Resteverwertung – meine neue Kuscheljacke

Sooo, der Winter kann kommen – oder zumindest der Herbst. Denn gestern wurde meine neue Kuscheljacke fertig und ich habe sie am Abend auch gleich angehabt. Lange habe ich daran herumgewerkelt!

Verschiedene Wollreste in WäschewanneAlles begann damit, dass ich einmal meine ganzen Sockenwoll-Reste zusammengesammelt habe. Da kam einiges zusammen, kunterbunt und nicht unbedingt so, dass da irgendwas gut zu etwas anderem gepasst hätte. Ich wartete  also auf eine Aktion von brands-4-friends, wo es ein paar Mal im Jahr günstige Sockenwolle zu kaufen gibt. Ich ergatterte tatsächlich zwei Pakete Regia Silk in Anthrazit, die wunderbar geeignet schien, um mein buntes Sammelsurium farblich zusammenzuhalten.

Und dann werkelte ich drauflos. Natürlich wollte ich nichts Kompliziertes, ist ja klar – wie immer war „fernsehtauglich“ mein Motto. Schließlich schlafe ich ansonsten beim Fernsehen immer gleich ein, wenn ich nichts zum Werkeln habe. Frau in StrickjackeIch entschied mich mal wieder für das gute alte Ziegelmuster mit Hebemaschen – immer vier Reihen farbig, zwei Reihen dunkel, und in den farbigen Reihen jeweils die sechste Masche abheben. Das strickt sich irgendwann ganz von selber.

Auch wenn ich eine Restejacke strickte, wollte ich doch nicht, dass die Sache irgendwie „übriggeblieben“ aussieht und vorne und hinten nicht zusammenpasst. Also blieb mir nichts anderes übrig, als den Körper in einem Stück zu stricken. Da ich alles andere als eine Tanne bin und das Garn zudem recht dünn war, kam ich auf die beeindruckende Zahl von 524 Maschen pro Reihe. Da waren aber immerhin die gleich mit angestrickten Blenden schon mit drin – auf das nachträgliche Anstricken von Blenden habe ich nämlich immer gar keine Lust.

Ich mühte mich also mit einem langsam wachsenden, riesigen Lappen ab, versuchte die Farben so auszusuchen, dass es nicht ganz merkwürdig ausieht und strickte viele Wochen herum. Irgendwann konnte ich Ärmellöcher machen – ein Fortschritt. Dann ein V-Ausschnitt vorne – auch gut. Natürlich ging dann das Abwiegen der Wolle wieder los, denn ich wollte nicht ein blaues und ein oranges Vorderteil haben. Ja, spießig, ich weiß. Aber irgendwann war ich fertig, verstopfte viele, viele Fäden, schloss die Schulternähte und probierte den Lappen an. Und tatsächlich, er passte! Also nur noch Ärmel und Knöpfe, und es war getan!

Insgesamt verbrauchte ich für diese Kuscheljacke knapp 400 Gramm der dunklen Wolle, 21 Knäulchen Rest-Sockenwolle sowie fünf Knöpfe aus der Knöpfekiste. Die Jacke ist gemütlich und ich bin rundum happy damit. Nur was mache ich jetzt? Das Projekt „Bestandsverarbeitung“ läuft noch immer …

Schwarz-buntes Fünfecktuch

Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr war ich krank geschrieben – ausgesprochen misslich. Der einzige Vorteil daran, vom Arzt auf das Sofa geschickt zu werden (eigentlich ins Bett, aber da halte ich es nicht lange aus) liegt darin, dass man mal ausgiebig fernsehen und dabei stricken kann. Da es mich allerdings dieses Mal heftig von den Füßen gerissen hatte, gab es mal wieder etwas ganz Einfaches. Verarbeitet wurde ein Wollbobbel, den ich letztes Jahr auf Norderney gekauft hatte – ein Baumwoll-Poly-Gemisch. Die Lauflänge weiß ich gar nicht, es war keine Banderole darum.

