Merkwürdige Dinge: Nesteldecke und Nestelstulpen

Vor einer Weile kam über die Facebook-Gruppe, mit der ich für Charity-Projekte stricke, eine merkwürdige Anfrage rein: Ob wohl jemand ein paar Nestelstulpen, auch Nestelmuffs genannt, stricken könnte? Oder auch Nesteldecken? Ich war ratlos: Nestel-was? Wieso, weshalb, warum?

Die Auflösung ist einfach, einleuchtend und irgendwie traurig: Die Anfrage kam von einer Dame, die eine Demenzstation leitet. Dort gibt es Menschen, die unruhige Hände haben und die ganze Zeit herumsuchen und -fummeln. Einige kratzen und kneifen sich auch. Ihnen hilft es, wenn die nervösen Finger auch etwas zum Fummeln finden, also Knöpfe, Ösen oder sonstiges Kleinzeug, an dem sich herumspielen lässt. Auch unterschiedliche Strukturen beschäftigen sie. Deshalb gibt es spezielle Decken und Tücher, die kleine Elemente enthalten, an denen man herumgreifen kann. Die kann man für viel Geld kaufen oder auch selber machen. Eine schöne Sache, auch um Wollreste und Mutters alte Knopfbestände zu verarbeiten. Nachdem ich einen Haufen helle Wolle, für die ich bislang keine bessere Idee gehabt hatte, zu Rollstuhl- und Nesteldecken verarbeitet hatte, widmete ich mich also diesen ominösen Stulpen.

Mit meinen großen Beständen an Sockenwollresten, Knöpfen und Bastelkram zum Annähen wurde die Sache ein Selbstläufer – es macht wirklich Spaß, diese Dinger herzustellen. Damit sie auf jeden Arm passen, nehme ich 64 Maschen. Ich ziehe irgendwo ein Bändchen ein, an dem man herumspielen kann, mit dem sich die „Armsocke“ aber auch etwas enger machen lässt, damit sie zierlichen Personen nicht dauernd herunterfällt. Perlchen werden gleich mit eingestrickt, aber nur auf der Oberseite – es soll ja nicht unangenehm sein, wenn der Arm irgendwo aufliegt.

Alles in allem denke ich beim Stricken der Stulpen recht viel nach. Viele Leute, die heutzutage alt sind, haben noch Arbeitskleidung getragen – also kommen Papas alte Uniformknöpfe (von der Bahn) mit zum Einsatz. Etwa ein Drittel der heutigen Demenzpatienten sind Männer – und die tragen vielleicht lieber gedecktere Farben. Und die Stulpen sollen irgendwie symmetrisch sein. Das ist allerdings mein eigener Geschmack – MICH würde es stören, wenn die Elemente willkürlich angeordnet wirken. So bekommt also auch mein Kopf etwas zu tun, wenn ich mich dieser wirklich befriedigen Art der Resteverwertung widme. Die Wertschätzung, die dafür von der Projektorganisatorin zurückkam, tut da noch ein Übriges.

 

Covid und das große Müde …

Zwei Monate Blogpause – das gab es seit 2013 noch nie bei mir! Aber wie es eben so geht: Manchmal geht einfach nix.

Da fuhr ich doch Anfang Oktober frohgemut in den Urlaub an die Ostsee. Das Wetter war prächtig, meine Laune war es auch.

Leere Strandkörbe im Herbstlicht

Unterwegs nach Niendorf

Ich hatte ein hübsches kleines Hotel direkt am Timmendorfer Strand gebucht, hüpfte jeden Morgen früh aus dem Bett, frühstückte ausgiebig im fast leeren Frückstücksraum und stiefelte dann los. Es war noch so warm, dass man den ganzen Tag draußen sein konnte – angenehm zu Zeiten einer noch immer herummarodierenden Pandemie. Durch die viele Bewegung – ich ging auch jeden Abend noch schwimmen – fühlte ich mich fit und jung, gerade so, als sei ich höchstens 49.

Blick auf die Ostsee. Im Vordergrund allerhand Grünzeug.

Irgendwo auf der Promenade

So verging meine Woche viel zu schnell. Schon am Freitag war ich etwas wehmütig, so dachte ich zumindest, und konnte mich nicht mehr so recht motivieren. Das Schwimmen habe ich geschwänzt. Am Samstag fand ich meinen Koffer zu schwer und im Zug begann ich zu husten. Zuhause machte ich einen Covid-Test und der zeigte sofort – nach 30 Sekunden – einen dicken roten Strich. Fehlte nur noch, dass er geklingelt hätte. Hallo Corona, mein Name ist Meike.

