Kugelexperimente in klein

Wie berichtet, habe ich mir eine kleinere Fotokugel angeschafft. Die 10 cm-Kugel bringt wirklich schöne Ergebnisse, wiegt aber mehr als ein Kilo und ist somit für längere Ausflüge schwer zu tragen. Deshalb habe ich mir eine kleinere Kugel mit nur 6 cm Durchmesser gekauft. Die wiegt nur 400 Gramm und passt in die Jackentasche. Bei unserem Ausflug in den Palmengarten habe ich sie zu ersten Mal ausprobiert.

Ich hatte nicht so viel Gelegenheit, die Kugel auszuprobieren, konnte aber feststellen, dass es mit der kleineren Kugel deutlich schwieriger ist, einen Focus zu finden. Mehr Fotos wurden unscharf. Teilweise schienen die Motive sogar wie in einem wilden Wirbel dargestellt zu sein. Da kann natürlich auch an den Motiven gelegen haben – ein Blütenmeer sieht in der Kugel vielleicht wirklich wie ein Strudel aus.

Einige Fotos entstanden am Schiffchenteich, an den Antje viele Kindheitserinnerungen hatte. Wir haben dieses Mal auf das Schiffchenfahren verzichtet. Aber auch mir ist allerhand zum Thema Tretboot eingefallen – auch wenn es lange her ist, war es doch immer ganz schön. Leider habe ich die Böötchen hier nicht ganz scharf hingekriegt.

Frankfurter Liebe

Heute gibt es bei mir mal wieder eine etwas längere Geschichte. Geschrieben wurde sie für eine Lesung zum Thema „Frankfurt“. Sie beschreibt eigentlich ziemlich genau, was mir hier in Frankfurt passiert ist und immer noch passiert. Ich mag diese Stadt einfach ❤

Frankfurter Liebe

Der letzte laue Schluck Apfelwein schmeckte immer ein wenig nach wässrigem Essig. Melanie setzte ihr Glas ab, sah auf den Main und seufzte zufrieden. Sie war angekommen in Frankfurt – so nannte man das wohl. Hier saß sie nun, mit ihrem Mann sowie ihrer Schwester und dem Schwager aus Berlin. Um sie herum tobte das Leben auf dem Flohmarkt am Untermainkai und die Frühlingssonne wärmte ihren Nacken. Sie war zufrieden mit allem, was das Leben ihr aktuell bot.

Apfelwein

Äppler mit Deggelsche

Dabei hatte sie eigentlich nur ein halbes Jahr bleiben wollen – maximal. Genau genommen hatte sie überhaupt nicht in diese Stadt gewollt, es hatte sie einfach erwischt, so wie so vieles im Leben sie einfach erwischt hatte. Melanie plante nicht, ihr passierten die Dinge einfach. Als es darum ging, eine neue Filiale in Frankfurt zu eröffnen, war sie die Einzige gewesen, die weder Kinder noch pflegebedürftige Angehörige vorweisen konnte. „Das machst du schon, Melanie“, hatte es geheißen. „Dort gibt es ein tolles Team, die brauchen nur ein paar Monate Unterstützung von einem alten Hasen wie dir.“

Na gut, dann also Frankfurt. Melanie, pragmatisch wie immer, kündigte ihre kleine Wohnung in Berlin, lagerte die Möbel ein und den Freund, ein fragwürdiges Subjekt namens Wolfgang, im gleichen Zuge aus. Für was so eine sechsmonatige Abwesenheit doch gut sein konnte. Er war zunächst furchtbar beleidigt, zog jedoch zurück zu seiner Mutter und vergaß Melanie am Sonntag in der gleichen Woche, als er Mamas Gulasch aß – die Welt war wieder in Ordnung. Und für Melanie auch: Sie brauchte es einfach, dass das Leben ihr dann und wann einen kleinen Tritt gab.