Ich habe ja schon öfter derartige Bobbel verarbeitet, habe aber doch auf meine alten Tage noch was gelernt: Bei diesem Knäuel handelt es sich um eine sogenannte „Tuchwicklung“, die von innen nach außen verarbeitet wird. So sind dann die bunten Streifen zumindest annähernd gleich breit, auch wenn man bei einem Dreiecks- oder Fünfeckstuch immer mehr Maschen hat. Die Wicklung war ganz gut, man konnte von innen heraus bis zum Schluss stricken, ohne dass die Wolle sich verhedderte. Allerdings waren die Übergänge etwas knubbeliger, als ich das von meiner geliebten Wolle von 100 Farbspiele gewohnt bin.

Gestrickt habe ich ein einfaches Fünfecktuch mit Zunahme von 8 Maschen in jeder zweiten Reihe (also 12 Maschen anschlagen, in der ersten Reihe Maschenmarkierer nach der 3., 6. und 9. Masche setzen und dann jeweils an den Reihenenden sowie rechts und links neben dem Maschenmarkierer zunehmen). Das Muster war absolut fernsehtauglich, jeweils sechs Reihen glatt rechts, dann glatt links und als Abschlusskante ein großes Perlmuster. Das geht auch noch mit Kopfweh und Fieber. Und wie immer bei dieser Art von Tuch dachte ich am Anfang, ich bin gleich fertig, und verzweifelte irgendwann fast ob der puren Menge der Maschen. Es waren um die 800 Maschen am Schluss – ich habe sie nicht mehr gezählt. Würden diese Tücher sich nicht so besonders gut tragen lassen, würde ich mir das nicht antun 😉

Das war jetzt das insgesamt vierte Fünfecktuch, dass ich gewerkelt habe – eines in Rot-Gelbtönen, eines aus ulkigen Resten und eines mit etwas komplizierterem Muster in Pastelltönen. Dieses Tuch bleibt bei mir!

Tuch mit Hebemaschen

Farbverlaufswolle

vier Mal Farbverlaufswolle

Es gibt Wolle, die will irgendwie nicht verstrickt werden. So ging es mir mit einem 4-fädigen Bobbel mit dem schönen Namen „Retro“ von 100 Farbspiele – im Bild ganz oben. Den hatte ich schon 2014 gekauft – und es wollte nicht so recht etwas draus werden. Beim Anstricken war mir das Braun zu dunel. Also wieder aufgeribbelt, den Bobbel einmal umgewickelt (weil ich nicht gerne von innen stricke) und von vorne angefangen. Das Türkis war mir zu grell. Also legte ich die Wolle erst mal ein paar Jahre in den Schrank.

Vor einigen Wochen fing ich wieder an, damit herumzuwerkeln. Türkis doof, braun doof, alles doof. Schaffenskrise. Irgendwann wickelte ich nochmal hin und her und schnitt das Garn in etwa in der Hälfte einmal durch – da war es dunkelblau. Ich wickelte zwei Knäuel und strickte mit beiden: Einmal fing ich mit Dunkelblau an (also der Mitte), das andere Mal mit Braun. Auch irgendwie nicht optimal. Ich versuchte mich an einer Stola mit Pfauenmuster – das sah furchtbar aus. Auch einige andere Muster waren grauslich. Und so landete ich mal wieder bei meinen guten alten Hebemaschen und einem eher fantasielosen Dreieckstuch. Die Machart ist fernsehtauglich, ich versuche mal, mein Frei-Schnauze-Muster zu beschreiben:

  • Sechs Maschen anschlagen, eine Reihe stricken, Mittelmasche markieren
  • Von Anfang bis Ende immer in der Hinreihe an beiden Randmaschen und um die Mittelmasche jeweils eine Masche zunehmen (4 Maschen in jeder Hinreihe)
  • Erst ein kleines Stückchen glatt stricken (oder auch kraus rechts).
  • Dann zwei Reihen kraus rechts und
  • dann die Farbe wechseln.
  • Das Hebemaschenmuster einteilen: Immer fünf Maschen stricken, eine Masche abheben. In der Rückreihe links stricken, links abheben.
  • Vier Reihen im Hebemaschenmuster stricken, dann zwei Reihen kraus rechts
  • und wieder vier Maschen im Hebemaschenmuster. Dabei das Muster versetzen – wie ein Ziegelmuster.
  • Ich habe es so gemacht, dass ich am Anfang drei Mal das Hebemaschenmuster in Braun gestrickt habe. Dann wollte ich die Farbe wechseln.
  • Dazu wurden zwei Krausreichen in blau, dann in braun gestrickt.
  • Und weiter ging es mit Hebemaschenmuster in blau
  • Je weiter ich gestrickt habe, desto schmaler habe ich die Farbstreifen gemacht: Zuerst nach drei Mal Hebemaschenmuster ein Farbwechsel (jeweils 2 Mal).
  • Dann drei mal nach zwei Hebemaschenmustern ein Farbwechsel
  • und dann vier Mal nach nur einem Hebemaschenmuster einen Farbwechsel.
  • Den Abschluss bilden bei mir einige Krausrippen mit Farbwechsel jeweils nach zwei Reihen.
  • Abketten, Fäden vernähen, fertig.
  • Evtl. spanne ich das Tuch noch. Es wirkt noch etwas „knubbelig“.

Fazit: Wenn man bedenkt, wie genervt ich irgendwann von „Retro“ war, bin ich mit dem Ergebnis jetzt sehr zufrieden. Das Tuch gefällt mir nun farblich sehr gut und wird in diesem winter wohl mein Lieblingstuch sein. Ich denke sogar darüber nach, mich von meinem alten, ausgeleierten Schaltuch zu trennen. Das ist nach einigen Wintern im Dauergebrauch nämlich mindestens drei Meter lang …

Resteverwertung mit Hebemaschen

Trotz Sommerhitze habe ich mal wieder ein wenig gewerkelt. Socken gehen ja immer und ich habe noch einen enormen Vorrat an Sockenwolle. Dieses Mal stand mir der Sinn nach Hebemaschen und ich nutzte dafür drei Knäulchen Restewolle. Das Muster war ganz einfach: Ein Streifenmuster mit Hebemaschen. Es gab immer zwei Reihen hell, zwei Reihen blau oder rot und dann im Muster „drei stricken, eine abheben“ (nein, nicht fallenlassen 😉 ).

Das Schöne an den Hebemaschenstreifen ist ja, dass man immer ganz genau sieht, wie viel man gestrickt hat – ich kann es nicht leiden, wenn von mir gestrickte Socken nicht gleich lang sind und messe sonst immer unheimlich oft nach.

Gestrickt habe ich alle Hebemaschen-freien Teile mit einer 2er-Nadel, den Musterteil mit einer 3er-Nadel. Denn diese Streifen werden schon recht fest – wenn man den Strumpf noch über den Fuß kriegen will, muss man eine etwas breitere Nadel wählen.

Weihnachtliche Strickparade

Wieder war ich in den letzten Monaten des Jahres fleißig und fummelte allerhand an Socken zusammen. Zu Weihnachten gab es vier Paare Socken – leider habe ich vergessen, das letzte zu fotografieren. Das war nämlich noch brandheiß, als es verschenkt wurde – bis nachmittags hatte ich daran gestrickt.

Insgesamt drei Mal gab es Größe 40/41, das große Paar in der Mitte ist Größe 48 – da muss man die bunte Verlaufswolle immer mit ein wenig einfarbiger Restewolle aufstocken. Das blaue Garn passt schön zur blau-grünen Opal-Wolle. Richtig verliebt habe ich mich in die kunterbunte Regia-Wolle, die mit schwarz kombiniert wirklich gut aussieht – aus ihr machte ich zwei Paare Socken und ein Paar Stulpen. Letztere für mich 🙂

Stulpen waren übrigens der Renner in dieser Wintersaison, insgesamt strickte ich bislang vier Paare, das fünfte ist in der Mache. Früher fand ich diese fingerlosen Handschuhe ja immer blöd, ihr Nutzen erschloss sich mir nicht so recht. Inzwischen trage ich sie sehr gerne, wenn es nicht ganz kalt draußen ist, der Wind einem aber unangenehm in die Jackenärmel pustet.

