Ringelwolle – wie geht das eigentlich?

Vor kurzem saß ich im Zug nach Oldenburg und strickte an einem Strumpf. Ich fing ganz neu an damit: Also Maschen anschlagen, Bündchen stricken. Schon als ich Wolle und Nadeln hervorkramte, fühlte ich mich von dem jungen Mann mir gegenüber beobachtet: Ohne Zweifel, der sah mir ganz genau auf die Finger. Ich grinste ihm zu und er erntschuldigte sich – er fände das gerade so spannend, aber wenn es mich stören würde, könne er gerne woanders hingucken. Es störte mich nicht, schließlich ist ein einfach geradeaus gestrickter Strumpf keine Raketenwissenschaft. Ich fummelte also weiter, der Mann guckte. Und kurze Zeit später guckte noch ein Mann. Ich strickte nämlich eine selbstmusternde Wolle – sowas hier, aber noch viel bunter:

Socke aus der Wolle „Opal Cremige Beere“. Unspektakulär im Knäuel, aber schön im Verlauf

Die Wolle, die ich im Zug verarbeitete, hatte mir schon zuvor viel zu denken gegeben. Ich strickte nämlich schon am zweiten Strumpf und der erste wies einen Fehler auf: In der Ferse hatte der Farbverlauf einen Fehler, es fehlten zwei Farben (Pink und Orange). Es gab auch einen Knoten in der Wolle, irgendwas war beim Färben oder, wahrscheinlicher, beim Aufwickeln, schief gegangen. Ich hätte die schadhaften Stellen abwickeln können, da ich aber nicht wusste, ob das noch öfter vorkommen würde und ich nicht am Ende mit zu wenig Wolle dastehen wollte, ließ ich es so. Tatsächlich sieht man es in dem fertigen Sockenpaar kaum.

Socken mit Macke in der Ferse (unten)

Die beiden Herren ahnten nichts von meinen Gedanken, wollten aber von mir wissen, wie denn diese interessante Wolle eigentlich hergestellt wird. Tja, und ich konnte das leider nicht beantworten – genau darüber hatte ich auch nachgedacht, als ich mit der Macke im Garn kämpfte. Natürlich hat man gewisse Vorstellungen: irgendwie computergesteuert, und bestimmt nicht nur ein Faden zur Zeit, sondern mehrere, damit das Färben nicht ewig dauert. Es ist ja keine handgefärbte, handgewickelte und gefachte Wolle mit langem Verlauf, sondern etwas industriell Hergestelltes, das ganz kleine Farbabschnitte aufweist – manchmal nur zwei Zentimeter pro Farbe. Wie mag das gehen?

Die Herren grübelten, ich trug mein weniges Wissen dazu bei. Irgendwann gaben wir auf und beschlossen, einmal einen Hersteller anzuschreiben. Oder die Redaktion von Löwenzahn, oder die der Sendung mit der Maus. Oder sollte es dort schon einma einen Bericht darüber gegeben haben? Ich recherchierte und fand: meinen fernen Sonntags-Freund Christoph 🙂

Wie genau der Fehler in meiner Wolle entstanden ist, wird hier zwar auch nicht erklärt, aber dafür weiß ich jetzt so in etwa, wie Ringelwolle entsteht. Vielen Dank an Christoph und die Maus, und vielen Dank an die beiden Herren im Zug für das Interesse und das anregende Gespräch.

weiß-blauer Kuschelschal

Das dritte Projekt aus der geerbten Wolle wäre fast gar nicht zustande gekommen. Denn die beiden Materialien, die ich letztendlich kombiniert habe, waren mir von Anfang an suspekt. Folglich hatten beide schon einen Kurzaufenthalt im Papierkorb hinter sich, bevor sie doch noch eine Chance bekamen.

Zweierlei Material

Das weiße Poly-Fransengarn trägt den schönen Namen Plush und ist von Patons/Coats. Ich hatte nur ein Knäuel davon und es verlangte Nadelstärke 8 – folglich beschloss ich schon bei der ersten Sichtung, dass das zu nichts reichen würde und deshalb entsorgt gehört. Ich legte es in den Papierkorb, holte es allerdings nach einigem Nachdenken wieder heraus – wegschmeißen kann man ja immer noch.

