Kugelexperimente

In den Urlaub auf Borkum hatte ich ja, wie schon erwähnt, meine Glaskugel mitgeschleppt. Tapfer packte ich also so manches Mal das schwere Ding in meinen Rucksack und ging damit üben. Viele Fotos waren nix – wenn die Sonne zu sehr draufscheint, wird es nichts, und wenn man einen falschen Winkel nimmt oder herumwackelt, auch nicht. Doch es kam eine ganz schöne Ausbeute an ansehnlichen Bildern bei meinen Versuchen heraus.

Strand und Wolken mit dickem Lichtreflex

Die Bilder in der Kugel stehen naturgemäß immer erst mal auf dem Kopf. Das hat was mit Physik und Optik zu tun, wie das genau erklärt wird, weiß ich nicht – in Physik war ich auch immer recht schlecht. Wie dem auch sei, wenn man es möchte, kann man die Bilder in der Kugel umdrehen. Das geht, indem man diesen Teil des Bildes kreisrund ausschneidet (z. B. mit GIMP) und umdreht.

Mein geliebter Leuchtturm ganz weit weg

Mit diesen Bildbearbeitungstools bin ich allerdings auch nicht unbedingt eine Künstlerin, das ginge wahrscheinlich noch besser, doch erst mal bin ich damit zufrieden. Ich musste auch feststellen, dass einige Bilder hübscher sind, wenn man sie einfach „falsch herum“ lässt.

Die Welt steht Kopf – zumindest für diese Spaziergänger

Die herbstlichen Farbkontraste machten es einem leicht, reizvolle Motive zu finden – und der Himmel, an dem immer einiges los war, tat seinen Teil dazu. Hier noch ein nicht umgedrehtes Bild:

Herbst und Himmel – eine schöne Kombination

Auch Gegenlichtaufnahmen funktionieren, allerdings waren hier meine meisten Versuche für die Tonne. Das muss ich noch üben, das sollte besser gehen.

Blick von der Terrasse des Sturmecks

Ich musste allerdings feststellen, dass meine Mitmenschen nicht alle Verständnis haben für komische Frauen, die sich im Café vor den Tisch knien, um durch einen Glaskugel zu knipsen. Ein älterer Herr guckte mich sehr befremdet an, und als seine Frau ihn fragte: „Was denkst du?“, da antwortete er: „Sach ich nicht!“ Dabei ging es um dieses Tassenfoto, dass ich woanders schon mal gezeigt habe.

Der Pavillon auf der Promenade – hier konnte ich noch ein Jazzkonzert genießen

Und eine Sache war mir wirklich lästig bei der Knipserei: Das Gewicht meiner Fotokugel. Die 10 cm große Kugel wiegt rund 1300 Gramm, das ist mir zu viel, um sie oft mit mir herumzuschleppen. Folglich habe ich noch ein kleineres Modell von 6 cm bestellt – mal gucken, wie sich das so macht. Ich werde berichten.

Einfach ein Blick in die Dünen

Fundstücke 41 – Tuffels

Dieses kleine Fundstück sah ich auf Borkum, und es ließ mich lächeln und an meine Kindheit denken. Denn das schöne plattdeutsche Wort „Tuffels“ begegnete mir dort jeden Tag. Nicht jeder Tourist wird es wissen, kann aber wahrscheinlich erschließen, dass die hier im Set mit Grünkohl und allerlei Fleischwaren angebotenen „Tuffels“ auf Hochdeutsch „Kartoffeln“ heißen. So wie hier auf einem Schild habe ich den dialektalen Ausdruck aber noch nie gesehen.

Das beste Essen überhaupt!