Aus dem dunkleren Garn entstanden zwei Paare, die sich aus einem Knäuel machen ließen – optimale Materialausnutzung. Eine Neuentdeckung sind die kleinen, silberfarbenen Stanzteile, die es wirklich für einen Appel und ein Ei im Mischbeutel bei Amazon zu kaufen gab. Mit ihnen kennzeichne ich den rechten und den linken Handschuh. Bei den ersten Modellen nahm ich dafür Knöpfe, was auch geht, aber für meinen Geschmack nicht ganz so hübsch wird.

Noch sind ein paar Tage frei, bis es wieder an die Arbeit geht. Ich bin noch voll beschäftigt und voller Pläne, was das Strickprogramm angeht. Demnächst mache ich mich mal wieder an was Größeres – irgendwie müssen die ganzen Reste ja verarbeitet werden.

 

Nachtrag: Gerade kam tatsächlich ein Tragefoto der Karosocken bei mir an 🙂 Ladies and Gentlemen, we proudly present: Petras buntbesockte Füße

 

Doubleface: die zwei Seiten der Fummelei

Beim Stricken probiere ich ja gerne mal etwas Neues aus. Zwar habe ich es am liebsten, wenn ein Muster fernsehtauglich ist, aber ab und zu darf es auch mal etwas Herausfordernderes sein. Und so beschloss ich, dass ich das Doubleface-Stricken lernen müsse. Ich hatte nämlich in einer Facebook-Gruppe einen wunderbaren Schal mit einem beidseiten Muster gesehen. Sofort wurde mir klar, sowas wollte ich auch haben. Nicht als Schal, sondern als breitere Stola. Wenn schon, denn schon.

Also suchte ich mir eine Anleitung zu dieser Technik und begann frohen Mutes zu üben. Zuerst mit einem einfachen Karomuster. Es traf sich gut, dass ich kürzlich all meine Topflappen abgefackelt hatte – da hatten also meine Karos gleich einen praktischen Nutzen.

Leider musste ich feststellen, dass ich kein Naturtalent in Sachen Doubleface bin. Es fällt mir unheimlich schwer, mich nur auf die rechten Maschen zu konzentrieren, immer wieder haute ich einen oder gleich mehrere Fehler in eine Reihe hinein. Und so beschloss ich, im Anschluss an mein grau-türkis-kariertes Topflappenpaar noch eines in blau-rot zu machen, mit einer selbst designten Teekanne drauf. Ich werkelte emsig herum, kreirte im Excel ein Strickmuster für einen Topflappen und gab diesem den schönen Namen „Herma“. Die Teekanne dekorierte ich mit einem anspruchsvollen Sternchenmuster – schließlich gehörte ich inzwischen zu den Fortgeschrittenen Doubleface-Strickerinnen, dachte ich.

Nun, was soll ich sagen? Nachdem ich mit meinem Sternchenmuster ein fürchterliches Kuddelmuddel angerichtet hatte, rebbelte ich alles wieder auf und vereinfachte meine Vorlage. Mit etwas Phantasie kann man das Gebilde auf der Kanne jetzt als Ostfriesenrose interpretieren, oder als klumpiges Kreuz. So sah das aus:

Einstrickmuster Teekanne, eigenes Excel-Design, wer sich daran versuchen möchte, ist herzlich willkommen

Ich legte also noch einmal los. Und tatsächlich, mit viel Geschimpfe, allerlei Korrekturen und Gefluche rang ich mir einen blau-roten Topflappen ab. Und ich beschloss, dass dieser eine Lappen ein Einzelstück bleiben würde, zumindest bis auf weiteres. Denn für dieses Gefummel bin ich nicht geschaffen. Ich beerdige das Projekt „Doubleface-Stola“, bevor es zum Berliner Flughafen wird.

