Fundstücke 69 – Was man alles machen könnte …

Ich bin ja bekennender Schlechtwetter-Urlauberin an der See, soll heißen, ich fahre gerne in der kühlen Jahreszeit ans Wasser. Man kann Glück mit dem Wetter haben oder auch Pech, wobei Pech relativ ist. Es kommt halt drauf an, was man daraus macht. Und niemals ist das Wetter nur schlecht – auf Regen folgt Sonne.

Immer wieder werde ich gefragt, was man bei Schietwetter auf einer kleinen Insel wie Juist denn eigentlich machen kann. Nun, zum Beispiel solche Sachen wie

  • sich morgens nochmal hinlegen
  • lesen
  • das Wattenmeerhaus oder das Museum besuchen
  • vor dem Losgehen nochmal Kaffee trinken
  • sich gut anziehen und durch den Regen laufen
  • Regenphasen bei einem Tee oder einem Bier irgendwo aussitzen
  • in den Regenpausen den Standort wechseln
  • durch den Ort huschen und die ganzen kleinen Läden besuchen
  • noch ein Bier trinken und dabei lesen
  • Kreuzworträtsel lösen
  • sich mittags nochmal hinlegen
  • schwimmen gehen
  • irgendwo gut essen
  • sich nach dem Essen hinlegen
  • ins Kino gehen
  • was spielen
  • sich in der Spelunke hemmungslos betrinken (immer wieder schön!)
  • ein Katerfrühstück zu sich nehmen

Wir hatten dieses Jahr das Glück, auch noch die vier Lesungen des Krimifestivals besuchen zu können. Auch eine esoterische Veranstaltung mit Elementarwesen, Engeln, Bäumen und anschließender Meditation wurde angeboten, der blieben wir jedoch fern.

Wem das alles nicht ausreicht, der könnte sich aber auch noch einen Einzeltermin buchen.

Ich wollte die ewige Antje dazu überreden, doch sie war mit dem oben aufgeführten Programm gut ausgelastet.

Tatort Töwerland

Endlich haben wir es mal wieder geschafft: Die ewige Antje und ich waren auf dem kleinen Krimifestival auf Juist. Es ist ein paar Jahre her, dass uns das zuletzt gelungen war.

In diesem Jahr war die eigentlich dreitägige Veranstaltung nur zweitägig und im Oktober statt wie gewohnt im September. Das tat unserem Eifer keinen Abbruch, nur leider war es doch deutlich weniger besucht als die Male, in denen wir zuvor dabei waren. Das machte uns nichts, doch für die Organisatoren, die die ganze Arbeit neben ihren sonstigen Verpflichtungen wuppen müssen, wären mehr Zuhörer sicher schöner gewesen. Andererseits waren es immer noch eine ganze Menge Krimifreunde, die sich an zwei Abenden zusammenfanden, um die vier Autoren lesen und die Dixie-Band spielen zu hören.

Zum „Startschuss“ am Freitag lasen die Autoren Sybil Quinke, die sich überaus charmant als gelernte Giftmischerin präsentierte, sowie Hardy Pundt, der geborene Insulaner von der Insel Memmert. Beide hatten Juist-Krimis verfasst.

In der „Großen Krimigala“ am Samstag bekamen wir Texte von Regine Kölpin sowie Max Annas zu hören. Beide Autoren könnten unterschiedlicher kaum sein, was der Sache einen besonderen Reiz gab.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung wie schon in den Vorjahren von der Jazzband „Wallstreet Dixies“, deren Version der Tatort-Meldodie jedes Mal begeistert aufgenommen wird und anzeigt, dass es jetzt losgeht.

Moderiert und organisiert wird die Veranstaltung jedes Mal vom Inselbuchhändler Thomas Koch sowie einigen Helfern. All diesen fleißigen Freiwilligen nochmals vielen Dank dafür, dass sie sich Jahr um Jahr diese Mühe machen. Für uns war es wieder schön, dabeisein zu dürfen. Denn die Veranstaltung, so klein sie auch ist, ist vor allem eins: unheimlich sympathisch. Nicht perfekt, aber menschlich, abwechslungsreich und immer wieder interessant. Und das sage ich, obwohl ich trotz gewissenhaftestem Ausfüllens des Detektivausweis SCHON WIEDER (!) nicht das Buchpaket gewonnen habe.