Ich bin in Nordwestdeutschand aufgewachsen, und Nordwestdeutschland ist Kartoffel-Land. Ich glaube, wir hatten zuhause mindestens 5 Mal die Woche Kartoffeln – es kann auch öfter gewesen sein. Nudeln oder Reis gab es selten, denn meine Mutter vertrat wie so viele Nordlicher die Ansicht, diese Speisen seien ungesund. Man könne von Reis nicht leben, sagte sie, der enthalte keinerlei Nährstoffe. Nun, das erzähle man einmal den Milliarden von Asiaten auf dieser Welt …

Auch später in der Kantine und in der Mensa wurden wir mit Kartoffeln fast zu Tode gefüttert. Und erst vor wenigen Jahren erlebte ich in einem Hotel auf Sylt, das viel von Norddeutschen besucht wurde, beim Abendessen beinahe einen Aufstand: „Sie müssen doch zu jedem Essen Salzkartoffeln anbieten!“, wurde dort ein verdatterter Koch zusammengeschimpft. Der arme Mann war völlig verwirrt, wahrscheinlich war er ein Zugereister. Nun, das wird ihm nicht wieder passieren, dass er einen Speiseplan ohne Tuffels erstellt.

Bei mir gibt es inzwischen eher selten Kartoffeln zu essen. Ab und zu mal in der Kantine, oder zuhause im Eintopf – ansonsten bevorzuge ich Reis oder Nudeln. Und ich lebe noch!

Auge in Auge

Dieses Mal habe ich es tatsächlich „geschafft“, auf Borkum das winzige Aquarium zu besuchen. Dieses hat nur wenige Becken und ist dafür mit 4,50 Euro Eintritt recht teuer, aber dafür ist alles sehr gepflegt, es war fast nichts los und ein netter Mitarbeiter stand die ganze Zeit für Fragen zur Verfügung.

Dieser Geselle faszinierte mich besonders – angeblich gehört er zur Familie der Knurrhähne und würde gebraten besonders gut schmecken. Doch seine blauen Augen machten mich so sentimental …

Auch andere Aquariumsbewohner haben schöne Augen – hier haben wir ein Modell in gelb, das perfekt zu den Streifen des Fisches passt. Lagerfeld hätte es nicht besser gekonnt:

Das nächste ist wieder ein Speisefisch – davon hat die Nordsee ja allerhand zu bieten: Die Babyscholle versteckt sich schüchtern im Sand, nur der misstrauische Blick ihrer winzigen Augen verrät sie (und ich erschrak jedes Mal, wenn ich angestrengt suchend in den Sand starrte und plötzlich so ein Fischlein hochschoss).

Gemäß der Infotafel bewegen die Augen der Schollen sich noch ein wenig hin und her, bis sie ihre richtige Position erreichen. Später sehen diese kleinen Kerlchen dann so aus:

Und noch ein Speisefisch: eine Heringsart. Gemäß einer Übersicht der am zweithäufigsten verzehrte Fisch in Deutschland nach dem Alaska-Seelachs.

Ganz zum Schluss haben wir noch einen Vertreter einer ganz anderen Gattung: Eine Srandkrabbe. Die wirkte irgendwie missmutig – aber das wäre ich vielleicht auch, wenn ich aus meinem Wohnzimmer raus- und eine mir unbekannte dicke Dame reinglotzen würde.

Nachsaison

Die dicke Dame, Borkum

Die dicke Dame übertreibt: Es gibt auch im November Sonne, aber nackig machen sollte man sich nicht.

Wie schon ab und zu mal erwähnt, liebe ich es, in den kühlen Monaten ans Wasser zu fahren: wenn der Wind tüchtig bläst, die meisten Touristen abgereist sind und wenige Angebote mich von meinem eigentlichen Ziel, ein wenig zur Ruhe zu kommen, ablenken. Und doch bin ich immer wieder erstaunt darüber, wie die Atmosphäre sich schlagartig verändern kann, wenn die letzten Herbstferien zuende gehen: Dieses Runterschalten von Volldampf in der Sommersaison über halbe Kraft im goldenen Oktober auf gaaaaanz langsam ab November finde ich faszinierend.

Plötzlich haben Läden und Cafés geschlossen. „Wir machen Ferien“ liest man dann auf den Schildern in vielen Eingangstüren. Und ja, du meine Güte, sie haben es sich verdient, die vielen guten Geister, die auf den Inseln die Saison durch arbeiten, mit langen Arbeitszeiten und nur wenigen freien Tagen.

Überbleibsel einer langen Saison: die Fundsachen des Sommers.