Wie zu erwarten, war ich die beiden Wochen danach ziemlich im Eimer, auch wenn es alles in allem sicherlich ein milder Verlauf war. Aber diese Müdigkeit! Ich glaube, ich habe in meinem Erwachsenenleben noch nie so viel geschlafen.

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Eule im Vogelpark Niendorf. Ich habe bessere Fotos gemacht dort, aber dieses erscheint mir hier passend.

Inzwischen habe ich mich einigermaßen berappelt, aber zum Schreiben fehlte mir bislang jegliche Lust und Inspiration. Also habe ich Pause gemacht und mich mal wieder an die Verarbeitung meiner Wollberge gemacht. Socken, Tücher, dit und dat – all das wanderte letzte Woche in einem großen Karton an das Charity-Projekt, bei dem ich mitmache. Auch diese kleinen Gesellen hier, die den heutigen Post versöhnlich abschließen sollen:

gestrickte Schnecken und Trompetenschnüffler

Dreieckstuch mit Loch- und Streifenmuster

Ich habe ein neues Lieblings-Tuch-Muster! Einfach und fernsehtauglich, macht es doch was her. Und wenn der etwas fummelige Anfang erst mal überstanden ist, ist es total fix gemacht. Gestrickt habe ich ohne Anleitung, also frei Schnauze. Folglich ist das erste Tuch ein Prototyp, den ich bei Nummer zwei ein bisschen optimiert habe. Hier beim Tuch in Blautönen fand ich den Rand ein bisschen schmal, doch es gefällt mir trotzdem gut. Beim zweiten Tuch habe ich früher mit dem Lochmuster begonnen, so dass mehr Garn für den Rand übrig blieb. Gestricktes Tuch in Blautönen liegt auf meinem verknitterten grünen BettlakenDa immer mal wieder die Frage kommt, wie man etwas gestrickt hat, hier der Versuch einer Kurzanleitung:

  • 6 Maschen anschlagen, eine Reihe mit rechten Maschen stricken, dabei einen Maschenmarkierer zwischen Masche 3 und 4 hängen (Mittelmasche, der Markierer wird bis zum Schluss mitgeführt)
  • In allen folgenden Hin-Reihen wie folgt zunehmen: Beide Randmaschen verdoppeln (2 Maschen aus der Randmasche herausstricken), außerdem die Maschen vor und hinter dem Maschenmarkierer verdoppeln. Auf diese Weise nimmt man pro Hin-Reihe jeweils 4 Maschen zu. In den Rück-Reihen ohne Zunahmen stricken.
  • Zu Beginn wird kraus rechts gestrickt, also Hin- und Rück-Reihe mit rechten Maschen. Dadurch liegt der Rand beim Tuch später glatter.
  • Sobald durch die Zunahmen 30 Maschen auf der Nadel sind, beginnt die einfache Streifenfolge:
  • 4 Reihen glatt rechts (Hinreihe rechte, zurück linke Maschen, insgesamt zwei Mal)
  • 6 Reihen kraus rechts (sechs Reihen nur rechte Maschen)
  • 4 Reihen glatt rechts
  • eine Reihe Lochmuster: Rechts stricken, am Rand zuerst die Zunahme, dann eine Masche abstricken, dann ein Umschlag, zwei Maschen rechts zusammenstricken. So weiter bis zur Mittelmasche, hier das Lochmuster mit einmal zusammenstricken beenden, Mittelmasche verdoppeln. Sollte zwischen dem letzten Mal Zusammenstricken und der Mittelmasche noch eine Einzelmasche sein, diese einfach abstricken. Nach dem Maschenmarkierer so fortsetzen, wie auf der anderen Seite aufgehört: Zunahme, evtl. einfache Masche abstricken, zusammenstricken, Umschlag. Fortsetzen bis zum Ende.
  • Die Rückreihe nach dem Lochmuster mit linken Maschen stricken.
  • 4 Reihen glatt rechts
  • 6 Reihen kraus rechts
  • 4 Reihen glatt rechts
  • Lochmuster
  • … fortsetzen, bis das Tuch die gewünschte Größe hat
  • Am Ende einen Rand in kraus rechts stricken. Hierfür genügend Wolle einplanen – die langen Reihen zum Schluss ziehen sich ganz schön hin.
  • Zum Schluss locker abketten. Auch hierfür lieber etwas zuviel als zuwenig Wolle einplanen. gestricktes Tuch in roas-grün-Tönen auf meinem staubigen Parkett

Beide Tücher liegen hier ungewaschen und ungespannt, sie fallen aber auch ohne Spannen sehr schön.