Undankbares Gesindel!

Im Urlaub lernte ich so ein paar Typen kennen, die machten anfangs einen wirklich netten Eindruck. Es war eine Kneipenbekanntschaft: Immer, wenn ich in dieser Strandbar einkehrte, waren sie auch da. Zwar lebten sie ein bisschen im Verborgenen, doch sie waren durchaus interessiert an ihren Mitmenschen und nahmen vorsichtig Kontakt zu mir auf. Sie zeigten mir, wo sie wohnen, und ließen sich von mir fotografieren.

Und so kam es, dass ich irgendwann einen Keks mit einem von ihnen teilte. Es war mein Kaffeekeks, den dazuzgehörigen Baileys-Kaffee trank ich alleine aus. Trotzdem erschufen wir so eine Art Vertrauensverhältnis, das dazu führte, dass die kleinen Kerlchen mich öfter besuchten.

Doch leider führte diese freundschaftliche Annäherung dazu, dass meine neuen Freunde nicht mehr auf sich achteten und – nun ja – beim Fliegen nicht mehr an sich hielten. Gleich zwei Mal wurde ich angekackt – auf die Jacke und den Rucksack. Dieses undankbare Gesindel hielt es anscheinend nicht mehr für nötig, auch nur ein Mindestmaß an Contenance zu zeigen. Pack!

 

Nachbemerkung: Die Mitarbeiter dieser Kneipe führten einen endlosen Kampf gegen die ungebetenen Gäste, die jedoch immer wieder hineinschlüpften, wenn die Tür sich öffnete. Natürlich sind solche Gäste wie ich, die auch noch Kekskrümel spendieren, bei diesem Kampf kontraproduktiv. Aber, hach … sie sind doch so niedlich, diese kleinen Vögelchen!

Novemberwunderwetter

Allmählich wird mir das Wetter ein wenig unheimlich: Neun Tage war ich auf Borkum, und das im November. Fünf Tage lang hatte ich ein wahres Prachtwetter – so, dass die Leute in die Strandcafés kamen und schnauften: „Boah, is dat warm!“

Es war zwar nicht unbedingt Bikiniwetter (die dicke Dame übertreibt mal wieder), aber es war für die Jahreszeit viel zu warm. Mehrmals saß ich ohne Jacke in der Sonne – das ist schon komisch im November.

Die Cocktails waren deutlich verlockender als der Glühwein. Da ich mir aber mal wieder den üblichen Urlaubs-Infekt zuzog, blieb ich trotzdem zumeist bei den Heißgetränken. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Die Sonnenuntergänge waren wirklich spektakulär, das habe ich mir mehrmals angeguckt und auch mal wieder ein bisschen herumexperimentiert – sowohl mit der Dame, die ganz unanständig ihr Maurerdekolltee zeigte, als auch mit der Fotokugel.

Trotz der vielen schönen Sonnenuntergangsbilder war ich eigentlich wegen etwas anderem im Herbst nach Borkum gefahren: Mir stand der Sinn nach Wolken, Wind und feuchter Luft. Ein bisschen was davon gab es auch, insofern habe ich keinen Grund zum Meckern:

Und heute Morgen verabschiedete die Insel sich mit Nebel von mir. Da ich direkt am Leuchtturm wohnte, machte ich mal wieder ein Foto davon. Sicher technisch lausig, aber trotzdem schön 🙂

Borkum im Herbst ist immer wieder toll – super entspannend und erholsam. Es war sicher nicht das letzte Mal.

Stille am Meer

Inzwischen habe ich gelernt, meiner Wetter-App nicht mehr bedingungslos zu vertrauen. Heute war wieder so ein Tag: Angekündigt war es kalt, trist und feucht, bekommen haben wir mindestens 7 Stunden Sonne. Auf Borkum. Warm war es auch noch. Und es gab mal wieder mein allerliebstes Spektakel zu begucken.