Die wenigen Touristen, die unbeirrt und warm eingepackt dem Wind und den Regenschauern trotzen, finden alle noch ihren Platz zum Kaffee trinken, und sobald die Sonne scheint, drängen sie sich auf den Sitzplätzen im Freien zusammen. Ich auch, wenngleich ich es eigentlich fragwürdig finde, wenn die kühle Herbstluft durch Heizpilze aufgewärmt wird. Zum Glück begegnete mir das in diesem Jahr selten, eher lagen Decken aus – leicht klamm von der Feuchtigkeit, aber ein guter Schutz gegen den Wind.

Mal wieder ein Kugelexperiment: In diesem Café hatte man trotz dicker Wolkendecke einen wunderbaren Blick auf die Brandung – wenn man es denn draußen aushielt.

Natürlich haben nicht alle frei – für eine fängt jetzt die Hauptkampfzeit auf der Insel erst an. Es wird renoviert und mit Hochdruck geputzt: Die Gebäude auf der Promenade werden mit viel Wasser und hohem Druck vom Grünspan befreit, Mauern werden geschrubbt. Plötzlich sitzen neben mir im Café rotgefrorene Männer in Arbeitsanzügen, die zur Firma „Die Abdichter“ gehören und von der Cafébesitzerin mit einem Pott Kaffee versorgt werden. Ja, man darf kein Weichei sein, wenn man bei diesem kalten Wind da draußen arbeitet.

Novemberstrand auf Borkum, fast menschenleer

Der Strand gehört jetzt den Spaziergängern und Drachensteigenlassern. Was in der Hauptsaison am Hauptstrand streng verboten ist, macht jetzt bei ordentlich Wind so richtig viel Spaß – wenngleich ich auch eine Mutter mit etwa 16-jährigem Sohn beobachtet habe, die es selbst bei Windstärke 6 nicht geschafft haben, ihren Drachen zum Fliegen zu bringen. Der lautstarke Streit der beiden erheiterte die anderen Strandwanderer, denn so wenig fliegerischer Grundverstand verteilt auf zwei Leute ist schon selten.

Die dicke Dame in den Dünen

Schon besser: die dicke Dame rastete des öfteren warm eingepackt irgendwo am Dünenrand. Hier blühte noch einiges

Und auch die Hunde erobern den Strand, glückliche Vierbeiner, die herumrennen, buddeln, Bälle durch den Sand treiben (besonders tat sich dabei ein winziger, niesender Dackel hervor, der anscheinend ständig Sand in seiner eifrigen Nase hatte) und, wenn sie es dürfen, in die Wellen springen. Selten habe ich so viele schöne, zufriedene Hunde gesehen, die einander friedlich begegneten und Spaß daran hatten, so richtig drauflos zu rennen. Und zum ersten Mal sah ich einen Windhund in vollem Galopp – was der rennen konnte! Frauchen guckte übrigens genauso ungläubig wie ich, Luna dachte nämlich gar nicht daran, auf ihren Ruf hin zurückzukommen, die wollte sich austoben und hörte erst damit auf, als ihr die Zunge weit aus dem Hals hing. Frauchen auch, aber die gab viel schneller auf.

Neuer Leuchtturm Borkum – seit meiner Kindheit eines meiner Lieblingsmotive

Was mich in der Nachsaison zunächst immer erschreckt, dann aber erleichtert, sind die wenigen Veranstaltungen, die angeboten werden. Zuerst denke ich „Was soll ich denn nur die ganze Zeit machen?“, doch dann finde ich es toll, nichts oder nur wenig verpassen zu können. Gut, ich könnte mal ins Kino gehen, muss ich aber nicht. Ich könnte auch mal ein Fahrrad mieten und ins Ostland radeln, muss ich aber auch nicht. Ich kann gemütlich herumschlendern, von einem Tee zum nächsten, ohne dass mir etwas Weltbewegendes durch die Lappen ginge. Ich werde entschleunigt, ohne mich dafür anstrengen zu müssen. Und das ist für mich der große Vorteil der Nachsaison: Sie hilft mir, mich auf das zu konzentrieren, was ich eigentlich möchte.