An einem regnerischen Freitagabend war sie in Frankfurt angekommen, beladen mit zwei Koffern und einem dicken Rucksack. Ein Taxi hatte sie zu dem möblierten Appartement gebracht, das die Firma für sie gemietet hatte. „Großer Hasenpfad“ hieß die Straße im Stadtteil Sachensenhausen, und schon vom Taxifahrer, einem gesprächigen Mann, der jeden zweiten Satz mit „Ai“, begann, hatte sie erfahren, dass es auch noch einen mittleren und einen letzten Hasenpfad gab. Wie passend für einen alten Hasen wie mich, hatte Melanie gedacht und ein wenig gekichert.

Das Lachen ihr allerdings vergangen, als sie ihr Appartement in Augenschein genommen hatte: „Tristesse“ war ein viel zu farbiger Ausdruck für diese Malaise in grau, beige und braun. Ganz offensichtlich stammte zumindest das Mobiliar aus den 70er Jahren, und auch der abgetretene Fußboden war nicht viel jünger. Vor den Fenstern hingen dicke Stores und Schalgardinen – wann hatte sie sowas zuletzt gesehen? Sie hatte es nicht lassen können und einen der beige-braun gemusterten Vorhänge ein wenig angehoben. Tatsächlich, da war sie: die berühmte Goldkante von Ado. Hier war vor langer Zeit Qualität gekauft worden, und die musste nun 50 Jahre halten.

Natürlich hatte Melanie sich auf Frankfurt vorbereitet – so, wie man das halt so machte. Sie hatte sich einen Reiseführer gekauft und im Nachtprogramm einige unglaublich langweilige Folgen vom Tatort mit dem biederen Kommissar Brinkmann geguckt. Ihre Kollegen schenkten ihr zusätzlich noch einige DVD von „Ein Fall für zwei“ mit dem gemütlichen Anwalt Renz und seinem Partner Matula. Auch das war seeeehr ruhig inszeniert. Wenn es in dieser Stadt dermaßen beschaulich zuging, dachte Melanie, würde sie sich dort mal so richtig erholen können.

Main mit Skyline

Doch schon am nächsten Morgen änderte sich ihr Bild von Frankfurt ein wenig: Sie hatte sich umsehen und frühstücken gehen wollen. Auf den Rat der Hausmeisterin hin, die sie beim Putzen des Treppenhauses vorgefunden hatte, war sie zuerst zum Südbahnhof gelaufen und von dort in die Stadt gefahren. Dann hatte sie sich auf dem quirligen Markt an der Konstabler Wache nach etwas zu essen umgesehen. Was sie irritierte, waren die kleinen karierten Gläser, die fast auf allen Tischen auf dem Markt standen. Wenn sie sich die Informationen aus dem Reiseführer richtig gemerkt hatte, war in dieses Gläsern Apfelwein, aber trank man den schon vormittags? Zur Bratwurst und zur Waffel? Anscheinend passte das Getränk zu allem. Sie wollte es zu versuchen, hatte sich eine Wurst und ein Glas Apfelwein geholt und einen tüchtigen Schluck genommen.

Man kann Melanies allerersten Versuch mit Frankfurter Apfelwein nicht unbedingt als Erfolg bezeichnen, aber immerhin hatte sie es damals geschafft, den unerwartet herben Speierling nicht auszuspucken. Oh Himmel, hatte sie gedacht, was ist das denn für eine Stadt, in der alle Leute dieses Gesöff trinken! Sie würde diese Frankfurter Spezialität erst langsam lieben lernen.

Nicht erst lieben lernen musste sie allerdings den Main, die Skyline und das interessant-skurrile Bild, das die Stadt manchmal bot. Als sie an diesem ersten Wochenende zum ersten Mal über den Eisernen Steg ging, war sie sofort fasziniert von der Aussicht und murmelte unwillkürlich: „Wie schön!“. Auf der einen Seite die Hochhäuser mit ihren blinkenden Fassaden, auf der anderen der Blick auf den Dom, die Dreikönigs-Kirche und das Main-Plaza-Hotel mit seinen goldenen Spitzen. Wenige Tage später fotografierte sie den uralten Eschenheimer Turm, hinter dem sich ein glänzendes Hochhaus abzeichnete. Diese Gegensätze begeisterten sie noch heute.