Verwendet habe ich beide Male einen 200 Gramm-Bobbel der Sorte „Dahlia“ von Hobbii. Dieses reine Baumwoll-Garn hat eine tolle Qualität, ist allerdings, wenn man es regulär kauft, alles andere als ein Schnäppchen. Zum Glück kann man bei Hobbii immer sehr gut darauf waren, bis es „Lagerräumungsverkäufe“ gibt, denn dann muss man unter Umständen weniger als die Hälfte ausgeben.

Die Tücher wandern in die Charity-Kiste und gehen demnächste wieder an eine Gruppe, die hessenweit Selbstgemachtes an Organisationen verteilt, die es gebrauchen können. Ich bin optimistisch, dass sich jemand darüber freuen wird.

Kleine Trösterlis

Da ich ja derzeit viel stricke, sammeln sich auch viele Reste. Wie immer tun sich die Sockenwollreste in ihrem Aufkommen besonders hervor. Immerhin elf sehr kleine Knäulchen konnte ich kürzlich verwenden: Indem ich sie zu Trompetenschnüfflern verwerkelt habe. 

Trompetenschnüffler

Antreten zum Klassenfoto!

Die Anleitung für diese lustigen Gesellen habe ich auf Ravelry gefunden. Sie werden gerne als Trösterlis für Kinder eingesetzt, beim Arzt, in Krankenhäusern nd so weiter. Sie können nämlich Sorgen wegschnüffeln. Außerdem macht es unheimlich Spaß, sie zu machen. Einer braucht nur etwa 10 Gramm Wolle, uns so entstanden aus elf Wollrestchen insgesamt 15 Schnüffler. Sie gingen gemeinsam mit meinen Spendensocken auf die Reise und ich hoffe, dass jeder von ihnen ein liebevolles Zuhause finden und dort fleißig Sorgen wegschnüffeln wird.

Verschenksocken mit Sockenbanderolen

Im Moment habe ich nicht viel Antrieb zum Schreiben, es fehlen die Anregungen. Stattdessen stricke ich viel. Da ich mich und meine Lieben nicht komplett einstricken kann, brauche ich einen andere Idee für sinnvolle Projekte. Meine Ansicht zum Einstricken von Bäumen habe ich schließlich hier schon kundgetan.

Sockenbanderolen

Und so stricke ich seit einer Weile verstärkt auch Kleinigkeiten für soziale Projekte. Warme Socken werden immer gerne genommen, und da ich diese genausogerne stricke, haben wir hier einen Match. Die oben sichtbare Ladung habe ich gerade eben zur Post gebracht, sie gehen an eine Stelle, die hessenweit verteilt. Und damit die Leute dort nicht jedes Paar nachmessen müssen, sollten sie natürlich mit der Größe gekennzeichnet sein. Dafür habe ich mir Sockenbanderolen gebastelt – einmal mit der Aufschrift „Omas Original“ und einmal unter „Warm und wollig“. Omas Original übrigens, weil ich das traditionelle Modell mit Käppchenferse stricke, nicht etwa, weil ich eine Oma wäre.

In einer Facebook-Gruppe wurde ich gebeten, die Banderolen zur Verfügung zu stellen. Das tue ich gerne. Sie sind für private, nicht gewerbliche Zwecke freigegeben und es würde mich besonders freuen, wenn sie für caritative Zwecke genutzt würden.

Ich bin alles andere als eine professionelle Grafikerin, ich habe einfach nur ein bisschen herumgebastelt. In PowerPoint 😅 Für die Banderolen wurden die folgenden Bilder benutzt:

Sockenbanderolen „Warm und Wollig“, Bilder von Pixabay: cat-1297689_640, yarn-4881118_640, cat-5149772_640, cat-5149772_640

Sockenbanderolen „Omas Original“, Bilder von Pixabay: knitting-150970_640, socks-6232258_640, man-1989145_640

 