Auch im Herbst geht die Sonne manchmal dramatisch unter

Schön ausgedrückt: aufstuken und jappen

Vor kurzem habe ich mir überlegt, dass ich in diese Kategorie der schönen Ausdrücke auch gerne einige dialektale Begriffe aus meiner Kindheit aufnehmen möchte. Meine Eltern sprachen ja Plattdeutsch und unsere Alltagssprache war mit derartigen Ausdrücken durchzogenes Hochdeutsch. Inzwischen muss ich immer lächeln, wenn sich so etwas bei mir einschleicht und meine Gesprächspartner mich verständnislos angucken, aber man kann halt nicht aus seiner Haut. Und ein paar Mal im Jahr treffe ich alte Freundinnen, die genauso sprechen wie ich – das ist schön.

Ich musste allerdings gleich bei diesem ersten Begriffspaar feststellen, dass es mit der Erklärung dieser Wörter deutlich schwieriger ist, als ich es gewohnt bin. Denn der gelbe Duden, sonst mein Freund in Sachen Begriffsklärung, ist ziemlich ratlos, was Plattdeutsch angeht. Ich habe also auch die Wörterbücher befragt, die Mundartliches anbieten, und wurde fündig, wenn auch nicht so leicht und eindeutig, wie ich mir das erhofft hatte.

Diese beiden Begriffe fielen mir in der netten Runde der alten Freundinnen zu. Es ging – wie bei Frauen häufig – um Mode und um eine wenig vorteilhafte Figur zum Kleider kaufen, denn: „Vorne jappt dat und hinten stukt dat auf!“

jappendes HemdDas Jappen ist noch einfach, direkt übersetzt heißt das so viel wie japsen, mit offenem Mund nach Luft schnappen oder auch gähnen. Das Wort wird verwendet, wenn Hemden, Blusen oder Jacken so stramm sitzen, dass sie spannen und an der Knopfleiste auseinanderklaffen – also nach Luft schnappen. Mein Schwager führt das zur Illustration einmal mit seinem Lieblingshemd vor:

Aufstuken findet zumeist – aber nicht immer – auf der anderen Seite des Körpers statt. Dann sind die Kleidungsstücke zu eng, um über das ausladende Hinterteil zu rutschen, stoßen dort auf und stauchen sich zusammen. Es kann aber auch ein Kragen auf der zu großen Brust aufstuken oder zu enge Hosenbeine auf den Stiefeln. Stuken heißt stauchen, zusammendrücken, in anderen Zusammenhängen aber auch stoßen. Und der Begriff Aufstuken ist eine eigenartige Zusammensetzung aus Hoch- und Plattdeutsch, denn eigentlich müsste es Upstuken heißen. Leider habe ich kein Bild, um das Aufstuken zu illustrieren, denke aber, dass die Vorstellungskraft meiner Leser dafür ausreicht.

Hüttenhommage

HütteViele Jahre lang stand sie im Garten bei meiner Schwester und meinem Schwager: Eine kleine Blockhütte mit Veranda, die die beiden einmal gebraucht übernommen hatten. Mein Schwager bezeichnete das kleine Holzhaus gerne als sein Wohnzimmer und genoss es, in ihm seine Lieblingsmusik zu hören. Hier wurden Feste gefeiert und der Dartclub traf sich monatlich, um auf die aus Platzgründen nicht ganz vorschriftsmäßig aufgehängte Scheibe zu werfen. Manchmal wurde auch Karten gespielt und natürlich so manche Flasche geleert.

Nach intensivem Dauergebrauch abgenutzt und in die Jahre gekommen, wurde die alte Hütte auch noch zunehmend zu einem Sicherheitsrisiko: Das Dach schlug von oben gesehen Wellen, die Veranda war morsch, der Boden schwankte bei jedem Schritt wenig vertrauenserweckend. Eine Sanierung lohnte sich nicht und so entschied man sich schweren Herzens für den Abriss. Von der Partyhütte, gemütlich eingerichtet und angefüllt mit allerlei Krims und Krams, blieb nur noch ein Gerippe, dass den Blick auf die Landschaft freigab.