Blick über die Oberräder Kräuterfelder

Auch die Arbeit in der neu eröffneten Firmenfiliale erwies sich als angenehm: Zwar funktionierte noch nicht viel, als sie ankam, aber alle Kollegen waren mit Feuereifer bei der Sache. Gleich am ersten Freitag zeigte man der Neuen aus Berlin die Gastronomie der Stadt: In einer Apfelweinkneipe mit dem merkwürdigen Namen „Kanonesteppel“ bekam sie das erste Mal grüne Soße zu essen, die ihr im Gegensatz zum faulig riechenden Handkäs hervorragend schmeckte. Später zeigte man ihr Alt-Sachsenhausen, von dessen Fachwerkhäusern sie zunächst begeistert, von der Ballermann-Atmosphäre jedoch abgestoßen war. Der Abend endet in einer Kneipe in der Nähe des Bahnhofs, dem Moseleck, wo sich allerhand bunte Überbleibsel der Nacht trafen und miteinander feierten. Melanie fühlte sich unerwartet wohl.

Am nächsten Morgen erwachte sie neben einem Kollegen, mit dem sie bislang noch kaum zu tun gehabt hatte. Er hieß Mischael, mit dem weischen hessischen sch, das sie so drollig fand. Mischael hatte eine winzige Wohnung in der Mailänder Straße, im elften Stock eines riesigen Wohnsilos. Dass Melanie dieses Appartement später so oft besuchen sollte, lag nicht nur am fantastischen Skylineblick.

Melanie hatte nie eine Beziehung zu einem Kollegen haben wollen, sowas brachte nur Unheil. „Never fuck the company“, lautete ihr Motto. Es war ihre Schwester, die sie schließlich darauf aufmerksam machte, dass ihre Beziehungen außerhalb des Kollegenkreises allesamt auch nicht von Erfolg gekrönt gewesen waren – das Muttersöhnchen Wolfgang war nur einer aus einer ganzen Reihe von Fehlgriffen gewesen. Es hatte noch einen Bernd gegeben, der frei nach der Devise lebte: „Hauptsache gesund und die Frau hat Arbeit.“ Und dann war sie mit Jonas zusammen gewesen, der irgendwann fand, dass er zu jung für sie sei – und dabei war er 12 Jahre älter als sie. Und Thomas, Heiko, Wieslaw … alles Abenteuer, die irgendwo zwischen Verzweiflung und Agonie endeten. Nun also „Mischael“, der Kollege – na gut.

Blick vom Euro-Tower

Melanie lebte sich ein. Nach wenigen Monaten war sie öfter in der Mailänder Straße als am Hasenpfad, und irgendwann stand der Abschied im Raum. Dabei war ihr Aufenthalt in Frankfurt schon um volle sechs Monate verlängert worden. Sie fühlte sich zerrissen. Sie wollte nicht in Frankfurt bleiben, dass hatte sie doch nie gewollt. Aber eine Fernbeziehung hatte sie auch nie gewollt. Das Einzige, was sie aktuell wirklich gerne loswerden wollte, war diese Läusebude im Hasenpfad. Was also tun?

Wieder war es ihre Schwester, die ihr einen Tritt gab: „Suche dir halt einen neuen Job, wenn du anders nicht bleiben kannst. Es gibt doch genug da!“ Kündigen, etwas Anderes machen? Melanie hatte noch nie woanders gearbeitet. Aber die Schwester hatte recht: Eine neue Stelle würde alle ihre Probleme lösen. Sie ließ sich also überzeugen.

Genau ein Jahr, nachdem Melanie in Frankfurt angekommen war, nahm sie morgens einen anderen Weg zur Arbeit: Sie fuhr nicht mehr in die Bürostadt in Niederrad, sondern ins Bankenviertel, stieg an der Taunusanlage aus und lief den Rest bis zu einem silberglänzenden Bürogebäude, wo sie jetzt bei einer Versicherung arbeitete. Sie lernte unglaublich viel, genoss jeden Tag die Aussicht aus ihrem Büro und merkte, dass ihre Erinnerung an Berlin blasser wurde.