Knopfexperimente

In der letzten Zeit habe ich nicht nur viel gestrickt, sondern auch eifrig weiter mit dem Knöpfe wickeln herumexperimentiert. Kleine Blusenknöpfe kann ich immer noch nicht, aber ich weiß inzwischen, dass man auch eine ganze Menge „einwickeln“ kann, um den Knöpfen eine interessante Mitte zu geben. Seitdem renne ich durch die Gegend wie ein Trüffelschwein und suche ständig nach kleinen, runden Sachen, die ich verknöpfeln könnte. Das sieht dann so aus:

3 Kronkorken

Zu meinem großen Erstaunen gibt es wunderschöne Kronkorken, die es teilweise sehr günstig bei Ebay zu kaufen gibt. Von den Astra-Kronkorken mit Herz, Anker und Kreuz habe ich insgesamt 100 – da kann ich mich wirklich austoben. Der gelbe Drachen-Kronkorken stammt aus einer Sammlung, die anscheinend aufgelöst wird, und gehört wohl zu irgendwelchen polnischen Getränken. Beim Erwerb dieser Kronkorken lernte ich übrigens nicht nur, wie viele schöne Serien es gibt, sondern auch, was für unglaubliche Preise teilweise für diese kleinen Dinger bezahlt werden. Die echten Sammler haben sich wahrscheinlich über meine Kleinstgebote kaputtgelacht, wenngleich auch diese ein paar Mal zum Erfolg führten. 

2 Münzen

Auch alte Münzen lassen sich prima verwenden, wenn sie nicht zu groß sind. Hier haben wir eine alte griechische Drachme, umwickelt in den Landesfarben, sowie einen österreichischen Schilling, ebenfalls in den Farben der Flagge. Hier hat mir das hübsche Edelweiß besonders gut gefallen. Es warten noch etliche ausgemusterte Geldstücke auf eine Verwendung. Leidr habe ich gar kein 50-Pfennig-Stück mehr in der Restekiste – das Motiv fand ich immer besonders schön.

Alles in allem macht mir das Knöpfeln immer noch viel Spaß. Ich probiere mit Farben, Garnen, Ringen und Motiven herum. Außerdem mit unterschiedlichen Größen: Kleine lasse ich erst mal bleiben, aber einen Plastik-Karnevalsarmreifen habe ich kürzlich silbrig umwickelt und ihm so zu neuem Glanz verholfen. Ich habe nun schon eine kleine Schachtel voll mit verschiedenen Knöpfen, und irgendwann werde ich da irgendwas mit machen. Was auch immer 🙂

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Phönix, Drache und Lindwurm

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Flohmarktfund: ein gläserner Knopf mit Drachen

Ich habe mal wieder gestrickt. Dieses Mal habe ich mich für etwas entschieden, was in weiten Teilen NICHT fernsehtauglich war – man musste recht gut hingucken dabei. Angefangen hat das alles mit einem Flohmarktfund vor einigen Jahren: Damals kaufte ich an einem Stand vier ganz besondere Knöpfe mit Fabelwesen darauf. Ein Einhorn habe ich davon vor einigen Jahren mal als Handtaschenverschluss verarbeitet, aber drei von den kleinen Kunstwerken waren noch da.

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Ein Lindwürmchen, Bild von Pixabay

Als ich dann vor ein paar Monaten mal wieder in die Sonderangebotsfalle tappte, war die Stunde eines dieser Knöpfe gekommen: Ich kaufte einen Haufen Wolle der Sorte Schachenmayr Soft Linen in Schwarz und Orange Mix (70% Viskose, 30% Linen) und suchte nach einem Motiv. Ringel doof, Streifen doof, große Ratlosigkeit. Da stieß ich auf einer Seite mit Tattoomotiven (!) plötzlich auf diverse Phönixe und ähnliches Getier. Derartig auf den Geschmack gekommen, entschied ich mich für ein fabelhaftes Dreigestirn und werkelte los.

Zuerst der Rücken, natürlich. Ein Phönix sollte es hier sein. Ich suchte einen aus, rechnete eine Weile herum und fing an. Es war mühsam. Und so gut kann ich auch gar nicht mehr gucken. Immer wieder verrutsche ich in der Zeile meiner Zählvorlage. Mist.