Das blaue Microfaser-Pompongarn hatte ich ebenfalls auf der Abschussliste, doch weil jemand anderes es schön fand, nahm ich die drei Knäuel mit heim und versuchte mein Glück damit. Ich schlug mühsam ein paar Maschen an und strickte ein Teststück. Es sah scheußlich aus – der Rand war buckelig und löchrig. Folglich landete auch dieses Garn zunächst im Abseits.

Als mir jedoch der Gedanke kam, die beiden Außenseiter zu kombinieren, ging die Sache voran: Ich rette das blaue Garn aus der Mülltüte und schlug mit dem hellen Fransengarn einen schönen festen Rand an. 20 Maschen gab es, einfach kraus rechts gestrickt und dann stur geradeaus. Das sah nicht so schlecht aus. Die kleinen Bommeln des Pompomgarns (das ich selber niemals kaufen würde!) suchen sich ihren Platz und die Farben harmonierten sehr schön.

Ich strickte also unbeirrt vor mich hin – immer vier Reihen weiße Fransen und sechs Reihen blaue Bommeln. Auf diese Weise konnte ich beide Materialien gleichmäßig verarbeiten, bis der Schal eine schöne Länge hatte und beide Sorten Garn ziemlich alle waren. Das Endergebnis gefällt mir überraschend gut, so dass ich froh bin, dieser zunächst ungeliebten Erbwolle noch eine Chance gegeben zu haben.

Doch jetzt kommt’s: das große Aaaaaaber …

Ich habe jetzt drei Projekte aus diesem dicken, geerbten Effektgarn gestrickt. Alle drei sind recht schön geworden. Aber irgendwie ist das für mich kein richtiges Stricken: Das Werkeln mit diesen besenstieldicken Nadeln, mit Garn, das jedes Muster im Keim erstickt, ist nicht so richtig mein Ding. Projekte, die in wenigen Stunden abgeschlossen sind, befriedigen mich nicht. Stricken ist für mich ein langsamer Prozess, bei dem ich mich entspanne, nebenher fernsehe, ein Hörbuch höre oder einfach die Gedanken ziehen lasse. Eine Socke aus ganz dünnem Garn dauert viel länger als dieser lange Schal und irgendwie freue ich mich mehr über ihre Fertigstellung als über so ein Blitzprojekt. Das ist sicherlich Geschmacksache, aber die nächsten Projekte müssen wieder mal aus feinerem Garn entstehen – auch wenn noch ganz viel fransige Erbwolle vorhanden ist.

Hier lesen ja einige Strickerinnen mit – wie ist das für euch?

Blitzschneller Schal aus Hip-Hop-Wolle

Noch einmal habe ich mich über den Sack mit der Erbwolle hergemacht. Eine seltsame kunterbunte Faser erweckte mein Interesse, wenngleich ich etwas skeptisch war, ob die vier Knäulchen, die ich vorfand, für irgendetwas reichen würden. Jedes Knäuel hatte nämlich nur 25 Gramm sowie 25 Meter Lauflänge. Das in Kombination mit Nadeln, die Besenstielen glichen (Stärke 8) – ganz viel Länge für einen Schal ließ das nicht erwarten.

Ich entschied mich daher für einen mäßig breiten Schal mit einem Lochmuster. Die Idee dahinter war, dass man den fertigen Schal zu einem Loop zusammenknöpfen können sollte, und zwar an der Stelle, die einem gut passt – also einfach in die Löcher des Lochmusters hinein. Einen Versuch war es wert.

Ich werkelte also drauflos, mit 21 Maschen und dem einfachsten Lochmuster der Welt: Zwei Maschen stricken, danach bis zum Ende der Reihe immer einen Umschlag, zwei Maschen zusammen. In den Rückreihen einfach linke Maschen stricken. Man sieht das Lochmuster im Foto kaum, aber es ist da und sollte dem Schal „helfen“, weicher und nicht so massiv warm zu werden. Das funktionierte gut und die weiche Mikrofaser fühlte sich schön an. Das ist überhaupt ein großer Vorteil dieser eigenartigen Mikrofaser-Wolle: Sie kratzt wirklich gar nicht, nicht einmal bei so einer Mimose wie mir.

