatralisch vor mich hin. Ich muss den Dingen wohl einfach mal ihren Lauf lassen: Abwarten, ausruhen, liegen lernen. Soll ja ganz heilsam sein.

 

Fazit dieser Litanei: Es ist in meiner bunten Welt derzeit etwas ruhiger. Keine Sorge, ich lebe noch – nur derzeit etwas langsamer.

Brusthaar

Kürzlich erzählte ich einigen Freunden aus meiner „Bildungsfernsehen“-Gruppe, dass ich mich am Vormittag mal wieder den Jugenderinnerungen hingegeben und im Fernsehen zwei Folgen „Baywatch“ geguckt hatte. Das wird derzeit auf Nitro wiederholt und war mir in meiner weit entfernten Jugend sehr wichtig – und das nicht wegen der Brüste von Pamela Anderson. Die Reaktion aus der Bildungsfernsehen-Gruppe war ungläubig: Sie reichte von einem wilden Johlen bis hin zu Roberts Frage: „Hast du denn gar keinen Stolz?“ Bemerkenswert, diese Reaktionen, ist es doch gerade diese Runde, mit der ich mir schon den Super-Shark und ähnliche Kunstwerke zu Gemüte führte. Jemand führte auch an, dass diese Serie doch veraltet sei, schließlich gäbe es inzwischen einen neuen Spielfilm, der sich irgendwie an die Serie anlehnt. Doch dieses Argument zog bei mir nicht.

Bild „Liegender“ zur Verfügung gestellt von Telemarco, http://www.pixelio.de

Ja, es gibt einen neuen Spielfilm, und ja, die Leute dort tragen rote Badekleidung und es sind hübsche Jungs dabei. Aaaaaber: Das ist alles ganz anders, die haben nämlich alle kein Brusthaar. Einer hat nicht mal Haupthaar, aber da will ich nicht kleinlich sein, sowas kommt im Alter ja vor. Aber dieses fehlende Brusthaar zeigt mir deutlich, wie sie die Mode und das Schönheitsempfinden in den vergangenen 20 … ääähhh … ne, huch, fast 30 Jahren verändert haben. Der Oberbademeister damals trug eine üppige Lockenpracht auf dem Kopf und fast genauso ein Lockenfell auch auf der Brust, und genauso muss das für mich sein.

Um es ganz klar zu sagen: Ich bin keine Körperbehaarungsfetischistin. Ich finde nicht, dass der menschliche Körper völlig haarlos sein muss (Menschen, die „iiiihhhh“ schreien, wenn eine Frau mit unrasierten Beinen gesichtet wird, haben meines Erachtens einen an der Waffel!), ich bin aber auch kein Fan von gorillaähnlicher Rückenbehaarung. Im Grunde ist es mir egal, ob da Haar ist oder nicht. Mir fällt aber auf – schließlich gehe ich oft schwimmen – dass die früher oft üppige Brustbehaarung bei Männern inzwischen besonders bei den jüngeren Jahrgängen deutlich nachlässt. Offenbar hat auch sie das Enthaarungsdiktat, mit dem sich Frauen seit vielen Jahren gemäß Modezeitschrift, Beautyblogs und Kosmetikindustrie herumschlagen sollten, inzwischen erreicht.

Dementsprechend fällt es einem inzwischen auf, wenn sich irgendwo eine Locke hervorkringelt, wo man nicht damit gerechnet hätte. Gut, eigentlich denke ich nicht darüber nach, ob es irgendwo Brusthaar gibt oder nicht, aber als kürzlich ein leger gekleideter Kollege die üppige braune Pacht aus dem V-Ausschnitt hervorwallen ließ, war ich schon etwas verblüfft. Und ich dachte während der Besprechung etwas off topic darüber nach, wie ich mir die Brust dieses Kollegen eigentlich vorgestellt hätte. Und ja, tatsächlich, mein Gehirn hat die modischen Veränderungen der letzten 30 Jahre mitgemacht und signalisierte mir, dass in meiner Vorstellung diese Brust hätte nackt sein müssen – keine Locken, kein Wallewalle.

Und so diskutierte ich den neuen Baywatch-Film nochmal mit Bildungsfernsehen-Mitglied Maike: Wir kamen überein, den neuen Film irgendwann in unser Bildungsfernsehen-Programm aufzunehmen – man muss ja Neuerungen gegenüber offen sein.

Fundstücke 57: Déjà-vu

Da mich ein grauslicher Infekt komplett von den Füßen gerissen hat, gibt es heute nur ein kleines Fundstück aus Wien: Über diesen Laden grübelten die ewige Antje und ich eine Weile nach. Was mochte hier verkauft werden?

Ein kurzer Check des Schaufensters brachte Gewissheit: Dies war ein simpler Second-Hand-Shop, im Volksmund auch „Gebrauchtwarenladen“ genannt. Nun, wichtig ist, was man draus macht …

Was kommt als nächstes?

Ich kenne mich ja im Internet recht gut aus. Unter anderem weiß ich, dass Vermarkter, die Werbung ausspielen, dieses gerne aufgrund der Analyse meiner gespeicherten Daten tun – soweit, so gut. Im Grunde habe ich da gar nichts dagegen, ich gucke mir nämlich deutlich lieber Werbung für Strickwolle an als für Autoreifen (denn isch abe gar kein Auto). Umso verwirrter war ich heute, als immer die gleiche Plattform mir das folgende Werbesortiment präsentierte:

Elektromobil

Ein Elektromobil in Rot, mit Armlehnen und Einkaufskörbchen – nein, soweit bin ich noch nicht, das will ich nicht haben. Ich bin zwar schon mal auf so einem Ding gefahren, aber das war das von meiner Mutter, das frisch geliefert worden war. Noch ist das nicht nötig, vielen Dank.