Und auch dieses musste bald weichen, inzwischen liegt die Hütte wie bäuchlings platt in der Wiese. „Die arme Hütte“, sagte meine Schwester mit wehmütigem Blick aus dem ersten Stock des Wohnhauses auf die armseligen Reste des Gartenhauses.

Was bleibt, sind die Erinnerungen an rund ein Vierteljahrhundert Hüttenerlebnisse – also an viele schöne Stunden, Spiele, Musik und tiefschürfende Gespräche. Irgendwann wird die alte Hütte einen neuen, sicherlich würdigen Nachfolger finden – die Planungen laufen und ich bin gespannt.

Lübecker Skyline

Auch unser Trip von Timmendorf nach Lübeck war schön: Wieder brachte uns der Ostsee-Bus günstig ans Ziel. Wir stiegen direkt am Holsten-Tor aus. Ich muss ja gestehen, dass ich mir das Tor viel größer vorgestellt hatte.

In der Nähe des Holstentores gab es eine Touristeninformation, wo wir uns nach einer Stadtrundfahrt erkundigt haben. Leider ohne Erfolg, so früh im Jahr finden nicht an jedem Tag Rundfahrten statt. Und so plietsch, uns auf die Rundfahrten per Boot hinzuweisen, war die junge Dame an der Info leider nicht. Daher war es gut, dass meine Schwester aufgepasst hatte: Ihr war aus dem Busfenster eine kleine Anlegestelle aufgefallen, an der man eine einstündige Bootstour rund um die Lübecker Altstadt herum buchen konnte.

Dass diese Altstadt eine Insel ist, war mir bislang nicht bekannt, ich fand diese Tatsache aber interessant und habe die kleine Tour mit dem Ausflugsdampfer sehr genossen. Mit Jacke und Mütze konnte man es recht gut draußen aushalten und sich die Finger an einer Tasse heißen Milchkaffee wärmen.

Altstadt LübeckNach der Bootstour gingen wir zu Fuß weiter, meine Schwester hatte irgendwo einen kleinen Innenstadtplan organisiert. Beide sind wir nicht so gestrickt, dass wir von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit laufen, wir ließen uns einfach treiben und fanden reichlich altes Gemäuer. Museen und ähnliche „Innenaktivitäten“ ließen wir größtenteils links liegen, denn das Wetter war gut genug zum entspannten Bummeln draußen. Allerdings besuchten wir das Marzipankontor (inclusive Kaffee und Torte) sowie einen großen Marzipan-Laden, in dem wir allerdings nur guckten und nichts kauften.

Außerdem fanden und besichtigten wir den Dom, in dem wir ganz umsonst in den Genuss eines Orgelkonzertes kamen: Ein wirklich guter Organist übte, obwohl er das offensichtlich nicht nötig hatte, und wir nahmen uns die Zeit, ein wenig zuzuhören. Der Dom wollte sich von mir allerdings nicht so recht fotografieren lassen – Baustellen und Autos verstellten mir die Frontalansicht, so dass es nur ein seitliches Foto gab.

Weitaus freundlicher zeigte sich da gleich in der Nähe des Doms das „Schloss Rantzau“, ein inzwischen als Verwaltungsgebäude genutzter Bau, der durch die schöne Restaurierung auffällt. Die Fassade des alten Hauses wirkt fast wie neu.

Beeindruckend fand ich auch das schwarze Rathaus am alten Markt. Auf dem Marktplatz fand tatsächlich gerade ein kleiner Wochenmarkt statt und es roch überall gut – nach frischem Obst, frischem Fisch und der leckeren Kalorienbombe Langosch, die wir trotz des Geruchs links liegen ließen – unsere Mägen kämpften noch mit der Marzipatorte.

Unser Abendessen besorgten wir uns in Lübeck in der „Schiffergesellschaft“. Diese historische Lokalität ist beeindruckend, man speist in uralter Kulisse unter Schiffsmodellen und echten Kerzenleuchtern. Inwieweit dieses Ambiente „echt“ ist, kann ich nicht sagen, aber der ganze maritime Klimbim passt gut in das alte Gebäude, und wenn ich dem Bericht auf Wikipedia trauen kann, sah das Innere der Schiffergesellschaft um 1900 schon fast genau so aus. Auf jeden Fall aßen wir sehr gut, so dass wir frisch gestärkt in unseren Bus steigen und nach Timmendorf zurückbummeln konnten.