Der Schal ließ sich unheimlich fix stricken – ich glaube, die Sache hat gerade mal drei Stunden gedauert. Für meinen Geschmack hätte er etwas länger sein dürfen als die knappen 120 cm, die er nun hat, aber die Wolle war alle. Aber er sieht auf jeden Fall hübsch aus und dürfte sich gerade zu einer schwarzen oder grauen Winterjacke recht gut machen.

Die Idee mit den Knöpfen setzte ich auch um. Zu meiner Freude kamen endlich die beiden gelben Knöpfe zum Einsatz, die seit Jahrzehnten in der Knöpfekiste meiner Mutter schlummerten. Die sind von ihrem alten, gelb-weiß gepunkteten Kleid, das ich als Kind so geliebt habe. Echte Antiquitäten also, die hier eine zweite Karriere antreten dürfen.

Was ich mit diesem Strickwerk genau mache, weiß ich noch nicht, bin mir aber sicher, dass es eine Abnehmerin finden wird. Irgendjemand findet sich immer 🙂

Dreieckstuch aus Brazilia

So, der Winter kann kommen. Zumindest wenn man mein neuestes Strickwerk betrachtet. Es ist ein einfaches Dreieckstuch aus der fransigen Brazilia-Wolle, die bei diesen Temperaturen eigentlich nur in den frühen Morgenstunden zu stricken war.

Die Wolle für dieses Tuch habe ich geschenkt bekommen, von einer Dame, die ich kaum kenne. Sie hatte einen riesigen Sack mit Wolle geerbt und strickt selber gar nicht. So kam ich in den Genuss des Sammelsackes – der in Teilen etwas fragwürdig war. Denn das Garn, das da scheinbar eifrig angehäuft worden war, war zum Teil nicht unbedingt mein Geschmack: Es handelte sich zumeist um sogenanntes Effektgarn mit Fransen oder Bommeln, oder auch mit Glanz. Meine erste Reaktion war: Oha, was soll ich denn damit? Aber nachdem ich die Sachen erst mal sortiert, hin- und hergelegt und zugeordnet hatte, die Einzelknäuel, zu denen mir nichts einfiel aussortiert wurden und die halb abgerollten Bommel neu gewickelt waren, sah die Sache schon anders aus. Ich würde solche Garne zwar selber nicht kaufen, aber man kann sie ja mal ausprobieren – wenn sie schon da sind.

Für das dicke Kuscheltuch mussten also sechs Knäuel Brazilia Color in Rottönen und drei Knäuel Brazilia Color Fantasy in schwarz-weiß-grau dran glauben. Diese Fransenwolle ist sonst recht teuer, wäre zum Wegschmeißen also viel zu schade. Ich entschied mich für das einfache Dreieckstuch, weil das so eine schöne Spitze gibt und der Farbkontrast gut zur Geltung kommt.

Gestrickt wurde das Tuch mit einem Anschlag aus sechs Maschen. Ich habe nur rechte Maschen verwendet – jedes Muster würde in diesem Gefranse ohnehin verschwinden. In jeder Hinreihe wurden die beiden Randmaschen sowie die beiden Mittelmaschen verdoppelt, so dass die Maschenzahl schnell wuchs und das Tuch eine respektable Größe bekam.

Das Garn lässt sich fix mit dicken Nadeln verarbeiten, allerdings ist es unheimlich glitschig, wenn mal eine Masche runterfällt: Die fängt man nur schwer wieder auf. Außerdem sind die Bommel eigenartig locker gewickelt, so dass ich es vorgezogen habe, die Wolle vor dem Verarbeiten neu zu rollen – das schützt vor Knoten und schont die Nerven.

Das warme Wintertuch wird verschenkt, und zwar an die Dame, die mir den Wollsack vermacht hat. Sie soll ja auch was von ihrem Erbe haben.