Natürlich zeige ich mein kleines, mackiges Läppchen auch vor – es ist aus einem Baumwoll-Seiden-Gemisch, das vor Jahren vom Stricken einer Strickjacke übrig blieb. Wenn schon das Muster krumpelig aussieht, ist also zumindest das Material ganz was Feines:

Topflappen, Modell „Herma“

 

Nachbemerkung 1: Ich gebe meinen Strickmustern nur selten Namen. Dieses Mal ist es etwas anderes, weil ich bei Pottlappen immer an unser altes Kinderspiel „Pottlapott“ denken muss. Das ist eine Art Versteckspiel, bei dem man zu Beginn einen Eimer durch die Gegend schmeißen musste. Und das konnte Herma einfach am Allerbesten.

Nachbemerkung 2: Es ist noch viel Material von der Strickjacke übrig. Wer weiß irgendwann … in einem stillen Moment … versuche ich es vielleicht nochmal. Aber nicht heute – ich muss mich erst mal erholen. ICH MUSS MICH HINLEGEN!

Kuscheliges Fünfecktuch aus Restewolle

Restwolle, WollresteDie dicke Wolle aus dem geerbten Wollsack neigt sich dem Ende zu. Noch drin waren sechs Sorten, die jeweils allene für nichts reichen wollten. Vier davon habe ich nun zu einem Fünfecktuch verstrickt: Eine blau-lila Fransenwolle, eine grau-rosa-blaue und eine blau-türkise Acrylwolle sowie eine kratzige, schwarz-weiße Schurwollmischung. Obwohl laut Manschette ganz unterschiedliche Nadelstärken verwendet werden sollten, habe ich nach Sicht- und Anfasstest beschlossen, dass die Garnsorten zueinander passen würden, auch wenn ich sie alle in Nadelstärke 5 verstricke. Ganz offensichtlich hatte ich damit Recht – die angegebene Nadelstärke 9 für das grau-rosa-blaue Gespinst war schlicht Quatsch.

Wieder entschied ich mich für ein Fünfecktuch – schließlich habe ich die bisher gestrickten Tücher immer verschenkt und möchte selber auch gerne eines haben. Da die Wolle extrem zottelig war, habe ich ohne jedes Muster gestrickt – einfach nur rechte Maschen. Im Grunde ist das einfach und schnell gemacht.

Hier noch einmal kurz, wie die Form zustande kommt: Man schlägt 12 Maschen an und strickt eine Rückreihe. Dabei teilt man die Maschen mit drei Maschentrennern in vier mal drei Maschen auf. Ab der nächsten Reihe nimmt man in jeder Hinreihe acht Maschen zu: Am Reihenanfang und Ende sowie rechts und links der Maschentrenner. Ob man dies mit einem Umschlag macht oder mit einer herausgestrickten Masche, ist zum einen Geschmacksache, zum anderen kommt es auch auf die verwendete Wolle an: Bei glatter Wolle machen die Umschläge eine hübsche Lochreihe, bei Fransenwolle sehen sie eher nach Fallmaschen aus.

Ich habe in einfacher Streifenfolge einfach so lange gestrickt, bis die Wolle aufgebraucht war. Das schwarz-weiße Garn diente dabei als farbliche Trennung, denn die Farben passen zwar gut, aber nicht perfekt zueinander, so dass etwas Neutrales zwischen den Streifen hilfreich ist.

Das Tuch erreichte eine stattliche Größe, was mich sehr freut – ich mag es gerne, wenn Tücher groß und kuschelig sind und man nicht immer an ihnen herumzuppeln muss. Zu kleine Tücher rutschen nämlich gerne von den Schultern.

Fünfecktuch, Restetuch, Wollrechte

Weihnachtliche Sockenparade 2017

Nachdem nun fast alle Weihnachtssocken verschenkt sind, möchte ich sie hier gerne zeigen – schließlich habe ich lange daran gefummelt. Insgesamt 8 Paare sind es geworden in den Größen 40 bis 50.