Elektromobil

Und nein, auch in Silber brauch ich so ein Mobil nicht, im Gegenteil. Das ist ja noch schlimmer! Nicht mal ein Fuchsschwanz könnte das Ding aufwerten, wenngleich ich es gut finde, dass es diese Gefährte für Senioren gibt. Aber halt nicht für mich – hoffentlich noch ganz lange nicht!

Weiter ging es mit Liebe und so …

Ähhh, ja. Was soll man dazu sagen. Irgendwie muss die Verhaltensdaten-Bewertungs-Maschine geschlussfolgert haben, dass ich über 50 bin. Bin ich noch nicht. Nicht, dass ich es schlimm fände, wenn es so wäre, aber ich frage mich die ganze Zeit, was ich im Netz gemacht habe, dass die mich so einschätzen. Vielleicht, weil ich die ganzen Blues-Musiker gegooglet habe? Oder das Rezept für die Eierlikör-Muffins angeguckt habe? Man weiß es nicht … Schade ist halt, dass die mir nicht den passenden Kerl dazu zeigen, sonst könnte ich zumindest darüber nachdenken, mich älter zu machen.

Treppenlift

Na toll, Treppenlifte. Immer noch surfe ich auf der gleichen Seite herum (Twitterperlen). Wirke ich denn wirklich so fußlahm? Ich frage mich mal wieder, was als nächstes kommt – Inkontinenzeinlagen vielleicht? Oder zeigen die mir demnächst Schuhe und Jacken in Beige?  Urnen oder gar das Beerdingungskomplettset „Heute zahlen, morgen sterben“? Mich kann nichts mehr überraschen, denke ich.

Doch dann sehe ich die nächste Anzeige, und die verblüfft mich nun doch:

Ich muss gestehen, ich habe da nicht draufgeklickt – zu sehr unterscheidet sich diese Anzeige von meinen sonstigen Präferenzen und das Angebot sieht ein bisschen so aus, als würde man sich dadurch Hard- und Software mit irgendwelchen Seuchen infizieren. Ich überlege aber, den Balkon zum Wintergarten umzurüsten und einmal ein paar Pflanztöpfchen aufzustellen. Wer möchte schließlich nicht reich werden?

Rockin the Blues!

Rockin the Blues, Batschkapp

Gestern war ein besonderer Abend: Die ewige Antje und ich waren auf einem Bluesfestival in der Batschkapp. Drei Musiker nebst Bands und Gast gaben sich die Ehre und ich muss sagen, ich habe schon lange, vielleicht sogar noch nie, ein Konzert mit derart viel „Bumms“ erlebt.

Den Anfang machte Gary Hoey mit Band. Vom ersten Ton an ging es zur Sache – unglaublich, wie drei kleine Musiker eine doch recht große Halle ausfüllen können. Virtuoses Gitarrenspiel, Gesang und eine gesunde Portion Humor machten Spaß und Lust auf mehr.

Der zweite auf der Bühne war der junge Quinn Sullivan, der ganz gewiss ein Ausnahmetalent ist. Er kam poppiger daher als sein Vorgänger, aber nicht weniger kunstfertig.

Quinn Sullivan

Und als dritter kam Eric Gales an die Reihe, ein echter Gitarrenkünstler, der es leider nicht lassen konnte, die werte Gemeinde über sein schweres Leben und so aufzuklären. Doch die Musik war klasse – wieder ganz anders als bei den beiden zuvor.

Als Gast kam Lance Lopez auf die Bühne, der mit der Band von Eric Gales spielte. Das Finale wurde nahtlos, ohne weitere Umbaupause, eingeläutet und ehe man sich versah, waren alle vier Gitarristen gemeinsam auf der Bühne. So viel Rhythmus, so viel Power – man wurde ganz besoffen davon. So bekam das Konzert seinen würdigen Abschluss. Das unten eingebundene YouTube-Video stammt von einem Auftritt aus Dortmund.

Gary Hoey

Abgesehen von der fantastischen Musik gab es natürlich auch sonst noch allerhand zu beobachten: Eine gute Akustik in einer Halle, die sich nicht sofort überheizte – prima. Trotz der Lautstärke hatte man also nicht das Gefühl, dass einem das Trommelfell platzt. Ausreichend Getränkestände und moderate Apfelweinpreise – auch gut. Und ein begeistertes Publikum mit der überwiegenden Haarfarbe Grau. Mir ist bewusst, dass Blueshörer oftmals schon etwas ältere Semester sind, aber hey, Kinnings, ihr verpasst echt was, wenn ihr da nicht hingeht. Solche Musik kriegt man nicht oft geboten.

Fazit: Normalerweise neige ich ja nicht unbedingt zur Euphorie. Doch dieses Konzert war schon etwas ganz Besonderes. Es hat Spaß gemacht und obwohl es recht lange ging und ich irgendwann Plattfüße und Rücken hatte, war es das wert. Und auch wenn um mich herum alle grau waren, fühlte ich mich jung und dynamisch. War das geil!