Karosocken mit Hebemaschen

Anleitung, Karosocken, Socken HebemaschenFür irgendwas muss es ja gut sein: Ich bin jetzt seit fast einer Woche malade und berapple mich langsam. Die unerwartete freie Zeit fülle ich – wie überraschend – mit Fernsehen und Stricken. Wieder einmal habe ich in Birgits Restetüte gegriffen und eine merkwürdige hellrote Wolle rausgezogen. Die Farbe erinnert fast etwas an den Neon-Trend der 80er Jahre, ein wenig Farbmilderung wird ihr gut tun. Das Knäuel ist ohnehin angefangen, braucht also einen Partner – hinzu kommt eine graumelierte Wolle der Marke Lammy, die in der Regel ein wenig fest, aber gut zu verarbeiten ist.

Schon vor einer Weile hatte ich die Idee, meine geliebten Hebemaschen auch mal an Socken auszuprobieren. Ich entscheide mich für das ewige Kästchenmuster, denn das lässt sich gut so einrichten, dass man einen Vierer-Rapport hat. Die rote Wolle ist weicher, sie darf also die Hauptrolle übernehmen: Grundfarbe nebst Bund, Ferse und Spitze.

Ich stricke Socken mit 64 Maschen, habe also 16 Maschen auf jeder Nadel. Nach dem Bündchen stricke ich zwei Reihen grau, wobei die zweite Reihe aus linken Maschen besteht. Es sieht besser aus, wenn die Maschen, aus denen die Hebemaschen gezogen werden, etwas aufliegen – das gibt der Sache Struktur. Nach der Krausreihe geht es mit hellrot weiter – immer drei Maschen stricken und eine abheben. Ich richte das Muster so ein, dass ich die Nadeln nicht mit einer Hebemasche anfange oder beende, da ich am Fuß nur die oberen beiden Reihen im Muster stricken möchte (also den Fußrücken) und das Muster einigermaßen gerade aussehen soll.

Die Hebemaschen lassen sich in Runden ausgesprochen gut stricken. Das Schöne ist, dass man gleich merkt, wenn man irgendwo geschlafen und einen Käse zusammengestrickt hat, denn dann geht die Runde ja nicht mehr auf. Der Schaft ist also schnell gemacht, die Ferse folgt nach einer grauen Krausreihe. So hat man am Ende der Ferse noch drei rote Reihen „Zeit“, um die fehlenden Maschen aufzunehmen, und kommt ganz von selbst wieder ins Muster (4. Reihe nach der Ferse).

Am Fuß stricke ich die Ferse glatt, einfach weil ich mir das bequemer vorstelle. Ansonsten würden diese Socken wohl Massagesocken werden – vielleicht ja eine Marktlücke? Insgesamt habe ich für diese 41er Socken 25 Kästchen gestrickt – und es war dieses Mal so einfach, die Socken gleichlang hinzukriegen.

Ich habe mir vorgenommen, noch mehr Hebemaschenmuster an Socken auszuprobieren – beim nächsten Mal vielleicht Streifen. Macht Spaß 🙂

Fallmaschenloop reloaded

Ich habe mal wieder einen Fallmaschenloop gestrickt – oder besser gesagt, gleich zwei. Denn wieder hatte ich fünf Knäuel Wolle, die genau zwei Loops ergeben. So habe ich wieder was zum Verschenken.

Ich besitze schon zwei dieser Loops, die ich unglaublich gerne trage. Die Wolle „Cotton Bamboo Batik“ von Schachenmayr ist sehr weich und angenehm am Hals – ich bin ja ein bisschen eine Mimose, was kratzende Materialien angeht. Und da der Link, den ich im alten Blogbeitrag benutzt hatte, um die Machweise zu beschreiben, inzwischen ins Nirwana geht, gibt es hier heute eine Anleitung.

Fallmaschenloop, Fallmaschenschal

Wie so oft sehen die Farben etwas komisch aus. Unten kommen sie besser.

Angeschlagen habe ich 180 Maschen mit Nadelstärke 3,5. Das ist recht viel, aber ich habe keinen Schwanenhals und mag es auch nicht, wenn der Schal so nah am Hals ist. Für die meisten Leute werden weniger Maschen reichen. Man sollte nur darauf achten, dass die angeschlagene Maschenzahl hinterher teilbar ist durch die Rapportbreite.