Fünf Paare sind sogenannte „Stinos“ – übersetzt stinknormale Wollsocken ohne Muster und Gedöns. Sie wirken nur durch die bunten Farben, die direkt aus dem Knäuel kommen. Lediglich für zwei Paare musste ich ein zweites Knäuel dazu nehmen, denn für diese Größen (47 die mit hellblauem Rand, 50 die mit dem roten Rand) reicht ein Knäuel nicht.

Fünf paar Wollsocken

Dazu kamen zwe Paare Hebemachensocken im bekannten Kästchenmuster. Pärchensocken für ein Pärchen – wer hätte gedacht, dass ich sowas mal mache? Zum Glück sind die Strümpfe zu verschieden, um als Partnerlook ausgelegt zu werden.

Und als letztes probierte ich einmal das Muster „Broken Seed Stitch“ aus, ein ganz einfaches rechts-links-Muster, das dieses interessante Erscheinungsbild hervorruft:

Alle Socken kamen gut an, und mir hat es viel Spaß gemacht, sie zu stricken. Ich denke, nun werde ich mal wieder etwas anderes stricken, oder meine eigenen Füße bestrumpfen. Wolle ist noch da …

Ringelwolle – wie geht das eigentlich?

Vor kurzem saß ich im Zug nach Oldenburg und strickte an einem Strumpf. Ich fing ganz neu an damit: Also Maschen anschlagen, Bündchen stricken. Schon als ich Wolle und Nadeln hervorkramte, fühlte ich mich von dem jungen Mann mir gegenüber beobachtet: Ohne Zweifel, der sah mir ganz genau auf die Finger. Ich grinste ihm zu und er erntschuldigte sich – er fände das gerade so spannend, aber wenn es mich stören würde, könne er gerne woanders hingucken. Es störte mich nicht, schließlich ist ein einfach geradeaus gestrickter Strumpf keine Raketenwissenschaft. Ich fummelte also weiter, der Mann guckte. Und kurze Zeit später guckte noch ein Mann. Ich strickte nämlich eine selbstmusternde Wolle – sowas hier, aber noch viel bunter:

Socke aus der Wolle „Opal Cremige Beere“. Unspektakulär im Knäuel, aber schön im Verlauf

Die Wolle, die ich im Zug verarbeitete, hatte mir schon zuvor viel zu denken gegeben. Ich strickte nämlich schon am zweiten Strumpf und der erste wies einen Fehler auf: In der Ferse hatte der Farbverlauf einen Fehler, es fehlten zwei Farben (Pink und Orange). Es gab auch einen Knoten in der Wolle, irgendwas war beim Färben oder, wahrscheinlicher, beim Aufwickeln, schief gegangen. Ich hätte die schadhaften Stellen abwickeln können, da ich aber nicht wusste, ob das noch öfter vorkommen würde und ich nicht am Ende mit zu wenig Wolle dastehen wollte, ließ ich es so. Tatsächlich sieht man es in dem fertigen Sockenpaar kaum.

Socken mit Macke in der Ferse (unten)

Die beiden Herren ahnten nichts von meinen Gedanken, wollten aber von mir wissen, wie denn diese interessante Wolle eigentlich hergestellt wird. Tja, und ich konnte das leider nicht beantworten – genau darüber hatte ich auch nachgedacht, als ich mit der Macke im Garn kämpfte. Natürlich hat man gewisse Vorstellungen: irgendwie computergesteuert, und bestimmt nicht nur ein Faden zur Zeit, sondern mehrere, damit das Färben nicht ewig dauert. Es ist ja keine handgefärbte, handgewickelte und gefachte Wolle mit langem Verlauf, sondern etwas industriell Hergestelltes, das ganz kleine Farbabschnitte aufweist – manchmal nur zwei Zentimeter pro Farbe. Wie mag das gehen?