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Phönix, Bild von Pixabay

Also ribbelte ich die ersten mühsam hingefrickelten Reihen des Musters noch einmal auf und begann neu, dieses Mal mit einer App als Hilfsmittel: Die Wooltasia-App läuft über das Handy und sagt einem genau, was man zu tun hat: drei schwarz, fünf orange, sieben schwarz, drei orange – so kam ich gut klar. Diese App ist wirklich gut und kann deutlich komplexere Projekte bewerkstelligen als mein zwei-Farben-Motiv: In einer entsprechenden Gruppe auf Facebook fand ich gestrickte, gehäkelte und gestickte Motive mit zig Farben. Die meisten waren nicht so mein Fall, ich stehe nicht so auf gestrickte Wandbehänge und so, doch sie waren immer kunstvoll ausgeführt.

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Drache, Bild von Pixabay

Für die Vorderteile wählte ich schmalere Motive und ließ die Tiere einander angucken. Außerdem setzte ich Drache und Lindwurm ziemlich weit nach unten, weil es mir irgendwie merkwürdig vorgekommen wäre, wenn die beiden sich auf meiner voluminösen Brust herumgeringelt hätten. Mit der Kombination bin ich recht zufrieden so.

Weniger glücklich war ich mit den gefühlt eintausend Fäden, die zu vernähen waren – dazu habe ich ja immer so gar keine Lust. Deshalb stockte das Projekt auch für fast zwei Wochen, bis ich mich irgendwann zusammengerissen habe. Gestern Abend habe ich den letzten Ärmel fertig gestrickt, heute nochmal feste genäht, zuletzt den wunderbaren Knopf angebracht – fertig.

Und so sehe ich da drin aus:

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Vor meinem Schlafzimmerspiegel.

Warum ich beim Knipsen immer nach unten gucke, weiß ich auch nicht, aber besser kriege ich das nie hin. Die Jacke fühlt sich super an, ist warm und sehr weich – aber auch sehr schwer. Hier bin ich gespannt, wie sich das Material verhalten wird – eventuell wird aus meiner langen Jacke auch ein Mantel oder gar ein Schlafsack. Wir werden sehen.

Mal was Neues – Knöpfe!

Noch immer sitze ich viel zuhause und werkel so vor mich in. Da ich derzeit kein fernsehtaugliches Muster stricke, sondern eine arge Fummelei, gab es länger nichts zum Zeigen, doch es geht voran. Kürzlich wurde ich jedoch auf etwas anderes aufmerksam, dass mich interessierte und für das ich die allermeisten „Zutaten“ auch zuhause habe: Das Herstellen von Knöpfen aus einem Holz- oder Alurohling und Wolle. Werkzeuge braucht man nicht, von den üblichen Nadeln und Scheren einmal abgesehen. Ich guckte mir also diverse Anleitungen auf YouTube einmal an und beschloss: Das kann ich auch. Dabei kann nix schiefgehen. Also bestellte ich Aluringlein, dazu noch etwas ganz dünnes Häkelgarn (weil ich mir die ganz feinen, kleinen Blusenknöpfchen, die mit der reichlich vorhandenen Nähseide gemacht werden, doch noch nicht zutraue) und guckte noch ein paar Videos und Instagram-Bilder zur Inspiration.

Links die Nummer 1 meiner Knopfkarriere, rechts Nummer 2

An dieser Stelle möchte ich übrigens all den Leuten einmal danken, die ihr Wissen in teils ausführlichen Lehrvideos (neudeutsch „Tutorials“) teilen und so für andere zugänglich machen. Ich habe mich an die freundliche Stimme von Jana aus Janas Bastelparadies gewöhnt, die meine ersten Zwirnknopf-Wickelversuche begleitet hat und immer noch begleitet. Und auch von Gina, die mir mir Englisch spricht, habe ich mir schon allerhand abgucken dürfen.

Ich wartete also auf einen müßigen Sonntagnachmittag, packte meine Utensilien aus und werkelte drauflos. Das erste Mal Wickeln gelang mir gar nicht, was war denn das? Falsch rum, aha! Nochmal abwickeln, von vorne. Und siehe da, das ging besser. Ich habe aber auch einen Ring mit 3,6 cm Durchmesser, das ist nicht unbedingt filigran zu nennen. Aber macht nix, Kunst kommt von Können und noch kann ich nichts, also stelle ich erst mal große Knöpfe her. Der erste Knopf in Grün, Orange und Gelb dauerte gefühlt ewig, wurde aber sehr hübsch. Und auch der maritime Knopf, den ich danach wickelte, sah prima aus.

Ähnliche Muster, ganz andere Farben. Das Spiel mit den Farbkombinationen macht viel Spaß!