Ich hatte mich entschieden, nach jeder dritten Masche eine Fallmasche einzubauen, meine Maschenzahl musste also durch 4 teilbar sein. Ich besitze allerdings auch schon einen Schal, bei dem nach jeder zweiten festen Masche die Laufmasche kommt.

https://meikesbuntewelt.wordpress.com/2014/08/01/zweierlei-fallmaschenloops/Gestrickt wird in Runden, immer eine Reihe linke, eine Reihe rechte Maschen. Dadurch entsteht da, wo die Reihe beginnt bzw. endet, eine Art Linie oder Naht. Die fällt später nicht auf, hilft aber dabei, immer an das Wechseln der Maschenart zu denken.

Man strickt so weit hoch, wie man den Schal haben möchte – bei mir waren das etwas über 100 Gramm Wolle, die ich verarbeitet habe. Dann strickt man die letzte Reihe, die zugegebenermaßen etwas fummelig ist: Man kettet drei Maschen normal ab. Fallmaschenschal, FallmaschenloopDann strickt man eine kleine Luftmaschenkette aus fünf Maschen. Wenn einem das auf der Stricknadel zu schwierig ist, kann man auch eine Häkelnadel dazu nehmen. Dann schubst man eine Masche von der Nadel und lässt sie fallen, überbrückt die Lücke mit der Luftmaschenkette und kettet wieder drei Maschen ab. Auf diese Weise strickt man die letzte Runde bis zum Ende.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Laufmaschen mit etwas dickerer Wolle keineswegs so fröhlich bis nach unten springen, wie sie es bei einer Strumpfhose tun – man muss mächtig nachhelfen. Daher mache ich es so, dass ich immer ca. fünf Mal die Luftmaschenkette bastele und dann den Fallmaschen auf die Sprünge helfe. Das hat auch den Vorteil, dass man sieht, wenn man irgendwo geschusselt hat – nur zwei statt drei feste Maschen oder im Eifer des Gefechts die Luftmaschen vergessen. Das kann man dann noch richten – hat man zuerst die ganze Runde fertig gestrickt, ist das deutlich schwieriger.

Zum Schluss muss man nur noch die wenigen Fäden vernähen und kann sich an seinem Schal freuen. 🙂

Die Miesmacher

Socken, Reste, Wollrechte, Restesocken

Restesocken – wer sie nicht mag, der möge schweigen!

Ich mag ja die sozialen Netzwerke – gerne mache ich hier und da ein bisschen mit. Viel Interessantes gibt es zu sehen, man kann sich austauschen und mit anderen seinen Hobbys nachgehen. Und gerade im Bereich eines meiner Hobbys, beim Stricken, fallen sie mir immer wieder auf: die Miesmacher. Ich denke allerdings, dass das nicht nur in den Handarbeitsgruppen so ist, sondern auch bei den Autoschraubern, den Hundebesitzern oder den Hobbyfilmern: Einige haben halt immer was zu meckern. Oder wissen es besser. Oder beides …

Natürlich geht es mir nicht darum, dass man alles toll finden sollte, was da in diesen Gruppen gezeigt wird. Manches entspricht einfach nicht dem persönlichen Geschmack. Das Schöne an diesen sozialen Netzwerken ist jedoch, dass man nicht verpflichtet ist, etwas zu einem Beitrag zu sagen – man kann sich auch mal in Schweigen hüllen. Man muss nicht mal liken – man kann die Finger einfach stillhalten.

Es geht mir auch nicht darum, dass man nichts sagen soll, wenn man gefragt wird. Wenn also in einer Strickgruppe ein Mitglied – nennen wir es „Martina“ – fragt: „Passt dieses Rot dazu oder sollte ich lieber Blau nehmen?“ kann man natürlich seine Meinung dazu sagen – sie hat ja gefragt. Immer wieder aber sagen Leute dann so etwas Aufbauendes wie „Ist eigentlich egal bei dieser billigen Polyesterwolle, das ist eh die Arbeit nicht wert“ oder „Wenn man so kräftig ist wie du, sollte man nicht auch noch so kräftige Farben tragen.“ Peng – das war bestimmt genau die Information, die Martina dringend gebraucht hat.