Freikörperkultur

Mit Blick auf meine Urlaubsberichterstattung muss ich mich mal wieder als Spießer outen, denn im Ostseeurlaub fiel mir mal wieder auf, dass ich mich gerne bedeckt halte: Ich bin keine Freundin der Freikörperkultur.

Unser Hotel hatte einen direkten Zugang zur Ostseetherme. Man war gehalten, gleich im Bademantel in die Therme zu schlappen, denn man kam im „textilfreien Bereich“ der Sauna an, wo man im Bademantel noch geduldet wurde, in Jeans und Pulli aber sicherlich unangenehm aufgefallen wäre. Dort im Saunabereich haben mir die Nackten nichts ausgemacht, auch wenn ich selber keine begeisterte Saunagängerin bin. Mir ist es dort zu warm und allein die Idee, sich nackend mit fremden Menschen zusammenzuhocken, allein mit dem Zweck, tüchtig zu schwitzen, finde ich skurril bis unappetitlich. Aber gut, so unterschiedlich sind die Leute, viele Menschen lieben das und das ist für mich völlig in Ordnung.

Merkwürdiger fand ich da den Außenbereich der Ostseethermen-Sauna, der einen Zugang über die Promenade an den Strand und von dort in die Ostsee hatte. Es war einfach komisch, im Frühstücksraum des Hotels gemütlich am Fenster zu sitzen und ein Ei zu abzupellen, derweil der morgendlich-träge Blick auf einem rosa saunierten Opi hängenblieb, der gerade freudig-flitzendüber den Strand rannte, um sich in der Ostsee abzukühlen. Auch die Begegnung beim abendlichen Spaziergang, Schwesterlein und ich in dicker Jacke, Mütze und Schal, das Paar uns gegenüber auf der Promenade mit ohne alles, war schon irgendwie bemerkenswert. Immerhin rannten die beiden nicht.

Überhaupt scheint meine Abneigung gegen die Freikörperkultur weniger mit der Nacktheit an sich zu tun zu haben als vielmehr mit Nacktheit in Bewegung. „Schamgeschlacker im Abendrot“, so beschrieb der wunderbare Pankfurt-Autor Robert Maier kürzlich seine Eindrücke während eines Kanaren-Urlaubs. Damit traf er genau die Bilder in meinem Kopf. Rennende Nacke sind viel schlimmer als friedlich sitzende. Finde ich jedenfalls … aber ich bin ja auch spießig 🙂

Auch die dicke Dame hält sich gerne bedeckt – gerade in Zeiten des langen Schattens

Travemünder Ansichten

Bei mildem Frühlingswetter machten meine Schwester und ich einen Ausflug von Timmendorf nach Travemünde. Da mir der Name dieses Ortes schon immer ein Befriff ist, hatte ich irgendwie mit einem größeren Städtchen gerechnet. Inzwischen weiß ich, dass Travemünde eigentlich nur ein Stadtteil von Lübeck ist und rund 14.000 Einwohner hat – weniger als mein Heimatort.

Schon allen die Fahrt mit dem Bus dorthin war ein Erlebnis, für einen Euro gab es jede Menge zu sehen. Viele schöne alte Häuser standen in riesigen, gepflegten Gärten. Das wäre ja nicht mein Fall, wenn ich so etwas zu pflegen hätte, aber anschauen mag ich so etwas ausgesprochen gerne.

In Travemünde flanierten wir vom Strand(bus)bahnhof zur Promenade und liefen weiter in Richtung Ort. Unterwegs kehrten wir ein – in ein Lokal, das eine tolle Aussicht auf das Wasser bot und in dem man uns einen unglaublich grauslichen Kaffee servierte. Wenn wir später darüber sprachen, hieß dieser Ort nur noch „Gaststätte zum gräsigen Kaffee“.

Ganz in der Nähe gab es allerdings etwas Schönes: einen Spielplatz, komplett mit Wrack und Schatzkisten. Dort hätte ich als Kind sicherlich auch gerne mal gespielt.