Sie suchte sich eine neue Wohnung. Und ohne, dass sie zuvor lange darüber gesprochen hatten, zog Michael mit ihr dort ein. Wieder war es ein großes Haus, dieses Mal mit Blick auf die Oberräder Kräuterfelder auf der einen und den Stadtwald auf der anderen Seite. Frankfurt war eine grüne Stadt, das hatte sie früher nicht gewusst. Der Stadtwald war so groß, dass man von Offenbach bis zum Flughafen laufen konnte. Und auch andere Stadtteile hatten viel Grün zu bieten: Im Günthersburgpark fand alljährlich ein buntes Kulturfestival statt, das Stoffel, und selbst im Palmengarten gab es ein großes Kulturangebot. Frankfurt und Kultur – auch das hatte sie früher nicht miteinander verbunden.

Schloss Höchst, Frankfurt

Was hatte sie denn überhaupt gewusst, als sie hierherkam, oder was erwartet? Eine Betonwüste, in der man auf jedem Meter über einen am Boden liegenden Junkie oder Bettler stolperte, und dass man beklaut wurde, sobald man das Haus verließ, das war ihre Vorstellung von Frankfurt gewesen. Und ganz von der Hand zu weisen war das natürlich auch nicht: Als sie und Michael gestern am Bahnhof auf den Zug gewartet hatten, der ihre Gäste aus Berlin bringen sollte, waren sie allein am Bahnsteig vier Mal angebettelt worden. Im Untergeschoss des Bahnhofs roch es wie in einem schlecht gepflegten Männerklo und abends vermied Melanie es, am Hauptbahnhof umzusteigen. Längst hatte sie es sich angewöhnt, Handy und Geldbeutel verborgen unter etlichen Schichten Kleidung direkt am Körper zu tragen, und an ihrer Wohnungstür waren zwei Schlösser, die sie beide immer gewissenhaft verriegelten. Nicht alles war schön in Frankfurt, aber wo war es das schon?

Sie hörte, dass jemand energisch ein leeres Apfelweinglas auf den Tisch stellte, und erwachte aus ihren Gedanken. Ihre Schwester war es, die auffordernd in die Runde blickte: „Also ich würde noch einen nehmen. Noch jemand?“ Alle wollten, und so gingen die Schwester und der Schwager gemeinsam los, um nochmal vier große sauer Gespritzte und zwei Brezel zum Teilen zu holen.

Michael grinste Melanie an. „Weißt du, woran ich die ganze Zeit denken muss?“ Sie schüttelte den Kopf. Er zeigte auf den Flohmarktstand direkt hinter der letzten Bierbank. „Der schäbige Sessel da hinten sieht aus wie deiner damals am Hasenpfad. Erinnerst du dich noch an deine schauerliche kleine Wohnung da?“ Sie drehte sich um und fand den Sessel. „Oh ja, stimmt. Drollig – ich habe auch gerade an diese Zeit gedacht. Acht Jahre ist das her, dass ich da eingezogen bin.“ „Ja, und du wolltest nur ein paar Monate bleiben. Vielleicht sollten wir den Sessel kaufen, als Symbol für die Frankfurter Beständigkeit.“ „Untersteh dich, dieses hässliche Teil in unsere Wohnung zu stellen! Der ist selbst für den Keller zu alt. Dann lieber ein paar Ado-Gardinen!“

Jemand setzte ein volles Glas vor Melanie ab, und nach einem kurzen „Prost“ in die Runde nach Melanie den ersten Schluck. Ach ja, kalt war er und so erfrischend säuerlich – was war das doch gut. Inzwischen liebte sie Apfelwein. Nur die hässlichen Bembel dazu, die sie noch immer an den Blauen Bock mit Heinz Schenk erinnerten, die kamen ihr nicht ins Haus.