Oder wenn jemand ganz stolz etwas zeigt mit den Worten: „Guckt mal, mein erster Pullover“ und auf dem Bild ist eine strahlende Person in einem etwas sackartigen Gebilde zu sehen. Dann kann man natürlich schreiben, dass die Passform nicht schön ist, dass man an den Schultern hätte abnehmen können oder sollen, oder dass ein Rvo* viel schöner gewesen wäre. Man kann das aber auch lassen. Was haben denn die ewigen Miesmacher davon, irgendeiner völlig unbekannten Petra den Spaß an ihrem neuen Hobby zu verderben? Warum kann man nicht großzügig über die Macken hinwegsehen und stattdessen die schöne Farbe loben – oder eben einfach nur die Klappe halten?

Richtig gut kommt es immer, wenn die Miesmacher ihre Miesmacherei in scheinbare Höflichkeit kleiden: „Also, ich will dir ja nicht zu nahe treten, aber …“ Oh doch, genau das wollen sie in diesem Moment, und das wissen sie auch. Sie nehmen so richtig Anlauf, um jemandem einen Tiefschlag zu versetzen. Zack, mit Schwung, damit die andere bloß keine Freude mehr hat an dem, was sie eigentlich nur zeigen wollte. Und ich sitze dann immer da und frage mich: Warum? Wozu ist das gut?

Wie gesagt, ich erwarte nicht, dass man alles lobt und hudelt, was einem in diesen Handarbeitsgruppen gezeigt wird. Ich finde manches sogar abgrundtief scheußlich, auch wenn es vielleicht handwerklich ausgezeichnet gemacht ist. Geschmack ist verschieden, und nie würde es mir einfallen, jemandem zu erzählen, dass ich die gehäkelte grüne Küchengardine nicht leiden mag oder dass die gezeigte Mütze mich an einen Klopapierrollenüberzug erinnert. Ich muss auch nicht verkünden, dass gestrickte Wandteppiche mit Pferdemotiv für mich Staubfänger sind oder dass ich Häkelschweine für eine unnötige Erfindung halte. Über die Passformen von Kreisjacken rede ich auch nicht, auch wenn es da oft etwas dazu zu sagen gäbe. Die Leute sind mit dem, was sie mit viel Mühe hergestellt haben, glücklich, und das sollte man ihnen gönnen.

Und manchmal – ganz selten – like ich sogar etwas, das einfach nur krumm und irgendwie missraten ist. Zum Beispiel so ein windschiefer Teddybär, der rührend schielt, oder ein erstes Paar Socken, dass zwar formlos ist, aber doch der Anfang eines schönen Hobbys sein kann. Es kostet doch nicht, dann mal ein Like zu klicken – man klickt ohnehin so viel Zeug an jeden Tag.

 

*Raglan von oben

Resteverwertung: winterliche Kuschelsocken

Sockensolle, Regia Softy

Ein eigenartiges Zeug: 39% Schurwolle, 61% Polyamid

In der Winterzeit, gerade bei derartig unwirtlicher Wetterlage wie derzeit, neige ich immer dazu, mich auf mein Sofa zurückzuziehen, etwas zu werkeln und dabei fernzusehen oder einfach die Gedanken ziehen zu lassen. Ich glaube, sowas nennt man Winterdepression. In diesem Jahr nutze ich diese Phase dazu, meine Wollbestände weiter abzubauen.

Wie schon mal erwähnt, hat meine Freundin Birgit vor einer Weile eine riesige Tüte mit Sockenwolle sowie einigen anderen Wollknäulen bei mir abgestellt. Diese Tüte fasziniert mich, obwohl ich massenweise selbst gekauftes Material zuhause habe – wahrscheinlich, weil ich viele dieser Tüten-Wollsorten selber gar nicht gekauft hätte. Es ist spannend, auszuprobieren, was man daraus machen kann. Und weil ich ja Reste verwerte, komme ich mir dabei sehr nachhaltig vor. 🙂

Sockenwolle, Regia Softy

Verschenkekuschelsocken

Dieses Mal habe ich einige Knäule einer eigenartigen, fransig-kuscheligen Sockenwolle aus dem Sack gezogen: Regia Softy heißt das Material und ist anscheinend nicht mehr regulär zu kaufen. Es entspricht von der Stärke her einer Sechsfachwolle, laut Banderole benötigt man rund drei Knäule für ein Paar Socken. Ich hatte sechs Knäule, davon waren aber zwei angefangen. Das erste Sockenpaar war also einfach, es gelang wunderbar und wird verschenkt.