Die Leute, die im November nach Borkum fahren, wissen, was es nach einem solchen Tag zu sehen gibt. Und sie wisse auch, wann. So sah man, dass sich ab ca. 15:30 die Bänke an der Promenade füllten. Die Außenplätze der wenigen geöffneten Lokale waren ohnehin alle besetzt. Und dann ging es los: Zuerst wurde es deutlich kühler.

Und dunkler wurde es natürlich auch. Die Sonne brante wie ein Feuerball am Himmel und ließ auch das Wasser und das Watt festlich glänzen.

Ich schlich mich nach oben, auf die zweite Ebene der Promenade. Und ja, tatsächlich, nicht nur ich war leise. Es war ganz leise, fast schon andächtig still. Ab und an hörte man noch ein kleines Kind krähen, aber ansonsten war feierliche Ruhe. Die Leute guckten, fotografierten, genossen einfach nur. Und ich bewies mir selbst mal wieder, wie wenig Fantasie ich habe, und fotografierte die gleichen Motive wie früher schon einmal:

Die wilde Windsbraut auf dem Dach des Musikpavillons sowie eine der altmodisch wirkenden Straßenlaternen, die mir schon immer so gut gefallen haben.

Und dann wurde es dunkel – richtig dunkel. Während ich zufrieden und tiefenentspannt zu meinem Hotel schlappte, muss ich an dieses Gedicht von James Krüss denken: „Das Feuer“. Dessen letzte Strophe geht so:

Kleiner wird der Feuerbraus:
Ein letztes Knistern,
Ein feines Flüstern,
Ein schwaches Züngeln,
Ein dünnes Ringeln
Aus.
James Krüss

Zeitreise nach Tossens

Wieder einmal war ich mit meiner wunderbaren Schwester an der Küste unterwegs. Dieses Mal landeten wir in Tossens in der Gemeinde Butjadingen. Wie so oft wurde unser kleiner Ausflug eine Art Zeitreise mit Spurensuche – kennst du das noch? Kannst du dich daran noch erinnern? Ist der Spielplatz noch da?

Was es damals definitiv noch nicht da war, sind die vielen Windräder. Und ich bleibe ja dabei: Ich finde sie schön.

Ich war ja nur ab und zu mit meinen Eltern in Tossens, meine Schwester aber verbrachte dort den ersten „richtigen“ Urlaub ohne Familie, nur mit Freunden. Mit dem Rad sind sie damals hingestrampelt, ein Elternpaar kutschierte Gepäck und Zelte hinterher. Daher war es für meine Schwester auch noch spannender als für mich zu gucken, wie sich das Örtchen entwickelt hat. Inzwischen gibt es viel mehr Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten.

Nicht meine Spuren – aber sie könnten es sein, dort auf der Buhne.

Immer noch da sind natürlich die begehbaren Buhnen. Wir sind auf einer herumgelaufen, obwohl es dort eigentlich immer nichts Besonderes zu sehen gibt. Es gehört für mich irgendwie dazu, so wie die Seebrücken an der Ostsee, die ich auch immer ablaufen muss.

Wir machten ja nur einen ganz kurzen Kurztrip nach Tossens, aber mit Kaffee und Pflaumenkuchen gibg doch einiges an Zeit rum. Und so kam ich doch noch zu meinem Gegenlichtbild mit Wasser, als die Sonne es einmal gut mit uns meinte. Dieses ewige norddeutsche „heiter bis wolkig“ ist ja gar nicht so einfach – und wenn dann auch noch Ebbe ist, wird es schwierig mit den Wasserbildern. Aber eines gab es doch:

Zugegeben, auch hier haben wir mehr Matsch als Wasser, aber man sieht doch schon, was es wenige Stunden später wieder werden wollte.