„Frankfurter Pfännchen“ in der Hesse-Wirtschaft – eine typische Frankfurter Untertreibung

Fundstücke 42 – Das Bild hängt schief

Dieses kleine, liebevoll arrangierte Fundstück begegnete mir im Theater Alte Brücke in Sachsenhausen – einem winzigen Spielort mit nur rund 50 Plätzen, aber abwechlungsreichem Programm. Dachte ich beim ersten Mal noch, das schief hängende Bild sei Zufall, scheint es doch gewollt zu sein. Und wer würde ein schief hängendes Bild mehr verdienen als der Meister des Sketches „Das Bild hängt schief“?

Loriot, Bild hängt schiefIch habe übrigens ganz kurz überlegt, ob ich das Bild ein wenig gerade rücken sollte – nur um zu gucken, was dann passiert. Aber ich habe mich nicht getraut 🙂

Der erste Weihnachtsmarkt

Ich bin kein großer Fan des riesigen Frankfurter Weihnachtsmarktes auf dem Römer. Zu voll, zu gedrängelt, zu unübersichtlich. Ich mag aber diese kleinen versteckten Märkte in den Stadtteilen oder die, die nur an einem Wochenende von irgendwelchen Vereinen betrieben werden. Und ich probiere gerne etwas Neues aus. Gestern war das der Weihnachtsmarkt in Oberursel, der auch einen Mittelaltermarkt dabei hat, aber nur an diesem ersten Adventswochenende stattfindet.

Das Angebot auf diesem insgesamt erstaunlich großen Markt (die Stände waren quer durch die kleine Innenstadt verteilt und auch einige öffentliche Einrichtungen machen mit) gefiel mir gut.

SchlehenweinNoch bevor wir ganz auf dem Markt waren, mussten wir an einem kleinen Stand Käse probieren – und kaufen. Schinken, Wurst, Marmelade oder Honig – es gab allerhand handgemachte Lebensmittel, und das zu größtenteils eher günstigen Preisen. So wanderte auch noch ein Stückchen Schinken in unsere Taschen, und die ewige Antje kaufte irgendwo Kekse und ein Fläschchen Likör für einen guten Zweck. Auch interessante Weine gab es, und der ausgeschänkte Glühwein war an vielen Ständen ein guter Winzerwein, der deutlich weniger süß schmeckt als der handelsübliche fertige Glühwein. Lauwarm-Süßes gab es allerdings auch zu trinken – da aber dieser Glühwein vom Stand des Gymnasiums kam, in dem eifrige Schüler sehr günstig verkauften, sahen wir dem diese Mängel nach.

Auf dem mittelalterlich gestalteten Teil des Marktes herrschte ein deutlich größeres Gedränge als anderswo. Trotzdem war es recht gemütlich und durch die überall aufgehängten Laternen und die Feuerschalen auch sehr heimelig. Allerdings riecht meine Jacke heute so, als hätte ich die Nacht in einem Räucherhaus verbracht. Noch versuche ich es mit Lüften, fürchte aber, dass ich nicht ums Waschen herumkomme.

Alles in allem verbuche ich meinen allerersten Besuch in Oberursel also als vollen Erfolg – es war ein sehr schöner Abend. Es lohnt sich wirklich, kleine Märkte abseits des Mainstreams zu besuchen. Sogar die ersten Weihnachtsgeschenke fielen gestern in meine Tasche – und das ist ein Segen.

Fundstücke 40: Voooorsicht!

Mit der ewigen Antje war ich gestern im „English Theatre“. Gegeben wurde das Stück „Das Bildnis des Dorian Gray“, das ich vor vielen Jahren (in der Schule? Ich weiß es nicht mehr) gelesen habe. Die sehr moderne Inszenierung war ganz in Ordnung, wenngleich sie mich nicht vom Hocker gerissen hat.