Die Herren grübelten, ich trug mein weniges Wissen dazu bei. Irgendwann gaben wir auf und beschlossen, einmal einen Hersteller anzuschreiben. Oder die Redaktion von Löwenzahn, oder die der Sendung mit der Maus. Oder sollte es dort schon einma einen Bericht darüber gegeben haben? Ich recherchierte und fand: meinen fernen Sonntags-Freund Christoph 🙂

Wie genau der Fehler in meiner Wolle entstanden ist, wird hier zwar auch nicht erklärt, aber dafür weiß ich jetzt so in etwa, wie Ringelwolle entsteht. Vielen Dank an Christoph und die Maus, und vielen Dank an die beiden Herren im Zug für das Interesse und das anregende Gespräch.

weiß-blauer Kuschelschal

Das dritte Projekt aus der geerbten Wolle wäre fast gar nicht zustande gekommen. Denn die beiden Materialien, die ich letztendlich kombiniert habe, waren mir von Anfang an suspekt. Folglich hatten beide schon einen Kurzaufenthalt im Papierkorb hinter sich, bevor sie doch noch eine Chance bekamen.

Zweierlei Material

Das weiße Poly-Fransengarn trägt den schönen Namen Plush und ist von Patons/Coats. Ich hatte nur ein Knäuel davon und es verlangte Nadelstärke 8 – folglich beschloss ich schon bei der ersten Sichtung, dass das zu nichts reichen würde und deshalb entsorgt gehört. Ich legte es in den Papierkorb, holte es allerdings nach einigem Nachdenken wieder heraus – wegschmeißen kann man ja immer noch.

Das blaue Microfaser-Pompongarn hatte ich ebenfalls auf der Abschussliste, doch weil jemand anderes es schön fand, nahm ich die drei Knäuel mit heim und versuchte mein Glück damit. Ich schlug mühsam ein paar Maschen an und strickte ein Teststück. Es sah scheußlich aus – der Rand war buckelig und löchrig. Folglich landete auch dieses Garn zunächst im Abseits.

Als mir jedoch der Gedanke kam, die beiden Außenseiter zu kombinieren, ging die Sache voran: Ich rette das blaue Garn aus der Mülltüte und schlug mit dem hellen Fransengarn einen schönen festen Rand an. 20 Maschen gab es, einfach kraus rechts gestrickt und dann stur geradeaus. Das sah nicht so schlecht aus. Die kleinen Bommeln des Pompomgarns (das ich selber niemals kaufen würde!) suchen sich ihren Platz und die Farben harmonierten sehr schön.

Ich strickte also unbeirrt vor mich hin – immer vier Reihen weiße Fransen und sechs Reihen blaue Bommeln. Auf diese Weise konnte ich beide Materialien gleichmäßig verarbeiten, bis der Schal eine schöne Länge hatte und beide Sorten Garn ziemlich alle waren. Das Endergebnis gefällt mir überraschend gut, so dass ich froh bin, dieser zunächst ungeliebten Erbwolle noch eine Chance gegeben zu haben.

Doch jetzt kommt’s: das große Aaaaaaber …

Ich habe jetzt drei Projekte aus diesem dicken, geerbten Effektgarn gestrickt. Alle drei sind recht schön geworden. Aber irgendwie ist das für mich kein richtiges Stricken: Das Werkeln mit diesen besenstieldicken Nadeln, mit Garn, das jedes Muster im Keim erstickt, ist nicht so richtig mein Ding. Projekte, die in wenigen Stunden abgeschlossen sind, befriedigen mich nicht. Stricken ist für mich ein langsamer Prozess, bei dem ich mich entspanne, nebenher fernsehe, ein Hörbuch höre oder einfach die Gedanken ziehen lasse. Eine Socke aus ganz dünnem Garn dauert viel länger als dieser lange Schal und irgendwie freue ich mich mehr über ihre Fertigstellung als über so ein Blitzprojekt. Das ist sicherlich Geschmacksache, aber die nächsten Projekte müssen wieder mal aus feinerem Garn entstehen – auch wenn noch ganz viel fransige Erbwolle vorhanden ist.

Hier lesen ja einige Strickerinnen mit – wie ist das für euch?