Und zum Schluss noch eine Spurensuche der anderen Art – in meinem Fotoalbum. Das Kind in rot-grün bin ich, das muss um 1980 herum gewesen sein. Den Spielplatz an der Stelle gibt es noch, allerdings sind die Spielgeräte inzwischen deutlich moderner. Gut sieht er aus, der neue Spielplatz. Aber ich erinnere mich, dass ich auch auf dem Alten viel Spaß gehabt habe. Und ins Album geklebt hat meine Schwester das Bild, zumindest ist es ihre Schrift.

Tossens, Butjadingen, Küste

Sommernacht im Braunschweiger Dom

Durch einen glücklichen Zufall wurde Kerstin auf ein kleines Konzert im Braunschweiger Dom aufmerksam. Dieses fand am Samstag um 22 Uhr statt und da wir nichts anderes vorhatten, ließen wir uns auf die Sache ein. Ich bin ja eigentlich kein Kirchgänger und gehöre auch keiner Kirche an, aber ein Konzert – warum nicht.

Sommernacht im Braunschweiger Dom, Lichtspiele, Konzert

Wir gingen sehr pünktlich los, da wir gerne einen Randplatz haben wollten – dann können Rollifahrer und Läufer bequem nebeneinander sitzen. Es war mehr als schummrig, als wir den Dom enterten – man kann auch sagen, es war düster. Trotzdem ging das Einnehmen der Plätze trotz großem Andrangs sehr gesittet vor sich, was mir positiv auffiel. Kein Geschubse, kein übertriebenes Geschepper, als zusätzliche Klappstühle aufgestellt werden mussten. Die Dunkelheit erklärten wir uns mit den angekündigten Lichtspielen.

Sommernacht im Braunschweiger Dom, Lichtspiele, Konzert

Trotz froher Erwartung hatte ich Mühe, nicht vor Beginn des Konzertes schon einzuschlafen. Es war sehr warm im Dom – sonst ist mir in Kirchen immer eiskalt. Zum Glück ging es pünktlich los und es gab auch gleich was zu sehen. Die Beleuchter leisteten tatsächlich ganze Arbeit.

Sommernacht im Braunschweiger Dom, Lichtspiele, Konzert

Thematisch ging es in diesem letzten von drei Sommernachtskonzerten um die Dankbarkeit. Die Pfarrerin erzählte etwas dazu und einige Kinder verkündeten ebenfalls, wofür sie dankbar seien. Das war irgendwie niedlich, denn neben den politisch korrekten Dingen wie die tolle Familie, gute Freunde oder der christliche Glaube kamen da auch ganz normale Sachen aus der kleinen Welt der Kinder: Ein Mädchen war dankbar, dass bald die Zahnspange rauskäme und sie dann vom Papa so viel Kaugummi bekäme, wie sie möchte. Ein anderes Kind war dankbar, dass es schon mal mit dem Traktor auf der Wiese herumfahren durfte. Viele dieser kindlichen Dankbarkeitsbekundungen ließen mich etwas schmunzeln, wahrscheinlich guckte ich auch ein bisschen gerührt.

Die Musikstücke wurden von einem Quartett gesungen und vom Klavier oder der Orgel begleitet. Ich bin kein Musikprofi, habe aber ganz gute Ohren und fand den Geang unheimlich professionell. Man konnte sich ganz entspannt sacken lassen, das Licht beobachten und zuhören. Allerdings kannte ich gar kein Lied bis auf das Letzte: „Der Mond ist aufgegangen“. Mir war nur nicht bewusst, dass es so viele Strophen hat.

Es war schön, wie dieses letzte Lied vorgetragen wurde: Die Gruppe lief einmal um das Publikum herum und dann raus aus der Kirche, so dass sich der Gesang immer weiter entfernte. Jedem war danach klar: Das war’s. Das abschließende Gebet hätte es für mich nicht gebraucht, aber geschadet hat es mir auch nicht.