Amüsiert hat uns jedoch schon vor Beginn der Vorstellung dieses Warnschild:

Warnschild im English Theatre

Ohne Zweifel, hier passt man auf uns auf.  Wir fassten uns und bereiteten uns innerlich vor. Jedes dieser unglaublichen Vorkommnisse haben wir abgehakt und immer wieder wissend genickt, wenn etwas Schlimmes passierte. Also als es auf die Bühne räucherte, jemand sich eine Rauchware anzündete und jemand, mehr oder weniger versehentlich, erschossen wurde. Gestorben wurde dramatisch, langsam und überzeugend. Wir haben das überlebt. Und wir wurden auch nicht blind von der Frontansicht des nackeligen jungen Mannes. Die fand ich eigentlich sogar ganz inspirierend.

Markt im Hof

Heute haben die ewige Antje und ich etwas Neues ausprobiert: In der Frankfurter Wallstraße gibt es an jedem Samstag den „Markt im Hof“. Hier gibt es einiges an kulinarischen Köstlichkeiten zu probieren. Unter anderem gibt es einen richtig guten, liebevoll eingeschenkten Kaffee – damit kann man mich ja immer glücklich machen.

Kaffe, Cappuccino

Ich hatte die Muster „Tulpe“ und „vielblättriges Gewächs“, denn ich musste mir einen Zweiten holen. Dafür habe ich auf diese riesigen Butterstullen verzichtet, die viele Leute um uns herum verzehrten. Die waren mit Pastrami belegt – was das genau ist, musste ich erst mal googlen. So nach Sicht hätte ich es für eine Art Roastbeef gehalten, es ist aber geräuchertes Rindfleisch. Außerdem gab es verschiedene exotische Gerichte, z. B. vietnamesisch und koreanisch, sehr schönes Gebäck, handverlesene Pflaumen und lecker aussehende Soßen. Und auch der obligatorische „Food-Truck“, früher genannt „Grillstand“, fehlte nicht.

Für zuhause habe ich mir ein schönes, schweres Körnerbrot mitgenommen. Zugegeben, das war mit 5,70 Euro nicht billig, sieht aber unglaublich gut aus. Und zum Abschluss gab es noch ein bisschen Äppler aus dem Apfelweinkontor. Zwar haben wir keinen Apfelwein mitgenommen, viele der besonderen Sorten in dem kleinen Laden klangen aber sehr gut. Probiert haben wir einen sortenreinen Boskopp-Äppler. Lecker war er, aber einen zweistelligen Betrag würde ich für eine Flasche wohl nicht ausgeben.

Es war schön, bei heiter bis wolkigem Sommerwetter in dem kleinen Innenhof zu sitzen und Einiges zu probieren. Für einen entspannten Samstagvormittag genau das Richtige.

 

Nachtrag: Die Rechtschreibprüfung wollte „Pastrami“ gerade in „Kastrati“ ändern. Ich weiß nicht, ob es das besser gemacht hätte …

Wege zum Ruhm: Kneipenquiz

Wieder einmal durfte ich in der letzten Woche etwas ausprobieren: Zusammen mit fünf Kollegen hatten wir uns für ein Kneipenquiz – oh nein, pardon, ein Pubquiz – beim Irish Pub in Bornheim angemeldet. Etwa ein Jahr lang hatten wir davon geredet, geplant, Termine gefunden, verworfen und verschoben, denn gut Ding will ja schließlich Weile haben. Nicht zuletzt machte uns der St. Patrick’s Day einmal einen Strich durch die Rechnung. Nun aber war es soweit. Alle waren fit und gesund, eventuell getroffene Doppelverabredungen waren rechtzeitig abgesagt und lockere Freizeitkleider angelegt worden.

Mit sechs Teammitgliedern, bestehend aus drei Männchen und drei Weibchen, nutzten wir die maximale Teamstärke voll aus. Ein schöner Name für die Mannschaft war schon vor Monaten gefunden worden: „Ohne Müller“ schien uns passend, schließlich hatten wir Meier, Schmidt und Schulz. Alle bekannten wir uns vorsichtig dazu, im Grunde nichts wirklich zu wissen, und setzten voll auf Schwarmintelligenz. Unsere Ziele waren bescheiden: Es ging uns weniger um die zu gewinnenden 70 Euro als vielmehr um die Ehre – wir wollten nicht die Letzten werden und Spaß haben.