Inzwischen habe ich es auf eine stolze Sammlung von sechs Knöpfen gebracht und fühle mich sehr erfahren. Bald bin ich reif für Blusenknöpfe. Die Sternmuster gehen mir schon ganz gut von der Hand, die wurden im Internet aber auch wirklich gut erklärt. Die beiden Knöpfe mit den „eckigen“ Mustern waren deutlich schwieriger, aber dafür hatte ich auch keine Anleitung, sondern ich versuchte, anhand von Bildern herauszufinden, wie das wohl funktioniert. Nun ja – bisschen zittrig, aber man kann erkennen, was das eigentlich werden wollte.

Was bleibt, ist natürlich die Frage, was ich mit den gebastelten Knöpfen einmal angangen will. So ganz genau weiß ich das noch gar nicht. Wenn es in dem Tempo weitergeht, habe ich im Jahr 2030 genügend Knöpfe, um einmal auf einen Handwerkermarkt zu gehen. Oder ich nähe die Werke irgendwo dran. Hübscher Sommerschmuck sind sie auch. Wir werden sehen. Erst mal macht es Spaß und ist entspannend, zumindest wenn einem nicht gerade beim Vernähen ein Faden vom Ring geflutscht ist.

Ein Freistilmuster und ein nachgebautes Webmuster. Schwierig …

Mein erster Raglan-Pullover

In Pandemie-Zeiten stricke ich deutlich mehr als sonst und neben den üblichen Socken laufen noch immer die Projekte „Bestandsabbau“ und „Resteverwertung“. Dazu wollte ich etwas Neues lernen und mich mal an einem Raglan-Pulli versuchen. Das sind diese Oberteile, die nicht aus vier mehr oder minder rechteckigen Teilen bestehen, sondern die mit Schrägungen gearbeitet werden, sodass das Muster „eckig um die Schultern läuft“. Man kann das von oben oder von unten machen, alle Teile einzeln stricken oder alles in einem Stück.

Als Material suchte ich mir einen meiner merkwürdigen Restbestände aus: Vier Einzelknäule einer jeweils einfarbigen Schachenmayr Sockenwolle mit Baumwolle und Stretch, die eigentlich mal ein Kinderpulli hatten werden sollen. Bei der Größe, die das Kind inzwischen hat, hätte das jetzt nur noch für Ohrenwärmer gereicht. Hinzu kamen jeweils zwei Knäule in gelb-bunt und rot-bunt der Marke Bärengarne. Das sollten mal Schals werden. Diese Karriere blieb der Wolle verwehrt, sodass sie hier ebenfalls ihren großen Auftritt haben sollte. Als Muster wählte ich einfache Streifen, denn wenn ich mir schon mit einer unbekannten Stricktechnik die Finger brechen würde, sollte nicht unbedingt noch ein schwieriges Muster dazukommen.

Ich entschied mich für eine Raglan-Mischform, strickte zunächst Vorder und Rückenteil bis zum Beginn des Armausschnitts sowie zwei kurze Ärmelchen (ich trage gerne Dreiviertelärmel, die passen zu fast jedem Wetter). Dann hängte ich alles zusammen auf eine lange Rundnadel. Puh, was ein Geschlacker – 580 Maschen waren das insgesamt. Und dann kämpfte ich mich durch diese unendlich langen Reihen und nahm schön gleichmäßig in jeder zweiten Reihe 8 Maschen ab. Das war eigentlich nicht schwierig. Trotzdem wird das eher nicht meine Lieblingstechnik, denn obwohl die Wolle fein und entsprechend leicht war, lag das ganze Gedöns doch irgendwie schwer auf der Nadel.

Etwas geärgert hat mich zum Schluss der Halsauschnitt: Zuerst war er viel zu groß. Ich musste beim Anprobieren an eine Verwandte denken, die grundsätzlich nichts, was mal fertig war, wieder aufgeribbelt und neu gemacht hat, wenn es nicht saß. Sie zog es vor, eine Kordel durch derartige Ausschnitte zu ziehen und das Werk mit einer Schleife auf die richtige Größe zurechtzuschnüren. „Kannst ja ein Band durchziehen“, war bei uns zuhause ein geflügeltes Wort, und das war nie als ernstzunehmender Ratschlag gemeint. Also ribbelte ich zum ersten Mal, strickte noch drei Streifen, kettete nochmal ab. Gut, es passte besser, aber der Ausschnitt klappte sich irgendwie ein. Ich vernähte den Faden trotzdem und redete mir ein, dass sich das am Hals schon zurechthängen würde. Die Tatsache, dass ich den Pulli im Wohnzimmer liegen ließ und auch den Rest der rot-bunten Wolle nicht wegräumte, zeigte mir deutlich, dass das noch nicht das Ende dieser Geschichte war. Heute morgen fummelte ich also die Blende nochmal auf und strickte sie mit einigen Abnahmen neu. Und ja, jetzt passt es. Die Fäden sind vernäht, heute Nachmittag ziehe ich ihn an.