Die Fotos entstanden übrigens alle nach Abschluss des Konzertes. Es war zu Beginn darum gebeten worden, nicht die ganze Zeit mit den Handys herumzufuchteln, und es war angekündigt worden, dass die Lichter zum Schluss noch einmal erscheinen würden. Soweit ich das gesehen haben, sind tatsächlich alle Gäste dieser Bitte nachgekommen. Ich fand es auch ganz entspannend, während des Konzertes nicht mal über das Knipsen nachdenken zu müssen.

Mir hat das Konzert gut gefallen und die vielen Lichter fand ich schön. Allerdings mussten wir am nächsten Morgen gleich feststellen, dass andere Leute das anders sehen: „Kitsch“ verkündete Kerstins Vater Karl, dem sie ein paar Bilder geschickt hatte. Nun, wo er Recht hat, hat er Recht 🙂

Kohlfahrt 2018 – so schön kann Winter sein

Es war mal wieder Kohlfahrtszeit – gestern wanderten wir los. Es war eisig kalt, aber trotzdem unglaublich schön. Denn gegen Kälte kann man sich anziehen.

Und das taten wir auch: Tatsächlich trat keiner den Weg ohne Mütze an, und von Anfang an wurde eifrig verglichen, was man sich alles angezogen hatte, um warm zu bleiben. Mütze, Schal und Handschuhe natürlich, warme, winddichte Jacken und lange Unterbuxen, von denen mindestens eine sogar zwei trug.

Wir liefen los in Tungeln, direkt an der Hunte. Hier konnte man wirklich schön laufen, allerdings sorgte der Weg auf dem Deich dafür, dass wir so richtig viel Wind abbekamen. Trotz Mütze vermeldete mein linkes Ohr irgendwann Kältealarm, so dass die Kaputze noch oben drüber kam. Erst, als wir den Deich verließen, wurden wir nicht mehr so stark verblasen.

Hunte bei Tungeln

Doch die leicht erhobene Position oben auf dem Deich hatte auch etwas Gutes: Der Blick war wirklich sehr schön. Das lag natürlich auch daran, dass keinerlei Häuser oder Straßen dort im Weg sind. Es gibt dort einfach viel „Gegend“. Geboßelt haben wir allerdings dieses Mal nicht: Die Kugeln wären doch gar zu leicht in der Hunte verschwunden, zumal wir den Kraber zum Herausangeln der Sportgeräte vergessen hatten.

Hunte bei Tungeln

Statt dessen wurde auf einer kugelabsturzsicheren Brücke gekegelt und es gab eine neue, abgefahrene Schnapsleiste mit blinkenden Bechern. Auch unsere mobile Ecke, die es uns ermöglicht, auf völlig gerader Strecke eine der sonst traditionell nur an Ecken oder Kuven stattfindende Schnapspause einzulegen, fehlte nicht. So modern waren wir wahrscheinlich noch nie unterwegs.

Trotzdem wirkte unser Bollerwagen, wenngleich üppig bestückt wie immer, fast bescheiden gegen einige der Profigefährte mit Musik und Zapfanlage, die uns dieses Mal begegneten. Denn es waren unzählige Kohlfahrtsgruppen unterwegs an diesem eisigen Wochenende und die Ausstattung war sehr unterschiedlich.

Profi-Bollerwagen, Kohlfahrt

Bei uns wird der Schnappes nach wie vor von Hand eingeschenkt, was dieses Mal bei dem Wind gar nicht so einfach war: Manchmal machte der Schnaps sich selbständig und schlackerte statt ins Glas über die Klamotten des durstigen Kohlfahrers. Selbst die Schnapsausgießer verweigerten bei der Kälte teilweise den Dienst und fielen einfach von der Flasche, was allgemein für Heiterkeit sorgte – wie gut, dass unsere Leute nicht pingelig sind. Auch Musik brauchen wir für unsere Touren nicht, denn wir machen schon so genug Krach.

Kohlfahrt, Bollerwagen

Wir hatten eine tolle Zeit und nutzten die letzten Sonnenstrahlen noch aus, bevor wir an unserem Lokal ankamen. Auch das war gut ausgesucht. Ich sprach wieder sehr der heißen Suppe zu, die konnte man nach viereinhalb Stunden draußen wirklich gut gebrauchen.