Cider in Siegeslaune – noch ganz entspannt draußen

Zur Einstimmung in den Abend aßen wir gut. Weitere Vorbereitungen trafen wir nicht, man muss ja nicht übertreiben. Gegen 20:30 verließen wir die gemütliche Bierbank draußen und begaben uns in die schummrige, aufgeregt summende Arena: Der Pub war proppenvoll. Das hatten wir schon geahnt, denn Freunde von mir, die mit uns in Konkurrenz hatten treten wollen, hatten schon vor Wochen keinen Tisch mehr bekommen. Viele der anderen Teams waren anscheinend alte Hasen und kannten das Procedere schon. Wir ließen es uns erklären: Fünf Runden zu vorgegebenen Themengebieten mit jeweils fünf Fragen würde es geben, jede richtige Antwort war zwei Punkte wert. Einen Joker sollte man setzen, für dieses Themenfeld würde es dann die doppelte Punktzahl geben. Dazu kamen noch eine Bilderrunde und eine Musikrunde mit je zehn Fragen zu einem Punkt – aha!

Und dann ging es los. Wir mussten in den Kategorien Film, Geschichte, Flaggen, Sport und Allgemeinwissen raten. Ich hatte mich immer für recht gut in Geschichte gehalten, auf jeden Fall für besser als in Sport, Flaggen oder Film, wusste jedoch in diesem Themenbereich eher wenig. Wann trat die Schweiz in die UN ein? Und wie hieß der letzte König von Libyen? Beides beantworteten wir nach intensiver Diskussion komplett falsch. Auch unsere Antwort auf die Frage: „Welche beiden Tiere befinden sich auf der mexikanischen Flagge“ fiel mit Gürteltier und Kondor eher in den Bereich „vorbeigetroffen“ und über den Filmhelden Neil Underwood lacht der arme Quizmaster wahrscheinlich immer noch.

Doch alles in allem schlugen wir uns achtbar, jeder von uns wusste mal was ganz sicher oder zumindest so sicher, dass er oder sie die anderen überzeugen konnte. Manchmal trafen wir so eine Art Mehrheitsentscheidung und manchmal verschlimmbesserten wir eine eigentlich richtige Lösung zu einer leider falschen Antwort. Nach fünf mal fünf Fragen hatten wir immerhin 40 von sechzig Punkten ergattert.

In der Bilderrunde tat ich mich nicht unbedingt hervor: Ich bin nicht gut im Gebäude erraten, erkannte die Fahnen von Lettland und Eritrea nicht und auch nicht den Gründer von Ryan Air. Lediglich den Autor Bill Bryson ließ ich auf den Lösungszettel schreiben, aber das nur, weil keinem etwas Besseres zu diesem putzig aussehenden Mann auf dem Bild einfiel. Zum Glück war das richtig, so dass zumindest einer der hier zu ergatternden Punkte auf mein Konto ging.

Die abschließende Musikrunde war einfacher, Musikstücke sollten Filmen zugeordnet werden. Lustig, wie schon wenige Töne des Titels „Flash Dance“ erwachsene Männer glücklich aussehen lassen, und den Film „American Beauty“ hatte von uns anscheinend keiner gesehen. Zumindest gemessen an der scheußlichen Filmmusik ist das auch wohl kein Verlust.

In der Endabrechnung belegten wir von insgesamt 17 Teams den 9 Platz – also sehr schön mittig. Mit diesem Ergebnis sind wir zwar nicht berühmt geworden, man schüttelte aber auch nicht mittleidig den Kopf über uns. Für die zwei Euro, die das Quiz pro Nase gekostet hat, hatten wir eine Menge Spaß. Und dass es auch noch meinen Lieblingscider in dem Pub gab, machte die Sache zu einem ziemlich perfekten Abend, der geradezu nach Wiederholung schreit.