Besonders gut gefielen mir die vielen alten Häuser in der Travemünder Altstadt. Vor der Strandpromenade aus kam man eigentlich automatisch dort hin. Eines der ersten alten Häuser ist die „Alte Vogtei“ (1551), die einen dieser alten „Zackengiebel“ hat, die ich schon als Kind ungemein hübsch fand.

In der Travemünder Altstadt findet man viele kleine Häuser, die sehr liebevoll restauriert wurden. Einige sind so klein und schmal, wie ich es bislang nur aus niederländischen Städten kannte. Ich bin etwas im Zweifel, was den Wohnkomfort darin angeht, aber niedlich sind sie auf jeden Fall.

Ein bisschen blauer Himmel hätte meinen Fotos gut getan, doch die Sonne verließ uns leider direkt nach dem Cafébesuch (auch das wird an diesem fiesen Kaffee gelegen haben).  Trotzdem war es ein schöner, entspannter Ausflug, auf dem wir ganz zum Schluss noch etwas ganz Neues kennenlernten: Eine Ampel, an der uns beim Drücken eines Knopfes die nächsten Busverbindungen vorgelesen wurden. Ein Service für Blinde, der uns zunächst verwirrte, der bei den vielen Linien, die an unserer Haltestelle abfahren sollten, aber sicherlich sinnvoll war.

Ostseeurlaub bei Timmendorf

Gerade ist mir aufgefallen, dass ich euch noch gar nicht viele Fotos vom letzten Urlaub gezeigt habe – bislang nur das verregnete Haffkrug. Nun, wir hatten auch deutlich besseres Wetter. Wir wohnten auf der Grenze zwischen Scharbeutz und Timmendorf, direkt an der Ostseetherme. Hier ein paar Impressionen:

Nur wenige Schritte vom Hotel entfernt befand sich dieses Kunstobjekt, das Udo Lindenberg gewidmet ist. Ob der nun unbedingt so eine Art Denkmal braucht, weiß ich nicht so recht, aber die handwerkliche Arbeit und auch die Ähnlichkeit der „Laubsägearbeit“ mit dem Sänger gefiel mit gut. Auch ist die Platzierung sehr passend – wir guckten mal durch auf den Horizont.

Hier der Beweis, dass wir auch gutes Wetter hatten. Bis auf den einen schaurigen Tag kamen wir eigentlich sehr gut davon in Sachen Wetter, für Anfang März hatten wir schon viel Sonne und konnten ab und zu sogar draußen kaffeesieren.

Eines meiner Lieblingsmotive: ein Meer, ein noch winterlicher blauer Himmel und hohe Bäume. Ein dankbareres Motiv gibt es eigentlich kaum.

Diese Allee, ein Teil der Strandpromenade, sind wir immer wieder entlanggelaufen, wenn wir nach unserem Bummel durch das Städchen oder abends nach dem Essen in unser Hotel zurück wollten. Manchmal waren wir jedoch auch faul und nahmen den Bus – der günstige Fahrkartenpreis von einem Euro für Kurkartenbesitzer war da recht verlockend und faulheitsfördernd.

Und nun fällt mir auf, dass ich gar keine Aufnahmen von Timmendorf-City gemacht habe. Nun, das war auch eigentlich nicht so spannend. Interessanter war da das Sea Life, daswir an einem nebeligen Vormittag in aller Ruhe besuchten. Es war nicht besonders voll, so dass man sich durchaus mal vor ein Becken auf eine Bank setzen und ein wenig länger gucken konnte.

Besonders lange saßen wir vor dem Quallenbecken. Ich fand das geruhsame Auf- und Zuklappen der Quallen unglaublich beruhigend und schön. Trotzdem habe ich diese Geleehaufen nicht so gerne, wenn sie mir beim Baden an Nord- oder Ostsee begegnen, auch wenn die hiesigen Quallen zumeist völlig harmlos sind. Meine Quallenfotos waren zumindest ambitioniert, wenn auch nicht sehr gekonnt.

Ausflüge in die Metropolen Travemünde und Lübeck machten wir natürlich auch. Davon zeige ich in den nächsten Tagen ein paar Bilder.