Und ich genoss es, noch einige Zeit mit meinen alten Freunden zusammenzusitzen. Diese jährliche Kohlpartie ist immer eines der Highlights meines Jahres – und ich freue mich schon jetzt auf das nächste Mal.

Wismar – schön ist zu wenig

Aus einer Laune heraus entschloss ich mich nach meinem verkränkelten Ostsee-Urlaub im Herbst, einige Wochen später nochmal loszujuckeln, und zwar nach Wismar. Natürlich ist der Januar nicht der ideale Reisemonat, aber ich wollte einfach ein paar Tage meine Ruhe haben und entspannen – ohne Rotznase und Husten.

Das Wetter war während der ganzen Woche winterlich grau, doch gerade am Sonntag spendierte der Januar einige kurze Sonnenstunden. Die nutzte ich zu einem Ausflug an den alten Hafen.

Ich gönnte mir eine Hafenrundfahrt, bei der man mit dem Ticket gleich einen Glühwein miterwarb, und schlürfte sogar noch einen zweiten. Denn kalt war es an diesem klaren Sonntag – wie gut, dass ich meine Pudelmütze dabei hatte.

Auch am nächsten Tag war noch Mützenwetter und ich nutzte die leidlich hellen Stunden dafür, die kleine Stadt zu erkunden. Wismar ist Unesco Weltkulturerbe – warum, sieht man sofort, wenn man sich der Innenstadt nähert. Altes Gemäuer an jeder Ecke, größtenteils sehr gut erhalten.

Die vielen alten Häuschen ließen mich immer wieder von meinem Fahrrad steigen, damit ich in Ruhe gucken konnte – den nächsten Tag bin ich gleich zu Fuß gegangen. Der alte Markt und die vielen kleinen Seitenstraßen, all das ist wirklich schön.

Auch in einige Kirchen hat es mich verschlagen. In einer gibt es ein interessantes Konzept: Hinten gibt es eine Sitzecke, in der man Tee trinken kann – gegen eine moderate Spende. Auch einen Platz, an dem kleine Kinder spielen können, gibt es hier. Dem Anschein nach kommen hier Menschen ganz informell zu einem Schwatz zusammen, trinken einen Tee und gehen wieder. Für mich ist das eine gute Idee, um Menschen an die Kirche zu binden – zumindest besser, als manch andere Idee, von der man schon hörte.Wismar, am Markt

Auch das kleine Museum sah ich mir an. Es befindet sich ebenfalls in einem dieser alten Häuser und es wird gut erklärt, wie diese kleinen Häuschen früher bewohnt wurden. Denn hier wurde nicht nur gelebt, sondern auch gearbeitet und gelagert – schließlich wurden über die Hanse große Mengen an Waren umgeschlagen.

Und immer wieder kam man zurück an den Marktplatz – ob man wollte oder nicht. Denn interessanterweise war Google Maps mit dem Wismarer Markt irgendwie überfordert – selbst, wenn man mitten aus dem Platz stand, sagte die Navigationshelferin noch: „Gehen Sie Richtung Markt“. Mein kleiner Faltplan, den man mir im Hotel ausgehändigt hatte, wurde also durchaus benutzt.

Und auch zu tun gibt es noch allerhand in Wismar: Zwar ist ein großer Teil der Innenstadt super in Schuss, doch hier und da findet man auch renovierungsbedürftige Fassaden. Fast schon beruhigend – Perfektion schadet in meinen Augen eher, als das es etwas nützt.

Gegen Abend konnte ich über einen kleinen Schleichweg zu meinem Hotel zurückgehen. Von dort hatte man einen schönen Blick auf die Altstadt, und zwar über die „Kultweide“, wenn ich den Stadtplan richtig verstanden habe.

Fazit: Da auch mein Wellness-Hotel an der Therme mir ausgesprochen gut gefallen hat, war dies nicht mein letzter Aufenthalt in Wismar. Es ist einfach schön da – sogar im Winter.