Feste feiern

Flyer Weinfest„In Frankfurt ist immer irgendwo ein Fest. Wenn kein Fest ist, ist was nicht in Ordnung.“ Das sagte einmal eine Freundin von mir, die von der Feierwütigkeit der Frankfurter beeindruckt und begeistert war. Und sie hat recht: Zumindest im Sommer findet immer irgendwo etwas statt, bei dem es zu essen und zu trinken gibt und man in fröhlicher Runde mit anderen ins Gespräch kommt. Straßenfeste, Stadtteilfeste, amerikanische, französische oder hessische Wochen, Weinfeste, Federweißerfeste, Apfelweinfeste, Festivals zu Ehren des Bieres oder der grünen Soße – Anlässe gibt es mehr als genug. Ich liebe das – auch wenn ich nicht alles besuchen kann und will.

Gestern aber besuchten die ewige Antje und ich bei Prachtwetter gleich zwei Feste: Das kleine, etwas unspektakuläre „Grüne Soße-Festival“, bei dem es am Rossmarkt allerhand Kulinarisches rund um dieses hessische Hausgericht gab. Leider geizte man auf dieser Veranstaltung mit Musik und Sonne. Uns war der Tag zu schön, um uns lange dort im Schatten aufzuhalten.

Also ging es weiter auf das Weinfest in Bornheim, das wohl wegen des guten Wetters fast aus allen Nähten platzte und mal wieder urgemütlich war. Die Preise für Wein und Wasser waren volkstümlich-moderat, es gab eine schöne Essensauswahl und wenn man einen der begehrten Sitzplätze auf einer der Bierbänke ergattert hatte, konnte man entspannt genießen. Musik gab es auch: Jede Menge handwerklich sehr ordentlich dargebrachte 80er-Jahre-Klassiker, gespielt von den „Runzelrockern“. Die mussten leider um kurz nach 22 Uhr aufhören, was schade war – als alte Nostalgikerin macht mir so ein Mix alter Rocksongs ja immer viel Spaß und weckte bei uns beiden (und vielen unserer Nachbarn) viele Erinnerungen.

Ich freue mich sehr über den Beginn der Freiluft-Saison. Gestern konnten wir bis Mitternacht ohne Jacke draußen bleiben. So kann der Sommer für mich eigentlich bleiben – viel mehr Wärme brauche ich eigentlich gar nicht. Und es gab Sonne genug, dass der Kauf einer neuen Sonnenbrille für Antje gerechtfertigt war: Verspiegelt ist anscheinend wieder in.

Noch mehr Magnolien

In der letzten Woche hatten wir einige überraschend schöne Frühlingstage. Dazu kam bei mir ein knappes Viertelstündchen, das ich übrig hatte, als ich in meinen Donnerstags-Schreibkurs ging. Ich genoss diese Zeit im Rothschildpark, einer kleinen grünen Oase mitten in der Frankfurter City. Hier fanden sich gleich zwei meiner geliebten Magnolienbäume: ein heller, der schon fast verblüht war, und ein dunkler, der gerade in voller Blüte stand.

Google und Wikipedia haben mir inzwischen verraten, dass man die dunklen Magnolienarten wohl „Purpur-Magnolien“ nennt – ein schöner und passender Name, wie ich finde. Zwar ließen die hochgereckten Blüten mich nicht in ihr Inneres gucken – die tiefsten Äste waren weit über meinem Kopf – doch auch von außen gefielen sie mir sehr gut.

In Frankfurt gibt es einige dieser schön angelegten Grünflächen, die ganz überraschend mitten in der Stadt zu finden sind. Ohnehin finde ich Frankfurt immer wieder erstaunlich grün, und da denke ich gar nicht unbedingt an den riesigen Stadtwald, in dem ich mich vor Jahren mal mit meiner Schwester verlaufen habe. Aber es gibt jede Menge kleiner Parks, das grüne Mainufer und auch das schöne Niddaufer, wo man gemütlich laufen und etwas frische Luft atmen kann.

Purpur-Magnolie