Das zweite Sockenpaar hat ein etwas eigenartiges Design: Natürlich hatte ich die verbliebenen Reste gewogen und beschlossen, dass es reichen würde, wenn ich die Streifenfolge so und so plane. Hat es aber nicht. Ob ich mich verwogen oder verrechnet habe, weiß ich nicht, auf jeden Fall sah ich nach dem ersten Strumpf schnell, dass irgendwas im Argen war. Nochmal wiegen – upps. Aber gut, das sollen Sofasocken für mich sein, also konnte ich flexibel sein und einfach die Musterfolge ändern. Es sieht nicht so schlecht aus. Wenn ich es also handhabe wie meine IT-Kollegen, kann ich mir tatsächlich einreden: „It’s not a bug, it’s a feature.“

Restesocken mit Bug – ein echtes Unikat

Weihnachtliche Sockenparade

Wieder einmal ging es schneller als gedacht: die Weihnachtsfeiertage sind vorbei, der Arbeitsalltag hat mich schon wieder. Zeigen möchte ich aber noch meine zahlreichen Verschenkesocken – schließlich sollten meine Lieben auch etwas davon haben, dass ich endlich das Sockenstricken gelernt habe. Es sind noch nicht alle perfekt, aber allmählich wird es besser.

Faszinierend sind ja die unterschiedlichen Schuh- beziehungsweise Fußgrößen. Das kleinste Paar war für Kerstin in Größe 36 (hier leider nicht dabei, da schon am dritten Advent verschenkt), das größte für meinen Schwager in Größe 47. Dazwischen war einiges dabei. Und das bunteste Paar, gleichzeitig mein Liebling, war für Carmen – so eines will ich auch noch haben!

Fünfecktuch mit Farbverlauf

Schon im letzten Jahr hatte ich ein Fünfecktuch gestrickt, dessen Form mir ausnehmend gut gefiel. Der mittlere Zipfel fällt schön den Rücken runter, die Schultern bleiben warm und durch seine Form bleibt das Tuch dort, wo es soll, ohne dass es Knoten oder Nadeln bräuchte. So etwas wollte ich noch einmal machen, etwas moderner, ohne Rüsche und mit einfachem Streifenmuster. Heute wurde es fertig, so sieht es aus (ungewaschen oder gespannt, einfach frisch von der Nadel):

Verwendet wurde ein Bobbel „Indian Summer“ von 100 Farbspiele, rund 430 Gramm, Lauflänge 130 m auf 50 Gramm. Gestrickt habe ich mit Nadelstärke 4. Es wäre vielleicht auch eine halbe Nadelstärke kleiner gegangen, aber ich mag den weichen Griff, den das Tuch jetzt bekommen hat. Und da es mit den Farben bei den „Parkettfotos“ immer etwas schwierig ist, hier noch einmal die Wolle – bis auf das braun-türkise Garn sind sie jetzt alle verarbeitet:

vier Mal Farbverlaufswolle

Die Machart ist denkbar einfach: 12 Maschen anschlagen,  durch drei Maschenmarkierer in Viertel teilen. Gleichmäßig in jeder Hinreihe zunehmen: Jeweils eine Masche am Anfang und am Ende der Reihe eine Masche herausstricken sowie rechts und links der Maschenmarkierer durch einen einfachen Umschlag. Das Tuch wächst in jeder Reihe um 8 Maschen, am Ende durfte ich 628 Maschen abketten.

Das „Muster“ ist mal wieder für Dumme: Oben ein Stück weit glatt, dann fühlt es sich am Nacken angenehmer an. Dann immer 6 Reihen glatt links, dann 14 Reihen glatt rechts – die Rückseite wird entsprechend gegengleich. Als Abschluss habe ich einige Reihen großes Perlmuster gestrickt. Auch das sieht von beiden Seiten gut aus und macht eine schöne feste Kante.

Auch dieses Tuch wird wieder verschenkt, so dass ich das Modell wohl nochmal werde stricken müssen – es nützt ja nichts 🙂