Nachtrag: Das gute Stück kratzt übrigens. Das hätte ich von der Wollmischung nicht erwartet, aber ich bin es gewohnt, dass meine empfindliche Haut bei Strickzeug gerne meckert. Es gibt also man wieder hochgeschlossenes Unterzeug drunter – ist ja genug davon im Schrank.

Nachtrag 2: Ich habe natürlich auch darüber nachgedacht, ob ein Ringelmuster das richtige ist für meine Pummelfigur. Man sagt ja, das sei nicht so. Egal – ich mag Ringel. Und ich finde, mein Pulli kleidet mich gut.

Resteverwertung – meine neue Kuscheljacke

Sooo, der Winter kann kommen – oder zumindest der Herbst. Denn gestern wurde meine neue Kuscheljacke fertig und ich habe sie am Abend auch gleich angehabt. Lange habe ich daran herumgewerkelt!

Verschiedene Wollreste in WäschewanneAlles begann damit, dass ich einmal meine ganzen Sockenwoll-Reste zusammengesammelt habe. Da kam einiges zusammen, kunterbunt und nicht unbedingt so, dass da irgendwas gut zu etwas anderem gepasst hätte. Ich wartete  also auf eine Aktion von brands-4-friends, wo es ein paar Mal im Jahr günstige Sockenwolle zu kaufen gibt. Ich ergatterte tatsächlich zwei Pakete Regia Silk in Anthrazit, die wunderbar geeignet schien, um mein buntes Sammelsurium farblich zusammenzuhalten.

Und dann werkelte ich drauflos. Natürlich wollte ich nichts Kompliziertes, ist ja klar – wie immer war „fernsehtauglich“ mein Motto. Schließlich schlafe ich ansonsten beim Fernsehen immer gleich ein, wenn ich nichts zum Werkeln habe. Frau in StrickjackeIch entschied mich mal wieder für das gute alte Ziegelmuster mit Hebemaschen – immer vier Reihen farbig, zwei Reihen dunkel, und in den farbigen Reihen jeweils die sechste Masche abheben. Das strickt sich irgendwann ganz von selber.

Auch wenn ich eine Restejacke strickte, wollte ich doch nicht, dass die Sache irgendwie „übriggeblieben“ aussieht und vorne und hinten nicht zusammenpasst. Also blieb mir nichts anderes übrig, als den Körper in einem Stück zu stricken. Da ich alles andere als eine Tanne bin und das Garn zudem recht dünn war, kam ich auf die beeindruckende Zahl von 524 Maschen pro Reihe. Da waren aber immerhin die gleich mit angestrickten Blenden schon mit drin – auf das nachträgliche Anstricken von Blenden habe ich nämlich immer gar keine Lust.

Ich mühte mich also mit einem langsam wachsenden, riesigen Lappen ab, versuchte die Farben so auszusuchen, dass es nicht ganz merkwürdig ausieht und strickte viele Wochen herum. Irgendwann konnte ich Ärmellöcher machen – ein Fortschritt. Dann ein V-Ausschnitt vorne – auch gut. Natürlich ging dann das Abwiegen der Wolle wieder los, denn ich wollte nicht ein blaues und ein oranges Vorderteil haben. Ja, spießig, ich weiß. Aber irgendwann war ich fertig, verstopfte viele, viele Fäden, schloss die Schulternähte und probierte den Lappen an. Und tatsächlich, er passte! Also nur noch Ärmel und Knöpfe, und es war getan!

Insgesamt verbrauchte ich für diese Kuscheljacke knapp 400 Gramm der dunklen Wolle, 21 Knäulchen Rest-Sockenwolle sowie fünf Knöpfe aus der Knöpfekiste. Die Jacke ist gemütlich und ich bin rundum happy damit. Nur was mache ich jetzt? Das Projekt „Bestandsverarbeitung“ läuft noch immer …